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Die neue Welt · 1930-06-13 · Heft 143 (13.6.1930) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 143 (13.6.1930)
Date
1930-06-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 35 G V.b.b. BEZUGSBEDINGUNGEN. Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig ZloW 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwefe und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion and Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—$ Telephon: A2S-2-82 — Erscheint reden Freitag Jahrgang 4 Freitag, den Iß. Juni 1930 Nr. 143 Das Weltjudentum protestiert. Imposante Protestdemonstration in New York. New York, 6. Jund. Gestern abends fand liier eine große Demonstration des New Yorker Judentums gegen das E i n w anderungsverbot statt. Das. Massenaufgebot war überwältigend. An dem Demonstratiönszuge, dessen Länge einige Kilometer betrag, haiben Tausendc von erwachsenen Juden und 25.000 jüdischer Schulkinder teilgenommen. Die Massen waren am Madison Square versammelt, wo ein Meeting unter freiem Himmel abgehalten wurde. Die Redner griffen äußerst scharf die Palästina-Politik der derzeitigen englischen Regierung an. Sic führten aus daß diese Politik im Gegensatz zu den internationalen Verpflichtungen Englands stehe, welche die Schaffung des jüdischen nationalen Heimes in Palästina betreffen. Der Ton der Reden war sehr heftig. Nach der Versammlung setzte sich der D einonstr ationszug in Bewegung. Es wurden viele Transparente getragen. Die .Aufschriften lauteten: „Oeffnet die Tore Erez Israels für die Ghaluzim!" — „WiT fordern Boden für diejUdi^c&e^i^oiiisatiQn.^ .-«•,; „England, erfülle deine Pflicht!'• '•—- Än7^ der Spitze des Qemonstraüoiiszuges gingen 7die ^jüdisohe^n^Teilnebjnei» am Weltkriege, ihnen folgten etwa;. 100 Rabbiner, die Gebete verrichteten, sodann Chaluzcim, Arbeiter, Mäuner, Frauen und Schulkinder, Große Protestversammlung in London. London, 7. Juni (J. T. A.) In der K i n ig s w a y Hall fand eine große Protestkundgebung der e n g- " Iis eben Juden gegen die Suspendierung der Palästina-Zertifikate statt. Der Oberrabbiner des britischen Reiches Dr. J. H. IIefrtz,der wögen Unpäßlddikeit der Versammlung fernbleiben mußte, schrieb: „Die Weltjuden/heit ist bestürzt über , die unglaubliche Maßnahme der Regierung, die eine der letzten in einer Reihe feindlicher Handlungen gegen das jüdische Palästina ist,, dazu angetan, die Arrangeure der Auaschreitungen vom vergangenen Jahre zu weiteren Pogromen zu ermutigen. Die Weltjudenheit ist nahe daran, ihren Glauben an die w i ederh ölten Beteuerungen von Regierungsmiitgliedern über ihre Entschlossenheit, das Jüdische Nationalheim zu errichten, zu verlieren." Herr Harry Sa eher, der frühere Vonsitzende der Zionistischen Exekutive in Palästina, der in Abwesenheit; von Dr. Hertz den Vorsitz führte, wies auf die ungeheure Protestbewegung im Judentum der ganzen Welt hin und beklagte es, daß zum erstenmal in der Geschichte Englands und .des jüdischen Volkes eine Maßnahme der britischen R e g i e r u u g die Juden zwingt, bitter e? A n k.La.ge n g e g e n d \9;R,e€ i.e,ru n g z u r.i c h t e n. Es sei eine bittere Wahrheit, daß die Taten und die Deklarationen der britischen Regierung m i te ina nd e r in; Wide rsp r u eh stehen. Das ka n n nicht so weitergehen. Prof. Selig Brodetzky, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, fährte ungefähr aus: Wir akzeptieren die Erklärung der Regierung, daß' die Suspendierung eine zeitweilige Maßnahme ist, und hoffen auf eine baldigste Zurückziehung der Suspendierungsorder. Die Juden in der ganzen Welt sehen in der Suspendierung, mag sie auch zeitweilig sein, das Zeichen einer, g e f-äh-r. 1 i ch en Ha 1 tu ng,d e,r:Regier ung gegenüber der gesamten. Po Jitik des Na tionalhe.ims. Wir. erwarten und fordern, daß die 'Regier WXg; 1 uj n v e r z ü g l;i. c h ' Klarheit; darüber schafft,; daßn; das Recht des jüdischen . Volkes auf Einwanderung .unverändert besteht , und daß die Rückkehr" der Judeu: in ihre Heimat Palästina keinen anderen Bedingungen unterworfen werden soll als dem Wunsche der Juden selbst und. den Rücksichten auf die auf i jüdischem Unternehmungsgeist basierende Entwicklung, des .Landes. Den allgemeinen Erklärungen der. Regierung müssen eine praktische Politik und R r a k t i sehe Verfügungen zur Erleichterung unserer Arbeit folgen. Die hautige Versammlung soll es der Regierung und der britischen öffentlichen Meinung klarmachen, daß die Juden in der ganzen Welt durch die administrativen Akte der Regierung in den letzten Monaten ernstliuh beunruhigt sind und eine administrative Aktion fordern, die den Erklärungen der Regierung entspricht. Nach Ansprachen des Unterhausanitglieds Midiael Marcus, der Frau J. M. Sieff, Paul Goodmans, Morris Meyers und Rev. M. L. Perlzweigs wurde ddc folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung .gibt der Bestüi'zuug und dem Schmerze aller Kreise der britischen Judenheit über die ungerechtfertigte Handlung der Regierung Ausdruck. Die Suspendierung der Palästina-Zertifikate ist eine flagrante Verletzung d e r M a n d a t s b c si t i ra m u n g e n, die die Regierung verpflichten, dio^tdische Einwanderung in Palästina zu erleichtern. Wir fordern die Regierung auf, die Suspendierung der Zertifikate zurückzuziehen und .eine administrative Politik -zu führen, :die die klare Entr schlassenheit der Regierung, xlartüt,, die :4nr \tiüroh*''das' Mandate auf erlegten VeVpnic1ff^iigen",.,?.u erfüllen und das jüdische Volk beim .Wiederaufbau des Jü<l'iiäohenr Nationalheims zu unterstützen." Grandiose Kundgebung in Paris. — Zurückweisung eines arabischen Störungsversuchs. Paris, 7. Juni. (J. T. A) Etwa 6000 Juden versammelten sich in Paris zu einem Proteste gegen die Suspendierung der Palästina-Zertifikate. 15 Araber, die die Versammlung durch Tumulte zu stören versuchten, wurden durch herbeigeholte Polizei aus dem Saale gewaltsam entfernt. Der Präsident der Zionistischen Organisation in Frankreich, Advokat Mirtdl, Hillel Zlatopolsky, der Dichter Sohalom Asch, Bernard Lecachc, Dr. Scheohtmann, Rabbi Eisenstadt, Joseph Fischer, Rabbi Louis Germain Levy hielten Ansprachen, die von der riesigen Zuhörerschaft mit begeisterter Zustimmung aufgenommen wurden. Eine von der Versammlung gewählte Abordnung begab sich zu dem britischen Botschafter und übergab ihm das von der Versammlung angenommene Protestanemorandum gegen die den Aufbau des Jüdischen Nationalheims beeinträchtigende Politik der englischen Regierung und der. Palästina-Administration. Protest (der Juden Südafrikas. Kapstadt, 7. Juni. (J. T. A.) In Kapstadt fand eine massenhaft besuchte Protestkundgebung der südafrikanischen Juden gegen die Suspendierung der Palästina- Einwanderung statt, in der ein Bruch von B a 1 f o u r- Deklaration und Mandat gesehen wird. In der Resolution wurde die britische Regierung aufgefordert, die Suspendierunigsverordnung sofort zurückzuziehen und eine Politik der Unterstützung des Jüdischen Nationalheims durchzuführen. Die Versammlung tat das Gelöbnis, das Werk des Aufbaus des Nationalheims nach Kräften fortzuführen. Protest der italienischen Zionisten. Rom, 7. Juni. (J. T. A.) Professor Dante Lattes, Präsident der italienischen Zionistischen Organisation, überreichte dem britischen Botschafter in Rom ein Protestmemorandum gegen die Suspendierung der Palästina-Einwanderung mit dem Ersuchen, das Memorandum an die britische Regiqrung weiterzuleiten,, zugleich mit dem Ausdruck tiefer Empörung der ''italienischen ' Zionisten gegen «die V e r 1 e t z u n g von ^Balfour-Deklaratidn und Mandat und Hemmung des ijüidfeehenAufbauwerkes in , Palästina. Die ägyptisch© judenheit protestiert. ' Kairo, 7. Juni. (J. T. Ä.) Eine von der jüdischen Gemeinde in Kairo einberufene und von Vertretern aller jüdischen Parteien und Schichten massenhaft besuchte Versammlung sandte ein Protesttelegrämm gegen die Suspendierung der Ghaluz-Zertifikate an das britische Kolonialamt. In dem Telegramm wird die Ocffnung der Tore Palästinas für die Juden gefordert. '49 mährische Kultusgemeinden protestieren. Brünn, 1. Juni. (J. T. A.) Der 49 jüdische Gemeinden umfassende Verband der mährischen Kultusgemeinden faßte auf seiner Tagung eine scharfe Protestresolution gegen die Suspendierung der Ohuluz-Alijoh. Die Resolution wurde dem englischen Gösau dten in Prag übergeben. RUNDSCHAU Die Erlöser der Menschheit. Eine Moskauer Meldung besagt, daß auf der dritten Konferenz der Lehrer der jüdischen Schulen in der Ukraine wenig ergötzliche Dinge zur Sprache kamen. Ein Punkt der Tagesordnung war der Erstellung eines Lehrprogramm.es fürdie landwirtschaftlichen jüdischen Kolonien gewidmet. Bei dieser Gelegenheit wurde festgestellt, daß der Stand der Bildung in den jüdischen Kolonien ein erschreckend niedriger ist. Eine große Schar von Kindern treibt sich verwahrlost herum, ohne die primitivste Schulbildung. Der Grund hiefür ist nicht, daß die Kinder die Schule meiden und in diesem Bestreben von törichten Eltern bestärkt werden. Nein! Diesen Kindern wird das Betreten der Schule behördlich verboten! Es sind die Kinder ehem a 1 i ge r H änd 1 e r und Kulaken, das heißt jüdischer Bauern, welche vor der Enteignung größere und bessere Grundstücke besaßen. Diesen Kindern ist von den Söwjetbehörden das Recht der'Teilnahme am S c h u 1 u n t c r r i c h t e n t z o g e n. Sie müssen4 umherirrende Tiere werden . . .. ,; Ein in der Geschichte menschlicher Grausamkeit, und Verkommenheit einzig dastehender Akt I i Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtos E bezeichnet, Weil der Vater einmal um drei Ziegen und vier Schafe mehr gehabt, weil die Mutter mit Seife und Schuhriemen gehandelt hat, darf das Kind nicht schreiben und lesen lernen. Man hat dem Vater die Schafe und die Ziegen weggenommen, der Mutter den Kramladen und die Hausierschachtel, sie und die Kinder zum Hungern verurteilt. Aber damit ist dem Geiste der Menschenerlösung nicht Genüge getan. Die Kinder müssen auch geistig verhungern, verludern, verkommen. Es gibt krankhaft veranlagte Menschen, welche Kinder schänden und martern. Ihre Verbrechen verblassen neben dem Treiben dieser regierenden Banditen. Es verblaßt der blutrote Ruhm der Menschenwürger und Menschenbrater der heiligen Kirche von anno 1400. Und es gibt im Westen eine Jugend, welche von den hehren Idealen des Bolschewismus träumt, es gibt im Westen Lehrer, politische Führer und Zeitungen, welche von der geistigen Befreiung und Erlösung der jungen Menschen in Rußland erzählen. Man ist ja nicht mit allem zufrieden, was dort geschieht. Aber die Jugend! Frei wächst sie auf und geht festen Schrittes in das Reich des Wissens. Man sieht sie überall, die Bilder, welche zeigen, wie pelzumwickelte Nomadenweiber und Kinder vor der Schultafel sitzen, Menschenfresser und Renntierhirten Unterricht genießen. Nifeht'nur' in sozialistischen, auch in bürgerlichen Zeitungen kann man die. herzerfreuenden Bildchen sehen, Aber, in

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