Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 140 (23.5.1930)
- Date
- 1930-05-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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r Seite § DIE NEUE WELT Nr. 140 SIEGM. KORNMEHL! aROSSPLIISCNHAUIRtl Zentrale IX., Bergga««e 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 j Lieferant iär Heilanstalten mmSmSSSSmSL^ anter Aufsicht des Ehrwürdigen Rsbbinats der lsr. (Cul* tusgemeinde Wien Auteaustollung kostenlos IX., Bcrggais« 13 / XVIII., Währlng«r«tr. 91 s t i n a iiistradierten Kassentransporte festzustellen, konnte bisher nicht ermittelt werden, auf welchen Zeit punkt der Beginn der Transporte zurückgeht. Wohl aber ist bekannt, daß schon vor 8 oder 9 Monaten eine anonyme Anzeige, denen Inhalt allerdings keinerlei Handhaben für eine Nachforschung bot, bezüglich eines Waffensehmuggels nach Jerusalem erstattet wurde. Bezüglich der Herkunft der Waffen konnte eine genaue Feststellung noch nicht gemacht werden, es soll sich aber, wie wir hören, bei den geschmuggelten Schußwaffen um teilweise italienische Erzeugnisse handeln. Der Mann, der die Wiener Speditionsfirma mit der Abfertigung der Kassentransporte betraut hat» konnte nach Einlangen der Mitteiltingen der Jerusalemer Polizei in Wien nicht mehr ausgeforscht werden. Er soll die Stadt bereits geraume Zeit vorher verlassen, haben, und.es heißt, daß er nach Arne* rika gereist sei. Die polizeilichen Nachforschungen in dieser Angelegenheit werden vom Wiener Sicherheitsbüro mit großem Nachdruck betrieben. * ■ v-\ Der Wiener „Montag", der sich mit der Angelegenheit ausftirlich befaßte, fügt der Meldung hinzu: „Unter den bekannten Umständen ist es nicht weiter verwunderlich, wenn die in ihrem Besitz und ihrer friedlichen Kolonisationsarbeit gestörten und bedrohten Juden an Selbstschutz denken. Die Juden .in Palästina sind durchaus fr i e d 1 i c h gesinnt. Sie haben keinerlei aggressive Absichten und handeln nur in äußerster Notwehr und in begreiflicher Wahrnehmung ihrer eigenen Lebens- Interessen, wenn sie sich den bewaffneten Araberhorden nicht wehrlos ausliefern wollen und sich bewaffnen. Nochmals: Nicht um anzugreifen, sondern nm sich zu wehren!" Der Zionismus und die Internationale. Die Tagung der Zweiten Internationale (S. A. I.) gibt die Teilnahme an zionistischer Arbeit frei. — Die nichtjüdischen Sozialisten gegen die Assimilationsjuden. — Friedrich Adler, Otto Bauer und Genössen von nicljtjüdischer Seite belehrt! Wir haben in unserer letzten Nummer auf die Versuche des Generalsekretärs der S, A. I. Friedrich Adler hingewiesen; den ant i z i onis tischen Strömungen in der Internationale zum Siege zu verhelfen. Die Herren Adler, Bauer und Genossen, welche sonst mit ihrem Judentume aber sehr zurückhalten, legen plötzlich große Sorge an den Tag, die antizionistische Arbeiterschaft vor den Zionisten zu „schütze n". Auf der in der Vorwoche abgehaltenen Sitzung der Exekutive der Internationale sprachen die Leute ihrer Richtung förmlich im Namen der jüdischen Arbeiter aus dem Osten. Ein schottischer Delegierter gab den Herren eine gute Lektion. Er bezeichnete es .als merkwürdig, daß diese Genossen, welche sich nie als. Juden bekennen, sich plötzlich als jüdische Vertreter gebärden. Der Hieb des Nichtjuden saß. Die Herren schwiegen. Pen jüdischen Assimilanten in der Internationale ist es wohl gelungen, die offizielle Anerkennung des Zionismus zu verhüten. Aber ihre Bemühung, die Internationale zu antizionistischem Vorgehen zu bewegen,: ist restlos mißlungen. In der Schlußsitzung am 13. Mai faßte die Exekutive der S. A. I. folgende Beschlüsse: 1. Ohne über die Bedeutung und die Aussichten der Verwirklichung der zionistischen Bestrebungen in Palästina, über die die Meinungen innerhalb der sozialistischen Arbeiterschaft geteilt Bind, in diesem Moment ein Urteil abzugeben, stellt die Exekutive der S. A. I. fest, daß jüdische Arbeiter, die nach Palästina eingewandert sind, vor den gleichen Aufgaben des Klassenkampfes stehen . wie die Arbeiter aller anderen Länder und daß sie daher auch auf die gleiche So 1 idaritä.t Anrecht haben wie alle anderen Teile des internationalen Proletariats. Die Exekutive der S. A. I. hat mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, daß die der S. A. I, angeschlossene Partei in Palästina in ihren Kundgebungen stets das gemeinsame Klasseninteresse mit den arabischen Arbeitern in Palästina betont hat und sich jedem Gedanken der Aufrichtung einer Herrschaft der, jüdischen Nation über die arabische in Palästina widersetzt. 2, Die Exekutive der S. A. I. nimmt zur Kenntnis, daß ihre Peläslina-Sektion die Zionistische Organisation und die Jewjsh Agency, soweit diese Organe öffentlichen Rechts geworden sind, zur Vertretung ihrer Interessen' benutzt. Sie erwartet von ihrer Palästina- Sektion, daß sie in diesen Institutionen den unbeugsamen Kampf gegen die Versuche des internationalen jüdischen und nichtjüdischen Kapitalism u s, sie seiner Herrschaft zu unterwerfen, führen wird. Die Zionistische Organisation und die Jewish Agency sind Institutionen im nationalen Rahmen. Eine Beteiligung' der S. A. I. an ihnen kommt daher in keiner Weise in Betracht. Wenn einzelne jüdische Mitglieder von Parteien, die der S. A. I. angeschlossen sind, sich im Interesse der Arbeiterschaft in Palästina an diesen recht komplizierten Institutionen beteiligen, so sind sie dafür der Partei verantwortlich, der sie angehören, die S. A. I. lehnt aber jede wie immer geartete Verantwortung für eine derartige Betätigung einzelner Sozialisten ab. 3. Die Exekutive der S. A. I. vertritt ganz allgemein die Tendenz, der Gründung von Ligen aller Art, die über den Rahmen der S. A. I. hinausgehen, und der Beteiligung an ihnen entgegenzuwirken. Die Exekutive der S. A. I. Uberläßt die Entscheidung über die Zweckmäßigkeit der Ligen für das Arbeitende Palästina ihrer Palästina-Sektion und nimmt die Mitteilung der Konföderation Poale Zion zur Kenntnis, daß die Mitgliedschaft dieser Ligen auf Juden beschränkt bleiben wird. 4. Die Exekutive der S. A. I., die die Häufung internationaler Kongresse über politische Spezialprobleme für unzweckmäßig hält, nimmt zur Kenntnis, daß der geplante Weltkongreß für das arbeitende Erez Israel keineswegs eine internationale, sondern bloß eine Veranstaltung im nationalen jüdischen Rahmen sein soll, und daß weder die S. A. I. als solche noch eine ihrer Sektionen außer der palästinensischen zu ihm eingeladen werden wird. Die nicht zion istischen Gelder für Palässina. Ein Interview mit Dr. M. B. Höxter. — Was die Nicht» zionisten leisten wollen. — Sie verlangen Schuldentilgung und Kontrolle. — Sie lehnen die Erbpacht und die Kwu* zoth ab. —• Aber wo ist das Geld? Dr. M. B. Hext er, der Vertreter der nichtzionisti* sehen Juden Amerikas in der Exekutive der Je« wish Agency, welche jetzt an Stelle der ZipnistU sehen Exekutive oberste Behörde für den Aufbau des jüdischen Nationalheimes in Palästina ist, hatte mit dem Redakteur des „Neuen Wiener Journal" Dr. Emil R*e Ich eine Ausspräche, welche sich auf den Anteil der Nichtzionisten an dem Aufbauwerke bezog. Auf die Frage Dr. Reichs: „Wie werden sich die amen* kanischen Nichtzionisten am Aufbauwerk in Palästina beteiligen?" antwortete Dr. Hexter: „Vor» aussetzung für eine Beteiligung der nichtzionistischen Juden Amerikas ist, daß die Schulden der Z i o» nisten getilgt werden. Ich denke dabei nicht an ideelle, sondern an materielle Schulden, wie sie zum Beispiel der Keren Hajessod (Aufbaufonds) gemacht hat. Sie müssen durch Sparsamkei t in den Ausgaben und Erhöhung der Einnahmen beseitigt werden. Vor allem ist eine planmäßige'Wirtschaft vonnöten. Das Budget* war bisher passiv; es muß aktiv werden. Wird diese Bedingung erfüllt, so werden die Gelder aus Amerika weiterhin reichlich zufließen. Die nichtzionistischen Juden Amerikas sind für die Fort* Setzung des Bodenerwerbs in Palästina, und zwar in der Form des Ankaufs für einzelne Private, sowie als Nationalbesitz. Der Boden für Private kann direkt durch die betreffenden Privatleute erworben oder zu* nächst vom Nationalfonds, gekauft werden, der dann das Land an Private weitergibt. Für die amerika* nischen Nichtzionisten steht eine andere Art des Land« erwerbs nicht in Frage, sie wollen nur Boden er* stehen, der ins Privateigentum übergeht. Erbpacht oder K w u z a (Arbeitersiedlung auf k o m m u n i s t u scher genossenschaftlicher Grundlage) hat für sie kein Interesse. Bankier W a r b u r g zum Beispiel hat bereits einen Pardeß (Orangenpflanzung) in Palästina, und gleich ihm werden sicherlich viele amerikanische Nichtzionisten Grundbesitzer in Palästina werden, um Pflanzungen anzulegen oder Häuser beziehungsweise Villen zu bauen. An eine andere Art der Investierung ROBERT STRICKER: WEGE DER JÜDISCHEN POLITIK REDEN UND AUF SATZE über 80 Artikel und Abhandlungen, Parlaments¬ und Versammlungsreden // 330 Seiten auf holzfreiem Papier in elegantem "Ganzleinenband VERLAG R. LÖWIT, WIEN Die Sammlung umfaßt eine dreißigjährige Periode jüdischer Politik und jüdischen Erlebens, vön Theodor Herzl bis zum heutigen Tage Die Sammlung hat geschichtlichen Wert und wirkt doch lebendig und frisch, weil die Aeußerungen Robert Strickers über die aktuellen Anlässe hinausreichen und zeitgemäß geblieben sind Keine der von Robert Stricker als Politiker, Parlamentarier und Schriftsteller aufgeworfenen Fragen hat ihre Bedeutung eingeDüßt: Stellung zum Antisemitismus — Der Schaden und die Schande der Assimilation — Herzls Zionismus und seine Verwässerung — Die jüdische Politik — Der Kampf um den Judenstaat etc. Die „Wege der jüdischen Politik" bieten Information, Anregung und Belehrung Vorzugspreis für die Leser der „Neuen Welt": Das elegant ausgestattete Buch in Ganzleinenband kostet im Laden 11— ösierr. Schilling. — Bei Bestellung durch die „Neue Welt" nur österr. Schilling 6. - oder fach. K 40. -, Mark 5.—, poln. ZioSy 9.-, rum. Lei 190.—, schw. iPret. 6.50. — Zustellungs-, bezw. Versandgebühr jst in diesem Preis inbegriffen. Bitte mitteis Karte direkt zu bestellen amerikanischen Kapitals in Palästina ist vorläufig nicht zu denken, jedenfalls nicht für Industrie« zwecke, weil das Land für eine Industrialisierung noch nicht reif ist." Soferne die amerikanischen Nichtzionisten gewillt sind, eine strenge Kontrolle der Gebarung. mit den für Palästina aufgebrachten Geldern durchzuführen, kann ihnen lebhaft beigepflichtet werden. Die zionistische Opposition hat vor Beitritt der Nicht« zionisten zur Jewish Agency Jahre hindurch für eine Kontrolle gekämpft. Auch die „Neue Welt" .hat unab* lässig gegen den kontrollosen Zustand protestiert. Die leitenden Personen haben immer verstanden, die wieder« holt gefaßten Beschlüsse, ein Kontrollamt .zuschaffen, zu vereiteln. Ganz unklar ist die Rede Herrn Dr.' Hexter9 von den nichtzionistischen amerikanischen Geldern, welche „weiterhin" reichlich fließen werden, wenn die Schulden des Keren Hajessod getilgt sein werden. Wer soll diese Schulden tilgen? Bei der Erweiterung der 'Jewish Agency war nie davon die Rede, daß die Nicht» zibnisten erst Jann zu geben verpflichtet sind, wenn Schulden, die im Dienste des Aufbaues gemacht wurden, getilgt seinv werden. Und der Hinweis auf Gelder aus Arne* rika, die weiterhin reichlich fließen werden, geht leider ins Leere. Mehr als neun Monate sind seit dem bejubelten Beitritt der amerikanischen Nichtzionisten verstrichen und bis jetzt ist viel weniger Geld eingeflossen als zur Zeit, da die Zionisten allein arbeiteten. Vielleicht wird sich dieser Zustand ändern. Es wäre sehr wünschens« wert, aber von „weiterhin" reichlich fließenden nicht« zionistischen Geldern zu sprechen, entbehrt leider jeder Berechtigung. Emir Abdallah und der Zionismus. Der FUrst von Transjordanien rief die Juden in sein. Land. — Er wurde von zionistischen Führern brüskiert. Von Dr. Saul Mezan (Sofia). Wir bringen diese höchst interessanten Ausführungen über eine wichtige diplomatische Episode. Wir überlassen dem Autor die Ver# antwortung für seine gegen zionistische Führer erhobene, nicht unwichtige Anklage. Eine Aeußerung der genannten Herren wäre wün* sehenswert. Dr. Saul Mezan ist ein be* kannter jüdischer Politiker, führender Zionist. Er steht an der Spitze der „Jüdischen Völkerbundliga'4 in Bulgarien und ist Gründer des Pro.Palästinakomitees in Sofia. Die jüdische Presse hat kürzlich gewisse, dem Zionismus feindliche Erklärungen des Emir Ab* d a 11 a h veröffentlicht, in welchen auch seine bevor» stehende Abreise nach London zwecks Unterstützung der Forderungen der ara bisch* paläst inen* sischen Delegation angekündigt wurde. Aus diesen Mitteilungen ersieht man, daß in den Ansichten des Emir Abdallah eine gewaltige Wandlung eingetreten ist. Denn es gab gewisse Momente in seinem Leben, da er ganz und gar bereit war, sich mit der Z i o* nistischen Organisation zu verständigen. Genauer gesagt: Am 18. August 1926 wurde ich von seiner Hoheit, dem Emir Abdallah in seinem Kamp in. der Umgebung Ammans empfangen, und hatte mit ihm eine lange g^,'4ftV.--^—»:... .• -i»«v\1ä> %l v.- JA X: AtiMUt^ <#SSäSR . 1-j" nf^i^n■. III ■ .