Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 142 (6.6.1930)
- Date
- 1930-06-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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! _ ^1!ll!llllllimilinilll!ftllllll!ll!lll!lll!!l!ll!lllllllillllllllllllilill!!!il!!lllll!llll | VORNEHME FAMILIENPENSION | vormais Dr. G RUNBERG AM SEMMERING j | HOCHSTRASSt Nr. 43 (Btl HOTEL PANHANS) | | Mäßige Preise / Kaffeehaus und Tanzgelegenheit im | | Hause / Besitzer: BCKSTEIN / Tel Semniering Nr. 11 | | FlioQandas Warmu. Kaltwasscr | | in jadam Zlmmar | iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiN anderer als Onody hätte mit Rücksicht darauf, daß Weiß schließlich nur Dorfschftcider war, sich zuerst vergewissert, ob der Schneider auch das für diese zwei Spezialanzüge erforderliche Material in Vorrat habe. Aber Oberstuhlrichter Onody hat noch niemals an einen Juden informative Fragen gerichtet. Dem Juden muß man befehlen und der Jude hat widerspruchslos zu gehorchen. Trotzdem wagte Weiß furchtsam und leise den Einwand vorzubringen, daß er erst nach Nyiregyhaza gehen müsse, um sich den erforderlichen Stoff zu beschaffen, daß er allein, ohne Gehilfen arbeite, und daher nicht imstande sein werde, die zwei bestellten Anzüge in einem Tag fertigzustellen. Oberstuhlrichter Onody erhob sich wutschnaubend von seinem Sitz, schrie den alten Schneider an, daß er auf seine Argumente nicht neugierig sei und unterbrach die Unterredung mit den Worten: „Sie haben meinen Befehl gehört und haben sich an ihn zu halten. Sie können gehen 1" Was blieb dem armen Weiß übrig. Er trachtete so rasch als möglich in die Stadt zu gelangen und wenige Stunden später saß der alte jüdische Schneider schweren Herzens bei der Arbeit an den zwei Anzügen für die Burschen des Oberstuhlrichters Onody. Trotz aller Anstrengungen konnten die zwei Anzüge bis zum Samstag vormittags nicht fertiggestellt sein. Im kleinen Tempel von Tisza-Eszlar war der Sabbatmorgengottesdienst im vollen Gange. Eine richtige Sabbatfreude konnte nicht aufkommen, denn jeder Jude spürte, daß irgend etwas Schreckliches in der Luft hänge. Da — der Gottesdienst hatte seinen Höhepunkt erreicht — erschienen lärmend mit schweren Getrampel zwei Panduren, befahlen die Unterbrechung des Gottesdienstes, holten den alten Schneider Weiß von seinem Sitz und führten ihn als Häftling durch die ganze Gemeinde zum Stuhlrichteramt ab. Als Weiß sabbatlich gekleidet vor dem blutrünstigen Oberstuhlrichter erschien, versuchte er darzulegen, daß er nach dem Gottes- 'dienst selbst erschienen wäre, um die Unmöglichkeit, die zwei Anzüge während dieser, wenigen Stunden fertigzustellen, nachzuweisen. Aber Onody ließ den armen Sünder gar nicht zu Worte kommen. Sein Urteil lautete kurz und bündigt „Hinein in den Hühnerstal II" Und eine Minute später büßte Schneider Weiß seine „Unpünktlichkeit" zunächst mit dem Arrest im Hühnerstall. Das erniedrigende Urteil und seine Durchführung versetzte die Juden von Tisza-Eszlar in ungeheure Aufregung, denn man wußte, daß es nunmehr einen Kampf auf Tod und Leben geben werde. Gegen Abend gelang es den Führern der Judengemeinde von Tisza-Eszlar, Weiß aus seinem menschenunwürdigen Arrest zu befreien, während eine Abordnung nach Nyiregyhaza fuhr, um gegen den Oberstuhlrichter Beschwerde zu führen. Der Yizegespan hielt die Angelegenheit für so dringend, daß er die Disziplinaruntersuchung gegen Onody anordnete und ihn selbst vom Amte suspendierte. Der offene Kampf hatte begonnen. Die Disziplinaruntersuchung fiel zugunsten des Oberstuhlrichters aus. Dadurch wuchs seine persönliche Macht geradezu ins Unendliche. Er durfte es wagen, ganz offen zu erklären, daß er nicht ruhen werde, bis er gerächt und das Judentum vernichtet sein wird. In seinem Tisza- Eszlaer Kastell richtete er ein förmliches Büro ein, in welchem die Waffen im Kampfe gegen das Gesamtjudentum vorbereitet wurden. Diesem Büro stand ein leitendes Komitee, bestehend aus der Gräfin Korniss, dem katholischen Pfarrer Addern i t s und Onody selbst, vor. Sie arbeiteten wohl im geheimen, aber si sicher, daß kurze Zeit nachher von hier aus die Prophezeiung ausging, daß Tisza-Eszlar bald im Mittelpunkt der Weltereignisse stehen werde. Die Prophezeiung hat sich erfüllt. Das Ritualmordmärchen von Tisza-Eszlar hat viele Monate hindurch die ganze Welt in Atem gehalten und war der Ausgangspunkt einer antisemitischen Welle, deren verpestende Miasmen eigentlich bis heute fortwirken. DIE NEUE WELT Seif« r AUS PALXSTINA. Was die Araber Simpson erzählten. — Tausende arabische Arbeitslose, Jerusalem, 29. Mai. lssa EIissu, Redakteur des „Felestin", hat Sir John Simpson während seiner Unterredurtg mit den arabischen Notabelu mitgeteilt, daß es gegenwärtig in Jaffa 5000 und in Jerusalem 1600 arabische Arbeitslose gibt, duß in Palästina elf Millionen Dun am Boden bebaut weiden, von denen die Juden 900.000 Dunam kultivieren, so daß für jede arabische Baueinfamilie durchschnittlich 109 Dunam verbleiben, was etwa die Hälfte des für eine solche Familie notwendigen Bodens ausmacht. 20 Prozent der Fellachen seien landlos. Die arabischen Notabein vertraten gegenüber Simpson die Forderung nach sofortigem Verbot des Bodenverkaufes an Nichtaraber und die Einführung einer intensiven. Bodenbearbeitung, die arabische Familien in die Lage versetzen würde, mit 20 bis 25 Dunam gut bewässerten Bodens auszukommen. Dies könnte mit Hilfe einer zu schaffenden Landwirtschaftsbank geschehen, die Darlehen auf zehnjährige Frist geben sollte. Die arabische Exekutive hat Selim Farah damit betraut, Sir John Simpson zu begleiten und ihm Informationen über die arabische Landwirtschaft zu geben. Die südarabischen Jnden von der Sperre am schwersten betroffen« Jerusalem, 30. Mai. In einer in T e 1 - A w i w abgehaltenen Protestversammlung gegen die Suspendierung der Alijah erklärte der Vertreter der jeminitischen Juden Itzhok A richo, die Suspendierung der Einwanderung treffe die jeminitischen Juden am schwersten. Wir werden, sagte er, unsere Stimme zu Gott und zu der Menschheit erheben, und an unsere Brüder Überall appellieren. Die Verordnung muß zurückgenommen werden. Ein zweiter jeminitischer Redner in der Versammlung, B e t i c h i, führte aus, eine Aufrechterhaltung der Suspendierung bedeute den Untergang von 45.000 Juden im Jemen, deren einzige Rettung die Auswanderung nach Palästina ist, die aber nicht über genug Mittel verfügen, um als Mittelstandseinwanderer nach Palästina zu kommen. Die früheren Angehörigen der jüdischen Legion in Palästina hielten in Tel-Awiw eine Massenversammlung ab. In der in der Versammlung angenommenen Resolution werden die Legionskameraden der ganzen Welt aufgefordert, ihren ganzen Einfluß für Zurückziehung der Verordnung über die Suspendierung der Chaluzeinwanderung einzusetzen. UFA-TON-KINO Wien, II., Taborstraße 8 Tel. R-41-2-41 Das Filmtheater der guten Oesellschaft zeigt täglich: Emil Jannings m DER BLAUE ENGEL Marione Dietrich Beginn: Wochentag %8 und 9 Unr- Sonntag: ab 3 Uhr. Die Klagemauer-Kommipsion des Völkerbundes Juni in Palastina. Jerusalem, 30. Mai. (J. T. A.) Wie die J. T. A. erfährt, wird die von der englischen Regierung vorgeschlagene und vom Völkerbundrat bestätigte Kommission zur Festsetzung der jüdischen und der arabischen Rechte an der Klagemauer, die sich aus den Herren Eliel Löfgren, Charles Barde und Van Kempen zusammensetzt, gegen Ende Juni in Jerusalem eintreffen. Dr. Cyrus Adler, Vorsitzender des von der Jewish Agency ernannten Klagemauer- Komitees, der das jüdische Material für die internationale Kommission bearbeitet, wird gleichzeitig mit der Kommission nach Jerusalem kommen. Dem von Dr. Cyrus Adler gewählten Komitee gehören mehrere bekannte Gelehrte und Rechtsanwälte in Palästina an. * Die Polizei entfernte während der Andachtsstunde den etwa 10 Ellen von der Mauer entfernt aufgestellten, den Andächtigen unentbehrlichen rituellen Waschständer. Der jüdische Aufseher, der dagegen protestierte, wurde von der Polizei in Haft genommen, aber einige Stunden später freigelassen. Die Revisionisten beteiligen sich nicht an Simpsons Arbeiten. Jerusalem, 29. Mai. (J. T. A.) In einem Schreiben an den Waad Leumi erklären die Führer der Revisionisten in Palästina, sie seien nicht in der Lage, die Untersuchungsarbeit von Sir John Hope Simpson zu unterstützen; eine Zusammenarbeit wäre ihnen nur möglich auf der Basis der von Großbritannien übernommenen internationalen Verpflichtungen. Simpsons Mission sei das Ergebnis der Empfehlungen der Shaw-Kommission, so daß für die Juden Anlaß besteht, Simpsons Arbeit mit Mißtrauen zu beobachten. Wir hegen keinerlei Feindschaft gegen Sir John persönlich, heißt es in dem Schreiben: wir würden ihn unter anderen Umständen begeistert empfangen haben. Wenn wir davon Abstand nehmen, an seiner Untersuchung teilzunehmen, möchten wir nur klar dartun, daß Sir Johns Mission gegen die Fundamente des jüdischen National heims gerichtet ist. Ein britischer Polizeisergeant in der Nähe von Haifa ermordet. Jerusalem, 29. Mai. (J. T. A.) Sergeant William Singleton aus Lisburne, Grafschaft Antrim. eines der ältesten Mitglieder der britischen Sektion der Palästinapolizei, wurde am 26. Mai abends an der Akko-Bucht in der Nähe von Haifa ermordet. Sergeant Singleton begleitete ein jüdisches Mädchen, Rachel Berenson, nach Hause, als ein Fremder an ihn herantrat, ihm das Wort . Ü0R1BM1I des Ersten allgemeinen Beamtenvereines Wien erteilt an Sfffentllohe u. Bundetangettellte «llei* Katfldorlen sowie an Penslonltten zu den gOn* •tlcsten Bälllflflungan und gegen höchst annehmbare. ROekzahlungsmodalltSten ih a langfristige Personalkredite ohne Lebensversicherungspolixze Die monatlichen Rückzahlungen werden bei derZlnienberechnung berücksichtigt Die monatliche Rate beträgt für ein Darlehen von SIOOO.- $25.- Dle Erteilung von Auskünften über Spareinlagen und Entfegennahme von Darlehensansuchen erfolgt vorspssen« rai durch die Zentrale: Wien XVIII, Welmarerstr. 28 und durch die Stadtbüros: Wien 1, Kärntnerstr. 26 (Eingang Schwangasse 1) V, Uranlastr. 2 Jtf: „Jude" zurief und einen Schuß auf ihn abgab, der ihn tödlich ins Herz traf. Der Mörder flüchtete. In Haifa wurden einige Araber unter dem Verdacht, mit dem Mord in Verbindung zu stehen, verhaftet. Miß Rachel Berenson schilderte während eines vierstündigen Verhörs die Umstände des Mordes, den sie sofort bei der Polizei zur Anzeige brachte. Das jüdische Erziehimgsproblem. Von Oberlehrer Julius Steiner, Graz. Der Verfasser ist der Leiter der einzigen jüdischen Gemeindeschule in Oesterreich. Wir gewähren dem verdienstvollen Fachmannc gerne Gelegenheit, seine Ansichten zu entwickeln. II. Religionsunterricht und Hebräisch*). Die jüdische Bildung der Jugend beschränkt sich heute auf zwei Stunden in der Woche. Das ist ganz un-' zulänglich. Aber das Ausmaß der Stunden ist durch das Staatsgesetz festgelegt. Den Lehrplan, der erst voriges Jahr der Behörde vorgelegt und angenommen wurde, habe ich in der Nr. 54, Jahrgang 1928, der „Neuen Welt" einer eingehenden Kritik unterzogen, mußte aber zugestehen, daß der Erfolg des Unterrichtes nicht vom Lehrplan abhängig ist, sondern einzig und allein von der Person des Lehrers. Auch die Lehrbücher geben nicht den Ausschlag. Das ist totes Material, das; erst durch den Lehrer lebendig wird und sich auswirkt. Im allgemeinen kann über den Stoff gesägt werden, daß der Religionsunterricht das ganze jüdische Leben erfassen muß. Er soll die jüdische Schule ersetzen, in welcher das Judentum im Mittelpunkte des Gesamtunterrichtes steht. Der Unterricht ist lebensvoll zu gestalten. Er erwecke Interesse dadurch, daß man die Vergangenheit in Beziehung zur Gegenwart bringe. Der Schüler hat an dem Heute mehr Interesse als an dem Gestern. Gegenwart ist Leben. Man schöpfe aus dem Erlebnis des Kindes, so wie es die Schulreform für den übrigen Unterricht vorschreibt. Irgend eine Beziehung werden alle Schüler zum Judentum haben, da kann man anknüpfen. Die Methode des Unterrichtes muß sich den pädagogischen Errungenschaften der Gegenwart anpassen. Allerdings, wenn man hört, daß die 80 Religionslehrer Wiens weder mit dem Schulamte noch untereinander Kontakt haben» daß seit zwei Jahren keine Konferenz getagt hat, so sind das Mißstände, die keinen günstigen Erfolg aufkommen lassen und für welche die zuständigen Faktoren nicht genug scharf zur Verantwortung gezogen werden müßten. Der Schaden, der auf *) Siehe Nr. 141. Wochen-Kalender Mai 1930 VND smn Siwan 5690 6 Freitag 10-' Sabbateingang 7.45 7 Samstag 11-jn Sabbatausgang 8,42 Tia «n» vro miöon ,m 8 Sonntag 12-^ 0 Montag 13-» 10 Dienstag 14-p 11 Mittwoch 15-i» ' 12 Donnerstag