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Die neue Welt · 1930-06-06 · Heft 142 (6.6.1930) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 142 (6.6.1930)
Date
1930-06-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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ßtXie 8 DIE NEUE WEL i Nr m r^^JFf/CJEl yg/Sz ß €>§4M£='M i//^ a4> ptlAnzliche ,entfettungsmittel. Ein Jude, der über Palfistina herrschte. Der sonderbare Roman des Haim Farcliy. Von Jacob de Haas (New York). n. die Weis« angerichtet wird, ist einfach nicht gutzumachen. Eine Regeneration der jüdischen Erziehung im allgemeinen und besonders des Religionsunterrichtes, erwartet man von der Hebräisierung. Was über diesen Gegenstand in Verbindung mit den Debatten in der Wiener Kultusgemeinde publiziert wurde, zeigt von unklaren Vorstellungen. Gerade auf diesem Gebiete tut aber Klarheit, Zielsicherheit not. Die Forderung nach dem Hebräisch-Unterrichte darf nicht zu einem leeren Schlagwort für Versammlungen und Artikel, zu einem Aufputz für Parteiprogramme gemacht werden. Sie ist . eine heilige Angelegenheit aller, die noch am Schicksal des Judentums Anteil nehmen. Es steht fest, daß die Methode des bloßen Vorsagens und Nachsprechens, des Diktierens und Nachschreibens, der Uebersetzung der hebräischen Texte verfehlt ist. Diese mechanische Tätigkeit kann den Schüler nicht anregen. Sie wirkt auf die Dauer ermüdend und langweilig. Demgegenüber stellt man Forderungen auf, die ins Extrem gehen. So z. B. wird verlangt, daß vor dem Beginne des Bibelstudiums und der Uebersetzung der Gebete die hebräische Sprache als lebende Umgangssprache nach der Art der Berlitz- Methode zu lehren sei. Andere verlangen vorerst grundlegende Kenntnis der hebräischen Sprache auf grammatikalischer Grundlage. Von der ersten Forderung kann gesagt werden, daß sie mit dem Zwecke des Religionsunterrichtes in keinem Zusammenhange steht und innerhalb desselben keinen Raum finden kann. Der Religionsunterricht erfordert die Kenntnis der hebräischen Sprache, soweit sie zum Verständnis der Gebete und der Liturgie notwendig ist. Und dazu reicht. die zur Verfügung stehende Zeit nicht. Was darüber hinausgeht, muß in besonderen Kursen gepflegt werden. Dazu müssen alle beteiligten Faktoren ihre Unterstützung bieten. Die Lehrer müssen unter den Schülern Propaganda für den Besuch von Kursen entfalten, die Gemeinden und andere Körperschaften müssen die! Mittel, soweit sie nicht durch Beiträge 4er Lernenden bestritten werden, beisteuern, in Zeitungen und Versammlungen, von der Kanzel herab muß der Ruf nach Erlernung der hebräischen Sprache; eindringlich und konsequent ergehen. Die methodische Forderung nach grammatikalischer Kenntnis des Hebräischen vor dem Beginne■!der Uebersetzung steht im Prinzipe dem Zwecke des Religionsunterrichtes näher, muß aber nach den aus der Praxis sich ergebenden Erfahrungen modifiziert werden. Die Erlernung einer fremden Sprache setzt die Kenntnis der F o r m e n der Muttersprache voraus. Deshalb, beginnt man in der Mittelschule mit den fremden Sprachen erst in der zweiten Klasse. Man traut der jetzt vierklassigen Volksschule die Bewältigung des nötigen Stoff es nicht zu und will in der ersten Klasse die mangelhaften Kenntnisse vervollständigen. Konsequenterweise, müßte auch der Unterricht der hebräischen Grammatik auf dieser Altersstufe einsetzen. Die Zeit bis dahin wäre für Leseübungen und das Erlernen der hebräischen Schrift, zu verwenden. Das aber ist unmöglich, denn dann hätten die Kinder bis zum elften Lebensjahre kein Gebetstück, keinen Vers der Bibel kennengelernt. Das religiöse Moment würde aus dem Unterrichte gänzlich entfallen, oder man müßte sich auf deutsche Gie betebeschränken, was dem Geiste des Judentums widerspricht. Auch könnte in den noch zur Verfügung stehenden drei Jahren, denn die meisten Kinder genießen nur bis zum vierzehnten Lebensjahre Religionsunterricht, der notwendige Stoff nicht durchgearbeitet werden. Die Uebersetzungstätigkeit muß deshalb früher, das heißt schon in der Volksschule, einsetzen, an leichten Texten, die den Kindern schon dem Inhalte nach bekannt sind. Dabei wären die grammatikalischen Formen, soweit sie der jeweiligen Altersstufe faßlich sind, zu erklären, damit sich die Kinder nach und nach einen Wortschatz aneignen. Hier kann über den Gegenstand nur skizzenhaft gesprochen werden. Die weitere detaillierte Ausarbeitung bleibt den Fachmännern überlassen. Es lassen sich auch keine starren Normen aufstellen. Lokale Verhältnisse, das Schülermaterial usw. sind zu berücksichtigen. Was den ganzen Unterricht belebt, ist die Persönlichkeit des Lehrers. Von seiner Begeisterung, von seiner Hingabe hängt der Erfolg ab. BEI ABBAZIA!■ Äli \Ji f& ^9 iAi Orthod. kosch. Pension WEISS neu eröffnet Erstklassige Küche Mäßige Preise Auf Wunsch Prospekte „Es ist nur die halbe Wahrheit, wenn man sagt, daß A k k o seinem Marsch nach Indien ein Ende setzte.** So schreibt Emil Ludwig über das französische Orient« unternehmen von 1798 in seinem sehr farbigen und sen* sitiven Napoleon«Buch. Wenn man den ernsteren Historikern folgt, so ist das Mißlingen der Einnahme einer alten, drittrangigen Festung das Ende vom Traum eines östlichen Imperiums des großen Franzosen gewesen« Der Marsch des modernen Alexander wurde von Sir Sidney Smith aufgehalten, einem Admiral, der zu dieser Auf« gäbe lange vorher vorbereitet war, von einem wenig be* kannten Juden, den die zeitgenössischen hebräischen | Poeten als neuen Salomo besangen und dessen richtiger Name Haim Mu'allimFarchy war. Der britische Admiral hatte keine jüdische Aufgabe in diesem Kampf, aber er brachte wenig Vertrauen irgendwem außer seinen eigenen Leuten entgegen. Napoleon jedoch erließ Graetz zufolge „einen Aufruf an die asiatischen und a f r i* kanischen Juden, unter seinem Banner zu mar* söhieren, und versprach, ihnen das heilige Land zu'über? geben und wiederherzustellen das alte Jerusalem in sei« nem einstigen „Glanz", mit der Absicht, „Farchy für seine Sache zu gewinnen". Die Juden reagierten auf Bonaparte nicht, Farchy wurde nicht gewonnen, und so hatte der künftige Weltbeherrscher recht, wenn er, als er gegen Akko vorstieß, zu Murat sagte: „Das Schicksal des Ostens hängt von diesem kleinen Städtchen ab." Denn nach kurzer Belagerung mußte Napoleon abziehen, wäh* rend Djezzar, „der Schlächter", am Eingang seines Palastes in Akko saß und allen jenen Geld austeilte, die Köpfe von Franzosen brachten. Haim Farchy, der Jude, spielte in diesem weltge* schichtlichen Drama eine nahezu legendenhafte Rolle. Er. war ein gebürtiger Damaszener, in Damaskus gegen 1750 geboren, zu einer Zeit also, da es in Syrien noch keine Zeitungen gab und es den Reisenden freistand, Wunder« geschienten über den Orient zu erfinden. Und Farchy spielt in ihnen eine noch interessantere Rolle als sein besser bekanntes' Prototyp Jud Süß Oppenheimer aus Württemberg. In den ^Vierzigerjähren , des 19. Jahr« hunderts erregte seine romantische Karriere die Auf«, merksamkeit von. Garmö3|r und mehrerer anderer jüdi« scher Schriftsteller, die viel Lob seiner Weisheit spen* deten, ohne genauer berichteri zu können, : worin seine Weisheit bestand und wl|rum seine Größe von Dichtern besungen wurde. . II. Trotz alledem war Farchy ein ganzer Mann, wert, aus der Dunkelheit herausgezogen zu werden, der ein Mann anheimgegeben sein mußte, der einen orientali* sehen. Thron umgab. Er war der Sohn des Saul Farchy, eines Abkömmlings einer alten und wohlhabenden Fa« milie aus Damaskus, die in der hebräischen Lite« ratur, in der Finanzwelt'und im Staatsdierist eine Rolle spielte. Saul hatte mehrere Söhne: Raphael, Jossef, Ma« nasche, Suleiman und eine'-' Tochter, war selbst Minister und Schatzmeister des Pascha von Damaskus und tat viel dazu, seinen Söhnen die gleiche Karriere zu er« möglichen. Jeder Gesandte und jeder Besucher in Da* maskus im 19. Jahrhundert stand in geschäftlicher Ver* bindung mit dem Hause Farchy, aber in jenen Tagen mußten die Juden in allen Städten des Orients nicht nur in Ghettis leben, sondern besaßen auch zum Teil an* sehnliche Selbstverwaltung. So lebten die Farchys in einem palastartigen Haus, dessen sichtbare Außenfront Wall und Graben trug, und der gewöhnliche Türke oder Fremde mußte, wenn er vorüberging, Ehrenbezei« gung leisten. Hier befanden sich das Amt, die Bank und der Versammlungsplatz für Fremde/ So boten sich diese Rothschild des mittleren Ostens vor 170 Jahren der Außenwelt. Hinter dem Amt war das palast* artige Heim, in dem Luxus herrschte, ein Harem einge« richtet war. Haim Farchy hatte eine ausnehmend gute Er« Ziehung genossen — darüber besteht kein Zweifel. Er war zum Rabbiner bestimmt, geriet aber schon in der Jugend in einige politische Affären, wurde rfach Kon* stantinopel zur Rechtfertigung beordert und, da er die Summe nicht aufbrachte, die ihm auferlegt wurde, geriet er dort in große Gefahr. Deshalb eilte seine Schwester, von der dezidiert behauptet wird, daß sie von im Orient ungewöhnlichem, ausgesprochen männlichem Typus war, von Syrien nach Konstantinopel. Am ersten Freitag nach ihrer Ankunft tat sie es dem Sultan gleich, indem sie genau nach Art des „Schattengottes auf Erden", umgeben von einer glänzenden Reiterschar, die übliche Selamlik« Prozession zur Sophia*Moschee antrat. Diese Hasard* Methode zur Petitionierung des Sultans hatte Erfolg und die Schwester konnte ihren Bruder im Triumph nach Damaskus zurückbringen. Da das Gesetz der Kontraste das Gesetz des Ostens war, erregte diese Eskapade die Aufmerksamkeit Djezzars des „Schlächters", des Kommandanten von Akko und Sidon, des Herrn über Libanon, einige Zeit laJ^tiAllHlA nach Gemälden berühmter VOD6lllt9lU<"scHer Haler HERZL-Gobelins erzeugt Atelier ZahradltIii Wien. V., Anzengmbergasöe Nr. 30 Telephon U-40-9-17 hindurch auch Paschas von Damaskus, der auch zugleich über Jerusalem herrschte, also wirklicher Herrscher Pa* lästinas war, auf Haim Farchy. Die Angelegenheiten irgend einer Provinz hingen in jenen Tagen viel von der Macht der Lokalherrschaft ab, die das Recht hatte, Tribut einzuheben und Armeen zu organisieren. Haim Farchy wurde Schreiber, Bank« halter, Schatzmeister und Vertrauensmann des Paschas. Da damals in den Provinzen des türkischen Reiches nach dem Willen des Hofes Paschas kamen und gingen und der oberste Minister eine Lebensstellung hatte, so war die Position des Farchy praktisch mit der Beherrschung des Paschaliks verbunden. Djezzar „der Schlächter" war ein Mann von großen Fähigkeiten. Er erbaute aus den Marmorruinen von Cäsarea eine Moschee, war sein eigener Architekt und Ingenieur. Auch Haim Farchy mußte in diesen Dingen einige Kenntnisse besessen haben, denn eine diesbezügliche fachmännische Unterhaltung war das Vorbild für seine eigenen späteren Unternehmungen. Djezzar war im Jahre 1775 eingesetzt, und wir er* halten ein Zeugnis von seinen Qualitäten durch einen Brief, der im Jahre 1783 geschrieben wurde, worin sich die lateinische Kirche in Jerusalem beklagt, daß er zum regulären Jahrestribut von 14.000 Piastern eine Zugabe von 25.000 Piastern, zahlbar innerhalb sieben Jahren, fordere. Djezzar, der der Geburt nach ein bosnischer M a* m e 1 u k, kultivierte in einer Zeit, da das Embleme der Macht Grausamkeit war, herodianische Verwaltungs* methoden. Da er fand, daß seiner Beamten gute Fähig« keiten mehr Aufmerksamkeit fänden als seine eigene Person, so ordnete er an, daß man ihn, Haim Farchy, eine-s Ohrs und eines Auges beraube und ihm die Nasenspitze abschneide. Haim, so erzählt uns einer seiner guten Bekannten und Bewunderer, richtete es so ein, daß nichts außer der Deformierung der Nase ausgeführt werde. y „ - .... HI. ... .. ■ ■■ r. .... Als Djezzar starb, verstand es Haim, auf dessen Posten S u 1 e i in a n Pascha zu bringen. Das waren Haims Glanztage. Suleiman liebte die Bequemlichkeit und seinen Harem. Er übertrug alle Autorität auf den vielgeschäftigen Haim, der Palästina eine Blütezeit wie*' derzubringen begann. Der „Schlächter" hatte die Hälfte der Bevölkerung aus Palästina entfernt, Haim brachte sie zurück, führte neue Landwirtschaftsmethoden ein und erleichterte die Position der Juden in allen Teilen des Landes. Es besteht die Vermutung, daß Haim messia* nische Absichten hatte. Die jüdische Bevölkerung in Tiberias, Safed und Jerusalem wuchs an Zahl. Akko wurde wieder ein Geschäftszentrum und Jaffa erlebte eine seiner zahlreichen Wiedergeburten. Palästina' blühte und ein Jude war sein faktischer Herrscher. Aber Haim bereitete sich hier sein eigenes Schick* sal. Ali Pascha von Tripolis starb 1815 in Akko und Haim warf sein Auge auf dessen Sohn A b d u 11 a h, er* mutigte ihn, sich für die Aufgabe der Nachfolgerschaft Suleimans vorzubereiten. In der Tat folgte Abdullah dem Suleiman als Pascha von Akko, Sidon und der übrigen Ländereien und beließ Heim in allen seinen Macht« Positionen, ja erhöhte sie noch. Eines Tages schlug Abdullah, der seine eigenen außenpolitischen Ideen hatte, vor, die Befestigungen von Akko wieder aufzurichten. Haim opponierte die« sem Vorschlag, weil er ihn als gegen den Willen der Pforte gerichtet ansah, und gab trotz Warnungen seiner Freunde den Widerstand nicht auf. Dadurch brachte er sich und das ganze Judentum Kleinasiens in Gefahr. Abdullah hätte seinen alten Beamten und Erzieher gerne geschont, konnte aber nicht des Gedankens Herr werden, daß Haim und nicht er der wirkliche Beherrscher Akkos sei. Er rief seinen Polizeichef zu sich und ordnete den Tod Hai m s an. Der Polizeichef, so erzählt man sich, weigerte sich anfangs, betrat aber auf einen noch« maligen Befehl hin den Raum Haims und warf ihn nach erfekte hebräische und deutsche lehrerin Besucht für die vierklassige Schule der jüdischen Gern in Osijek (Jugoslawen). Ah fr ä'g e% am jwi opöina Osijek I. ^tmn il&t&gtoa**.,.*.^*,**, ^aiäfe. ^r^^ggjgg SHHBEl .....- J

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