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Die neue Welt · 1930-05-23 · Heft 140 (23.5.1930) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 140 (23.5.1930)
Date
1930-05-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nf. 140 DIE NEUE WELT Seit« 5 rung läge. Er versicherte, daß er auch künftighin seine Autorität in die Waagschale werfen werde, um Ausschreitungen möglichst zu verhindern und für eine gerechte Konkurrenz in zivilisiertet Form einzutreten. Die elementaren Kräfte, sagte er, lassen sich nidht auf einmal bändigen, man müsse langsam an ihrer Eindämmung arbeiten. t Während dieser beruhigenden Rede Jorgas haben schwere Ausschreitungen der Cuzisten gegen Juden stattgefunden. Dafür sind Juden eingesperrt, im Gefängnis mißhandelt und unter Anklage gestellt worden. Weil sie sich gewehrt haben. Die Regierung hat den Judengemeinden ein Gesetz aufgezwungen, das den Keim zur Spaltung legt. Jüdische Schulen werden nicht errichtet, jüdische Lehrer zurückgesetzt. Aber wenn der Tag lang ist, kann man viel erzählen ( i a Die amiliche Rangliste — eine neue Bosheit« Jerusalem, 14. Mai. (J. T. A.) Die „Official Gazette" veröffentlicht eine von der Krone genehmigte amtliche Rangliste der verschiedenen Würdenträger in Palästina, die ihre Plätze bei feierlichen Gelegenheiten bestimmt. An erster Stelle steht der High Commissioner als Repräsentant der Krone, ihm folgen: die Kommandanten' der britischen Streitkräfte in Palästina, der Chief Justice, die Mitglieder des Executive Council, der oberste britische Richter, der Distriktskommissar, der Großmufti, der orthodoxe, lateinische und armenische Patriarch, der anglikanische Bischof von Jerusalem, die Oberrabbiner, der Präsident des Moslemitischen Appellationsgerichtes, die Mitglieder des Advisory Council, die ausländischen Konsuln, der Superior defl Franziskanerordens in Palästina, Syrien, Aegypten und Cypern, der Solicitor-General (Justizbevollmächtigter der Krone), die Präsidenten und Mitglieder der Gerichtshöfe, verschiedene Regierungsbeamte, die Polizeichefs, der Kommandant des transjordanischen Grenzschutzkorps, die Bürgermeister der verschiedenen Städte, die Mitglieder des Obersten Moslemitischen Rates, die Mitglieder des Moslemitischen Appellationsgerichtes, der Vorsitzende der Zionistischen Exekutive, der Präsident des Waad Leurai, die Magistrate, Muftis, Bischöfe und Stadträte. Weitere zwei zionistische Abgeordnete ins polnische Parlament gewählt. Warschau, 19. Mai. Gestern fanden Ersatzwahlen im Wahlkreise Luck statt. Den größten Erfolg erzielte die Liste des Blocks der nationalen Minder* heit en, die von 5 Mandaten 3 erlangte.,;Eines der Man» , date erhält der Zionist Dr. Adolf Rothfeld, Rechts« anwalt aus Rowno. Dadurch erhalten die Zionisten noch ein weiteres Mandat von der Reichsliste, welches dem ehemaligen Abgeordneten Dr. Abraham I n s 1 e r, Rechts* anwalt in Lemberg, zufällt. Der Wahlausgang ist ein großer Erfolg der Rieh* tung Grünbaum. Das tschechoslowakische Unterrichtsministerium für das jüdische Schul werk. Prag, 16. Mai (J. T. A.) Der Unterrichtsminister Dr. Derer empfing eine unter Führung des jüdischen Abgeordneten Dr. Singer stehende Delegation des jüdischen und hebräischen Schulwerkes in der Tschc* choslowakei, um mit ihr über die Unterstützung des jüdischen Schulwerkes in den historischen Ländern und der Slowakei, sowie des hebräischen Schulwerkes in Karpathorußland zu verhandeln. Der Rücktritt Dr. Heinrich Brodys endgültig. Prag, 16. Mai. (J. T. A.) Der Oberrabbiner von Prag Dr. Heinrich Brody, der bekanntlich' vor einigen Wochen sein Rücktrittsgesuch übergab, hat sich zu einer Aufforderung der Repräsentanz der Prager Jüdischen Gemeinde, im Amte zu verbleiben, ablehnend gestellt, so daß sein Rücktrittsgesuch als angenommen zu betrachten ist. Ueber die Nachfolge des tschechoslowakischen Oberrabbinates, für die durch Staatsbürgerschaftsfragen große Schwierigkeiten erwachsen, ist noch keine Entscheidung gefallen. Eine neue antisemitische Verordnung Fricks. Weimar, 16. Mai. (J. T. A.) Das thüringische Innen* ministerium hat eine Verordnung an die Stadtverwal* tungen erlassen, in der bestimmt wird, daß Gesuche fremdrassiger Ausländer um Naturalisierung grundsätzlich abgelehnt werden müssen. Nur in besonderen Ausnahmefällen sollen derartige Anträge dem Innenminister zur Begutachtung vorgelegt werden. Hier* zu wird noch mitgeteilt, daß der Begriff „fremdrassig" von Fall zu Fall entschieden werden soll. Die Verklausulierungen in dieser Verordnung haben, wie man hier annimmt, den Zweck, n i c h t j ü d i* sehen und nichtdeutschen Ausländern die Tür für die Naturalisierung offen zu halten. Der Völkerbundrat hat die Klagemauerkoramission ernannt. Genf, 10. Mai. Der Rat des Völkerbundes hat am 15. Mai in geschlossener Sitzung gemäß dem Vorschlag der englischen Regierung drei nichtenglische Persönlichkeiten zu Mitgliedern der Kommission zur Prüfung der jüdischen und der arabischen Rechte und Ansprüche in Verbindung mit der Klage» mau er ernannt. Präsident der. Kommission ist der ehe* malige schwedische Außenminister Elicl Zoef* gren, Mitglieder sind ferner der Genfer Richter Charles Barde und der Holländer Van Kempen, ein früherer höherer Beamter der holländischen Kolonialver* waltung. Das persische Ratsmitglied A1 a Khan ent* hielt sich der Abstimmung, erklärte aber, er habe Ver* trauen zur Mandatatmacht, daß sie die Wünsche der Muselmanen ernstlich berücksichtigen wird. Man hat also drei Protestanten zu Schiedsrichtern einer zwischen den Juden und den Muselmanen strittigen Frage bestimmt. Plan der Ansiedlung von tausend polnisch-jüdischen Mittelstandsfamilien aus dem Lande in Palästina. Warschau, 16. Mai. In einer Sitzung des Prä» sidiums der polnischen Sektion der Jewish Agency, der auch Herr Dr. Bernhard Kahn aus Berlin, Mitglied des Administrative Committee der Jewish Agency, beiwohnte, wurde über dert Plan der A n s i e d* lung von tausend Familien aus dem pol* nischsjüdischen Mittelstand auf dem Boden des Jüdischen Nationalfonds in Palästina be* raten. Jede Siedlerfamilie sollte üfc_/ einen Mindest« betrag von 300 Pfund verfügen. Es wurde be* schlössen, eine schriftliche Darlegung des Planes nebst dazugehörigem Material allen Mitgliedern des Admini* strative Committee zuzustellen und sich dafür einzu« setzen, daß dieser Plan auf die Tagesordnung der nach» sten Sitzung des Administrative Committee, die im August d. J., wahrscheinlich in Berlin, stattfinden wird, gesetzt werde. Scharfe Kritik am Reichsgericht. Berlin, 18. Mai. In der Justizdebatte des Reichs* tages übte der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Kurt Rosenfeld scharfe Kritik am Reichsgericht und brachte ü. a. den folgenden Fall zur Sprache: In einer Sache, bei der es sich um Beschimpfung Rathenaus und der Republik handelte, erklärte der Reichs* anwalt, es sei keine Beschimpfung im Sinne des Re* Publikschutzgesetzes, wenn Rathenau als Jude und Ver* räter bezeichnet wurde, denn Jude sei er gewesen, und für einen Verräter habe der Angeklagte ihn eben gehalten. Bei dem Ausdruck „S a u r e p u b 1 i k" sei nicht klar erkennbar, ob die Republik oder der Reichstag ge* meint sei. Das Reichsgericht, schloß Rosenfeld, besteht 50 Jahre. Eine Verjüngung ist dringend nötig. Vor Schaffung eines neuen jüdischen Religionsgesetzes in der'Tschechoslowakei. Prag, 16. Mai. Wie der J!. T. A.*Vertreter erfährt, schweben zwischen der Regierung und den interes* sierten jüdischen Kreisen Verhandlungen zur Schaffung eines neuen Gesetzes über die jüdische Religionsgemeinschaft in der Tschechoslowakei, durch die insbesondere die Gemeindeautonomic und das reinen KneippKalzltajfee 8 ^roße^dialen kosten nur 10 Groschen- S>4i&aJ*t-eJ ^^^Jm^^ Wahlrecht in den jüdischen Gemeinden heu geregelt werden sollen. Das alte Religionsgesetz, das auf einer, Regierungsverordnung aus dem Janre 1860 basiert,s ent* spricht nicht mehr in allen seinen Teilen den Anforde* rungen. ** Waffenschmuggel nach Palästina. Wien als Zentrum? — Die englische Polizeibehörde fordert Verfolgung. — Pistolen, Maschinengewehre und Munition in eisernen Kassen. Eine Waffenschmuggel-Affäre hat in den letzten Tagen in Wien ziemliches Aufsehen erregt. Umsomehr, als das Bestimmungsland der Waffensendungen Palästina ist. Nach der von der Wiener Polizeidirektipn gegebenen Darstellung handelt es sich um nachstehenden Sachverhalt: Zu Ende April erhielt die Wiener Polizeidirektion ein Ersuchen der englischen Polizeibehörde von Jerusalem, sie möge in Wien oder überhaupt in Oesterreich nach dem Herkunftsort und dem Aufgeber eiserner Kassen einer Wiener Fabrik forschen, die als Behälter darin heimlich verborgener Pistolen und Revolver und der dazugehörigen Munition gedient hätten und von der Jerusalemer Polizei samt ihrem Inhalt beschlagnahmt worden seien. Es handelte sich, der Mitteilung der Jerusalemer Polizei zufolge, um mehrere mittelgroße Kassen feuersicherer Konstruktion. Solche Kassen haben bekanntlich Ho hl wände, die normalerweise mit Asche und Sand ausgefüllt sind. Bei den in Jerusalem beschlagnahmten Kassen war die Feuerschutzmaterie in den Hohlräumen der Wände dureh die erwähnten Schußwaffen und Munitionskartons ersetzt. Dem Vernehmen nach soll in einem Falle auch ein zerlegtes Maschinengewehr in einer der Kassen eingebaut worden sein. Bei der Aufgabe in Wien, die durch eine hiesige Speditionsfirma erfolgte, war Aegypten als Ziel der Sendung deklariert worden. Von dort aber sind die Kassen nach Jaffa instradiert und von dort nach Jerusalem gebracht worden, wo ihre Beschlagnahme sofort nach der Ausladung erfolgte. Im Hinblick auf die Unauffälligkeit muß man die Wahl der Kassen als Schmuggelbehelf als eine sehr gelungene bezeichnen, denn die österreichischen Kassenfabriken betreiben schon seit undenklichen Zeiten einen florierenden Export ihrer Erzeugnisse in die Levante, wo die in Oesterreich hergestellten Kassen einen ausgezeichneten Ruf genießen. Zum ersten Male kam im Jahre 1873 nach der Pariser Weltausstellung eine Österreichische Kasse nach Konstantinopel, wo in Gegenwart des Sultans Abdul Hamid eine zu seiner vollsten Zufriedenheit ausgefallene Feuerprobe mit der neu eingelangten Kasse vorgenommen wurde. Jede der als Behälter für die geschmuggelten Waffensendungen dienenden Kassen bot in den Hohlräumen ihrer Wände Raum für 40 bis 60 Pistolen und 1000 bis 1200 dazugehörige Patronen. Nicht nur durch ihre Festigkeit, sondern auch durch ihr großes Gewicht eigneten sich die Kassen ganz besonders für den Waffenschmuggel, da ja bei jedem anderen Behälter das Gewicht des Inhalts in viel höherem Maße zur Geltung gekommen und somit auch aufgefallen wäre. Im Innen räum der Kassen, die vollständig ordnungsgemäß montiert und unversperrt, beziehungsweise unter Beischluß der Schlüssel transportiert wurden, war von dem kriegerischen Inhalt nicht das Geringste zu merken. Unter solchen Umständen leuchtet es wohl selbst ein, daß die Polizei in Jerusalem nur durch einen vertraulichen Wink von eingeweihter Seite in die Lage kommen konnte, einen dieser bis dahin unverdächtigen Kassentransporte anzuhalten und sich durch Aufreißen der Kassenwände Gewißheit über den gut verborgenen Inhalt ihrer Hohlräume zu verschaffen. Seit wann und wie lange dieser Waffenschmuggel betrieben wurde, konnte bisher weder von der Polizei in Wien noch von der in Jerusalem festgestellt werden. Es ist überhaupt die Frage, ob, wie man vermutet, die Verbergung der Waffen in den Kassen bereits in Wien stattgefunden hat oder ob sie nicht in einer der Zwischenstationen, die die Trausporte zu passieren hatten, eventuell in Aegypten, erfolgte. Obwohl es gelungen ist, Absendung, Stückzahl und Route aller seit mehr als Jahresfrist von Wien nach Aegypten, beziehungsweise Pala-

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