Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 141 (30.5.1930)
- Date
- 1930-05-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 141 jNk-Ife 4fe11 mm Ü nach Gemälden berühmter %JOD0llll5jtitf Itclicr Malftr HERZL-Gobelins erzeugt Atelier Zahradllik Wien, V., Anzengrubergasse Nr. 30 Telephon U-40-9-17 dieser Elemente ein Ende zu bereiten. Der Brith Scha* lom agiert. Die Todesstrafe ist gewiß ein problematisches Ab? Schreckungsmittel in der menschlichen Gesellschaft. Wer und was aber gibt die Beruhigung, daß das Gewähren* lassen destruktiver primitiver Instinkte gegen ein Werk der Zivilisation sich in Zukunft nicht tausendfach rächen wird? Es wäre vielleicht gut, die bestraften Hooligans als Geiseln in festem Gewahrsam zu halten, mit An« drohung der Justifizierung für den Fall, daß Mord und Raub an jüdischem Blut und Gut sich wiederholen. So oder so. Der Begnadigungsrummel ist politisch gefährlich. Es ist der Geist des Moschko, der Masochis* mus jener, die den Stiefel ihrer Feinde lecken. * Das neue Studehtenrecht an der Wiener ÜniversV tät mit dem Gedanken' der Studentennationen hat fein' Gujes. mit*1 sich gebracht: Unnahbarkeit und die Krise der jüdischen Assimilation. Wir konnten schon mehreremal das possierliche Getue der schlecht assimilierten, aber assimilationslüsternen israelitischen Liberalen, wie es in den diversen „judenliberalen" Blättern (mit den allwöchentlichen Nachwehen am Mon* tag) zum Ausdruck kommt, verzeichnen. Neben diesem hohlen, aus Feigheit und Chuzpe gemischten Gefasel ver* nimmt man dann und wann die Stimme eines tragischen Einzelfalles, der für die Fragwürdigkeit der Assimilation lim so bezeichnender ist. Ein Student j ü d i s c h e r Eltern oder, wie er sich selbst nennt,'„Katholisch er Akademiker semi« tischer Abkunft". Behauptet in der „Reichspost" vom 16. Mai für viele gleiche Schicksalsgenossen zu sprechen. Er, der in katholischer Frömmigkeit erzogen ist, j.keinen einzigen hebräischen Buchstaben kennt, dem. die nationale jüdische Kultur in dem Maße fremd ge* worden ist wie der jüdische' Glaube",' klagt die katho* lis'che; Politik' an, daß sie durch das Hineintragen des Rassestandpunktes, beziehungsweise des nationalen Ge# sichtswinkels dem semitischen Konvertiten die Tore ver* sperre- Dieser semitische Konvertit, befinde sich in einer verzweifelten Lage. Katholik nach Erziehung und^ aus Ueberzeugung, könne er in die . nationale, jüdische,* Gemeinschaft, in diesem aktuellen Fall in die jüdische Studentennation nicht eintreten, weil, wie er erklärt, beim Judentum eben Religion das Bindemittel des Volkstums - sei; dort, in die allkatholische Gemeinschaft, wo er auf* gehen möchte, werde er wegen seiner volksmäßägen Ab* stammüng nicht aufgenommen." Die katholische Politik schaffe also unüberbrückbare Gewissenskonflikte und ver* sperre' der katholischen Kirche die Konversionsmög* lichkeit. Ein katholischer Akademiker semitischer Abstam* mung — sonderbar, er will nicht pietätlos seiner Vor* fahren'vergessen!" — wird vor die Schicksalsfrage der Assimilation - gestellt. ,Er, das Endprodukt der denkbar letzten Assimilationsmöglich* keit, steht plötzlich am Anfang aller Assimilation. Welch circulus vitiosusl.Es gibt kein Entrinnen, Die; fromme,. (arische •. „Reichspoit" kennt, sich schon,gar nicht-aus. Sie-will die Seele retten, das'Fleisch aber muß sie aufgeben. Sie sieht den Juden als Katho« liken gern, aber* nicht gern in ihrer Studentennation. Sie rettet gern Seelen, konstatiert aber heuchlerisch re* signiert, daß das, was für die Gesamtheit, also für die katholische WeJt „das ausgebildetst'e menschliche Recht" ist, für gewisse Fälle, „das Häuflein katholisch gesinnter Akademiker semitischer Abkunft" das schwerste Unrecht bedeutet. Aber, fügt sie fromm hinzu, die Betroffenen müssen eben den Hinauswurf ertragen. In neuerworbener christlicher Demut. o. r. Joint Distribution Committee (Joint) hat 14,5 Mil* lionen Dollar in vier Jahren für das jüdische Aufbauwerk in Osteuropa und Palästina verausgabt. New York, 21. Mai. (J. T. A.) Herr James N. Rosenberg, Vizevorsitzender des American Joint Distribution Committee, der den Vorsitz in der Versammlung der Führer des New Yorker Drives im Allied Jewish Campaign inne hatte, führte in seiner Ansprache aus, daß die amerikanische Judenheit in den letzten vier Jahren durch das Joint Distribution Committee annähernd 14,300.000 Dollar für den Wiederaufbau des jüdischen Lebens in den Ländern Osteuropas und Palästinas hergegeben hat. Hauptarbeitsgebiet des Joint sind die Ansiedlung von Juden auf dem Lande, die Beschaffung billiger Kredite an Familienoberhäupter, um diesen die Erhaltung in gewinnbringenden Beschäftigungen zu ermöglichen, Kinderwohlfahrtsarbeit, Berufsausbildung, insbesondere im Handwerk usw. Herr llosenberg erklärte, dafl das Ziel des diesjährigen Drives: die Aufbringung von 6 Millionen Dollar unter der Judenschaft der Vereinigten Staaten, von denen 3Va Millionen Dollar für die Arbeit des Joint Distribution Committee und 2V> Millionen Dollar für das Palästina-Werk der Jewish Agency verwendet . werden sollen, erreicht werden müsse. Die Deutsche Liga für Menschenrechte protestiert gegen die Schaffung eines Lehrstuhls für Antisemitismus und die Berufung Günthers. Berlin, 20. Mai. Die „Deutsche Liga für Menschen» rechte" ruft die Reichsregierung und alle Geistigen Deutschlands zum entschiedensten Einspruch auf gegen die von dem derzeitigen thüringischen Bildungsministcr verfügte Berufung des Dr. Hans Günther auf einen neu geschaffenen Lehrstuhl für Rassenkunde an der Univers sität Jena. Die Liga weist darauf hin, daß die ernste anthropologische Wissenschaft die Schriften von Doktor Hans Günther als ein Sammelsurium tendenziöser Klitte* rung betrachte, daß die Berufung eines solchen Schrift* stellers an eine der angesehensten deutschen Universitäten offensichtlich parteipolitische Zwecke verfolge und daß die Tätigkeit eines solchen Universitätslehrers bei der Ausbildung der Jugend in empörendem Widerspruch zu dem Artikel 148 der Reichsverfassung stehe. Es wird des* halb gefordert, daß die Reichsregierung einschreite. Araber unter dem Hakenkreuz. Jerusalem, 20. Mai. „AI Hayat", das halboffizielle Organ der Arabischen Exekutive, schreibt: Wenn wir bis jetzt einzig und allein die Zionisten bekämpften, so ist es nun Zeit, England als unseren Feind anzusehen. Wir ersuchen die englische Regierung dringend, unsere Forderungen zu erfüllen. Wir werden mit friedlichen Mit* teln kämpfen. Achtung, Araber, euer Fall kann nur in Palästina gelöst werdenl Achtung, Moslemiten, das Hei* lige Land ist in Gefahr! Achtung, Christen, Eng» land will den Juden das Heilige Land, in dem Christus durch Juden gekreuzigt wurde, schenkenl Wir Moslemiten haben alles, \va9 wir vermögen, getan; jetzt müßt ihr Christen an un« seren Anstrengungen teilnehmen. Die deutsche Akademie plant eine wissenschaftliche Erforschung des Jiddischen. Berlin, 20.: Mai. Wie die Jüdische Telegraphen« Agentur erfährt, besteht in den Kreisen der Akademie zur wissenschaftlichen Erforschung und zur Pflege des Deutscht um s ein starkes Inter» esse für eine wissenschaftliche Erforschung der jiddi< sehen Sprache, Literatur und Folklore im Ramen der Arbeiten der Akademie. Der Plan, ein Institut für Nebensprachen zu errichten und hierbei der Erforschung des. Jiddischen als deutscher Nebensprache einen be* sonderen Platz einzuräumen, hat bereits greifbare Gestalt angenommen. Stätte dieser Forschungsarbeit soll die Universitär? Fra-nkfurt sein, vielleicht das Nieder lahdis'chV Ins'titut dieser Universität, dem eine wissenschaftliche -Stelle für deutsche Neben» sprachen angegliedert werden soll. Eine besondere Zeitschrift soll diesem Werke dienen, auch soll die notwendige Handbibliothek beschafft , werden. In den Kreisen der Akademie glaubt man, daß Frankfurt als eine Stadt mit alteingesessener jüdischer BevöL kerun g auch 'geographisch die geeignete Pflegestätte für Jiddisch sein dürfte. Allerdings glaubt man zu wissen, daß ger-ftde in reichsdeutschen jüdischen Kreisen eine gewisse Abneigung gegen die j i d d i s e h e S p r a c h e besteht. Gelehrte jüdische Kreise wurden gebeten, hierüber ihre Meinung mitzu* teilen, ferner darüber, ob jüdische Kreise auch zur Finan* zierung des Planes bereit wären. Die Archive des jiddischen wissenschaftlichen Instituts. Wilna, 20 .Mai. (J. T. A.) Das Folklore-Material des jiddischen wissenschaftlichen Instituts umfaßt jetzt über 85.000 Nummern. Die bibliographische Registratur der jüdischen Druckproduktion hat über 55.000 Nummern verzeichnet. Das Archiv umfaßt über 6000 Jahrgänge von Zeitschriften in verschiedenen Sprachen, daneben zirka 20.000 Aufrufe, Plakate usw., ferner zirka 1000 Manuskripte, Briefe bedeutender Persönlichkeiten usw. Auch das Museum, das ethnographisch wichtige Objekte enthält, und das Theatermüseum sind sehr vergrößert worden. — Die Bauarbeiten an dem „Haus für die ji^di s c h e Wissenschaft" in Wilna sind weit fortgeschritten. Ein feuersicheres Magazin zur Aufbewahrung wertvoller Objekte ist bereits fertiggestellt. — Außer den bereits erschienenen zahlreichen Publikationen in jiddischer Sprache bereitet jetzt das Institut einen Sammelbaod in deutscher Sprache im Umfang von etwa 30 Druckbogen yor, der Arbeiten seiner wissenschaftlichen Sektionen zur Geschichte, Philologie, Ethnographiej Wirtschaft und Statistik. Psychologie vereinigen soll. Die Auslandszentrale des Instituts befindet sich in B e r I i n. Unser tiefstes Beileid unserem lieben A. H. B I Marcus Boxer anläßlich des Ablebens seines unvergeßlichen ■ Vaters D AUS PALÄSTINA. Feierliche Einweihung des Hauses des Jüdischen Nationalfonds in Jerusalem. Jerusalem, 20. Mai. Am Freitag, den 16. Mai, am Tage des Lag B'Omcr-Fcstes, wurde das neuerbatite Haus des Jüdischen Nationalfonds in Jerusalem feierlich eingeweiht. Es ist eines der schönsten und monumentalsten Gebäude der Stadt. M. M. U s s i s c h k i n, der Leiter des Jüdischen Nationalfonds, leitete die Feier mit einer Ansprache ein, in der er ausführte: Unser Haus steht in seiner architektonischen Schönheit wie ein Bollwerk da, und in der Tat ist es ein Bollwerk unseres Bestrebens für Auslösung des Bodens. Wenn wir den Boden unter unseren Füßen haben, brauchen wir keine Katastrophen zu fürchten; wenn wir aber keinen Boden unter den Füßen haben, dann werden uns auch die besten Freunde nicht retten können. Die Einweihung unseres Hauses findet am Lag B'Omer statt, dem Tage, der symbolisch mit dem Namen von Rabbi Akiba verbunden ist. (Der Legende gemäß hat die Seuche, die unter den Schülern von Rabbi Akiba während der Omer-Periode wütete, am Tage des Lag B'Omer aufgehört.) Gleich Rabbi Akiba wünschen wir* unsere politischen Aspirationen mit unseren kulturellen und. geistigen Zielen zu verbinden. Von diesem Gebäude werden Aufforderungen an die Judenheit ergehen, sich zu beeilen, und das Land ohne Volk für das Volk ohne Land zurückzukau fe.n. 12 Delegierte des ersten Zionisten-Kong r e s s e s pflanzten sodann 12 Bäume um das Gebäude zum Andenken an je einen verstorbenen Delegierten des ersten Kongresses. Ussischkin pflanzte einen Baum zur Erinnerung an Theodor HerzI, Jehuda Leib G o 1 d b e r g, zur Erinnerung an Max N o r d a u, Professor Joseph Klausner, zur Erinnerung an Ach ad Ha'am und so fort. Rabbi Meir Berlin befestigte dann an dem Türpfosten eine Mesusah, woraufhin Oberrabbiner Kook, der ein Kohen ist, die Versammlung segnete, mit einem goldenen Schlüssel das Tor zum Gebäude öffnete und als erster das Haus betrat. Unter Führung des Architekten Ratner, des Erbauers des Hauses, der Dozent am Haifaer Technikum ist, besichtigten dann die Teilnehmer an der Feier das neue Haus. Die Feier schloß mit Tänzen und hebräischen Gesängen der Chaluzim. Die Kosten der Errichtung des Gebäudes betrugen 12.000. Pfund. Auf dem gleichen Grundstückskomplex",werden Gebäude für den' Keren Hajesso'd .und die zionistische Exekutive errichtet werden. Neue Kolonien in Palästina. Jerusalem, 22. Mai. (J. T. A.) In der Nähe der Kolonie Deß Ziona wurde unter dem Namen „Beth Owed" eine Arbeiter-Kleinpächtersiedhmg begründet. Der Jüdische Nationalfonds (Keren Käjemeth) hat jedem Siedler je 7 Duram Boden zur Verfügung gestellt. Bisher haben sich 20 Arbeiterfamilien auf dem Boden des Keren Kajemeth angesiedelt. New York, 22. Mai. (J. T. A.) Die Zionistische Organisation von Texas hat in ihrer soeben abgehaltenen Konferenz beschlossen, die Summe von 100.000 Dollar zur Gründung einer Kolonie in. Palästina bereitzustellen. Es soll sofort ein Bodehareal von 5000 Acker in Palästina für die zu gründende Kolonie erworben werden! r Der Vizepräsident der Zionistischen Organisation von Texas, Charles Bender, begibt sich nach Palästina', um die notwendigen Vorbereitungen zur Gründung der Kolonie zu treffen. Entfernung der jüdischen Almosenempfänger aus dem Gebiet der Klagemauer. Jerusalem, 20. Mai. Die Palästina-Regierung hat der Polizei die Weisung erteilt, die jüdischen Bettler aus dem Gebiete der KlagemauejE zu entfernen, weil die Stelle vor der Mauer eine öffentliche Passage ist. Diese Maßnahme hat in Jerusalem Aufsehen erregt. Als vor einiger Zeit das Betteln in den Hauptstraßen Jerusalems verboten wurde, gab der Gouverneur von Jerusalem Keith Roach' einer Abordnung der jüdischen Gemeinde das a u sd r ü c k l i c h e V e r spreche ri, daß diese Maßnahme gegen die Bettler an der Klagemauer nicht Anwendung finden werde, weil der Platz vor der Mauer nicht als eine öffentliche Passage angesehen werde. In jüdischen Kreisen weist^ man darauf hin, daß die Bettler vor der Omar-Moschee und vor de,m Heiligen Grab ungeschoren gelassenwerden. Die Rechteder weiblichen Anwälte in Palästina. Jerusalem, 20. Mai. Die Gesellschaft für Gleichberechtigung der jüdischen Frauen in Palästina überreichte der Regierung ein Memorandum, in dein gegen die kürzlich erlassene Verordnung, wonach weiblichen Anwälten verboten sei, vor religiösen Gerichten zu plädieren, protestiert wird. Gerade vor religiösen. Gerichten bedürfen die Frauen, namentlich bei Ehescheidungen, die Hilfe weiblicher Anwälte. Warum, heißt es in dem Memorandum, sollen weibliche Anwälte in Straffällen, wo es sich um sexuelle Vergehel handelt, nicht plädieren dürfen, wo doch solche Angel*» i