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Die neue Welt · 1930-06-13 · Heft 143 (13.6.1930) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 143 (13.6.1930)
Date
1930-06-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite I DIE NEUE WELT Nn U5 daß er in taktloser Weise den Gottesdienst störte, und hat dann» als die Agitation, ihren Fortgang nafftl» nicht eingegriffen. Er ha4[||p?^ ^^S§t§- r . HjtA.gtrsioi festgestellte; :h e t a^.^i s 6:««, P r e £s e $ffrf> ag a n d a n i c h t' a t»g e s t öp p t. Pf^te' Vorbereitangeii; zur Heraniidhüng der .verfügbaren Toppen nicht getroffen waren,-und daß selbst ait ^(^•-Taf^vdiies Ausbruchs der Unruhen kostbare §t$i^^\dy^t)rfc&en* che Luke sich ds&n * entschloß, diejlii' Lai^de befeiidliehen Truppen, "zwo* Beispiel ans i^^en,^^politisieren, wirü von .einer großen Ani^f von--wffizieVen und Beamten festgestellt. Nach ^^nyÄussagen. «.diirf man ,es als: ziemlich^iciteT;.beli^cjbteAi..'fontidies geschehen wäre, die Unruhen hätten unterdrückt, zumindest aber eingedämmt werben können. Es hat sehr böses Blitf gemacht* daß während der Unruhen, plötzlich, die jji dj j schien. Mannschaft e u c n t w a f f n e t w u r d e n, und zwar auf Vorstellungen und Drohungen seitens der Araber. Noch grotesker ist es. daß diese Entwaffnung während einer Parade der Special Constables durch Luke vorgenommen wurde. Er rief die Mannschaften jüdischer Abstammung uamentlich auf, und die wurden dann aus dem Dienst genommen. Die ehemaligen jüdischen Soldaten und Beamten des Civil Service, gleichgültig ob britische Untertanen oder Palästinenser, wurden so entwaffnet und gedemütigt. . * Die Entwaffnung und die Zurückziehung der versiegelten Waffendepots. der jüdischen Kolonien wird vollends unverständlich bei der Feststellung, die die Kommission wiederholt macht, daß die Juden ständig in der De.fensive waren. Dia radikalen Zionisten und die Krise. ■ - i i .■ - / Für eine^n ordentlichen ZionistenkpngreJi auf Grund von Neuwahlen. — für die Demission der Weizraann- Exekutive. Vergangenen Freitag .fand in Berlin ßinc Aussprache zwischen den Vertretern der radikalen Zionisten im Aktionskomitee Abgeordneten }. Grünbauin (Warschau), Robert Stricker {Wien) und dem radikalen Vertreter, im Administroisrat der Jewish Agcncy Dr, .Mr. S o l o w e i t s cli i k,. ^Berlin) ,unid dem. Vertreter in, der, pxjlif^schcn, Kommission JDr. N. Gold mann (Bejljn) statt. „Die Unterredung ergab .Einstimmigkeit in. der. .Federung nach, möglichst,raseher Einberufung eine« o rj| $,Pr.t,l ic hj e n Zionis.tenkangrjBS.ses, auf ..Grund, von N^wah)ei».::-Ein außerordentlicher |ionistenkongrefi mit den . alten Relegierten hätte.; keinerlei,'. Bcidei^tun,g^ £in;;. mütig.wuvde auch,.d)e Notwendigkeit-der Demission/ der derzeitigen ExeJvVÜve, deren Politik versagt hat, anerkannt' 'Vph;ßci Besprechung, aus wurde ah.den Prüside,hteu ■ des Äk^onsk^miteei; Mp t z k i ri ein Telegramm abgesendet, in. welchem die so fortige Einber'öf u n g d es., Z i p ni s t i.s c Iien A k tioiis-' k o'ni iie es gcloidert wird.,Das Aktionskomitee ist vor dem Kongresse die einzige Instanz, welcher es Zusteht, Zur Vermählung des Frl. Frieda Schmetterling m\t nenn Samuel Fütterwelt gratulieren herzlichst BllT 01 EXCELSIOR Inhaber RICHARD HlftXOQ f., Adl«i*a«ata 6 Tel. R.23-4-90 Colambia- Modell 100 DAS BESTE su dmm billigsten PreU« S138.- Qröfls 32 X 21V, om Höhe 14 om Neue verbesserte Columbia-Dose 15 b Entschlieflungen über die weitere Politik der Zionistischen Organisation zu fassen. Den Mitgliedern des Zentfalrates des Verbandes radikaler Zionisten wird der Autrag unterbreitet werden, die Konferenz der radikalen Zionisten im Anfang Juli nach Lemberg einzuberufen. Dem Berliner Vertreter des Warschauer „H a j n t" gab Abg. Grünbäum auf die Frage, ob die Zionistische' Exekutive zu demissionieren habe, die Antwort: „Ja. Ich bin der Ansicht, daß sie ihr Amt niederzulegen hat. Die politische Richtung, welche Weizmanh repräsentiert, hat versagt. Deshalb muß Weizmann auf dem Kongresse die Leitung niederlegen.' Auf die Fra,ge, was jetzt zu geschehen habe, sagte Grünbaum: „Zwei Aktionen müssen in Angriff genommen werden. Die Verstärkung der Protestbewegung, des gerechten Kampfes um unsere gerechte Sache. Dann die sdi leimigste Einberufung des Zionistenkongresses. Wir müssen eine Million Sdiekalim aufbringen. Der Kongreß mufl> gleichzeitig mit der Sitzung' des V ö 1 k e r b u n d r a t e s im September stattfinden. . Dem; .Völkerbundrate wird als- .daun bereits der B er icht de/ M a n d a t s k o m m is^ s i o u vorliegen. Unsere wichtigsten Aktionen sind jetzt: .'Nach außen — die Protestkampagne. Nach innen — die ^Vorbereitung des Kongresses!" : ^tWm/ Iivormals VORNEHME FÄJvlILIENPENSlON DE X3 RUN BERG |i HätHStRASSE Nr. 43 (SBl HOTEL PANHANS) | §V Mäßige. Pre'se"/ Kaffeehaus H"d Tatfzgelegenheit im I |' Hause / Besitzer: ECKSTEIN / Tel Semmerjng Nr. 11 | j.v Flieaentle» Warm* u. Kaltwasser / | W )n jedem Zimmer \ *"> I Schwere Beteidißung der ungarischen Juden, > 10.000 ungarische Juden fielen im Weltkriege, zahlreiche Jttdeif erhielten höchste Ans^fchntingen für Tapferkeit, aber kein einziger Jude wurde in den Heldenorden aufgenommen. — Rede Paul Sandors im Abgeordnetenhaus. — Bethlens Antwort: Die Aufnahmen in den Heldeöorden srnd abgeschlossen. In der Budgetdebatte des angarischen Abgeordnetenhauses wandte sich der Abgeordnete Paul Sandor (liberale Opposition) an den Ministerpräsidenten Grafen Bethlen, an den Reichsverweser Hortny und auch' an alle Mitglieder des Hauses mit der Bitte, ein den Juden Ungarns zugefügtes himmelschreiendes Unrecht wieder gutzumachen. Der Heldenorden, der vom ungarischen Staat subventioniert wird, führte Sandor aus, ist berufen, die Helden' des Weltkrieges zusammenzufassen und jene, die im Krieg ihr Leben aufs Spiel gesetzt baben, mit dem Heldentitel zu belohnen. So weit ich unterrichtet bin, ist in den 1 Satzangen des Ordens eine Bestimmung enthalten, , wonach Jaden nicht Angehörige des Heldenordens sein können. Ich weiß nicht, ob dies tatsächlich in den Statuten enthalten ist, aber Tatsache ist, daß der Helden* orden keinen einzigen Juden zu seinen Mitgliedern zählt. Anläßlich einer früheren Budgetdebatte - habe ich an den Ministerpräsidenten eine diesbezügliche Frage gerichtet. Der Ministerpräsident hat geantwortet, er werde sich für die Sache'interessieren und, falls meine Behauptungen der Wahrheit entsprechen sollten, auch bestrebt sein, eine Aenderung herbeizuführen. Der Ministerpräsident hat mir aber über seine Schritte keine Mitteilung gemacht. Der Heldenorden wird vom Staat Subvention i e r t, : und diese Subvention wird auch den Steuern der jüdischen Staatsbürger entnommen. Meine Ehre als glaubenstreuer Jude und die Ehre des Judentums gebieten mir, zu fordern, daß die Unterschiede, die hier gemacht werden, endlich aufhören. Aus einem Urteil der königl. ungar. Kurie hat sich ergeben, daß mehr als 10.0 0 0 ungarische Juden den Heldentod an der Front erlitten hatten, und diese Ziffer ist viel höher als die der Juderi, dier*kra'ft1 des N um e^ru s clatu's üs-Gesetz es die Uni ver s i täten besucheu könneu. Ich darf tfas hohe Haus darauf aufmerksam machen, daß am Fr eJ-; h e i t's kämpfe1 '1848-49 ■■■ mehr als 2ö;Ö00v Juden teil« genommen häbehi }Der ' General H'ay n ä u'f hat nach'- :;dem Freiheitskriege meh rere* Juden ' hängen lassen; weil sie, wie es ini Urteil hieß, „mit den Ungarn konspiriert hatten". Der sogenannte-jüdische Hayhau-Studienfonds ist auch heute noch im Besitz des Kultusministeriums.- Dieser' Fonds entstand in der Weise, daß Haynau den ungarischen Juden eine Kontribution auferlegt hat, weil sie den Freiheitskrieg auf der ganzen Linie utid mit allen Mitteln gefördert hatten. Die ungarische Nation ist auch nicht undankbar gewesen: sie hat die Judenschaft emanzipiert und rezipiert. Zu Hunderten stehen Denkmäler Und Gedenktafeln in diesem Lande, die die Namen jüdischer Helden des Weitkrieges tragen. Aber der röter als die..Rosen, die wir in das Wasser streuen, mit dem .wir, unsere Toten waschen. Aber trotzdem .wird dein Grab ein Bet-hachaim sein. Der arme.Joel bildet dein ganzes Grabgeleitei aber du sollst .in ritueller Erde ruhen und der dunkle Fluß, der unter der Erde fließt, wird dich eines Tages bis nach »Jerusalem-führen/' Wie die Nachbarin, eine einfuebe Frau aus dem Volke, hingerissen von ihrem naiven Glauben, ausruft: „Der Herr Jesus möge ihm beistehen!", schlägt ihr.eine plötzliche Röte ins Gesicht, denn es ist. ihr eingefallen, „daß es Joel, den Trauernden, verletzen muß, wenn der heilige Name dessen ausgesprochen wird» den er. nicht als Gott auerkennt." Und sie. fügt hinzu: „Unser Herr möge ihm gnädig sein". Selbst diese Feinheiten hat Andersen erfaßt. In der Seele der kleinen Heldin Noemi streiten die Eigenschaften Israels, Zartheit und Stolz, mit dem grausamen Egoismus des verzogeneu Kindes; Eines Tages entdeckt sie in dem alten Schloß, in dem sie aufgezogen wurde, in einer vergessenen Schublade das Bild ihrer jüdischen M u 11 e r. Da bäumt sich .ihr ganzer Stolz gegen den ,»G o j" auf, der ihr ein herablassendes Mitleid 'entgegenbringt*;„lch habe gehört, daß meine Mutter schon war", sugt sie. „Ich habe gehört, da,ß sie. k.lug was;, ich 4habe. gehört,, daß sie den Mut zu sterben fand, als man sie zu sehr quälte. Ich will ihr Bild in meinem Zimmer aufhängen; ich will es mit Blumen und Küssen bedecken." Der alte Joel, der sie in den ersten Jahren betreut h^tte, läßt später die stolze Noemi, die sich( nicht mehr an ihn erinnern kann, an sein Sterbelager holen; die Szene am Sterbebett selbst erleben, wir nicht; wir bleibeij an der Schwelle des Zimmers stehen; wir erfahren nur, daß das junge Mädchen,' während sie nach Hause reitet, bitterlich weint. „Ist* die jüdische Rasse' nicht die Mutter der Christenheit?" denkt sie. Aber wie der irrende Öedipus wird sie von der Jugend verhöhntf.« Ist es denn eine Schande, einem ewige*, fipttk* «asugehören? Doeh &fa Vor. sieht hält' sie davon -lab, ihren er&.ten Impuls zu weit gehen.,«!!, lassen. Bald wird sie lügen und so tun, als ob . sie den armen Juden nie gekannt hätte, und Andersen ' Jüßt das junge Mädchen, einen kühnen und für einen ' .Christen ungewöhnlichen Satz sagen: „Armer'Joel! jGptt hat dein Volk verleugnet.,...warum . sollte ich nicht (dich verleugnen?" ' , .. * : ■' ' Daß der gütige Dichter die Juden geliebt und das yelk Israel mit einer zarten und hellsichtigen Neugierde •erforscht hat, kann seineu Ruhm nur vergrößern. Die •> jüdischen Kinder werden in den Chor aller Kinder der, iWelt einstimmen, um den dänischen Zauberer zu feiern. , Schiller liiid die Juden. Zum 125. Todestage des Dichters. t In einer längeren Abhandlung über das Verhältnis ' Friedrich Schillers zum Judentum .'schreibt der be*. kannte jüdische Schriftsteller S.\ l^ i r a 1 s u. a.: : '. ypn S c h i 1 l,e r s , persönlicher} Beziehungen . zu; Juden ist nur,wenig .bekanntgeworden. In Leipzig kam, Schiller;mit einem Juderi, einem Geldverleiher namens B*e i t, geschäftlich in. Berührung. Schiller ,nahm bei, ihm einen größeren. Geldbetrag als Darlehen aufi. erst nach- Jahren wurde vom Dichter die schuldige Summe zurück»: erstattet. (Ludwig Geiger, der in seinem Buche „Die deutsche Literatur und die Juden" dieses» < Geldgeschäft Schillers ausführlich bespricht, hebt es als merkwürdig hervor, daß in Schiller^ Briefwechsel, „bei; allen Erwähnungen des Gläubigers das Wort Jude nie» rnals , gebraucht wird oder irgendein arger/ Hcher oder wider williger Ausdruck vorkommt".). Interessant ist, daß Schiller-bei einer kurzen Liebes*, eoisode einen jüdischen Bankier zum Rivalen, hatte., End« Jänner . 1787 lernte §chiÜer in Stuttgart auf/ euicm.Maskenball ein Fräulein von Arnim kennen. Derj Dichter verliebte sich in da» schöne Mädchen, btiueht» sie ■ häufig in ihrem Elternhause und war schon nahe daran, sich um ihre Hand zu bewerben. Durch Minna Körner, die Gattin Christian Gottfried Körners, , erfuhr er, daß zu den Begünstigten der jungen Dame auch der jüdische Bankier Eppstein er gehöre; Schiller löste darauf in aller Freundschaft, das Verhältnis. Da Schiller eine Zeitlang, täglich Gast im Hause der Arnims war, ist. anzunehmen, daß er. dort mit ,dem Bankier Eppsteiner persönlich in Berührung, kam.. Mit dem jüdischen Me« dailleur Abramson in Berlin hat Schiller mehrere Briefe gewechselt. Auch zu David F r i e d 1 ä n d e r trat er geschäftlich in Beziehung. In Weimar ist Schiller mit dem jüdischen Kaufmann Elkan geschäftlich in Beruh» rung gekommen. Zusammenfassend läßt sich über das Verhältnis Schillers zum Judentum sagen: Dem Judentum als Geisteserscheinung hat der Dichter nur ein geringes Interesse entgegengebracht; zu Juden ist er nur äußerst selten in Beziehung getreten. Sein Urteil über Judentum und Judenvolk ist nicht immer ganz vorurteilsfrei, aber immer gerecht sein wollend. Das Alte Testament dürfte der Dichter in der Lutheri» sehen Uebersetzung mit starkem Eifer gelesen haben; bei keinem zweiten deutschen Klassiker sind die An» klänge an die Bibel so zahlreich wie in Schillers Werken. Um so auffallender ist: es, daß keine einzjge Aeußerung über die Bibel von Schiller vorliegt. Von einer ausge* sprochenen Abneigung oder gar Gegnerschaft gegen die Juden ist, was sich nahezu von selbst versteht, bei diesem edlen Geist nicht die Spur vorhanden. Gleichwohl hat Schiller in seinem ganzen Leben mit einem Juden weder freundschaftlich noch auch nur ge* seilschaftlich verkehrt — im Gegensatz zu Lessing, Goethe, Herder, Jeän Paul, Kleist und andern großen Geistern der deutschen Klassik. Aber blieb der Dichter den Juden fern, um so naher standen die J uden zu ihm. Die Juden haben Lessing verehrt, Goethe bewundert, Schiller aHeia haben «ie g«iUH; , ■

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