Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 141 (30.5.1930)
- Date
- 1930-05-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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1 ' Nr. 141 -~ f—' .......... i—.........—m^mmmm—■ setzlichen Besserstellung der Deklassierten die Lage in den Städten selbst bessern werde. Wie KOMZET festgestellt hat, haben sich in der Frühjnhrsperiode bis zum 1. Mai auf der Krim statt der erwarteten 3 000 nur 1614 jüdische Familien angesiedelt. Auch iii dcif Ukraine hat sich die Quote der jüdischen Neusiedler auf dic Hälfte vermindert. Die Oekonomisten des KOMZET Weizblüt und Kantor erklären in der Presse, daß die Lage in den von Juden bewohnten Kleinstädten nach wie vor eine hoffnungslose sei, und daß man das Tempo der jüdischen Landansiedlung nicht vermindern dürfe. In einer Delegiertenkonferenz der jüdischen Kommunisten in den Krim-Kolonien wurde Uber Maßnahmen beraten, wie man der Flucht der jüdischen Jugend aus den Kolonien Einhalt gebieten könnte. Die Jugden, so wurde bcrishtet, ist über die Kollektivierungsarbeit enttäuscht und sucht in der Stadt Arbeit, die auch Gelegenheit bietet, sich fortzubilden. Damit nicht zu viele jüdische. Techniker in die Industrie kommen. Moskau, 20. Mai. Die in Odessa bestehende größte jüdische technische Hochschule in der Sowjetunion, „Jewrobmo 1", soll, wie aus Regie* rungskreisen verlautet, demnächst in eine u k r a i n i« sehe technische Hochschule umgewandelt wer« den. Seitens der Zentralbehörden wird als Grund für diese Umwandlung angeführt, daß Jewrobmol der Odes* saer Industrie alljährlich nicht weniger als 15 0 q u a 1 i* fixierte Techniker zuführt und daß somit die „G e f a h r" besteht, daß in einigen Jahren die Odessaer Fabriken zu viele jüdische Techniker haben werden. Jewrobmol gilt als die beste technische Hoch* schule der Ukraine. In den 11 Jahren ihres Bestehens hat sie über 1500 hochqualifizierte Techniker der Industrie zugeführt. Gegenwärtig studieren an der Jewrobmol 400 junge Juden, meist Kinder von Arbeitern. Eine Erklärung des Verbandes demokratischer Zionisten Oesterreichs. Der „Neuen Welt" ist nachstehende Erklärung mit dem Ersuchen um Veröffentlichung zugekommen: In Nummer 127 des Organes des Zionistischen Landesverbandes „Die Stimme" ist eine von Mit* gliedern des früheren Präsidiums des österreichischen Keren Hajessod, den Herren Ludwig Bato, Adolf Böhm, Dr. Fritz Ekstein, Dr. Gelbard, Dr. N. M. Gelber, Dr. Josef Löwenherz, Siegfried Graubart, Moses Rath und Komm.sRat Max Markus unterzeichnete Erklärung er* schienen. In dieser wird gegen unseren Verband der Vorwurf erhoben, in seinem Wahlaufrufe zum österrei« chischen .Delegiertentage unwahre Mitteilungen über die Geschäftsführung und die Gebarung im öster* reichischen Keren Hajessod gemacht zu haben. Die Herren behaupten, daß der österreichische Keren Hajessod nie vor dem Niederbruche stand, daß seine Einnahmen seit 1928 in ständigem Steigen begriffen waren, daß nie eine um ordentliche Gebarung festzustellen war, daß das Direk* torium des Keren Hajessod in Jerusalem, also die Zentral* stelle des Keren.Hajessod, nicht über Eingreifen der demo* kratischen Zionisten interveniert hat. Sie behaupten fer* ner, daß die Demission des geschäftsführenden Vorsitzen* den Herrn Dr. Josef Löwenherz und die Dienstenthebung des Büroleiters Herrn Dr. N. M. Gelber in keinem Zu» sammenhange mit diesen Interventionen steht. Wir stellen zunächst fest, daß wir den Keren Ha* jessod nie in eine Zei tungspo lernik gezogen haben Wir haben unseren Wahlruf den zionistischen Wählern persönlich zukommen lassen. In dem Ab» drucke unseres Wahlaufrufes in der „Neuen Welt" waren die den Keren Hajessod betreffenden Stellen weg* gelassen, weil wir-über den Keren Hajessod nur mit den unmittelbar Interessierten sprechen wollten. Die obengenannten Herren haben es für gut befunden, eine Zeitungspolemik zu beginnen, noch dazu im offi* ziellen zionistischen Organ. Sie tragen also die Vers antwortung für eventuelle Weiterungen. Wir folgen ihnen in der Zeitungspolemik nur insoweit, als es der Schutz der Ehre unseres Verbandes und die Zu* rückweisung von Entstellungen notwendig machen. Wir wiederholen hiemit unsere, von den Herren als unwahr bezeichneten Behauptungen. Die Wirtschaft im Keren Hajessod war eine der* artige, daß sie bei weiterer Fortführung notwendig zum Niederbruche geführt hätte. Die Einnahmen und die nach Palästina abgeführten Beträge fielen rapid,. die Ausgaben waren unverhältnismäßig hoch. Das Keren*Hajessod* Direktorium in Jerusalem hat lange Zeit und immer wie* der in Briefen an den österreichischen Keren Hajessod und an Präsidialmitglieder auf diese Tatsachen und die ungeeignete Geschäftsführung verwiesen und auf Abstel* lung gedrängt. Es hat schließlich zwei auswärtige Dele* gierte zur Arbeit nach Oesterreich entsendet, welche gute Dienste leisteten. Der Vorsitzende, Herr Dr. Löwen* herz und der Büroleiter Herr Dr. Gelber haben auf Abberufung gedrängt. Sie brachten es dahin, daß Briefe drohenden Inhaltes nach Jerusalem gesendet wur» den, in welchen die sofortige Entfernung der Delegierten verlangt wurde. Man stand vor dem Abbruch der Beziehungen zwischen dem österreichischen Keren DIE NEUE WELT , Hajessod und der Zentrale. Dies war der Stand der Ange* legenheit, als der Vertreter unseres Verbandes in den Keren Hajessod eintrat und unser Verband solcherart Einblick in die Gebarung erhielt. Unser Vertreter hat nachweislich festgestellt, daß die Eingänge von S 252.000 in der Periode 1926*27 auf S 161.000 in 1927*28 und 10.000 in 1928*29 gesunken sind. Das nennen die Herren ein ständiges Wachsen! In diesen Beträgen sind, bis auf die periodische Subvention der Gemeinde und die außerordentliche Spende einer Einzelperson, welch beide Posten nichts mit der Arbeit der Kercn«Hajessod*Verwaltungen zu tun haben, noch irgend welche Kosten verursachten, alle Eingänge ent« halten. Die Behauptung der Herren vom ständigen Steigen der Eingänge ist daher unwahr, wahr ist unsere Be* hauptung, daß diese Entwicklung ohne Eingreifen von Seiten des Direktoriums des Keren Hajessod und unseres Verbandes zum Niederbruche hätte führen müssen. Es wurde ferner festgestellt, daß der Prozentsatz der laufenden Spesen schnell wuchs und daß überdies in den erwähnten Betriebsperioden außerordentliche, sehr große und ganz resultatlosc Aufwendungen gemacht wurden. Unordnung der Geschäftsleitung in dem Sinne, daß u n* rechtmäßige Verwendung von Geldern vorlag, hat nicht geherrscht, das wollen wir, um allen Mißverständ* nissen vorzubeugen, hervorheben. Aber Unordnung in dem Sinne, daß nicht mit der nötigen Sorgfalt, Umsicht und Gewissenhaftigkeit vorgegangen wurde, wurde fest* gestellt. Nach Klarlegung dieser Zustände hat der Vertreter unseres Verbandes den Wechsel in verantwortlichem, geschäftsführendem Vorsitz und in der verantwort* liehen Büroleitung gefordert. Als sein Antrag ab* gelehnt wurde, hat sich unser Verband mit einem ulti*. mativen Schreiben an das Kere n*H a j e s s o d* Direktorium in Jerusalem gewendet und sofor* tiges Eingreifen verlangt. Dann erschien der lei* tende Direktor des Keren Hajessod Herr Dr. Artur H a n t k e in Wien und verfügte die Einsetzung einer neuen, provisorischen Geschäftsleitung und den Ersatz des Büroleiters Herrn Dr. N. M. Gelber durch einen neuen Herrn. Herr Dr. Löwenherz gab hierauf seine Demission und mit ihm die Herren Markus, Rath und Bato. . . Dies erfolgte im November 1929. Seit dieser Zeit, auch auf diese Feststellung legen wir Wert, sind die Ge* barung und die Arbeit im österreichischen Keren Ha* jessod einwandfrei und verdienen Vertrauen. Auf diese Darstellung gestützt, erklärt der Ver* band die Behauptungen der eingangs erwähnten Herren für unwahr; für einen traurigen Versuch, die Wahr* heit zu verdecken und unseren;Verband in seiner zionistischen Ehre zu kränken. Als charak* teristisch sei erwähnt, daß der Revisionsbericht über die Gebarung im Keren Hajessod, auf welchen sich unsere Darstellung größtenteils stützt, von dem nunmehr ableugnenden Herrn Siegfried Graubart unter* schrieben ist. Der Verband weist den Vorwurf, Unwahrheiten vorgebracht zu haben, mit aller Entschiedenheit zurück. Da er den K. H. nicht zum Gegenstande detaillierter Zeitungspolemik zu machen gewillt ist, behält er es sich vor, eine in die Einzelheiten gehende Darstellung der Vorgänge im K. H. unter der früheren Geschäftsführung den beteiligten zionistischen Faktoren zugehen zu lassen. Für den Verband demokratischer Zionisten Oesterreichs: Der Obmann: Robert Stricker, die Obmannstellvertreter: Dr. L. Plaschkes, Dr. Z. Wieselberg, der Schriftführer: P. Wühl. MlsrachLZentrale, Wien, IL, Praterstraße 11. Sonn* tag, den 8. Juni 1. J., 10 Uhr vormittags findet im Mis* rachi'Heim, II., Praterstraße 11. eine Protestversammlung wegen der Sperre der Aliah n^JJ statt, wozu alle Mit* glieder und Gesinnungsgenossen eingeladen werden. Notizen. Dubnbw ist ihnen zu national. — Das Toben gegen Ussisehkin.— Der Begnadigungsrummel. — Katholische Akademiker semitischer Abkunft und die „Reichspost". Die Leute des Brith Schalom sind tapfere Man» ner. Die Judenschaft Palästinas und der Weltzionismus sind in schweren Kämpfen begriffen. Ein Schlag nach dem andern saust auf sie nieder. Hundertfünfzig Tote in E r e z I s r a e 1, die Lügen und Verleumdungen des Shaw*Bericht, die Sperre der Einwanderung, die an den Nerv des ganzen Zionismus rührt, diese Etappe einer hemmungslosen arabischen Offen* s i v e sind vom Mißgetön jüdischer Ghettorebellen gegen alle guten jüdischen Instinkte begleitet. Eine Kampagne gegen die jüdisch»nationa« len Gedanken und das Bangen der jüdischen Massen um ihre Zukunft tobt weiter — in einer sich „zionistisch" nennenden Presse. Eine Nummer der „Jüdischen Rundschau" bietet zwei Paradigmen. Die tollgewor* denen Ghettointellektuellen aus Prag und Berlin reiben sich an der Lebensarbeit eines jüdischen Gelehrten, der es wagt, sein Geschichtswerk in j ü d i s c h * n a t i o n a«\ lern Geiste zu gestalten; und an einem jüdischen Politiker, dessen Lebenswerk von der Ehr» furcht des ganzen jüdischen Volkes begleitet ist, an; einem Mann, weil er in der Frage der Palästinapolitik furchtlos und offen dem jüdischen Leidensschrei Aus» druck gibt. Seile? LAURANA ABBAziA Orthod. kosch. Pension WEISS neu eröffnet Erstklassige Küche Mäßige Preise Auf Wunsch Prospekte Prof. Simon D u b n o w's „W eltgeschichte des jüdischen Volkes" findet keine Gnade in den Augen eines .Kulturschreibers. Der Mann, Dr. Ernst, Simon, kanzelt den Prof. Dubnow ab, weil er Schalom Schwarzbart Ii „einen enthusiastischen Sohn des Volkes Israel" nennt und weil er von T e Ii * A w i w als „einer großen europäischen Stadt mit einer 40.oooköpfigen, ausschließlich jüdischen Bevölkerung" be» geistert ist. Simon, ein Ethiker aus Frankreich, verhöhnt Dubnow, weil er in seinem Geschichtswerk von den „jüdischen Männern höchster Sittlich* keit" spricht und gleichzeitig das „Zion Mule Corps", die während des Weltkriegs in Palästina kämpfende jüdische Legion, eine tapfere Schar nennt. Kurzum: dem Mann, der Dubnow die Propheten entgegenstellt,, ist die ganze jüdische Epoche, „deren Nenner säkttlari« sierter Nationalismus" heißt, nicht recht. Heilig, heilig, heilig der brave, noch nicht verblichene, alte Israeliten* liberalismus in zionistelndem Gewände! So will es auch sein politischer Genosse, von dem Ussisehkin ein „Nichtgenügend" bekommt. Ussisch« kin hat in einer Pressekonferenz des Keren Kajemeth in Jerusalem die Worte gesprochen: „Die Araber haben genug Länder. Palästina ist nur ein halbes Prozent des Bodens, der in ihrem Besitz ist. Dem gegenüber steht das jüdische Volk, das keinen Boden für seine nationale Existenz hat. Ist es nicht gerecht, daß uns dieses Land übergeben wird? Muß man wirklich unser Ideal ver« stecken und vermeiden, mit lauter Stimme über unsere Bestrebungen zu sprechen?" Dieses offene mutige Wort des alten Ussisehkin bereitet dem Sprachrohr des Brith Schalom, dem Chef» redakteur der Berliner „Jüdischen Rundschau", einen Tobsuchtsanfall. Der Herr Chefredakteur gibt den Anti» semiten recht, wenn sie angesichts solcher Reden „die Absicht des Zionismus, die Fellachen von ihrem Boden zu verdrängen" für wahr nehmen. Er haut der jüdischen Welt eine herunter, weil sie das Dokument des Shaw« Berichtes ein „antisemitisches Machwerk" genannt hat. Er verlangt „die offene Desavouierung des Standpunktes von Ussisehkin". Er bringt nochmals die Denunziation an, von den Zionisten, die keine Verständigung mit den Arabern wünschen. Sein Herz ist voller Freude darüber, daß Ussisehkin vor der Untersuchungskömmission nicht aussagen durfte. So spricht, ein führendes Organ der Zionistischen Organisation. Ist die Fragwürdigkeit eines solchen Zio» nismus den maßgebenden Faktoren zum Bewußtsein ge« kommen oder nicht? * ... Die Araber haben gemordet und geraubt. Die palä« stinensische Justiz, die wahrhaftig mit den Hooligans nicht allzu streng ins Gericht ging, hat immerhin, unbe» lastet von Wohlwollen für das jüdische Palästina (was die allgemeine Empörung der Jischuw über die Recht* sprechung bewiesen hat), einige Todesurteile gefällt. Darob gewaltige Diskussion in der Brith*Schalom# Presse. Petitionen fliegen zum High Comtnissioner. Jii« dische Weiber, von Allerbarmen und Menschlichkeit für die arabischen Mörder beseelt, betteln um Begnadigung. In diesem Chor fehlt auch unser altbewährter Kanzler Magnes nicht. Tut nichts zuer Sache, daß das ganze Erez Israel, der Waad Leumi, die Vereinigung der jü« dischen Aerzte, der Verband der jüdischen Rechts« anwälte, die Organisationen des Misrachi, der AUge» meinen Zionisten, ,der Verband der Revisionisten, die jüdische Studentenschaft der Hebräischen Universität usw. sich energisch dendie jüdische Solidarität sprengen« den Eingriff eines Häufleins von Marodeuren verbieten und die Zionistische Exekutive auffordern, dem Treiben Wochen-Kalender Mal-Juni 1930 IVO; .'snrr Siwan 5690 30 Freitag 3-J Sabbateingang 7.40 31 Samstag 4--, Sabbatausgang 8.34 iddd "»m möBn ,ianD3 1 Sonntag . 5-n . . mypw.my. 2 Montag 6-1 nTOtsn '*t 3 Dienstag : 7~? (TO) flOTWio 4 Mittwoch;S-m ' s Donnerstag 9-.» (