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Die neue Welt · 1930-05-16 · Heft 139 (16.5.1930) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 139 (16.5.1930)
Date
1930-05-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Wf. i% DIE NEUE mi Seite T Büchern trad Zeitschriften dieser OtUim> afot bewe* Ungeistesart geschrieben und gedruckt. Man kann sich auf den Standpunkt stellen, daß ein Buch lind eine Zeitschrift erst gekauft werden muH, daß also eine Aktivität de« Aufnehmenden dazu gohört, zü solcher Schmutz- und Schundliteratur m gelangen und daß deshalb der Käufer schon geistig zu einer Kategorie für Antisemitismus Begabter gehört, die durch die Lektüre nur die höheren Hakenkreuzweihen erhält." „Aber iu die Schule gehen Kinder; Kinder, die sich nicht wahren können, die voraussetzungslos, d ie noch rein sich dem Leben zuwenden. Und diese Kinder müssen Gebete sprechen, die nach der öffentlichen Interpretation des höchsten Beamten sich, wenn auch verhüllt, gegen ihre jüdischen Kameraden richten. Gibt es wirklich in Deutschland keine geistige, keine rechtliche, keine staatliche Autorität, die solche Se e 1 e n s c h ii n d u n g zu verhindern die Macht hat?" in iliii^ll Gegen die Boykottierung der Juden. Berlin, 12. Mui. In Osnabrück erscheint die \v odienzeitung „Der S t a d t w ä c h t e r" von Dr. Heinrich Schicrbaum, die geigen die jüdisdie Bevölkerung hetzt und zum Boykott derselben auffordert. Das Landgeridit Osnabrück hat durch einstweilige Verfügung dem Herausgeber Dr. Sdiierbaum und den verantwortlichen Redakteuren Fritz J u r s c h und Ernst Simon ei t untersagt, durch Schmähungen und Verunglimpfungen der Juden zu einem Boykott der Geschäfte der jüdischen Btirger Osnabrücks aufzufordern. Sodann ist audi die Hauptklage gegen die drei Genannten von elf jüdischen Firmen erhoben worden. Gegen die drei Beklagten ist ein Urteil im Sinne der soeben erwähnten einstweiligen Verfügung ergangen. Außerdem ist den Klägern die Publikationsbefugnis 'in OsnabrUoker Zeitungen und auch im „Stadtwäditer" zugesprochen worden; Trotz der einstweiligen Verfügung und der Verurteilungen hat der „Stadtwäditer" weitere Boy k q 11 a u f f o f d e r u ngen gebracht. Es wurde deswegen Straffestsetzung beantragt und das Oberlnndesgeridit Celle hat in der Beschwerdeinstanz gegen jeden der drei Beklagten eine Geldstrafe von 500 Mark festgesetzt. Den Beklagten sind auch die erheblichen Kosten sämtlicher Verfahren auferlegt worden. Der jüdische Erbauer der Turksib-Eisenbahn. Ainabulak, Tu'rkes t an, 7. Mai. (J. T. A.) Der jetzt in der gesamten Sowjetunion gefeierteste Mann ist Bill Shatov, der Erbauer der durch schwierigstes Gebiet führenden, 928 Meilen langen Turksib»Eisenbahn, die Sibirien und Turkestän miteinander verbindet und eine der längsten Eisenbahnstrecken der Welt ist. Bill Shatov war vor einigen Jahren ein bekannter j ü d i* scher Arbeiterführer in den Vereinigten Staaten. Die Huldigung für ihn bildete den Mittelpunkt der Zere* monie bei der Eröffnung der Turksib*Eisenbahn. Bei Anwesenheit von tausenden Stammeshäuptlingen schlug Bill Shatov, ein Mann »von riesigem Körperbau, in Aina* bulak, an der Grenze von Russisch»Zentralasien, den letz* ten Nägel in die letzte Bahnschwelle. Als er damit fertig war, ' ergriffen' die Ingenieure und Eisenbahnarbeiter Shatov und trugen ihn durch die ihm zujubelnde Menge. Nach der Zeremonie erzählte Bill Shatqv dem Moskauer J. T. A.*Vertreter von seinem Lebensweg. Er hatte einen Teil der. jüdischen Arbeiterschaft im Osten von New York organisiert und half die Ge* werkschaften der Schneider und Buchdrucker schaffen. Er selbst mußte in New York schwer um seine wirtschaftliche Existenz kämpfen, er tat im Hafen schwere Arbeit mit Hacke und Schaufel, bis er später sich dem Eisenbahnbau widmen konnte, heute, sagte er, wo ich meine größte Leistung vollbracht habe, gedenke ich meiner jüdischen Freunde in Amerika, mit denen ich zu* sammen gekämpft und gelitten habe. Stalin sandte Shatov seine Grüße und verlieh ihm den Orden des Roten B a n n er s, die höchste Auszeichnung der Sow* jetunion. Lateinisches Alphabet für Jiddisch. Moskau, - 9. Mai. In der in diesen Tagen statt* gefundenen Konferenz der jiddischen Kultur* a r b e i t e r für die gesamte Ukraine machte Kamen* stein den Vorschlag, das lateinische Alphabet an Stelle des hebräischen für die jiddische Sprache ein* zuführen. Die Konferenz stimmte diesem Vorschlag zu und faßte eine Resolution,' in der die zentrale ortho* graphische Kommission aufgefordert wird, diesen Be» Schluß durchzuführen. Die jiddische Presse wird aufge» fordert, die Frage der Einführung des lateinischen Alpha* bet zur öffentlichen Diskussion zu stellen. Die jüdische Inquisition. Moskau, 8. Mai. Die Charkower Zeitung „S t e r n" teilt mit, daß der Maler Schlecht mann an einem Gemälde „Die jüdische I n q u i s i t i o n" ar< beitet, welches die Rabbiner in ihrer „wahren Gestalt" darstellen soll. Das Bild wird dem Museum für jiddische Kunst (Mendeli*Museum) einverleibt werden, das eine Abteilung für jiddische proletarische Kunst erhält. Die Rabbiner, schreibt „Stern", sind Wölfe.im Schafs« pelz; gleich den katholischen Geistlichen, übten sie, wo sie konnten, eine Art Inquisition gegen Anders* denkende aus. Talstehei Aus dem Inhalts I Million Verbrecher. 1 Milliarde Beute Die Sc(tw«ig«pflicnt der Banden 16- bis HUhrlne ..The bltr stiot»" — die H«uotlinue 12 Millionen Dollar „Rrtchetthn" ' — einnehme . , Hotels Hermeline. Liebste und Leibwachen Inno Worte Mordsnrache Wie *8 anfing: Prohibition - Maffia Mfidcliontiäufter. Solclhäuser. TrlnMiHuser Diu Unlone Slcillann Starnrneflsto der Oncr und der Kirche bine Taubstumme und die Gerecbtlskett Eroohtint fortlaufend Innres« Aus dem Inhalt: AI Caoone. der Mann mit der Narbe Sie lottern! Mörder für |5fl Dollar wöchentlich Das Schloß In Miami £«Donos 70.000 Untertanen aa ireoanzerte Luxjtauto Caoone Inn.. Tuifmlltlpnär Die Mörderrevue Im Pollroiprüsldlur Bine Nacht an der Todesecjc« loa Plvnna Patrouille Nr 9 Menschen In Kfltjften . Die Geschichte Dlon O'Banlons Der Maschlnennowelir-Mord In der Garage &i____ ~«~M^o„S_ iaQr W,en .Bundesländer Varwaltung: Wien lX/t, Liechtensteins!.-. 45 (Strudelhoff) Zur politischen Lage in Palästina* Luke geht nicht. — Verschiedene Stimmen zur Ernennung de« Sonderkommissärs Sir John Hope Simpson. Viele Bliittor brachten die Nachricht, daß der Chefsekretär der Palästinaregierung H. C. Luke, der bekunutlich während der blutigen A u g u s t u n r u h e n in Abwesenheit des Regierungschefs Chancellor die Regierung leitete, auf Urlaub gegangen ist und nicht mehr wiedelkehren wird. Da Luke als einer der Hauptschuldigen an den Hetzereien gegen diß Juden und als Protektor der arabischen Rädelsführer angesehen wird, erweckte diese Nachricht große Befriedigung, denn sie wurde als Anzeichen dafür ^betrachtet, daß die Londoner Regierung auch gegen Schuldige im eigenen-Lager energisch vorzugehen entschlossen ist. Die „Neue Welt" brachte die Nachricht mit Vorbehalt. Leider scheint der Vorbehalt gerechtfertigt zu sein. Die Jüdische Tele- .graphen-Agentur meldet: ' / Luke kehrt nach Palästina zurück. Jerusalem, ß. Mai, Die in Jeruaalem weilende Gattin des gegenwärtig auf einem längeren Urlaub, in England befindliche« Chefaekrctürs der PalüstinarRegierung II, C. Luke erklärte dem j. T, Ä.-Vertreter. ihr Gatte werde nach Beendigung der Juni-Tagung der Mandatskommission de» Völkerbundes, auf der er als Begleiter, des beglaubigten Vertreters der englischen Regierung anwesend sein und auf Fragen der Kommissionsmitglieder Auskünfte erteilen wird, nach Palästina zurückkehren und seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen. Statt der von d»" englischen Freunden des Zionismus, von Cecil, Wedgewood und anderen geforderten und vom Premierminister Mac Donald halb und halb versprochenen königlichen Kommission wurde tlle Entsendung des Sir jfolin Hope Simpson als Sonderkommissär angeordnet. Er hat in Gemeinschaft mit der Palästina-Regierung entsdieidcmlf! Untersuchungen vorzunehmen. Die Ansichten über diese Maßnahme sind verschieden. * London, 8. Mai. „Times" teilt mit, die seitens einiger Kreise in Palästina mit Beziig auf die Ernennung von Sir John Hope Simpson als Sonderkommissär zur Untersuchung der Probleme des Bodens und der Einwanderung geäußerte Unzufriedenheit wird von den offiziellen Londoner Kreisen der Zionistisdien Leitung nicht geteilt. Man hegt dort vollkommenes Vertrauen darein, daß eine von einem Mann wie Sir John Simpson mit seinem großen administrativen Können und seiner Erfahrung in der Wiederausiedlung geführte Untersuchung günstige Ergebnisse für das jüdische Kolonisatiouswerk haben wird. Die offiziellen zionistischen Führer werden alles, was in ihrer Macht sfcht» tun, um Sir Jo]in Hope Simpspn in der von ihm übernommenen widitigen Mission zu unterstützen. * Jerusalem, 8. Mai. (J. T. A.) „AI Jamea al A r abia", das Organ des Moslemitischen Obersten Rates, drückt «eine Freude über die Ernennung Simpsons zum Sonderkommissär für Palästina aus. Die Zeitung schreibt, die Ernennung Simpsons sei eine Folge der Verhandlungen der britischen Regierung mit der arabischen Delegation in London und die erste Maßnahme in der Durdiführung der Empfehlungen der Palästina-Untersuchungskommission. — (Anm. der Red. Diese Einpfählungen gehen bekanntlich dahin, die jüdische Einwanderung vorläufig zu sperren uud auch Bodeukäufe zu hindern!) * Jerusalem, 8. Mai. (J. T. A.) Die hebräische Presse Palästinas äußert sich pessimistisch über die Er« nennung von Sir John Hope Simpson zum Sonder* Icommissar für Palästina mit dem Auftrage, der eng» lischen Regierung über Fragen der Landansiedlung, Ein* Wanderung und allgemeinen Entwicklung des Landes Be* rieht zu erstatten. Der revisionistische „Doar Hayom" schreibt: Es will scheinen, daß Großbritannien sich zu einem ent« scheidenden Angriff gegen die Rückkehr der J u* den in ihr Land rüstet. Sir John Simpsons Ernennung hat offenbar den Zweck, die Empfehlungen der Shaw? Kommission zu verwirklichen. In der offiziellen Mit* teilung über seine Ernennung wird gesagt, daß es seine Aufgabe sein wird, Vorschläge über Einwanderung und Kolonisation zu machen. Das bedeutet, daß das Kolonial* amt entschlossen ist, die Forderung nach Emen* oung einer autoritativen Kommission zur Untersuchung der Wirksamkeit des Mandates hinsichtlich seiner Erfüllung nach seinem Buchstaben und seinem Geiste — wie sie Lord Balfour, Lloyd George und General Smuts aufgestellt haben — über Bord zu werfen. Statt einer solchen autoritativen Royal Commision kommt ein Mann nach Palästina, dessen Aufgabe es wohl sein wird, nachzuweisen, daß eine jüdische Mehrheit und ein jüdischer Staat in Palästina unmöglich sind. Daß dies die Aufgabe Sir John Simpsons sein wird, wird aus dem Leitartikel des „Times" über seine Ernennung klar. Was wir fragen, schließt „Doar Hayom", ist: Wünscht England eine Alliance mit dem jüdischen Volke?« Vor I» Jahren gingen wir Juden eine Alliance mit England ein, wir waren sehr aufrichtig, und voll großer Hoffnungen. Die hebräische Tageszeitung „H a a r e z" führt aus: Wir hatten gehofft, daß Großbritannien das uns seitens der Untersuchungskommission angetane Unrecht gut* machen werde, indem es eine Kommission poli* tischer Führer nach Palästina entsenden werde, wie dies Lord Balfour, Lloyd George und,;£emjral Smuts gefordert haben. Wir hatten gehofft, daß Herr Ramsay MacDonald zumindest eine Persönlichkeit nach Palästina entsenden werde, die fähig ist, ein hohes menschliches Ideal, wie der Zionimus es darstellt, zu.er», fassen Und das jüdische Aufbauwerk ohne Vorurteil und nicht durch das enge Fernrohr eines .Kolonialbeamten zu sehen; einen Mann, der fähig wäre, alle Mängel und Fehler der Palästina*Administra* tion zu sehen und Vorschläge zu machen, wie solche Fehler in der Zukunft zu vermeiden sind und wie Eng» 1 a n d s E h.ren wor t, das. in dem Mandat verankert ist, am besten gehalten werden kann. Statt dessen wird ein Kolonialbeamter, der früher im indischen Zivil* dienst gestanden hat, mit der Aufgabe betraut, über Fragen zu berichten, über die die Shaw*Kommission Vor* Schläge gemacht hat. Herr Ramsay MacDonald, fährt „Haarez" fort, Wochen-Kalender Mal 1930 "TN mn IJar 5690 18 Freitag 18-rr. Sabbateingang 7,23 -»Diys & 17 Samstag 19-tp Sabbatausgang 8.16 Dvton 'teun /no* n Sonntag 20-3 19 Montag 21^*3 20 Dienstag 22-33 21 Mittwoch 2J-» 22 Donnerstag 24-13

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