Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1930-05-30 · Heft 141 (30.5.1930) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 141 (30.5.1930)
Date
1930-05-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2711613-2711736-2711759--1855-2715101
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

r Settel DIE NEUE WELT Nr. 14i EXCELSIOR tfthabar RICHARD HIRZOO I., Adlergaste 6 Tat. R-23*4>90 Modell 100 BAS BESTE atu tlorii billigsten Pr«U« 8138.- 6ri|6e 32 X 21'/3 cm : Höh* 14 cm N$ue verbesserte Columbia-Dose 15.b reicht, die noch immer davon überzeugt ist, die zionistische Politik führen zfi köhn'eh? "Wir sagten, daß sie zunächst bestrebt war, nach einem alten Rezept die Angön vor der Wirklichkeit zn ver-'söthliefien," sich: Uh4^^ihf«:'-ÄilUHn^p.ii.>';)zii berühig'en '.tmä Heii Bericht' ddr 'Kömmi^o&^zu' /b' n g& tte^d^tefim^ gierung entsdilossen, auf Grund der Empfehlungen des Berichtig zu handeln. Die Entseildung Sir Jöhin Hope Simpson^ noch Palastina 'bedeutet zwar noch keine endgültige Festlegung der englischen Politik in der Land- und Immigrationsfrage, aber sie zeigt, daß die Behauptungen- .>utod Empfehlungen '■ der Shaw-Kommission der. Regierung sehr bedeutsam er scheinen,, da sie auf Grund eben dieser Behauptungen undr Empfehlungen;. eine. Spezialuntersuchung veranstaltet. Gleichzeitig wird gemeldet, daß die j ü d< i s c.h e. M it n i z i p a 1 p o 1 fcz e i v;o n T e 1 - A w i w a b g e s c ha f f. t jiind dWi'ch•_• einojeijglwdi-jikUsdie Regierungspolizei ersetzt werden soll ~-"eiri Vorgang, der vielleicht für die Sicherheit der Stadt nidit von entscheidender Bedeutung ist, aber die Tendenz enthält, die Bewaffnung der jüdischen Bevölkerung möglichst zu verhindern und die Selbständigkeit der einzigen jüdischen Stadt noch weiter einzuschränken. Und als ob den Juden Palästinas 4n letzter Zeit noch nicht genug Unredit gesdiehen sei, wird zu den Gewalttaten, dem Schaden und der Erniedrigung noch der Hohn gefügt: dies in Gestalt einer „Rangliste", die gerade jetzt veröffentlidif werden müßte tind in der" die Rangordnung der Teilnehmer- "qn öf festlichen Veranstaltungen und Festlichkeiten cler. Palästina-Regierung festgestellt wird.,In dieser Rangliste,, die an erster Stelle den High Commissioner, dann den Kommandanten der britischen Streitkräfte, die. obersten Gerichtspersonen und .andere Würdenträger, nennt, ... erscheint der Vertreter der. Jewish Agency, nämlich der Präsident der Zionistischen Palästina-Exekutive, sowie der Präsident des/VVaad Leumi an 26. und 27. Stelle, weit hinter allen möglichen kleinen Bürgermeistern und Beamten. Man kann die Wertschätzung,, deren sich die Zionistisdie Organisation bei der engtisdien Regierung erfreut, kaum besser ausdrücken; ■■ Man versteht nun ohneweiters, , warum die e n; g 1 i s c h e n : M i n i s t e r t und Beamten seit Jahren so, geflissentlich Herrn Dr. Weizmann vor den immer schärferen An- | VORNEHME FAMILIENPENSION | | vormais Dr. ORUNBERG 1 I AM SEMMERINGl | HOCHSTRASSI Hr. 43 (BEI MOTU. PANHANS) j | Mäßige Preise / Kaffeehaus und Tanzgelegenheit im | | Hause / Besitzer: ECKSTEIN / Tel. Semmering Nr.lt | 1 FlieBtnda» Warm* u. Kaltwattar j § in jedem Ummer I griffen aus dem eigenen Lager zu schützen suchen. Er macht ihnendas Leben wirklich nicht alzu schwer. Er begnügt sidi, nidit nur auf der Rangliste, mit dem 26. Platz, und sieht in solcher Gefügigkeit den Gipfelpunkt staatsmännischer Weisheit. Die Psychologie der Engländer ist eine gänzlich andere, wenn es sich um die Vertretung ihrer eigenen Interessen handelt. Man versteht, daß die beiden Partner gut miteinander auskommen. Aber auf wessen Kosten? Auf Kosten der Juden, die nach Palätina wollen und denen jetzt durch die allerneuestc Verordnung die Einwanderung ^unächst einmal gesperrt worden ist. Die Zurückziehung der dreitausend, schon bewilligten Einwanclerungszertifikate hat im Zionismus einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Hier gilt nicht das Argunient der „wirtschaftlichen Notwendigkeit", hinter dem sich neuerdings der Antizionismu.9 gern verbirgt. Es gibt keine Arbeitslosigkeit in Palästina. Neue Arbeitskräfte werden angefordert, und die Regierung Palästinas hat nach eigener Prüfung die Not wendigkeit und Zulässigkeit der Einwanderung dieser neuen Arbeitskräfte selbst anerkannt. Wenn trotzdem die Regierung in London, offenbar um der arabischen Stimmung entgegenzukommen, die Zurückziehung der Einwanderungszertifikate tinordnete und dafür die fadenscheinige Begründung gab, sie müsse erst den Bericht des Sir John Hope Simpson abwarten, so kann man sich vorstellen, mit welchen Schwierigkeiten unsere Immigration und Kolonisation künftig zu tun haben wird, falls der jetzige Regierungskurs fortgesetzt wird. Um allem die Krone aufzusetzen, hat die Regierung Palästinas am 20. Mai eine Erklärung veröffentlicht, welche zwar besagt, daß die von den Arabern in London erhabenen Forderungen mit dem Mandat unvereinbar seien,i; worin; labe (tjzugleich idie Absicht der Regierung angekündigt'wird,'„die Interessen rder nicht jüdischen Gemeinschaften voll zu wahren". Ddrum .sollen, bevor, n o c h S i r , J"6 h n Hope S i m p s o ri sei h,e n V ' » * 3* i' " ' ' ' " * -Bericht er s ta ff et h a t, gesetzliche Maßnahmen , „zugunsten des Schutzes der landwirtschaftliche^1'Bevölkerung" erfolgen — womit offenbar die geplante Verhinderung des Landkaufs gemeint ist. Und die Zurückziehung der Zertifikate wird damit begründet, daß durch provisorische Maßnahmen ,,,die Gefährdung der ökonomischen Zukunft des Lan- SIE GM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale lX.y Berggasse 19, Telephon 1%3-9V o, 16-9-34 L i e f e r V n » ,' ü r He i "t a n s t a 1 t.e n Äbtellu^eiOüi^ <unter Aufsicht des Ehrwürdigen Kabbinats rier:lsr Kul- . . tusgemeinde Wieb..... Auto*u*teiiung Ko»t«nlo» IX. BerggatsolS ✓ XVIII., WHhrlngerstr. 9» UIUtltHIIMHIlUMIMmiimilHUUHUIMIM^^^ 1 .....^HllUHHIimailllHIIIIHUUlttMIUllllMUlllllllimh lllilllinilUMUillUIIIUUlll1UUl|l||UlNHII|IIIMtll|l||U(lu; des verhütet" werden soll. — Also: Jüdische Einwanderung, auch nach Prüfung ihrer wirtschaftlichen Zulässigkeit, gefährdet die ökonomische Zukunft Palästinas! Was ist das? Das ist der Bruch des Mandats, das ist die offene Verhöhnung des Mandats. Vor neun Monaten also sagte Dr. Weizmann zu MacDonald, daß er zurücktreten müsse, wenn die Regierung ihren Versprechungen nicht endlich Taten folgen lasse. Die Taten haben wir gesehen, Herr Dr. Weizmann ist noch im Amt. Was fördert den Antisemitismus? Was ein Wiener Dichter dazu sagt. K Unter den vielen Faktoren, welche dem Antisemitismus Nährstoff zubringen, spielen die jüdischen Literaten und Zeitungsschreiber eine ganz besondere Rolle. Ihre unbekümmerte, skrupellose Art, in die niditjüdisdie Gedanken- und Gefühlswelt einzudringen uud dort selbstherrlidi zu wirtsdiaften, ihre Sucht, den anderen Vorschriften darüber zu machen, was sie zu ehren, woran sie zu glauben haben, ruft feindliche Abwehrgefühle hervor. Audi in solchen Kreisen, welche zum Antisemitismus sonst nicht hinneigen. Ein Vorfall, der sidi in dqr letzten Zeit abgespielt hat, soll als besonders anschaulich hervorgehoben werden.. Gegen das Theaterstück „Der Lügner und die Nonne" hat der Wiener Dichter Hans Saßmann ediarf protestiert, weil darin katholische Institutionen, Kirdie und Kloster, zum Gegenstand wenig geschmackvoller Witze und einer respektlosen Darstellung gemacht werden. Dafür haben die jüdischen Kritiker reichsdentsdier Blattei' gegen Saßmann, losgelegt. Sie haben gegen ihn für die „Freiheit der Bühne" gekämpft und das Recht, mit den Einriditungen der katholischen Kirche nadi Belieben verfahren zu können, als unantastbares Kulturgut reklamiert. Ausgeredinet die jüdischen Journalisten. Einem dieser Herren antwortet nun Hanns Saßmann in einem offenen Brief im „Neuen Wiener Journal". Der Brief lautet: Seht' geehrter Herrl ..Ich las mit vielem Vergnügen Ihren Artikel „Saßmann, der Gedankenleser", in weldicm Sie mich > journalistisdi angreifen, weil ich gegen die Verwendung von kirchlichem Orgelspiel, betenden N tfn n e n . u n d' k a t h o 1 i s c h e n R ei g 1 o n s b e g r. i ti, e n. ( z n r. ' f 1 a'c h s t e n, V.o 1 k sb e 1 u s 11 g'u n g Jv o h der Bii h'n. e h er ab k ritisch S t e H u n g genommen . h a b e. Idi dnnkc Ihnen für (die'^ schöne. Rejdame... die Sie .mir damit machten. Doch Ihnen dies zu sagen, ist nidit der Zweck meines Briefes. Ich mödite vielmehr kurz ein P r ö b 1 e im aufrollen,' das Ihnen als J ü d e' sicher ebenso'am Hersieh liegt wie mir,' det ich Philoseinit bin und allein schon als gläubiger Katholik, dem Judentum gefühlsmäßig sehr nahe stehe. Ich mußte ja in der Schule das Alte Testament ebenso lernen wie das Neue. Es handelt sich um das Problem' des Fortschreitens der antisemitischen ß e w'e g ii n g in Öesierreidi, von der ich durch meine Kenntnis der Menschenseele mehr weiß als andere. Wenn , es Ihnen unbekannt sein soll, so sage ich es Ihnen, daß in den j u d e n f e i n d 1 i, c h' e n M a ssen - und dazu zählen heute sogar sdion siebzig Prozent der sozialdemokratisch organisierten Arbeiterschaft (man schickt ja keinen jüdisdien Redner mehr in Massenversammlungen) — sich' in den letzten Jahren der Glaube festgesetzt liat, das freisinnige Judentum dulde zwar na ren Bedingungen der russischen Galuth in der praktischen Welt viel, geleistet und'erreicht hatten. Und da sie ihr Leben lang tief im Herzen die zionistischen' Ideale trugen, so war eine, solche Schöpfting wje Tel- Awi^,, das eine große nationale Jdefe 'mit' einem großen praktischen Erfolg vereint zeigt, vielleicht ihr liebster und innigster Traum. Nun sind sie. hieher gekommen und sehen, wie der Traum vor ihren. Augen Realität wird — sie aber sind ein wenig zu spät gekommen. Spät für sich selbst, denn sie sind plötzlich, indem zehn —. fünfzehn Jahre sdiwerer Erlebnisse von Krieg und Revolution voriibergerauscht sind, alt und grau geworden. Ihre Energie, ihre Fähigkeiten zusammen mit ihrem Vermögen sind irgendwo auf fremdem, feindlichen Boden zerronnen, ohne Sinn, ohne Zweck, ohne Notwendigkeit für irgendwen, Und just hier auf der geliebten Erde, wo es so viel zu leisten gibt, wd es eine Freude ist zu arbeiten, wo die Arbeit einen tiefen Sinn hat, ein tiefes inneres Gebot, einen großen, alten Zweck, ist es ihnen beschieden, als „Lediggeher", als Invalide, als lahmgelegte Greise ihr Leben zu beenden. Ak Lediggeher? Nein. Lediggeher darf man sie nicht nennen. Denn sehr selten sieht man sie auf Tel- Awiwer Straßen. Zumeist sitzen sie in ihren ärmlich gewordenen Stuben irgendwo in einer Seitengasse am Meer oder gar im schattigen Winkel der Stadtbibliothek vor einem Buch. Sie könneu sidi aber ins Budi nicht versenken. Sehr oft erheben sie die trauerumflorten Augen und starren vor sich hin mit fremdem Ausdrude — die Widerspiegelung ihres vergangenen, produktiven Lebens. Vielleicht wercrea sie sich des Sonderbaren inne, daß sie mitten am Wochentag, am Werktag sich mit geistigen Dingen, beschäftigen, wozu der Sabbath und der Jörn Tow bestimmt ist.: Wovon sie leben? Das ist schwer zu erfahren. Vielleicht von ihren Kindern, vielleicht von reidien Verwandten in Amerika' und vielleicht etwa von irgend einem letzten Rest des ehemaligen, jetzt zerronnenen Vermögens. - (Sdüuß folgt.) Carl Goldmarks 100.. Geburtstag. Vor hundert Jahren hat der berühmte Komponist Carl Goldmark, der Schöpfer der erfolgreichen Opern „Die Königin von Saba", > „Merlin", der Symphonie „Ländliche Hochzeit" und anderer berühmter'Opern und Symphonie werke, als Sohn . von Rabbi Simche Rubin Goldmark, Kantor in Keszthely (Ungarn), das Licht der Welt erblickt. Carl Goldmark. der 17 Geschwister hatte, ist in grofier Armut aufgewachsen, aber sein Vater, der die musikalischen Talente des Knaben früh erkannte, bot alles auf, um ihn in der Musik ausbilden zu lassen. Aus dem Dorfe Nemetkeresztur, wo die Familie später wohnte, mußte Carl täglich einen zwei Stunden langen Weg nach Oedenburg zum. Musikunterricht zurücklegen. Als er später nach Wien kam,, schickte ihm die Mutter allwöchentlich einen. Laib Brot, Kartoffeln und Mehlspeisen, damit mußte sich der Jüngling ernähren. Goldmark hat seine Mutter abgöttisch geliebt. Als im Jahre 1876 JDieKönigin von Saba" an der Wiener Hof oper zum ersten Male aufgeführt wurde, brachte er die 80jährige Frau ins Theater. Goldmark hat nicht viel musikalische Werke geschaffen, er hatte Respekt vor der Kunst, der er diente, hatte auch Achtung vor der Öeffentlichkeit, der er keine rasch hingeworfenen Werke darbieten mochte. Zehn Jahre laug arbeitete er an der, „Königin von Saba", 15 Jahre an der Oper „Merlin". In den 70 Jahren seines Schaffens brachte er 53 Kompositionen heraus. 1915, im 85. Lebensjahre,;, starb er. * Aus Anlaß des 100. Geburtstages des in Ungarn geborenen Komponisten Carl Goldmark veranstaltete die Budapester Koni gl Oper eine Festvorstellung von Goldmarks „Die Königin von Sab a". Der Oper ging Goldmarks sinfonische Dichtung „Zrinyi" voraus, die vom Orchester angesichts der Büste des Komponisten zu Gehör gebracht wurde. Das Opernhaus war in. allen seinen Rängen von offiziellen und nichtöffiziellen Kunstkreisen gefüllt; Iii der Königl. Ungarischen Musikhochschule fand die Eröffnung der dem Andenken Carl Goldmarks geweihten, aus handschriftlichen und sonstigen Nachlaßgegenständen des großen Komponisten zusammengestellten Sammlung statt. Die Gegenstände würden in einem Saale der Müsikakademie untergebracht, der den Namen „Goldmar k-'Zimmer" erhielt; Hauptteil der Sammlung ist das in drei großen Glasschränken untergebrachte Handschriftenmaterial, darunter die Originalpa r tituren" seiner Hauptwerke. Denkmäler der künstlerischen Laufbahn Goldmarki schmücken die Wände.. Ein Glasschrank enthält per* sönliche Reliquien des Meisten,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.