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Die neue Welt · 1930-06-20 · Heft 144 (20.6.1930) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 144 (20.6.1930)
Date
1930-06-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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r Seife i Dffi NEUE WELT Nr. iU EXCELSIOR Inhaber RICHARD HiRZOQ I., Adlergaste 5 . Tel. R*23-4*90 Columbia- Modell 100 DAS BESTE su dem bfftlgtUn Preis« 8138.- Größe 32 X 21«/, cm Höhe 14 om Neue verbesserte Columbia-Dose 15 b Er Luke kehrt nicht nach Palästina zurück. - geht nach Malta. London, 16. Juni. Der Chef-Sekretär der Palästina-Regierung Ii. C. Luke, der im August vorigen Jahres den abwesenden High Commissioner Sir John Chancellor vertrat und während dessen Amtszeit die arabischen Angriffe auf den palästinensischen Jischuw erfolgten, wird, nicht auf seinen Posten in Jerusalem zurückkehren. Er ist zum stellvertretenden Gouverneur von Malta befördert worden. Zuletzt weilte Luke auf Urlaub in Europa und fungierte in der außerordentlichen Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes» als einer der Assistenten des Bevollmächtigten Großbritanniens Doktor Drunimond Shiels. * Die Nachricht, daß Luke Palästina, hoffentlich filr immer, verläßt, wird in der ganzen Judenschaft und besonders in Palästina, tiefe Befriedigung hervorrufen. Ihn trifft ein großer Teil der Schuld, daß in Palästina jüdisches und arabisches Blut in Strömen floß, denn er hat alles getan, um die Hetze gegen die Juden zu schüren, und nichts getan, um die Sicherheit im Lande zu wahren. Ihn trifft die ganze Schuld daran, daß die Untersuchungskommission belogen und betrogen wurde. Er war der böse, antizionistische und antisemitische Geist der Untersuchung. Er geht jetzt nach Malta. Auch ein unruhiges Land. Dort hat die römische Kirche die Bevölkerung gegen die auf Malta lebenden Engländer aufgehetzt. Hoffentlieh erfüllt Luke seine Pflicht gegenüber den Engländern, eine Pflicht, die er den Juden Palästinas gegenüber verraten hat. Friedmann's Glück ist kolossal! Bei der kürzlich stattgehabten Ziehung der Oesterr. Klassehlotferie entfiel der I. Haupttreffer von S 60.000 auf die Nummer 30.237, welche von vier glücklichen Kun* den der Geschäftsstelle LuoSvig Friedmann, Wien, I., Salz« gries 12, gewonnen wurden. E. Eine Erpressung. Der rumänische Gesandte in Washington droht den Juden. — Sie sollen schweigend Pogrome erdulden. — Die Antwort amerikanischer Juden. Die fortgesetzte Judenhetze in Rumänien hat im Weltjudentum Erregung hervorgerufen. Insbesondere in Amerika. Der rumänischen Regierung ist aber diese jüdi« sehe Bewegung im Auslande sehr unangenehm. Sie schadet ihrem Kredit und Ansehen. Statt den natürlichen Weg ein» zuschlagen und durch behördliche Maßnahmen ihren Pogromhelden das Handwerk zu legen, will sie durch Drohungen die ausländische Judenschaft zum Schwei« gen bringen. Ihr Juden im Auslahde schweigt, sonst wer* den es die rumänischen Juden büßen müssen! Einen ganz, unverschämten und plumpen Versuch in dieser Richtung hat die rumänische Gesandtschaft in .Washington unternommen. * ' * - Washington, 15. Juni. Der . Charge ,:. d'Affaires , der rumänischen Legation in Washington, F. C. Nano, sandte dem Direktor der Exekutive des American Jewish Congress, Bernard G. R i c h a r d s, ein Schreiben, in welchem eine Warnung an die j ü d i* sehen Führer in den Vereinigten Staaten vor der Fortführung der „antirum.äni,sc,hen Kampagne" in Verbindung mit den antijüdischen Exzess e n in Rumänien ausgesprochen wird. In dem Schreiben wird gesagt, eine Fortführung'dieser Kampagne würde die Lage der Juden in Rumänien nicht verbessern, sondern verschlimmern. In dem vom American Jewish Con* gress der Jüdischen Telegraphen*Agentur zur Verbreitung in der Presse übergebenen Schreiben heißt es: Die Juden haben durch eine antirumänische Agita* tion ebensowenig zu gewinnen . wie /Rumänien fc selbs]t. Erstens befassen sich fast a II e J u d e n...in. ^Rumänien mit Handel und G e 1 d w e s es n und sind , Äeshäib die ersten Opfer eineV wirtschaftlichen - DepreWibn*;Y"*n.ti* rumänische; Agitation erschwert aber Rumäniens Wieder* genesung von der Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit; zweitens verleiht, die antirumänische Agitation im Ausland dem Argument der antisemitischen Gruppen in Rumä« niön, daß die Juden im Grunde ihres Herzens Rumä« nien feindlich gegenüberstehen und deshalb-terrorisiert werden sollen, bis zumindest eine große Zahl von ihnen das Land verläßt, Gewicht* " Niemand ÜdrF die Ä'ufrichltigkbit'' der; rümänis'chen' - Regierung in Zweifel ziehen ' (?), die ihre feste Ent* schlossenheit bekündet, die für diev Exzesse Verantwort* liehen zu bestrafen und weitere Exzesse mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu verhindern. Aber solche Mittel sind in Rumänien ebenso beschränkt wie anderswo. In gewissen Teilen Rumäniens, so in der Bu k o« w i n a, der Moldau, ß e s s a r a b i e n, Marmarosch und in einem gewissen Maße auch in Bukarest — heißt es in dem Schreiben weiter — haben die Juden f a k« tisch ein Monopol im Handel und Finanz« wesen i n n e. Infolge der hohen Preise für Industrie* Glühen wirst Du wie die Sohne, Sprühen wirst Du schier vor Wonne, Neues Blühen früh und spat: Nimm HubersEssig zum Salatl E. artikel einerseits und der niedrigen Arbeiterlöhne und landwirtschaftlichen Profite sowie Iländwerkcreinkommen andererseits glaubt ein Teil der Bevölkerung, der die Gesetze der politischen Oekonomie nicht versteht, daß die Lieberteuerung der" von ihnen benötigten Waren auf Wucher seitens der jüdischen Händler zu« rückzuführen ist. Andererseits ziehen die e i n« fraglicheren freien Berufe eine verhältnismäßig große Zahl von Juden an, die als Stadtbewohner in diesen Berufen der ländlichen Bevölkerung überlegen sind. In den Jahren unmittelbar nach dem Kriege, als infoige der Inflation der Handel blühte, stellten die Juden einen sehr höhen Prosentsatz des Studentenkörpers und viele christliche Stu« denten konnten in die Universitäten nicht aufge« nommen werden. Selbst wenn sich jetzt die Verhältnisse geändert haben, ist das a n t i j ü d i s c h e Gefühl geblieben. Schließlich ist bekannt, daß in kritischen Zeiten nach einem Sündenbock gesucht wird; unglücklicherweise fae» finden sich unter einer großen Zahl von Völkern die Juden in dieser wenig beneidenswerten Position. Auch für eine von den besten Absichten beseelte Regierung ist es schwierig, dem Gesetz Geltung zu ver* schaffen, wenn sich eine genügend starke Zahl Menschen ihm widersetzt und eine noch größere Zahl sich lauwarm verhält. Man kann mit Sicherheit annehmen, daß die Mehrzahl der Exzesse nur wegen des Mangels an Zeugen zur Identifizierung der Schuldigen ungesühnt bleibt. Auch entgehen viele Polizei* und andere Beamte infolge der stillschweigenden Billigung seitens einiger ihrer Vorgesetzten der disziplinarischen Bestrafung. Unter solchen Umständen ist es unfair, die Regierung als ganze zu tadeln. Es ist eine fehlerhafte Politik seitens der Juden, wenn sie im Auslande eine antirumänische Kam« pagne einleiten. Eine solche Kampagne könnte vom Standpunkt des jüdischen Interesses nur dann gerecht« fertigt sein, wenn 1. die angeblichen (?) Erzählungen von antisemitischen Exzessen wahr sind, 2. es be« wiesen ist, daß die Regierung nicht aufrichtig ist in ihrem Gelöbnis, solche Unruhen zu verhüten, obwohl sie die Macht dazu hat, und wenn bewiesen ist, daß sie aus Furcht vor der antirümänischen Agitation sich zur Ver« hütung gezwungen sehen könnte, 3. wenn die Wirtschaft« liehe Position Rumäniens in einem so blühenden Zustande wäre, daß sie durch eine solche Kampagne nicht be» troffen " werden könnte und somit auch die Juden dar« unter nicht leiden würden. Da nun diese drei Bedin* gurigen nicht gegeben sind, glaube ich, daß die jüdischen Führer, besonders in einem so mächtigen Finanzmarkt Wie Amerika, gegen die antirumänische Kampagne aütV' treten sollten. Selbst wenn alle Berichte über antijüdische Exzesse 1 wahr sein sollten, wäre es unter den jetzigen Ver* hältnissen im höchsten Interesse der Juden selbst ge« legen, die zweifellos bedauerlichen Fälle, in denen einige Juden mißhandelt oder einige jüdische Läden geplündert wurden, zu ignorieren, um der großen Mehrheit der Juden die Möglichkeit zu sichern, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, anstatt etwas zu tun, das geeignet ist, das Elend der großen Masse der Juden zu verewigen, von dem die jüdischen Wohl* fahrtsorgansationen berichten. Zum Schluß erklärt Herr Nano, daß eine Rück* kehr zu normalen wirtschaftlichen Verhältnissen die Lö* sung bringen wird; dies werde um so eher geschehen, als giosität und besonnenes Festhaltenan den UeberHefe* rungen der spanischen Glanzzeit vorteilhaft hervorsticht und alle anderen sephardischen Gemeinden überstrahlt. Seitdem Italien die zwölf Inseln der Aegäis im Jahre 1911 unter seine Herrschaft brachte, blüht Rhodos kulturell und wirtschaftlich wieder auf und den Juden dort geht es in jeder Hinsicht gut. Unter dem wirksamen Schutz des Gouverneurs der Insel, Senator Mario Lago, hat eine kleine Gruppe angesehener rhodesischer Juden mit dem hochgestellten italienischen Staatsbeamten Vita* Iis S.trumza an der Spitze, im Herbst 1027 die Grün* dung eines Rabbinerseminars in Angriff ge« nommen. Der Ort konnte nicht glücklicher gewählt werden. In herrlicher Lage mitten im Ostbecken des Mittel* meeres, zwischen Anatolien, Syrien, Palästina, Aegypten, Griechenland und den Balkanstaaten, dabei aber als Insel isoliert, bildet Rhodos geographisch eine Zentralstelle für alle in Europa, Vorderasien und Nordafrika lebenden sephardischen Juden, Unter der in religiösem Belang wirklich toleranten Herrschaft eines großen, hoch* kultivierten Staats wie Italien und vermöge der gesetzes* treuen sephardisch*jüdischen Gesinnung der dort an« sässigen Judenhcit erscheint diese Insel wie dazu aus« ersehen, ein Kulturzentrum erster Ordnung für das ge* samte Sephardentum zu bilden. Aber abgesehen von diesen mehr idealen Vorbedingungen fehlte den mutigen Initiatoren nahezu alles, was dazu gehört, um eine solche Anstalt ins Leben zu rufen, sie zu erhalten und. fort» schreitend auszugestalten. Es fehlte ihnen nicht nur an materiellen Mitteln, sondern auch an Kompetenz. Alles war neu. zu schaffen: Lokal, Möblicrung, Lehrmittel, Lehrkräfte, Programm und Schülerkontingent. Das kleine Organisationskomitee setzte sich mit allen sephar« di s c h # jüd Ks c h c nt. Zentren in Verbindung - und propagierte die einmal lancierte Idee nach allen' Rieh* tungen mit der Kraft und Zähigkeit der Ueberzeugung. Nebst Zweifeln und Bedenken aller Art fanden die mutigen Initiatoren auch begeisterte Anerkennung, mora* lische und materielle Unterstützung. Die italienischen Gemeinden, die Bene*Berith«Logen, die Gemeinden Kairo, Alexandrien, Konstantinopel, Saloniki, Smyrna, Sofia u. a. m.( verschiedene Wohltätigkeitsvercine und angesehene Persönlichkeiten in Italien ühcl im Orient sicherten dem Seminar ihre materielle und moralische Förderung zu. Am 1. Jänner 1928 wurde im jüdischen Stadtviertel der Haupt* Stadt Rhodos der erste Jahrgang der sephardischen Rab* binatsschule feierlich eröffnet. Durch Stiftung von Unterstützungsbörsen wurde das erste Schülerkontingent, bestehend aus zwölf mit den nötigen Vorkenntnissen ausgestatteten Jüngern nach Rhö* dos überführt und in der Anstalt installiert. Die pro* visorische Leitung übernahm der dortige Schuldirektor Dr. Aldo L a 11 e s. Nicht lange danach wurde der ehe* malige Rabbiner von Görz, Dr. Isidor Kahan, ein aus ungarischen Jeschiboth hervorgegangener Talmudist, zum definitiven Direktor des neuen Seminars ernannt. Vom Lehrkollegium sind noch zu erwähnen: Rabbi M az* 1 i a h aus Rhodos nebst Dr. Kahan für Talmud; Jacob C a b u 1 i und Gabriel M i h a e 1 o f für hebräische Sprache und Literatur; Professor G i n o da Fano für Mathe« matik und Physik, Advokat Ugo Ayo für italienische Geschichte und Literatur; Dr. Drago für Latein und all* gemeine. Geschichte; Breschiani für Naturwissenschaften, Menach£ für italienische Sprache, M e h m e d C a d r i für türkische Sprache (fakultativ) u. a. m. An Stelle des pro* visorischen Örganisationskomitees wurde ein ständjges Komitee gewählt, dem Herr Vitalis Strumza wieder vorsteht. Herr. Yakir B e h a r, ehem. Großsekretär der Großloge Bene*Bcrith des Orients, hat diesen Winter eine alle größeren sephardischen Zentren umfassende Rundreise unternommen, um für das Seminar von Rhodos Freunde und Förderer anzuwerben. Von bestinformierter Stelle wird zugestanden, daß die italienische Regierung das Projekt der Initiatoren vom ersten Moment an mit wohlwollendem Interesse aufgenommen und seine Verwirklichung in jeder Hinsicht gefördert hat. Der geschickte und groß« zügige Realpolitiker Mussolini hat die Bedeutung und den hohen Wert der sephardischen Judenheit für die wirtschaftliche und kommerzielle Eroberung des Orients richtig erkannt, und eine Rabbinatsschule unter der A e g i d e Italiens ist ein wichtiger Baustein mehr in der großartigen Konzeption seiner Wirtschaft* liehen Expansionspolitik im nahen Osten. Uns Juden kann es nür recht sein, wenn Italien sich für unsere kulturelle und religiöse Renaissance interessiert und uns dabei seine mächtige Unterstützung zuteil werden läßt. In der Förde« rung durch eine Großmacht wie Italien darf man die sicherste Gewähr erblicken, daß die neue sephardische Rabbinerschule auf Rhodos zum Segen der sephardischen Judenheit blühen und gedeihen wird. Das jüdische Heiligtum von Aleppo. Schon vor dem Krieg haben Orientreisende die in Nordsyrien gelegene Stadt Aleppo «um Ziele ihrer Studienreisen gemacht und manchen wertvollen Auf-

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