Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 143 (13.6.1930)
- Date
- 1930-06-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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IS. Nt. 143 DIE NEUE WELT Seite 9 Bad Gleichenberg— llr«H0 orthodox n^D PENSION viu* FRANZENSBURG iion roiio«lorl| ob 10. Juni «rofffictf Erstkl. Vollpension S 7.S0-S pro Tag mmmmmmmmmammmmm komit-wuchtir Heldenorden hat noch keinen einzigen Juden, der auf dem Felde der Ehre gefallen ist, und auch keinen einzigen überlebenden jüdischen Helden des Weltkrieges unter seine Mitglieder aufgenommen. Wollen Sie mir glauben, daß* es kein schrecklicheres Gefühl gibt, als sioh als Ungar zu fühlen und dabei sein Ungartuin in Zweifel gezogen zu sehen. Nach dem Bolschewismus hat schwere Erbitterung von der ungarischen Nation Besitz ergriffen, ein scharfer Grimm, der einen Prügelkntfcben gesucht hat. Wieder waren es, wie immer seit Jahrtausenden, d i e Juden, die daran glauben mußten. Aber werfen Sie einen Blick in das Buch des Abgeordneten Vary, in dem die Namen von 460 jüdischen Opfern des Bolschewismus aufgezählt sind! In meinem Besitz befinden sich zwei Hefte, in denen dem Namen nach alle angeführt sind, die für ihr tapferes Verhalten im Weltkriege höhere Auszeichnungen erhalten haben. Tel», kann feststellen, daß acht jüdische Offiziere den Leopold-Orden, die höchste Auszeichnung, die überhaupt existierte, erhalten haben, daß 84 jüdische Offiziere mit dem eisernen Krouenorden bedacht worden sind, der ebenfalls zu den höchsten Auszeichnungen gehörte, daß 17? Juden die Goldene Tapferkeitsmedai 11 e und 8 4 0 jüdische Soldaten die große. Silberne Tapfe rkeitsmedaille erhalten haben. Gibt es unter Ihnen, meine Herren Abgeordnetenkollegen, auch nur einen einzigen, der diese jüdischen Helden nicht für würdig halten würde, dem Heldenstuihl anzugehören? Hält es die Gesamtheit der ungarischen Nation für richtig, daß dieser Zustand auch weiterhin aufrechterhalten bleibt? In diesen Heften sind ferner 50 jüdische Familien dem Namen nach angeführt, die wenigstens fünf ihrer Söhne an die Front geschickt haben. Es gibt aber auch Familien, die acht oder zehn Söhne an der Front stehen hatten, und schließlich auch solche, die neun bis elf Söhne und Enkel an die Front geschickt haben. Es gibt. aber .auch 50 jüdische Familien, deren sämtliche Angehörige den Krieg in der vordersten Feuerlinie mitgemacht haben Vor einigen Wochen hat Reichspräsident von Hindenb u r g einen jüdischen. Restaurateur . der Ortschaft Szarujfalu namens Klemens Fröhlich für seine im Kriege erworbenen Verdienste mit dem Kreuz des Deutschen Verdienstordens ausgezeichnet. Der Text des Dokuments hat folgenden Wortlaut: „Der Reichspräsident Feldmarschall v. Hindenburg und Beneckendorf will durch diese Auszeichnung für jeden wahren Soldaten ein Beispiel statuieren." Fröhlich hat sich an mehreren Fronten ausgezeichnet und hat die höchsten Auszeichnungen erhalten. Hat dieser Feldwebel die Aufnahme in den Verband des Heldenkapitels nicht verdient? Jüdische Helden fordern weder Grund und Boden, noch Hausstellen, sie fordern überhaupt nichts, sie bitten nur, daß man sie nicht erniedrige, sie, die ihr Leben unzählige Male aufs Spiel gesetzt haben. Ein Wort des Herrn Reichsverwesers genügt, um diese Ungerechtigkeit auszumerzen. Wenn ein vom Reichspräsidenten Hindenburg ausgezeichneter Held in Ungarn seit zwölf Jahren darauf verzichten muß, daß die Verdienste gewürdigt werden, die er sich um sein Vaterland erworben hat, so gereicht dies der ungarischen Nation keineswegs zum Vorteil. Ich bitte um die Unterstützung des hohen Hauses, daß dieser Schmerz unserer Konfession gemildert werde. (Lebhafte Zustimmung links.) Zu dem Thema sprachen noch der parteilose Abgeordnete Szilagyi, der behauptete, ungarische Juden hätten den Heldenorden in der brutalsten Weise angegriffen und dadurch die Lage jener Männer erschwert, die der Auffassung waren, daß auch jüdische Kriegshelden in den Heldenorden aufgenommen werden müssen. Betrachtet man die Zahl der jüdischen Reserveoffiziere, so wird man einen sehr günstigen Prozentsatz für die Dienste der Juden an der Front herausbilden können. Es ist aber die Ansicht eines jeden Christen, daß das Prinzip der Gleichheit dort, wo die Macht sich in den Händen der Juden befindet, nicht zur Geltung kommt. Auf Sandors Frage, wo sich denn die Macht in den Händen der Juden befindet, erwiderte Szilagyi, die Mehrheii der Zeitungen befindet sich in den Händen der Juden, ebenso haben die Juden auch die Führung im Wirtschaftsleben jnne. Im übrigen meinte Szilagyi, daß auch Juden in den Heldenorden aufgenommen werden sollen. Der Antisemit Kontra gab ebenfalls zu, daß es unter den Juden viele gegeben hat, die im Kriege ihre Pflicht getan haben, er zweifelte aber die Zahlen SandQrs an und behauptete, ein riesiger Prozentsatz des Nationalvermögens befinde sich in jüdischen Händen. Es sei darum die Erbitterung gegen die Juden begreiflich. Abg. Dr. Hegymegie Kiss (Hb. Opposition) bezeichnete es als ein Verbrechen, wenn die Ungarn unter sich Unterschiede macheu. Es sei nur recht und billig, daß die Pforten des Heldenordens auch für jüdische Helden geöffnet wenden. In seiner die Budgetdebatte abschließenden Rede erw iderte Mi Iii ftterpläsiden t Graf B e t h 1 fe n auf die Ausführungen Sandors. Vor einem Jahre, sagte Graf Bethlen, hat sich Sandor in der gleichen Frage aö mich gewandt. Wir alle wissen ja, daß an den Fronten des Weltkrieges sich unter den tapferen Soldaten, unter den hervorragenden Helden auch Juden in großer Zahl befundenK naben. Ich habe mich an den Heldenorden gewandt und die Aufklärung erhalten, daß die Leitung dieses Ordens sich durch konfessionelle' Gesichtspunkte nicht leiten läßt (!). Die Aufnahmen in den Heldenorden seien jedoch bereits abgeschlossen. Infolgedessen könne das Ordenskapitel die Sache augenblicklich nicht mehr reparieren. In einem späteren Zeitpunkt aber, wenn sich dazu eine neue Gelegenheit biete, werde diese Frage berücksichtigt werden. Für die Aufnahme in den Heldenorden ist das Verhalten im Weltkriege bloß eine der Bedingungen: in Betracht gezogen wird auch das Verhalten während der Revolutionen, auch wird geprüft, ob der Betreffende an dem Wiederaufbau der Nation teilgenommen hat und ob eine Bürgschaft dafür besteht, daß er auch weiterhin der Sache der Nation gemäß Vorschrift der Ordenssatzungen dienen wird. Ich sage dies nicht, als ob ich etwa einen Unterschied zwischen Juden und Christen machen wolle; ich sage es bloß, weil es Fülle geben kann, daß jemand im Weltkriege ein sehr tapferes Verhalten bekundet hat und dafür auch dekoriert wurde, in der Zeit'der Revolution jedoch und nach den Revolutionen ein Verhalten an den Tag legte, das von diesem Gesichtspunkte aus beanstandet werden könnte. Tch meinerseits kann bloß "in Aussicht stellen, daß wenn es eine Neuaufnahme in den Heldenorden geben wird, ich alles aufbieten werde, damit in diesem Belange jegliche Diskriminierung ausgeschaltet wird. Eine bittere Lehre für die Juden Ungarns. Durch einen übertriebenen magyarischen Nationalismus, der vielfach in Chauvinismus ausartet, haben sie sich die Gunst der Magyaren erwerben zu können geglaubt. Sie sind so weit gegangen, diesem Chauvinismus zuliebe jede Gemeinschaft mit dem Weltjuden turne abzuleugnen. Einer ihrer Oberrabbiner ist so weit gegangen, in einem Buche nachzuweisen, daß die Juden Ungarns gar nicht vom jüdischen Volke abstammen, sondern zur jüdisdien Religion bekehrte Magyaren sind. Nichts hat es ihnen genützt. Vom jüdischen Volke haben sie sich separiert. Aber „magyarische Helden" können sie nicht werden, und wenn sie sich zu Tausenden, im Schützengraben zum Ruhme Ungarns abschlachten; lassen. ROBERT STRICKER: JÜDISCHEN POLITIK REDEN UND AUFSÄTZE über 80 Artikel und Abhandlungen, Parlaments¬ und Versammlungsreden // 330 Seiten auf holzfreiem Papier in elegantem Ganzleinenband VERLAG R.LÖW1T, WIEN Die Sammlung umfaßt eine dreißigjährige Periode jüdischer Politik und jüdischen Erlebens, von Theodor Herzl bis zum heutigen Tage Die Sammlung hat geschichtlichen Wert und wirkt doch lebendig und frisch, weil die Aeußerungen Robert Strickers über die aktuellen Anlässe hinausreichen und zeitgemäß geblieben sind Keine der von Robert Stricker als Politiker, Parlamentarier und Schriftsteller aufgeworfenen Fragen hat ihre Bedeutung eingebüßt: Stellung zum Antisemitismus — per Schaden und die Schande der Assimilation — Herzls Zionismus und seine VerwSeserung — Die jüdische Politik — Der Kampf um den Judenstaat etc. Die „Wege der jüdischen Politik" bieten Information, Anregung und Belehrung Vorzugspreis für die Leser der „NeuenWeif«: Das elegant ausgestattete Buch in Ganz* leinenband kostet Im Laden U.— österty Schilling. — Bei Bestellung durch die „Neue Welt" nur 9tt»rr. 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Der Patriarchregent billigte den Standpunkt des jüdischen Führers und erklärte, er habe Vorsorge getroffen, daß Pfarrer sich der antisemitischen Agitation enthalten, er habe auch den Kultusminister ersucht, das Verfahren gegen sämtliche Priester einzuleiten, die in den Kirchen antisemitische Reden halten. Was Maniu ausländischen Journalisten erzählt und was wirklich vorgeht. Bukarest, 7. Juni. Zu den Erklärungen des Ministerpräsidenten Maniu an den Vertreter;der Pariser Telegraphen-Agentur „Süd-Eet" schreibt „Adeverul" n. a.i <; Sicherlich hat nicht nur das Ersuchen des Vertreters der Telegraphen-Agentur den Ministerpräsidenten veranläßt, sich Uber die antisemitische Bewegung auszusprechen. Wir glauben eher annehmen zu dürfen, daß das Echo der Huliganbewegung im Auslande ihn: dazu gedrängt habe. Der Effekt dieses Echos muß im .Auslande schon ein sehr unangenehmer gewesen sein. Herr Maniu hat diesmal die Existenz der antisemitischen Agitation nicht in Abrede gestellt, nur betont, daß sie keinen ,.' p o g r o m a r t i ge n Charakter trage, und daß die Regierung Maßnahmen zu deren U n t e r d r ü c k u n g und zur fi'.estrafung der Schuldigen ergriffen hat. Es ist aber nicht bekannt, daß nach den jüngsten Unruhen irgend welche Sanktionen«. . angewendet worden . wären. Mit Bezug auf den Fall Targu-Frumos sagte Maniu: „Die Regierung hat eine strenge Untersuchung und energische Bestrafung angeordnet. Es wurden auch Haftbefehle erlassen." Der Herr Ministerpräsident hat aber den Satz nicht beendet und nicht gesagt, g e g e n wen die Haftbefehle erlassen ,wurden. Haftbefehle wurden tatsächlich erlassen und ausgeführt, aber— gegen die . ohne, S c h u t z g e 1 a s s e ne. n Opfer, die sich selbst verteidigten. Kein einziger der Angreifer von Targu-Frumos ist bisher verhaftet worden, auch kein einziger der Cuzieten, die die Straßen von. Bukarest unsicher machen, ist verhaftet oder' nur festgestellt worden. Schwere Bedrohung der Juden in der Südbukowina. Czernowiiz, 9. Juni. Jüdische Familien in - W a m a, im Süden der Bukowina, wurden von befreundeten rumänischen Bauern benachrichtigt, daß der bekannte Antisemit und Präfektcnmörder Celea Codxeann mit einer großen Schär Cuzjsten zu den Pfingstfeiertag^n piach Warna kommt, um „das große Gericht über die Juden" zu halten. In Warna Und Umgebung wird offen von Massakrierung der Jucken gesprochen. Die Flucht jüdischer Familier* hat/bereits eingesetzt. Eine Deputation der Juden aus dem Süden der Bukowina hat sich an den Senator Dr. Meyer Ebner mit der Bitte um Intervention gewandt. Doktor Ebner hat bei den maßgebenden Stellen vorgesprochen- Beim Generalinspektor . der Siguranza Svetcovici hat eine Konferenz betreffend Sicherheitsvorkehruug^rt für die Pfingstfeiertage im Süden der Bukowina stattgefunden. Rabbiner tyesehulem Rath ausgewiesen. Czernowitz, 9. Juni. Die Czernowitzer Polizeibehörde hat den hochangesehenen Rabbiner der; gvoßen jüdischen Gemeinde S u c z a w a, M e s c h u 1 e m Rath, aus Rumänien ausgewies'e'nV weil' er p oln i s c h e r - Staatsbürger ist. Seinerzeit wurde ihm vom KuUusminjisternim die ÄutorisatiQn erteilt, als Ausländer ,das Seeko^eamt in ,§uczawav, ausüben. Die L|MesT^r>«isüng. .von Jlabhinei' Batkf ■ jjjat i|nter der gesamten JüdenacWt des''jjajjwa'^ijjÄejp Aufsehen erregt. Än weiß," dftß si<| R^ikbiner Jtäth' UKjftts zuschulden kommen ^Heß, was gegen diejlStafteintereÄsen verstößt; Vaijerdin^ 'hat e| sich mit $4* der Ernennung des Vertreters des jüdischen Kultus für die ^Stadtgemeinde SuczawÄ*' seitens der Regierungabejiörden nicht einverstanden erklärt.