Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 139 (16.5.1930)
- Date
- 1930-05-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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&?Gs 9 DTE NEUE WEIT Kf.ni SIEGM. KORNMEHL OROSmUSCHHAUlAII Zentrale IX., Berggawc 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 Lief eran i liir Heilanstalten M«!S!!!iS3£5J£US2 unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kultusgemeinde Wien Autosustellung kostento» IX., Berggasse 13 / XVIII., WShringerstr. 07 rffinnitmntimiiinm imtimiiitii i mm 'ifminitiimutimiiufimnimtitiHitiuifii mtiiimiimmtmmuih an Vandervelde, den er im Krakauer sozialistischen ..Naprzed" veröffentlichte, den Zionismus als reaktionäre Bewegung charakterisiert habe, Wolters erwähnt Ehrlich Vorwurfsvoll Leon B1 u m, das Mitglied der Exekutive der Sozialistischen Internationale, der den Züricher Kongreß der J e w i s h Agency begrüßt und diesen der Sympathie der sozialistischen Internationale versichert habe, also einer Tagung huldige, die Ehrlich als Kongreß der „jüdischen P l u t o k r a t i e" bezeichnet. Ehrlich schließt seinen Brief mit folgenden Worten: „Ich glaube, daß wir das Hecht haben, allen bedeutenden Führern der sozialistischen Internationale Vorwürfe zu machen, die das jüdische Leben nicht kennen, aber durch ihre prozionistischen Handlungen den Weg der jüdischen Arbeiterschaft in ihrem revolutionären sozialistischen Kampf mit Steinen belegen.14 In seiner Antwort an Ehrlich erklärt Friedrich Adler zunächst, daß er ihm ,,den Brief im eigenen und nicht im1 Namen der Internationale schreibe, Vor einiger Zeit, berichtet Adler in seinem Brief habe sich die holländische snüiald eraok ra tische Partei ,an das Sekretariat .der sozialistischen Internationale mit der Forderung gewendet, zum Zionismus Stellung zu nehmen. Adler habe ihr geant wortet, die Internationale hätte bis jetzt auf keiner ihrer Sitzungen Gelegenheit gehabt, die zionistische Frage zu behandeln. Es gebe in der Internationale Mitglieder, wie Vandervelde, Blum u. a., die für den Zionismus, und wieder andere, wie Kautsky, Bauer u. a., die gegen den Zionismus seien. Die Internationale habe keine eindeutige einheitliche Stellung zum Zionismus und keiner habe daher das Recht, in ihrem Namen über den Zionismus und Palästina Erklärungen abzugeben. „Ihr Brief," schreibt Adler weiter, „hat mir die , Tatsache wieder einmal zu Bewußtsein gebracht, daß das Sichfernhalten des „Bund" von der Massenorgani sation des internationalen Proletariats, der sozialistischen Internatlöhale, für die Arbeiterbewegung in Polen und für die ganze Internationale Schaden bedeutet. Es Wäre Ihre persönliche Aufgabe, die Interessen der großen Massen des jüdischen Proletariats a ü fl e r h a 1 b Palästinas im Rahmen der Internationale zu ver treten, und Sie dürfen sich nicht wundern, wenn Miß Verständnisse entstehen, da Sie nicht mithelfen, daß der ni c h t z i o n i s t i $ ch e Teil der jüdischen Arbeiter in der sozialistischen Internationale die Vertretung bekomme, die ihr gebühr t." Au« Friedrich Adlers Brief merkt man nahezu das erleichterte ' Aufatmen der ,j ü dij c h - s o z i a 1 istischen Renegaten bei der Möglichkeit, endlich Pension vAiistri?' Kinderheim Vftslau (OLQA KADISCH) JigermayerstraB« 15 - Telephon 99 Stehe 8 Für Dauer' und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht Im Hause, auch Nachhilfe für öffentliche Schulen besuchende Kinder. - Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lehrerin. - Erstklassige Verköstigung. - Mütterliche Pflege. - Mäßig« Preis« Wiener Kinderheim in Grodo. 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In Ruß 1 a n d ist der „Bund" längst von der politischen Bildfläche verschwunden (ihre Frucht ist die traurige Nach kbmmenschaft der berüchtigten Jewsekzia), in Polen ^Verliert er immer mehr an Boden und vermag heute im politischen Kampf der polnischen Judenschaft kaum eine Rolle zu spielen, in Amerika hat er jeden Halt verlören. Die großen jüdischen Gewerkschaften sind hier antibundistisch, mit immer stärker werdender Nei gung zur Anteilnahme am palästinensischen Aufbauwerk. Der „Vorwiirts" mit seinem Chefredakteur K a h n, einst der große Bekämpfer des Zionismus, ist ein Organ mit ausgesprochener Sympathie für den Zio nismus geworden. Wen also soll der „Bund", wenn er nach dem heißen Wunsch der jüdischen Antizionisten in der In ternationale sich dieser anschließt, vertreten? Der „Bund" kann nur als Pseudovertretcr des jüdischen Proletariats figurieren. Denn die antizionistischen jüdischen Arbeiter sind längs« schon zum Kommunismus abgesplittert.. Die Palästina-Frage auf der Berliner Tagung der Exekutive der Zweiten Internationale. Berlin, 12. Mai. Am Sonntag, den 11. Mai, begann in Berlin eine Tagung der Exekutive der sozialistischen (Zweiten) Internationale. Seitens des Weltverbandes P o a 1 e Z i o n nehmen an dieser Sitzung S. Kaplansky (bekanntlich Mitglied der Zionistischen Weltexekutive) und M. Ja rbl um (Paris) teil. Wieder J. T. A.-Vertreter erfährt, bildet die Frage der Arbeit der Liga für das arbeitende Palästina Gegenstand der Beratungen. In der vorigen Sitzung hat Friedrich Adler die Frage der Liga für dus arbeitende Palästina unter Mitarbeit von Sozialisten an dem Palästina-Werk angeschnitten. Die Vertreter der Poale Zion hatten gefordert, daß man dorn Verband Poale Zion die Möglichkeit geben solle, die Mitglieder der Exekutive der Internationale über Wesen und Arbeit.der Liga für das arbeitende Palästina zu informiere n. Der Vorschlag wurde damals angenommen, so daß dieser Punkt auf der Tagesordnung der jetzigen Berliner Tagung der Internationale steht. H« ~ r Ueber Antrag des Sekretariats wurde die in Palästina durch Vereinigung der Poale Zion und Hitacliduth entstandene n 6 u'e soil^ilstische Partei an Stelle der Poale Zion in die Ifr'te'rhatirinale aufgenommen. Per amerikanische Gesandte in Prag — ein Jude. Prag, 10. Mai.,(J, T. Ä.)( Der Präsident der Republik empfing in einer besonderen Audienz den neuen amerika« nischen Gesandten in Prag, den Bostoner jüdischen Bankier Abraham Rathesky, der Masaryk die Grüße des Präsidenten der Vereinigten Staaten Hoover über» brachte. Rückkehr zum Judentum nach 400 Jahren. In der letzten Sitzung der Englisch*jüdischen Gesell« schaft in London (Anglo*Jewish»Association) berichtete Joseph Melier über die Bewegung zur Rückkehr zum Judentum unter den Maranen Nordpor» tu g als. Die Bewegung macht unter der Leitung der Herren Samuel Schwärt? und Kapitän Barros B a s t o gute Fortschritte. In B r a g a n z a ist die Synagoge in größere und geeignetere Räumlichkeiten verlegt worden. In C o v i 11 o, dem portugiesischen Manchester, ist eine kleine Gemeinde gebildet wprden; am letzten Jom Kippur waren 40 Andächtige zum Gebete versammelt. In Belmoifte versammeln sich an jedem Sabbattag mehrere Maranen*Familien im Hause von Senor Jose Per ei ra de Souza, um dessen Ansprachen über jüdische Themen anzuhören. Das Hauptbüro' der Bewegung besteht in 0 p o r t o, wo Kapitän Basto die Arbeit mit nie ermüden« der Energie fuhrt. Er gibt die Monatsschrift „H a 1 a p i d" (Die Fackel) und andere Publikationen historischen und religiösen Charakters heraus. In einem theologischen Insti* tut zur Ausbildung jüdischer Religionslehrer unter den Maranen wird bereits eine Anzahl Juden für den Lehrer« beruf unter den maranischen Volksgenossen vorbereitet. Dringend notwendig ist die Ernennung eines Rabbiners, für desen Besoldung (400 Pfund jährlich) ein in Holland gebildetes Komitee aufkommen will. Die Auswahl wird unter drei geeigneten Kandidaten für dieses Rabbineramt getroffen werden. IIPillllllllllM Die Klagemauerkommission des Völkerbundes wird im Verlauf der Katstagung ernannt werden. Genf, 12. Mai. (J. T. A.) Wie der Vertreter der Jüdischen Telegraphen*Agentur erfährt, wird die britische Regierung dem Völkerbundsrate im Verlauf der gegen« wärtigen Session die Namen der Mitglieder der Völker« buridskommission zur Festlegung der arabischen und der jüdischen Rechte an der Klagemauer in Jerusalem unter« breiten. Bekanntlich hat die britische Regierung vom Völkerbund den Auftrag erhalten, drei Persönlichkeiten als Mitglieder der Klagemauer#Kommission vorzuschla* gen, von denen keiner Engländer sein soll. Union der Mitm-Rniiloniiteo takte Montag, den 19. Mai 1930 um 7,9 Uhr abends im Cafe „Arkaden",!., Universitätsstraße, Versammlung Thema; Resultat der Wahlen zum Deleglertenfag. I Anschließend Diskussion. Gäste willkommen. Gandhi und die Juden. Jerusalem, o. Mai. Im Oktober v. J. veröffentlichte die arabische Presse ein Telegramm aus Delhi, nach dem Gandhi dem Vizekönig von Indien angeboten hätte, 20.000 Hindus nach Jerusalem zu entsenden, um die heiligen Stätten gegen jüdische Angriffe zu beschützen. Der Redakteur der in Shanghai ersehen nenden Monatsschrift „Israel's Messenger" wandte si«te daraufhin an G a n d h i, um zu erfahren, ob diese Naete rieht den Tatsachen entspreche. Nunmehr veröffentlicht „Israel's Messenger" die erhaltene Antwort ,in facstmile'. in der es heißt, daß Gandhi kein Angebot dieser Art gemacht habe, noch von einem solchen überhaupt etwas wisse. Sein Glaube an die Kraft des Prinzips der Ge* waltlosigkeit bleibe unerschüttert. — Die Zeitschrift fügt hinzu, daß inzwischen auch von anderen bekannten Hindu»Führern, darunter Sir Arul Chandra Chatten jec, Jawa Harlal Neliru Erklärungen einliefen, in denen die Betreffenden ihr Erstaunen darüber ausdrückten, daß man Gandhi eine solche Handlungsweise zuschreiben könnte. (Ziko.) Gebet gegen die Juden. Weimar, 8. Mai. (J. T. A.) Die Sozialdemokratische Fraktion brachte im Thüringer Landtag die folgende Ent» Schließung ein: „Durch Verordnung am 16. April d. J. hat der nationalsoz i a 1 i s t i s c h e Volksbildungsminister Dr. Frick fünf Gebete zur Einführung in den Thü* ringer Schulen empfohlen. Alle Gebete tragen politisches Gepräge. Es sind Kriegsgebete, die für die „be* freiende Tat" im Sinne der Nationalsozialistischen Partei Propaganda machen. Es sind Gebete gegen Völkerver* söhnung, Völkerverständigung und Völkerfrieden. Es sind parteipolitische Haßgebete, die in verleumderischer und recht ü n c h r i s 11 i c h e r Weise dem republikanisch gesinnten und friedliebenden Teil der Thüringer Bevölke» rung Betrüg' und Verrat vorwerfen. Die Behauptung, daß Gottlosigkeit und Vaterlands verrat das deut* sehe Volk vernichtet und zerrissen haben, ist eine polw tische Provokation schlimmster Art. Die amtliche Auf« Stellung solcher Behauptungen, die eine Beleidigung weiter Bevölkerungskreise darstellen und darum verletzend wirken müssen, ist ein offener Verstoß gegen die Bestimmungen der Reichsverfassung, nach der in öffentlichen Schulen die Empfindungen Andersdenkender nicht verletzt werden dürfen. Die Gebete sind ein Mißbrauch der Reli« giön und in Mißbrauch der Schule für parteipolitische Agitation. Die Regierung wird deshalb ersucht, die Gebets* Verordnung vom 16. April aufzuheben." In der Mittwochsitzung des Haushaltsausschusses deä Thüringischen Landtages fragte ein Vertreter der Sozial* demokrat den thüringischen Innenminister, gegen welche ,a r t* und volksfremden Kräfte" sich die von ihm angeordneten Schulgebete richten. Frick antwortete wört« lieh:'„Ich will ganz offen sein. Wir brauchen uns da nichts vorzumachen. Die Entsittlichung des deut» sehen Volkes geht aus von rassenfremden Elementen, näm« lieh von den Jude n." •« Frankfurt a. M., 12. Mai. (J. T. A.) Die „Frankfurter Zeitung" schreibt: „In welch verwirrter Zeit leben wir! Ein Mann, der den christlichen-Geist fördern will, läßt Haßgebete gegen die Juden sprechen von Kindern, die möglicherweise wenige Minuten später von ihrem Religionslehrer in deii Sinn. des Alten Testament«, in den Gott sich jenem palästinensischen Volke geoffenbärt hat, eingeführt werden. Ein Haßgebet einem Buche vorangestellt, das mit „Heilige Schrift" bezeichnet wird, das, von Juden geschrieben* von Juden handelt, aus dem am Sonntag häufig der Prediger seinen Text holt. Welch schrecklicher Zwiespalt für die Gemüter der Kinderl Die Juden sollen sie hassen und daneben als Christen, in dem den Juden als ersten sich offenbarenden Gott ihren Gott, den Vater des Heilandes, des Sohnes einer Jüdin, erkennen und verehrenl Müßte nicht die christliche Kirche sich machtvoll erheben wider solche Lästerung? Möchten nicht die gläubigen Christen voller Entrüstung solche Vergiftung von Kinderseelen als einen Frevel an Deutschlands zukünftigen Menschen brandmarken!" „Und das Reich? Und die Verfassung? Und der in der Republik verkörperte Gedanke des Rechtet? Es gibt tausende Juden, die für Deutschland starben, es gibt noch viel mehr, die für Deutschland leben. Sie sind Bürger dieser deutschen Republik, und man muß ihnen das Recht zugestehen, von dieser Republik genau den gleichen Schute zu verlangen wie jeder andersgläubige Staatsbürger. Es wind viel törichtes, . falsches, verleumderisches Zeug in Zeitungen völkischer Richtung» in