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Die neue Welt · 1930-05-30 · Heft 141 (30.5.1930) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 141 (30.5.1930)
Date
1930-05-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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f-. Nr. 141 Dlfi NEUE WELT Seife 5 < UllllllllllllllllllllllllllllllllllflHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIlllllllll^ | Kante-Restaurant „Praierfee - Lustige Witwe" I s ■■■■■■■■ Prater-Hauptallee ■■BHBHMHH S a In obigem Etablissement wurde ein streng Orth* y&j s I SelohwarenbOfett I S beliefert von der bestrenommierten Firma 5 1 PETYAN & CO. [ a Wion, XX., Klosterneuburgerstraße 60, eröffnet. S a Dasselbe untersteht der gewohnten strengsten Auf- S S sieht und ist für volle Einhaltung der nVWD Vor- 5 s sorge getroffen. Um regen Zuspruch wird gebeten, g niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii?; dnrdi Taten beweise, daß sie entschlossen sei, die | Balfour-Deklnration und das Mandat auszuführen. Seit dieser feierlichen Erklärung Dr. Weizmanns sind neun Monate vergangen und in dieser Zeit ist allerlei ausgereift und ans Tageslicht getreten, wovon die Weizmann-Gläubigen sich vor neun Monaten wohl kaum etwas träumen ließen. Was haben wir inzwischen erlebt? Wir erlebten, daß kein einziger der verantwortlichen Beamten gemaßregelt und daß die materielle Entschädigung der Pogromopfer verweigert wurde. Wir erlebten den Shaw-Bericht, wohl die schwerste politische Niederlage, die der Zionismus je erfahren hat. Die Einsetzung der Untersudiungsikommission erfolgte auf Verlangen der Zionistischen Organisation. Wäihrend diese aber eine ernsthafte und strenge Prüfung der wirklichen Schuldfrage erwartet hatte (der Frage nämlich, wie diese Ereignisse in Palästina unter britischer Verwaltung geschehen konnten und wer die Verantwortung dafür trägt), begab sich die Kommission auf das Gebiet der allgemeinen Politik und fand in dem latenten Gegensatz zwischen Juden und Arabern, zu dessen Entdeckung man nicht erst von London nach Palästina zu reisen brauchte, die erlösende Formel, um die palästinensische Verwaltung von aller Schuld freizusprechen. Soweit wäre das Verfahren der Kommission, die ja eine Regier ungskommission war, zwar nicht entschuldbar, aber doch verständlich. Es zeigte sich aber, daß die Kommission gänzlich unter den Einfluß der antizionistischen Beamtenschaft Palästinas geraten war und von der Untersuchung der Schuldfrage zu einem Angriff auf die zionistische Kolonisation überging. In der Bewertung der zionistischen Palästinaarbeit kann der Shaw-Bericht nicht als eine ernstzunehmende Meinungsäußerung betrachtet werden, sondern nur als ein politisches Pamphlet. Die wirtschaftlichen Feststellungen, durch welche die Unausführbarkeit des Zionismus bewiesen werden soll, beruhen auf oberflächlichster Darstellung der Landfrage und der wirtschaftlichen Möglichkeiten, auf k r i t i k 1 o s e r Hinnahme der verlogensten Behauptungen von arabischer Seite, auf völlig falschen und ungerechten Besdiuldigungen gegen die jüdische Immigration, unter der in Wahrheit kein Araber zu leiden hatte, da sogar die wirtschaftliche Krise, die der rasdien Entwicklung Tel-Awiws folgte, nur einen Teil der eingewanderten Juden selbst und keineswegs die 'Araber traf. Gewiß besteht eine „L a n d f r a g e" in Palästina, worauf wir seit Jahren hingewiesen haben. Aber sie , besteht nicht im Landmangel, sondern im Fehlen einer wmnaBmBmmmmnmmmmmntmmmmmmammammmmmmmaummmm „Lediggeher" in Tel-Awiw. Von J. D. Berkowitsch. Der bekannte Diditer J, D. Berk owitsch, Sdiwiegersohn und meisterhafter Uebersetzer Schalom A1 e j c Ii e m s ins Hebräische, hat seinen Wohnsitz von New York nach Tel-Awiw verlegt. Seine Studien über das Wunderwerk Tel-Awiw zeichnen sich durch ganz neue Gesichtspunkte aus und fesseln durch ihre außerordentlidi lebendige Darstellung. Im nachstehenden zeichnet Berkowitsch einen Typ, den wir in der Galuth häufig antreffen, der aber im .schaffenden Palästina zu den grotesken Figuren zählt. Zu spät gekommene Millionäre. Professionelle „Lediggeher", soldie, deren Beruf Nichtstun ist, die mit seidenweichen Schritten auf Erden wandeln, mit feinen Spazierstöckchen in der Hand, jene Sorte „seidener junger Männer" und feine Eidame, die bei den Schwiegervätern zu Kost gehen, denen man häufig in den jüdischen Städten und Städtchen begegnete — ich weiß nicht, ob man sie in Tel-Awiw findet. Jener altmodische, fast überlebte kleinstädtische Parasitentyp reimt sich irgendwie nicht mit dieser jungen, frischen, fleißig tätigen und rasch wadisenden Stadt. Ihr könnt manchmal im Sommer auf Tel-Awiwer Straßen gut aufgepäpelte Gecken begegnen, die in Sportmode herausgeputzt, in Begleitung von großen, gut erzogenen Hunden bummeln — das sind Studenten europäischer Universitäten, die über Sommerferien zu Hause sind. Es sind zumeist wsärtelte Söhne xer* der jüdisdien Kolonisation förderlichen Gesetzgebung und in der Lostrennung Transjordaniens. Mit aller Gewalt sudit der Shaw-Bericht zu beweisen, daß die arabischen Beschwerden begründet seien, und wenn er audt nicht definitive Vorschläge macht (weil die Kommission hiezu nidit autorisiert war), so drängt doch der Bericht im ganzen auf eine Lösung hin, die mit der Zerstörung des Zionismus gleidibodoutend ist, nämlich auf Einschränkung der Immigration und des Landkaufes. Die zionistische Leitung erwies sidi als g ü u z- 1 i c h unfähig, diesen Angriff abzuwehren. Sie verzichtete in völliger Verkennung der Sachlage darauf, die falschen Behauptungen der arabischen Zeugen und die politischen Exkurse der Kommission zu widerlegen. Wie immer angesichts ernster politischer Sdiwierigkciten, verschloß die Leitung die Augen und tröstete sich und ihr geduldiges Publikum mit der Behauptung, daß das alles nicht so wichtig sei. Nodi nadi Er sdi einen des Beridites wurde von London aus der Versudi unternommen, seine Bedeutung ■zu bagatellisieren. Die Exekutive ließ erklären, daß der Bcridit gar keinen Eindruck auf die Regierung gemadit habe (1) und bald in Vergessenheit geraten werde. Wir haben sogleidi vor diesem aus Hochmut, Trägheit und Unklugheit gomisditen Optimismus der Zionistischen Exekutive gewarnt. Wir wußten, daß dieser Bcridit der Shaw-Kommission in den Händen der palästinensischen Regierung und des Colonial Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke Office zu einer gefährlichen Waffe gegen uns werden müsse. Diese Voraussage hat sich inzwisdien als riditig erwiesen, wie die neuesten Vorgänge zeigen. * Braucht man noch zu betauen, daß es im jüdisdien Lager eine Stelle gab, die sich von der allgemeinen und allzu berechtigten Kritik des Shaw-Beridites ausschloß? Wir meinen nidit etwa antizionistis c h e jüdische Organisationen, denn auch diesen verbot mit geringen Ausnahmen ihr Schamgefühl, angesichts der Mordtaten in Palästina und der groben Entstellungen des Shaw- Berichtes aus diesem Anlaß und mit ..spicher Begründung gegen den Zionismus zu polemisieren. , . Wir meinen natürlidi jene andere Stelle im jüdisdien Lager, die schon lange aufgehört hat, den Zionismus zu vertreten, obwohl sie nodi immer prätendiert, es zu tun, und sidi sogar einbildet, es in vorbildlicher Weise zu tun. Wir meinen die „Jüdische Rundschau" und ihr Organ, den „G eschäftführenden Ausschuß" der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Hier wurde der Shaw-Bericht, wie jede antizionistische Behauptung von englischer und arabischer Seite, m i t ehrfurchtsvoller Hochachtung aufgenommen. Hier bot sich wiederum Gelegenheit, zu zeigen, daß der deutsche Zionismus dem irdischen Parteigetümmel entrückt und stets bereit ist, den gegnerischen Standpunkt voll zu würdigen. Hier wurde wiederum ein großes Beispiel der Selbstüberwindung gezeigt, die es sogar vermag, einen Doldistoß in den Rücken in einen freundschaftlichen Schlag auf die Schulter umzudeuten. mögender Eltern, „Bürgersproßen", die den Ansdiein jüdisch-adeliger Jugend auf jüdischer Erde zur Sdiau tragen wollen — ein trauriges Ueberbleibsel der einstigen russischen „Jungadelstudentenschaft mit Seidenfutter" und eine traurige Nachahmung der Lord- Dandys Englands, mit dem ja unser Erez Israel, es soll uns nidit schaden, jetzt ein wenig verschwägert ist ... Diese hohlen Jünglinge, die sich an Sommerabenden mit den spazierenden Massen Tel-Awiws misdien und ihm einen gewissen großstädtischen Glanz geben, könnten gewiß auf die einheimische junge Generation schädlich wirken; zum Glück gibt es aber in Tel-Awiw ziemlidi wenig reidie Leute, die vermöchten' oder Lust hätten, ihren1 Kindern teure .Luxushunde zu kaufen. Obendrein ist die bessere. Jugend Tel-Awiws wie Erez Israels überhaupt, selbst die des bürgerlichen Elements, ganz anders geartet:, die mensddidi und national hohen Ideale des dörfischen Emek und des städtischen Haonar Haoved '(Arbeitende Jugend) haben wirksamere Zauberkräfte für die junge Phantasie und für die jungen Herzen. Ihr könnt in Tel-Awiwer Straßen in der brennenden Hitze des Sammertags Juden mit Spazierstöcken begegnen, mit Spazaerstöcken, die das einzige Instrument zum Erwerb ihres täglidien Brotes sind. Das sind jüdische Vermittler — Vermittler 'von Häusern, von Wohnungen, von landwirtsdiaftlidien Maschinen, von Orangenplantagen — der Rest aus jenen schönen geschäftigen Taigen, da Wärschau und Lodz und andere; polnisdie Städte nach Palästina strömten, um Tel-Awiw au bauen, Die Geschäftigkeit hat rasch aufgehört und i Ii il UFA-TONKiNO ^M-jgB8t,? Das Filmtheater der guten Gesellschaft zeigt täglich: Milan Harvay - Willy Fritsch in LIEBESWALZER Außerdem das besonders sehenswerte Tonfilm- Beiprogramm Beginn: Wochentag 7*6, 8;,8 und 9 Uhr. Sonntags ab 3 Uhr. Nach langem Nachdenken hat der goschäftsführenclc Aussdiufi der Zionistischen Vereinigung für Dcutsdiland beschlossen, auch seinerseits zum Shaw-Bericht Stellung zu nehmen. Er tat dies in einem Artikel der „J ü d i s c h c n R u n d s c h a u", der zwar vom Redakteur Weltsdi geschrieben, aber zuvor von allen Mitgliedern des „G e s c h ä f t s f ü hr enden Ausschusses" geprüft und gebilligt worden war. Soweit der Artikel den Shaw-Bericht zu kritisieren wagt, geschieht es in der mildesten Form. Es ist von „M iR Verständnisse n" die Rede und zuweilen wird audi die eine oder andere Feststellung geradezu zurückgewiesen. Aber in der GesamtbeWertung des Bcridits gelangt die Leitung der Zionistisdien Vereinigung für Deutsdiland zu einem Urteil, auf das die Shaw-Kommission stolz sein kann. Dieses Urteil lautet wörtiidi: „Bei einem gründlichen Studium des Berichts muß man zu der Ueberzeugung kommen, daß die Kommission keine tendenziöse Voreingenommenheit hatte, sondern das ihr unterbreitete Material gewissenhaft bearbeitet ha t." Die uns seit langem wohlbekannte und immer wieder vor der Oeffentlichkeit festgestellte politische Vcrstündnislosigkcit jener Leute, die für den deutschen Zionismus spredien dürfen, zeigt sich an diesem Beispiel wiederum in voller Deutlichkeit. Der kürzlidi versammelte „Land e s v o r s t a nd", der auf diesen unglaublichen Artikel der „Rundschau" hingewiesen wurde, sdiwieg verlegen. Eines seiner Mitglieder erhob sidi zu einer Verteidigungsrede, und dann gesdiah, was hier gewölunlich geschieht, nümlidi gar nichts. Die Provinzonkels des deutsdien Zionismus fuhren wieder nadi Hause, nadidem sie einen Augenblick beinahe auf ihre Weise Revolution gemacht, d. h. mit dem Kopf geschüttelt hatten. # Inzwisdien sind auf den Shaw-Bericht weitere Ereignisse gefolgt,' in denen sidi die Wirkung dieses gefährlichen Dokuments zeigt. Die zionistische Leitung, die ihre Sadie vor der Kommission so ungeschickt und unzulänglich vertreten hat und die dann die drohenden Folgen nicht seilen wollte, sc Ii reibt noch immer an einem Memorandum, das den Bericht entkräften und die zionistisdien Forderungen an die Regierung enthalten soll. Es wird angekündigt, daß dieses Dokument demnächst erscheinen soll — reichlich spät, wenn man bedenkt, welche Folgen der Shaw-Bericht inzwischen gehabt hat. Hoffen wir, daß die Erwiderung der Eexekutive in der „Jüdisdien Rundschau" eine ebenso günstige Aufnahme findet, wie der Bericht der Shaw-Kommission! Inzwischen hat die Revisionistische Union die Initiative ergriffen und eine vorläufige Erwiderung auf den Shaw-Bericht veröffentlidit. Dieses Dokument ist den Mitgliedern des englischen Parlaments und anderen Instanzen zugestellt worden; Was hat inzwisdien die zionistische Leitung erdiose Juden leben auf den Tel-Awiwer Straßen mit nichts in Händen als mit ihren mageren Spazierstöcken. Man kann sie aber nicht „Lccliggeher" nennen, weil sie erstens nicht gehen, sondern laufen — unter der heißglühenden Sonne mit dunkelgobräunten Gesichtern, mit den tief versorgten Augen jüdischer Väter und Gatten, um ihre Häuser „anzubringen"; und zweitens, weil sie sidi, spricht man mit ihnen, für die nützlichsten Mensdien von ganz Erez Israel halten —- laufen sie doch nicht nur für sich selbst herum, sondern auch im Interesse der Allgemeinheit, arbeiten für Geulath Haarez, sind jene, dje herumsuchen, wittern und herausfinden, wo es ein Stückchen Boden gibt, den man von Arabern loskaufen kann; sind jene, die, wrenn sie einen reidien Juden aus Amerika oder Südafrika in die Hände bekommen, ihn bestimmt nidit ahne Anlage eines Orangengartens abziehen lassen. So rühmen sich diese Juden mit den Spazierstöcken, blicken auf euch mit alltäglidien Gesichtern und 'mit tief versorgten, alltäglidien Augen, die nach Verdienst lechzen, aus denen euch aber ein Glanz wie aus grauer Asche, ein zurückgehaltenes, glühendes Flänimchen ansprüht, so daß ihr unwillkürlich denkt: Wer weiß, eine jüdische Seele in Erez Israel ist nicht abzuschätzen. Aber nidit von solchen sachte schwimmenden Fischen ist hier die Rede. Hier geht es um eine andere Sorte Menschen, Menschen, deren Nichtstun in Tel- Awiw, in der ersten sdiaffenden Stadt, ihnen zur Tragik' wird. Das sind Leute von einstiger Großzügigkeit, di« in ihren jungen und mittlere.» Jahren unter 4e» «&w€»

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