Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 143 (13.6.1930)
- Date
- 1930-06-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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' SeHe 6 DIE NEUE WELT Nr. W Das Schächtverbot, Di« tiitirinÄische Regierung Ht SchAlfrtetbdi Weimar, 1 Jutii. Da*' thüringische gtaatsmiriiate» rium hat heiiti einem 0esct2ertt\fdff irf Tiefschutz zu* gestimmt, def das Schächten phrt%, v^ftnjftgpngefte Bettubung Wer Verbot steift. "V^le dl, Rtlfll^iW'WrÄe* schltiß nicht einmütig gefaßt worden. fot* R«gf4runglv&N läge wird in diesen Tagen dein L«ndtajf)lugehii*' Uebir die Behandlung des natlönalsözialtatiichfn Antfages :m Landtag?st mitzuteilen} D6t;Nation*tiö*ia» list Ludwig begründete de» Antrag seiner Partei, Iii» dem er ausführte, die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Schächtverbotes werden nicht so schwerwiegend sein, wie sie der F I e 5 . c n e r v e* r b a n d Thüringens geschil* dert »- t In Thüringen kommen auf 10Ö0 Einwohner nur 2,2 Juden. Thüringen muß auf diesem Gebiete vorbildlich vorangehen. Der Kommunist Höilman führte aus, wenn die Nationalsozialisten nur gegen die Tierquälerei vorgehen wollen, V...n müssen sie auch gegen die Treibjagden Stellung nehmen. Aber der Kern der Sache ist njeht diktiert von irgend welchen edlen oder sittlichen Motiven, sondern von politischen: dem Bedürfnis nach Agitationsstoff. Wir werden diesen Entwurf kennzeichnen als eine neue politische Un# ehrllchkeit. Der Sozialdemokrat Dr. Kiess er» innerte daran, daß Prof. Dyroff in der Angelegenheit des bayrischen Schächtverbotes ein Gutachten erstattet hat, das für die Angelegenheit die Reichszuständigkeit als ge# geben ansieht. Das Gutachten des Reichsgesundheitsamtes widerlegt die Gutachten einiger gut* oder bösgläu« biger Tierärzte, daß das Schächten eine Tierquälerei ist. Bei der katastrophalen Lage der thüringischen Wirtschaft sind wir daran interessiert, dafl auch die geringste Chance für Beschaffung von Verdienst- und Arbeitsmöglichkeiten wahrgenommen wird. Die Nationalsozialisten nehmen aus parteipolitischen Gründen Tausenden von armen Leuten die Möglichkeit zum Erwerb, Thüringen hängt in starkem Maße vom Fremdenverkehr ab. Den Nationalsozialisten kommt es nur an auf neues Material für eine Judenhetze übelster Art. Der National» soziallst S a u c k e 1 sagte, er möchte festnageln, warum die Linken und auch das Reichsministerium gegen ein Schäehtverbot eingestellt sind: weil das amerika» nische Judentum gewinkt hat, daß, falls man in Deutschland Verbote einführen wird, die Anleihen für Deutschland spär» Ucherfiießen werden. Wenn Sie drohen, daß die Juden Thüringen meiden werden, dann schadet das nichts, die Juden sollen draußen bleiben, wir brau* chen sie nicht, (Widerspruch links, Bravorufe bei den Nationalsozialisten.) Der Sozialist Frölich erklärte: Es muß festgenagelt werden, daß der Nationalsozialist unter stillschweigender Pul Jung der Wirtschaftspolizei erkjären konnte, daß es wünschenswert sei, wenn in die thürin* gischen Kurorte und Bäder keine Juden'mehr konv men. Im Jahre 1924 hat der Thüringer Bäderverbapd eine schärfe Protestaktion durchgeführt, weil unter der damaligen Aegide 1 -^ri im Landtag eine gleiche Schä* digung des Fremdenverkehrs herbeigeführt wurde, Kraqs'e (Wirtschaftspartei): Wir können ins hWte nicht festlegen Nach unserer,'bisherigen .Einstellung 'cön* nen wir mit. der Schlachtung ohne vorherige Betäubung nicht einver et a n d e n s e i n, £>er Demokrat Kai» 1 e n b a c.h erklärte: Dem Schächtverbot eines Landes steht vor, .allem die. Bundesratsvcrprdnung entgegen, und sonach hat Thüringen . keine Möglichkeit, , ejn solches Gesetz zu erlassen. Die Erklärungen Sauckels sind mehr als bedenklich und es ist notwendig, daß selbst die Re* gierung dagegen Stellung1 nimmt. —i Der Antrag der Natio* nalsozialisten wurde dem Gesetzgebungsausschuß über* wiesen. . , Präsident Masaryk über de» Heroismus der Jüdischen Arbeit in PalHstihn. Prag, 0. Juni. (J. T. A.) Der Präsident der tschechoslowakischen Republik, Professor Thomas M a s ar y k, empfing den Berliner jüdischen Journalisten Hermann Swet und unterhielt sich mit ihm etwn 40 Minuten über das Palästinawerk. Präsident Masaryk sprach in Worten hoher Anerkennung über den Idea- I i s m "i s der j U d i s c h c n A r b e i t in Palästina. .Die Bilder von arbeitenden jü'dischen Menschen auf Feldern uiid Chausseen, in Fabriken und W e r k s t a* 11 e n, die er während seines« Besuches in Palästina in sich aufgenommen hat, sind in ihm haften geblieben. Schon im Jahre 1880 hat Präsident Masaryk in den Straffen von Warschau zum ersten Male jüdische Mwq» bej: schwerer physischer Arbeit, in schwerem Daseinskampfe, beobachtet, J^ie^er , Eindruck wurde 40 Jahre später bei seinem Besuche in SIEGM. KORNMEHL dROSSnaiSCHNAUBHII Zentrale iX„ Bergas» 19, Telephon 17-3-9V q. 16-9-34 L \ eieran i ittt Heilanstalten Abteilung«!! für «^■fleisch ■Ml üSSm unter Aufsieht des Ehrwürdigen Rabbinats der Ist. Kultusgemeinde Wien AutosMSteiiung kortenle» IX. B«rf *••»• 15 , XVIII., Wahrlitejftrstr. §7 ^nlviinmmmmiiinmiHmii Palästina aufgefrischt und verstärkt. Den zionistischen Bestrebungen, Palästina in ein Erez Israel umzuwandeln, steht Präsident Masaryk nicht ohne eine gewisse Skepsis gegenüber. Er glaubt, dafl eine engere territoriale Zusammenfassung des jüdischen Kolonisationsgebietes dringend not tut. Präsident Masaryk hat dieses Problem seinerzeit in Gesprächen mit Professor Weizmann erörtert. Präsident Masaryk verfolgt mit starkem Interesse die Entwicklung der jüdischen Aufbauarbeit in Palästina und Ist über die inner- und außenpolitischen Momente der zionistischen Sache sehr gut orientiert. Begnadigung der zum Tode verurteilten Araber. Die palästinensische Regierung hat offiziell mit» geteilt, daß von den 25 wegen Mord zum Tode vetur« teilten Arabern, die an den Mordtaten in Hebron und S a f e d teilgenommen haben, 22 begnadigt w u r* den. Die Todesstrafe ist In diesen Fällen in lebenslang* liehe Zuchthausstrafe umgewandelt worden. Der Jude Joseph Abraham Urphali, der seinerzeit durch das Gericht in Jaffa zum Tode verurteilt wurde, ist in der Liste der Begnadigten nicht enthalten, nachdem das von ihm eingelegte Revisionsverfahren noch nicht abgeschlos* sen ist. Bei den drei Fällen, in denen keine Begnadigung ausgesprochen wurde, handelt es sich um Araber, die vorsätzlichen Mord verübten. Per Eindruck der Aufhebung der Todesurteile in Palästina. Jerusalem, 9. Juni. (J. T. A.) Die arabische Exe* kuttve richtete an Sir John Chancellor den Appell, auch die Todesurteile gegen die nichtbe* gnadigten drei Araber nicht vollstrecken zu lassen. Sir John Chancellor wies diesen Appell zurück, stellte es aber der arabischen Delegation anheim, eine telegraphische Petition an den König von England zu senden. „El Jamea el Arabia" schreibt, die Be* gnadlgung der 23 Araber entschädigt die Araber nicht dafür, daß sie ihrer Unabhängigkeit beraubt worden sind. „Fa last in" erklärt, d i e Begnadigung sei wert* io§, weil sie nicht vollständig, sei,, «-.u Die hebräische Tageszeitung „Haarez" schreibt: „Mit der Begnadigung hat die Pala>tin**Regierung eine große Verantwortung auf sich genommen. Aus Gründen der Humanität haben wir nichts gegen die Begnadigiing, aber als Palästinenser; v/ollen y\t innerlich überzeugt sein, daß der Begnadigungsakt nicht ein Ausdruck' der Schwäche der Regierung oder ein Nachgeben dem poli* tischen Druck von Terroristen und Fogromisten;#st." Per politische Mitarbeiter des ^Pajestlne Bulletin" Schreibt: „Niemand mißgönnt der! Begnadigten, -wenn'sie aijch Mörder sind, das Glück, dem Galgen zu entgehen. Einige von ihnen sind gewiß nicht fpehr schuldig als jene Araber, die :jdurcb einen-gerichtlichen Freispruch d<t'r Strafe1 entgehen. Die- Regierung sollte die Anführer dif volle Strenge des Gesetzes fühlen lassen." Ukrainische Bauern wollen eine jüdische Kolonie niederbrennen, weil die jüdischen Kolonisten in den Kollektiven verbleiben. Moskau, 4. Juni. (J. T. A.) Ukrainische Bauern vor« suchten die N i e d e r b r e n n u n g d c r j ü d i s c h e n Kolonie Inguletz, Kreis Krivojrog; auch trieben sie ihf! Vieh zur Weide auf die jüdischen Felder, als Rache dafür, daß die jüdischen Kolonisten in dem geschaffenen ^Kellektivum verbleiben und auf diese Weise nach Mei* nung der ukrainischen Bauern die Sowjetbehörden ermuntern, die übrigen Kollektiven im Rayon Krivoj* rag bestehen zu lassen. Das Haus eines jüdischen Kolo* niften brannte bis auf den Grund nieder, außerdem kam es| zu Zusammenstößen zwischen ukrainischen Bauern und -*en angegriffenen jüdischen Kolonisten. Aus tu usch von deportierten Zionisten in Rußland gegen verhaftete Kommunisten in Palästina, . Moskau, 7, Juni. (J, % A.) Das Sowjet,Rote Kreuz hajt die Initiative ergriffen, um deportierte Zio»? nisten in Sowjetrußland gegen in Pa 1 äs t ins verhaM tete KammuniUten auszutauschen. Nach. Einholen dej Einverständnisses der Sowjetregierung wurde seitens! des Roten Kreuzes die Verbindung mit der Palästina« Riglefting iritllf^fi Ptiit jtden Köflrnnin&tien» den man aus palästinensischen Gefängnissen befreit, wird ein d e p o r t i e r t e r Zi öfii s t die Erlaubnis zur Aus wand« fUn r nach Palästina erhalten, wie Frau Peschkowa, die Frau von Maxim Gorki, die an der Spitze des Roten Kreuzes in Rußland steht, erklärt, wer« den auf Grund eines mit, der Palästtna*Regierung au tref« fend.n Abkommens deportierte Zionisten innerhalb dreier Tage Auslandspässe erhalten. Das Rote Kreuz wird ihnen die Reisespesen bis zum Odessaer Hafen vor* schießen. Jubilierender Rassenan tisemitismus. Es wäre für die Juden Oesterreichs und der Nachfolgestaaten von ungeheurem erzieherischen Wert gewesen, hätten sie sidi die Zeit genommen, den Fest- und Begrüßungsreden während der am letzten Sonntag vormittags im Großen Musikvereinssaal stattgefundenen Jubelfeier des fünfzigjährigen Bestandes des Deutschen Schulvereines „Südmark" mit Ernst und Aufmerksamkeit zu folgen, Allerdings als Gäste hätten sie nicht erscheinen können, da man ungebetene Gäste nicht gerne sieht. Aber der österreichische Rundfunksender der „Ravag** hat dafür gesorgt, daß in tadelloser Uebertragung sämtliche Reden zu Gehör der Abonnenten gelangten. Es dürften wenige Juden in Wien sein, die der „Ravag" nicht angeschlossen sind, und so hätten sie einmal ausnahmsweise Gelegen- Treffpunkt aller Zionisten IL Taborstr. 70 Monumentalst«! Kaffeehaus Wiens l heit gefunden, durch die „Ravag" eine Sendung zu hören, die für die Juden vom. rein jüdisdien Gesichtspunkt in hohem Maße erzieherisch und sehr aufschlußreich war. Die jüdische Generation kennt den Deutschen Schul verein und seine Tätigkeit nur daher, daß er nicht nur den Rassenhaß gegen alles, was nicht deutsch ist, verkündet und in ihre Jugend einbläut, sondern hauptsächlich daher, daß sie die Juden, als der deutschen Rassenzugehörigkeit unwürdig, gleichfalls als Ziel und Objekt des Hasses ,und der Verfolgung proklamiert. Gegen die mächtigen Vertreter nichtdeutscher Nationalitäten muß sich der im Deutschen Schulveiein vereinigte nationalistische Chauvinismus mit dem gesprochenen Haß und mit der in der Hosentasche geballten Faust begnügen, da er diesen Mächten gegenüber ohnmächtig geworden ist, und zufrieden sein muß, wenn eine seiner ungebärdigen Gesten nicht Hunderten von Volksgenossen wirtschaftliche Existenz oder gar das Leben kostet, Nur den Juden gegenüber, hinter denen keine der Großmächte steht, tobt sich der Rassenchauvinismus des Deutschen Schulvereins mit aller, barbarischen Rücksichtslosigkeit aus. Unsere jüngere Generation sieht das und trotzdem gibt es in ihr hoch ein, wenn auch immer mehr schwindendes, Häuflein von jungen Juden, das nicht um die Anerkennung seiner Rechte als J u d e n, sondern für die Erzwingung der Anerkennung seines Deutschtums sich eine Erniedrigung nach der anderen und zwischendurch auch blutige Köpfe holt. Man bat wenig Recht, dieser Jugend Vorwürfe zu machen. Sie haben den Werdegang des Deutschen Schulvereins, der eigentlich ein Stück österreichisch-jüdischer Geschichte ist, nicht selbst miterlebt und sind daher unfähig zu ermessen, wie lächerlich und unwürdig ihr Verhalten gerade in den Augen derer erscheint, um deren Gunst sie buhlen. Sie wurden in diese politische Irre durch ihre Alten Herren geführt und diese sind es, die sich niemals werden von dem \orwurf reinwaschen können, die Konsequenzen aus dem historischen Geschehen nicht gezogen und das politische Verbrechen an ihrem eigenen Volk noch dadurch unverzeihlicher gemacht zu haben, daß sie ihre Jugend nicht der historischeu Wahrheit entsprechend auf« klärt und ihr die Rolle des würdelosen Prügelknaben auch weiterhin aufbürdet. MIHI MIIMMIIIIIMIIII rrßlSß nacb ^rilislava 10, Gesellschaftsreise mit dem Salon- ^^p^^M^^ Jf^^kapeUe auf dem Schiff. Vormerkungen; jSjon, Sektion LeQjjQldstadt (Jugendverein „trez Israel'*), U., Zirkusgasse 33; Zionistische Bureaus, 1., Kärntnerstraße 2% TeV'm.i R-27-4-85 und R-27-4-86. Preis der Karte S £~ 10ü/n für den Reren Kajemeth p .............<.......IMimilMIIMMIIMHHIMIMIMIM