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Die neue Welt · 1930-06-13 · Heft 143 (13.6.1930) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 143 (13.6.1930)
Date
1930-06-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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DIE NEUE WELT Nr. 145 WIEN VII., KAISERSTRASSE 123 IX.. ALS E RSTR ASS E 6 FERNSPRECHER B-38-0.43 der Ukraina irren zwischen Misthaufen und Ställen wissenlose Tierchen, jüdische Kinder. Ihr Verbrechen ist das überzählige Schaf des Vaters, die Hausierkiste der Mutter. Und die Lehrer und Beamten; welche von diesen jüdischen Bändern nichts wissen wollen und sie wie verseuchtes Vieh behandeln, diese Lehrer und Beamten sind Juden! * : Zu viel Ehre oder: „Der Jud ist schuld!" Öaß der Jud an allem schuld ist, ist nicht nur eine, das Herz des kleinen Mannes in allen Nöten ercjüifckende-Feststellung. Auch' hohe" Und höchste Herren finden, wenn sie in arger Schlamastik sind, Trost und Beruhigung in dem kurzen Stoßgebet: „Der Jud ist schuldl" Augenblicklich liegen sich zwei ganz Große in den Haaren: Seine Majestät der König von England und Seine Heilige keit der Papst. Seine Heiligkeit der Papst hat den Katholiken auf Malta bei Strafe des kirchlichen Bannes verboten, einem englischen Beamten zu gehorchen oder . einem englischen Hund einen Knochen zu reichen. Die Regierung der britischen Majestät hat hinwiederum den Vatikan bitten lassen, höflich aber entschieden, seine Vertreter in Palästina, den ehrwürdigen Herrn Patriarchen und Legaten Barlassina und seinen nicht minder ehrwürdigen Assistenten Bischof Fellinger zur sofortigen Abreise aus Palästina zu bewegen, weil sonst die Regierung der britischen Majestät dieses Geschäft selbst besorgen müßte. Die heiligen Väter hatten nämlich trotz vieler geistlicher Geschäfte Zeit gefunden, einige arabische Scheichs zur Veranstaltung von Unruhen zu bewegen. Durch sanftes' Zureden, kleinere Geschenke und größere Versprechungen. Hell flammte der Zorn, der< römischen Presse auf und prasselte dann auf die verfluchten Inselprotestanten hernieder. Aber. bald fand sie den eigentlichen Schuldigen. Jetzt schreit sie: „Der Jud ist schuld! Die> Zionisten haben die englische Regierung dahin gebracht, den hohen katholischen Klerus schmählich aus dem Lande zu jagen!" Ach, ihr guten Herren Italiener! Ihr schenkt den armen Juden und Zionisten zu viel Ehre! Gerade jetzt gibt es eine Affäre zwischen englischer Regierung und Zionisten. Die Zionisten verlangen primitives Recht, Schutz vor Räubern und Mördern, Einhaltung gegebener heiliger Versprechen, gerechte Behandlung. Und man schlägt ihnen grob die Türe vor der Nase zu. Nicht einen schuldigen Regierungsschreiber, nicht e tu e n verbrecherischen Polizeimann hat man ihnen zuliebe preisgegeben. Dafür erzählen die römischen Zeitungen, daß auf Wink der Zionisten die britische Regierung einen halben Kardinal und einen ganzen Bischof hinausgeworfen hat. Schön wär's schon, aber ... Zu viel Ehre, allzu viel Ehre tut Rom den Zionisten an. * Die Herren Offiziere mit dem schwachen Gedächtnis. Im „Pester Lloyd" singt Fürst Karoly-Odescalchi ein hohes Lied vom braven Juden Moritz Adler und ein etwas tieferes Lied von den braven magyarischen Offizieren, welche sehr ehrliebende und wackere Männer, nur etwas „vergeßlich" sind. Dieser Moritz Adler, ein in Ungarn geborener und nach Rußland ausgewanderter Jude, litt an der unheilbaren Krankheit magyarischer Juden, an magyarischem Patriotismus. Der Krieg brachte magyarische Offiziere als Gefangene in die ukrainische Stadt, wo Adler wohnte. Nun stürzte sich Adler für seine „Landsleute und Blutsbrüder" in eine kostspielige und gefährliche Arbeit. Er steckte ihnen heimlich Geld und Lebensmittel zu, schaffte ihnen auch Gelegenheiten zur Flucht. Die Sache brachte ihn in Ungelegenheiten. Er wurde interniert, sein Geschäft beschlagnahmt. Als die österreichisch-ungarischen Truppen das Städtchen besetzten, wurde Adler befreit und er ging sofort daran, den Heimtransport der Magyaren zu organisieren. Alles ging auf seine Kosten. Die Herren Kavaliere schüttelten dem Juden herzlich die Hand. Adieu, lieber Landsmann, guter Magyar! Jetzt hat das Schicksal den guten Adler nach Berlin verschlagen. Verarmt ist er, siebzig Jahre alt und hungert. Er hat an die Kavaliere, seine Schuldner geschrieben, gewiß nicht sehr leichten Herzens. Aber sie antworten nicht. Fürst Odescalchi, einer von den ehemaligen Gefangenen, hat sich des Alten angenommen und flucht und wettert im „Pester Lloyd" gegen die Helden, welche ans Riickznhlen „vergessen" haben. Er fordert sie auf, zu zahlen, bei ihrer Offiziersehre! Er kann lang fluchen und auffordern: Die Herren Helden hatten und haben keine Zeit und keinen Köpf dafür, Kleinigkeiten mit einem alten Juden ztt regeln. Als sie zurückkamen, mußten sie zur Befreiung des armen Vaterlandes Juden erschlagen, iit den Wäldern von Örgorany und anderswo hängen. Dahn mußten sie in den Kellern des Hotels Britannia Saujuden und Saujüdinnen foltern, sie dann in die Donau schmeißen. Dann mußten sie dafür sorgen, daß man die Juden so weit als möglich austreibt, die restlichen unter Ausnahmsgesetee stellt. Dann mußten sie ... Es ist wirklich kein Wunder, wenn man in der Fülle solcher Geschäfte an den alten Juden in Berlin vergißt! Aus Genf. Was Weizmann sagt. — Gehässige Rede des englischen Vertreters Shiels. — Vereinsamt. Auf der Rückreise von Genf, wo jetzt die Mandatskommission des Völkerbundes die Vorfälle in Palästina behandelt, gab Präsident Weizmann in Berlin dem dortigen Vertreter der Warschauer Tageszeitung „Hajnt" ein Interview. Nachfolgend die Fragun und Antworten: ' „Sind Sie nach Ihrem Genfer Aufenthalt in zuversichtlicher Stimmung?"• „Ich habe keine Ursache, schlechter gestimmt zu sein. Letzten Endes entscheidet nicht der Völkerbund, Warum sollst im Leben du nach Glück nicht streben, Warum sollst du nicht mal gut gefüttert sein?! , Unsres Lebens Kürze allerbeste Würze Ist der Huber-Essig, der ist wirklich fein! sondern--die Mandatsmacht.^Marr muß mit einerfendgültigen Meinungsäußerung warten." : V\ „Wie stehen die einzelnen Mitglieder der Mandatskommission zur zionistischen Sache?" „Die Mitglieder fühlen sich als Tribunal und demgemäß zurückhaltend. Gewiß befinden sich in der XII. Wien, im Juni 1990 Vermählte IX. Kommission Menschen, welche unser Problem verstehen. Da die Kommission an der Aufrechterhaltung des Mandates interessiert ist, mußte sie für uns sein. Für uns sein, das heifit nicht gegen die Araber sein. Das wäre falsch, gekünstelte Konstruktion." „Ist Hoffnung vorhanden, daß das Verbot der Chaluzimwanderung in Bälde ganz oder teilweise aufgehoben wird?" „Die Rede Dr. Shiels vor der Kommission könnte in diesem Sinne gedeutet werden. Aber Bestimmtes kann ich nicht sagen. Wir werden nach wie vor für die Aufhebung kämpfen." „Sind die Nachrichten über ein bevorstehendes Bodenvgrkaufsverbot begründet?" „Der Inhalt des Weißbuches der englischen Regierung läßt diese Nachricht begründet erscheinen. Ich hoffe jedoch, daß die Absicht nicht ausgeführt werden wird." „Haben die spontanen jüdischen Protestdemonstrationen eine Wirkung in Genf ausgeübt?" ,Ja." # Genf, 10. Juni. Im Mandatsausschuß des Völkerbundes gab der Unter Staatssekretär im englischen Kolonilamt Shiels eine grundsätzliche Erklärung über die künftige englische Politik in Palästina ab. Die englische Regierung werde den ihr erteilten Mandatsauftrag wie bisher uneingeschränkt ausführen. Sie lehne kategorisch die Auffassung ab, als ob sie gegenüber der jüdischen Bevölkerung alle positi'ven, gegenüber der arabischen Bevölkerung aber nur alle negativen Verpflichtungen trage. Der Wunsch nach nationaler Unabhängigkeit sei zwar begreiflich, wertvoller wäre jedoch die Zusammenarbeit mit der übrigen Bevölkerung. Sämtliche Juden der Welt müßten sich darüber klar sein, daß England lediglich die Verpflichtung übernommen habe, in Palästina eine jüdische Ansiedlung, nicht aber einen jüdischen Staat zu schaffen. Gegen die Lügen der Shaw-Kommission. Die Antwort der Jewish Agency. -~ Art und Ursache der Unruhen. -— Die Schuld des Mufti. — Die Schuld der Palästinaregierung. — Lukes Rolle. Der Mandatskommission des Völkerbundes, die am 3. Juni zur Behandlung der Palästinafrage in Genf zusammengetreten ist, liegt ein umf a n,g r e i c h e s Memorandum der Jewish Agency vor. Das vom früheren politischen Sekretär der Zionistischen Organisation, Leonhard J. Stein, verfaßte Memorandum umfaßt mehr als HO Seiten. In der Einleitung wird, zunächst festgestellt, daß die Unfersuchungskommission sich entgegen ihren Instruktionen auch mit den Fragen der großen Politik beschäftigt hat, obwohl Henderson am 6. September 1929 im Völkerbund erklärt hat, daß die Vollmachten der Kommission n u r ,a u f d»i e.u a m i-t-r t.e I b a r e n Ursachen und Hilfsmittel ' beschränkt sind und Fragen höherer Politik ausschließen, und Mac Donald am 23. Dezember 1929 erklärt hat, daß .die Fragen der künftigen Ausführungen des Mandates ganz sicher außerhalb der Kompetenzen der Shaw-Kommission liegen und im Bericht nicht zu behandeln sind. Selbst der Vorsitzende der Kommission hat bei Eröffnung der Verhandlungen in Palästina jdie gleiche Erklärung abgegeben. Die Einwendungen gegen die Kompetenzüberschreitungen werden deswegen gemacht, weil der Kommission die nötigen Kenntnisse für eine Beschäftigung mit Fragen der großen Politik fehlen. Für die Art, in der sich der Bericht mit den politischen Fragen beschäftigt, werden einige Beispiele angeführt und zum Schluß festgestellt, daß die Auffassungen der. Araber, die der Kommission und die Auffassungen der Kommission über die Auffassungen dei Araber fortwährend durcheirianderge? schoben werden, ohne daß sichtbar wird, wie weit sich nun die Kommission durch die offensichtlich falschen Auffassungen der Araber doch, beeinflußt fühlt. Hier seien aus dem Berichte jene Kapitel entnommen, welche sich auf Personen beziehen, die von der Shaw-Kommission als unschuldig bezeichnet wurden und heute eine verhängnisvolle Rolle spielen, auf;den Großmufti und auf den Regierungsvertretcr Luke. Der Großmufti ist Führer der arabischen Delegation und wird überall mit den größten Ehren empfangen. Luke vertritt die englische Regierung vor der Genfer Mandatskommission und wird bereits als künftiger Gouverneur Palästinas genannt. Beide haben in direkt verbrediprischer Art ihren Antisemitismus und Antizionismus betätigt und werden von der Volkesstimme in Palästina als Urheber der blutigen Verbrechen bezeichnet. Art und Ursache der Unruhen. Während die Arabisdie Exekutive am 1. September dem High. Commissioner versicherte, eine unparteiische Prüfung würde die alleinige Schuld der Juden feststellen, sagt der Bericht, die Unruhen entstanden durch einen Angriff der Araber, für den keinerlei Entschuldigung durch frühere Mordtaten seitens der Juden erbracht werden kann. Die Versuche der Araber, ihre Anklagen zu beweisen, brachen völlig zusammen und mehrere Offiziere und Beamte (Major Saünders, Major Foley, Mr. Kyles, Mr. A. D. Nathan) sagten aus, daß die Angreifer, ausgerüstet mit modernen Feuerwaffen deutscher oder britischer Provenienz, aus reiner Pltinderungslüst herbeigekommen waren. Von diesen für die Ermittlung der unmittelbaren Ursachen eminent wichtigen Aussagen sachverständiger Zeugen sagt der Bericht nichts. Dagegen spricht er von' einem jüdischen Angriff auf die Okasha-Moschee in Jerusalem, verschweigt aber, daß diesem ein arabischer Angriff auf die Georgische Synagoge vorausgegangen war, den er vielmehr parallel mit dem auf die Moschee erwähnt. Der Bericht läßt die Vermutung aufkommen, daß die Beziehungen zwischen Juden und Arabern schon so verschärft waren, daß die Zwischenfälle an der Klagemauer nur der Funke für das Pulverfaß waren. Demgegenüber stellt das Agency-Memorandium zunächst fest, daß in allen Berichten, selbst dem von Chancellor noch vom Juli 1929, die guten Beziehungen zwischen Juden und Arabern festgestellt werden, was auch Cafferata von Hebron bestätigt. Dagegen ist zweifellos richtig, daß durch die Klagemauerzwischenfälle die Verhältnisse sehr verschärft worden sind. Es kann aber bewiesen werden, daß die arabische antijtidische Propaganda diese Streitigkeiten bewußt heraufbeschworen hat, um den Frieden zu stören. Vor der Kommission sagte der Jaffaer Polizeichef Quigley aus, daß Hamdi el Husseini, ein berufsmäßiger Demonstrationsveranstalter, Repräsentant der kommunistischen antiimperialistischen liga, keine anderen Möglichkeiten zur Aufpeitschung der Leidenschaften sah, als dadurch, daß er die religiösen Leidenschaften aufpeitschte. Diesem Zwecke diente zunächst ein Bild der Felsen-

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