Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 142 (6.6.1930)
- Date
- 1930-06-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14. Dlfi NEUE WELT Seite 5 1 ii'i feal Imii BHMfie PauT . schalpreise. Cneiarit: Di». S, Wttltt 600.000jüdischeKriegsopfer Der „W eltvcrband der jüdischen Kriegsbeschädigten, Invaliden, Witwen und Waisen" trat kürzlich in Paris zu einer Konferenz zusammen, der Delegierte aus der ganzen Welt beiwohnten und zu dessen Gästen u. a. der Großrabbiner Levi, der berühmte Anwalt Tor res, Präsident Viktor Bäsch und zahlreiche hohe französische Offiziere zählten. Das Präsidium bestand aus dem polnischen Sejmabgeordneten Zwi Heller, Prof. Lazar (Wien), Kapitän I s a a c (London) und Schalom Schwarzbarth. Nach der Festrede des Anwalts Torres, der der jüdischen Welt durch die Verteidigung Schwarzbarths bekannt ist, sprach der gewesene französische Kriegsminister F a b r i, um in warmen Worten der jüdischen französischen Freiwilligen zu gedenken, die sich im Weltkrieg für Frankreich geschlagen haben. „Das ist", rief Fabri aus, „die Revanche der Juden für Frankreichs gerechte Haltung gegenüber den Juden, wie sie die grollen Franzosen immer gepredigt haben. Wir wünschen, daß alle Völker daraas lernen." Die Delegierten der einzelnen Länder schilderten die Lager der jüdischen Kriegsopfer in ihren Staaten. Präsident Lazar (Wien) befaßte sich in ausführlicher Rede mit dem Problem der jüdischen Kriegsinvaliden Oesterreichs, das heute jüdische Kriegsbeschädigten aller Sukzessionsstaaten beherbergt. Nach seinen Ausführungen ist zwar für die Kriegsbeschädigten österreichischer Staatszugehörigkeit die Rente sehr gering (ein Invalider mit 45 Prozent Erwerbsunfähigkeit bekommt S 7 pro Monat), es steht ihm aber von Staats wegen kostenlose Heilbehandlung zu. Hingegen steht es um das Los der in Oesterreich lebenden ««ständischen Invaliden überaus traurig. Prof. Lazar hat zwar die Auszahlung einer kleinen Rente von den Heimatsstaaten erwirkt, was aber ihr Los nicht erleichtert, zumal ihnen eine kostenlose Heilbehandlung nicht gewährt wird und auch die jüdische Kultusgemeinde nicht helfend einspringen will, die ihre Schuld mit der Errichtung eines kostspieligen Monuments zur Ehre der gefallenen jüdischen Soldaten am Zentral- "riedhof abgetragen zu haben glaubt. Ein weiteres Kuriosum Oesterreichs ist die Gruppe der sogenannten „Reverslcr". Das sind jene Invaliden, die, um nach Wien zuständig werden zu können, einen Revers unterschreiben mußten, worin sie sich verpflichten, diese Zuständigkeit für keinerlei Rechtsansprüche geltend zu machen. Auch der österreichische Staat nimmt diesen Revers für sich in Anspruch. Der zweite österreichische Delegierte Pflaumenbaum und der polnische Abgeordnete Zwi Heller zeigten den Mangel an Interesse für die 600.000 jüdischen Kriegsopfer seitens der jüdischen politischen und charitativen Körperschaften, die Verschärfung ihrer Situation durch die Staatenlosigkeit zahlreicher jüdischer Invaliden und legten die Aufgabe der auf dem Kongreß in Danzig 1926 zum Weltverband zusammengeschlossenen jüdischen Invalidenorganisation (Intervention bei der österreichischen Regierung in der Frage der „Reversler" und bei der Internationalen Kommission für soziale Fragen beim Völkerbund) dar. Die am 11. Mai 1930 geschlossene Konferenz hat folgende Resolutionen angenommen: 1. Die Konferenz appelliert an die jüdische Gesellschaft und jüdischen Organisationen wegen moralischer und materieller Hilfe für die 600.000 im „Weltverbande vereinigten jüdischen Kriegsopfer". 2. Die Konferenz unterstreicht die Bedeutung der Weltorganisation der jüdischen Kriegsopfer als moralisches Instrument im Kampfe des jüdischen Volkes für uiiliiiiiiliiiiiiliiiiiiiiiiiililililiiiiiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiiiiJ: 1 Kaffes-Restaurant „Prainrfte - Lustige Witwe" | s ■■■■■■■■ Prater-Hauptallee ■■■■■Mi s s In obigem Etablissement wurde ein streng orth. yffo 3 f Selchwarenbflfett f s beliefert von der bestrenommierten Firma S i PETYAN & CO. I niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiR seine Gleichberechtigung in der Diaspora und Anerkennung in „Erez Israel". 3. Die Konferenz drückt ihr Mitgefühl mit den Opfern der letzten Palüstinaereignisse aus und appelliert an das Wcltgewissen, um den Juden beim Aufbau Palästinas zu helfen. 4. Die Konferenz stellt fest, daß der Weltverband bereit ist, mitzuwirken beim Kampfe der jüdischen Gesellschaft für politische, nationale und wirtschaftliche Gleichberechtigung. 5. Die Exekutive wird beauftragt, eine große Sammelaktion in allen Ländern zugunsten der jüdischen' Kriegsopfer durchzuführen. 6. Die Konferenz erklärt, daß alle Mittel angewendet werden müssen, um den in Wien lebenden „Revei'slcrn" zu ihrem Rechte auf Rente und Heilbehandlung zu verhelfen und setzt zu diesem Zwecke ßwUtg^ Die führende schwedische Weltmarke Nur diese Schwedenklinge macht Itasiereii zum Vergnügen ^Sad 4Pxtd^^JoAn6. (lüa* die MxfcuMj, oAne^^ (Oadfk^ldnfUmo^p^^iv Sfoa *ind o-Anet B#RS O Verlange Sil aodi Ihre ntutn Sdiohe gleitfi mit eingebauten BERSOH-Gommiabsätzen folgendes Komitee ein: Großrabbiner von Frankreich Israel Levi; Präsident der Alliance Israelite Universelle M. Sylvain Levi; Präsident der Liga für Menschenrechte Victor Bäsch; die jüdischen Generale Gaismar und Wailler, Großoffizicr der Ehrenlegion; Rechtsanwalt M, Henry Tortes; Prof. W. Qualit, Präsident der nationalen Kommission für Einwanderung in Frankreich; Pierre Drcyfus, der Sohn des Alfred Dreyfus; Deputierter Leon Blum. ier Zioilen Mittwoch, am 11. Juni um V29 Uhr abends im HERZL-Saal des Verbandsheimes, II., Untere Augartenstrafie Nr. 38 Gegenstand: Was seht in f Palästina vor 5 Referenten: Dr. N. Samonsky _Robert Stricker Der Vatikan und die RituaJmordlegende. Die Moskauer Zeitung „I s v e s t i j a" veröffentlicht aus dem Zarenarchiv Geheimdokumente, die beweisen sollen, daß der Vatikan in Rom im Jahre 1913 im Zusammenhang mit dem Beilis-Prozeß in Kiew die Ri tu a 1 mo r d -Legen de gestützt hat. In einem Rom, 18. November 1913 datierten Geheimbericht teilt „Lediggeher" in Tel-Awiw, Von J. D. Berkowitsch. Der bekannte Dichter J. D. B e r k o* witsch, Schwiegersohn und meisterhafter Uebersetzer Schalom Alejchems ins Hebräische, hat seinen Wohnsitz von New York nach TehAwiw verlegt. Seine Studien über das Wunderwerk TekAwiw zeichnen sich durch ganz neue Gesichtspunkte aus und fesseln durch ihre außerordentlich lebendige Darstellung. Im nachstehenden zeichnet Berkowitsch einen Typ, den wir in der Galuth häufig antreffen, der aber im schaffenden Palästina zu den grotesken Figuren zählt. 11") Jarmulkes für Amerika. Mit einem solchen „Lediggeher" hatte ich eine kurze, groteske Begegnung, Wer und was er ist, weiß ich auch heute nicht. Denn mehr als einmal habe ich ihn nicht gesehen. Aber sein Aussehen und das Gespräch, das er mit mir führte, blieb mir im Gedächtnis als etwas tief Tragisches, wiewohl das Thema ziemlich kurios war. Es war in den ersten Tagen meines Tel» Awiwer Aufenthalts. Einmal im Sommer, am frühen Morgen gegen sieben Uhr, klopfte man an meine Tür. Ich war sicher, es sei ein Telegramm. Als ich aber die Tür öffnete, sah ich vor mir das fremde Gesicht eines alten Mannes. Ich war überrascht und von so frühem Besuch unangenehm berührt. „Ach, sind Sie nicht böse", entschuldigte sich der Alte ein bißchen ironisch, „ich wüßt« nicht, daß Sie so lange schlafen ... Na gut! Sie können sich anziehen. Ich werde derweil vor dem Haus Spazierengehen." Er gab mir zehn Minuten Zeit zum Ankleiden, spazierte vor meinen Fenstern au! und ab und kam wieder zur Tür. Ich bat ihn auf die offene Terrasse. „Ich muß mich vor Ihnen noch-einmal entschuldig gen, daß ich Sie aufgeweckt habe", begann der Gast. „Aber ich muß Ihnen die Wahrheit sagen. Ich glaubte, daß Amerikaner viel zeitlicher auf den Beinen sind , «» ►) Siehe Nr. Hl. In TelsAwiw beginnt der Arbeitstag um sechs' Uhr morgens und ich stehe um vier auf ... Sie sind wahr* scheinlich Nachtarbeiter." Ich betrachtete meinen unbekannten Gast. Ein schöner schlanker Jude, arm; aber sauber gekleidet, dem Aussehen nach nicht gar so alt. Als er jedoch den Stroh» hut ablegte, machten der weiße Kopf und der graue Bart den Eindruck eines Greises. Das Gesicht sah offen, un* gezwungen, fast ironisch drein, aber in den blauen, etwas eingebogenen Augen lag tieftraurige Müdigkeit verborgen. Ich bat ihn Platz zu nehmen, fragte, wer er sei und was er von mir wolle. „Erlauben Sie mir, nur die zweite Frage zu beant« Worten. Ich habe Business für Sie." „Sind Sie Amerikaner?" „S i e sind Amerikaner. Ich spreche zu Ihnen in Ihrer Ausdrucksweise." „Und wer sind Sie doch?" „Das ist vorläufig unwichtig. Psst, wissen Sie, was? Ich werde mich Ihnen mit einem Pseudonym vorstellen." „Sind Sie Schriftsteller?" „Gott behütet Nie daran gedacht! Lo nawi anochi walo ben a nawi anochi! (Bin kein Prophet und auch keines Propheten Sohn.) 19h bin ein einfacher Jude, ein Kaufmann. Das heißt, ich war ein Kaufmann. Und warum soll sich ein Kaufmann nicht ein Pseudonym bei« legen dürfen? Denken Sie sich, man nennt mich „Par< nassos"! „Das ist aber ein Schriftsteller*Pseudonym. „Sie wollen just ein Kaufmannspseudonym?! Gut, nennen Sie mich Sewulon." „Na, kurz, was: wollen Sie von mir?' „Sie werden schon, wie ich sehe, ungeduldig. Ich hab' Ihnen zugleich gesagt, daß" ich in Geschäften zu Ihnen gekommen bin." „Ich bin aber kein Geschäftsmann." „Ich weiß ... ich bin aber ein Geschäftsmann! War ein Geschäftsmann! . , . Und wer kann wissen, aus unserem Gespräch wird vielleicht etwas Großes her« auswachsen, eine ganz große Sache. Also, ich geh gleich an die Sache. Sagen Sie mir, ich bitte Sie, man baut bei euch in Amerika, wie ich in den Zeitungen lese, Jewish Centres?" „Ja, man baut", sage ich und sehe ihn ver* wundert an. „Und Talmud Thoras — kommen neue hinzu? Man schreibt in den Zeitungen hunderttausend Talmud Thora*Kinder?!" „Ich kenne die Zahl nicht genau. Warum fragen Sie?" „Nur langsam . . . Am Rosch Haschana und Jörn Kippur gehen viele Juden in die Schul beten?" „Wem's paßt, der geht. Wozu müssen Sie das alles wissen?" „Nur langsam. Und ist es bei euch letztens Brauch geworden, daß fromme Juden, Orthodoxe Banketts ar* rangieren?" „Ich war bei Orthodoxen noch nie auf einem Bankett." „Schade, daß Sie nicht dort waren. . , . Jetzt werde ich Sie bitten, mir noch eine Frage zu beantworten. Wie* viel zum Beispiel Ihrer Berechnung nach kann Amerika alles in allem Jarmulkes jährlich verbrauchen?" „Jarmulkes?" „Was wundern Sie sich so? Jarmulkes. Gute sei* dene Jarmulkes aus gutem weißblauem Seidenstoff, vorne verziert mit kleinen goldenen Magen David , * . feinge* arbeitete Jarmulkes, die eine Zierde sein sollen auf jedem jüdischen Kopf in Amerika für Groß und für Klein. . . ." „Wer will die Jarmulkes fabrizieren?" „Nu ja, ich werde sie machen. Delfiner wird die Seide fabrizieren, amerikanische reiche Juden, die Sinn haben nicht nur für business allein, sondern für business in Erez Israel, werden das Geschäft finanzieren. Und ich werde das ganze Unternehmen aufs beste leiten . * . Von Ehrlichkeit nicht zu reden . » es gibt Menschen, die mich nicht erst seit gestern kennen ■ , < ich werde hundert brave yemenitische Juden in einen schönen großen Raum setzen und die werden mir jedes Jahr eine halbe Million Jarmulkes herstellen. Dabei werden ein Leben machen, wie man bei euch in Amerika sagt, nicht! nur die yemenitischen Juden, sondeiA auch einige gehaer