Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 139 (16.5.1930)
- Date
- 1930-05-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE tffeÜE WELT Nr. 139 .fiiiiiiiiiiiliiiiiilliiiiillltlliiiilllitlllllllNillinillliilllllllllllih EmbSaLahSm tagsüber oder für Nachmittage zu CrJhlCflCrlll einem «j. Schulmädchen per sofort g«iuchl.Peifekt Französisch Bedingung. Vorzustellen: FriedmanD, VI IL LafigegasBe 49, Tür 13, zwischen VJ3-4 Uhr* 'iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiininiiiiiiiimiiimmmii' hat anscheinend seine am 3. April im Unterhaus abge* gebene unzweideutige Erklärung ver* g e s s e n. Er scheint auch seihe eigenen vor eini* gen Jahren geschriebenen Artikel ver* gessen zu haben, in denen er über die zionistischen Leistungen in Palästina in Tönen höchster Begeisterung sprach. Er habe einen indischen Kolonlal*Büro* k r a t e n mit der Mission betraut, über die kardinalen und vitalen Probleme de« Zionismus Bericht zu erstatten. Es ist anzunehmen, schließt „Haarez", daß wenn die politischen Bedürfnisse des Augenblicks befriedigt sein werden, uns eine neue feierliche Erklärung darüber, daß die Politik des Palästina*Mandates und des Jüdischen Nationalheims unangetastet bleiben, gegeben werden wird. Aber diejenigen, deren Existenz von diesem Wort* spiel abhängt, werden inzwischen ihre eigenen Schluß* folgerungen gezogen haben. Sie werden in solche Worte kein Vertrauen mehr setzen. * . Die Unzufriedenheit der jüdischen und die Freude der arabischen Presse Surften wohl gerechtfertigter sein als die Zuversicht der Zionistischen Leitung. Die Prügelstrafe in Palästina. Jerusalem, 10. Mai. Die Tageszeitung „Davar" knüpft im Leitartikel an eine seitens des Regierungsvertre* ters im englischen Unterhaus erteilte Antwort an, wonach es unrichtig sei, daß in Palästina wegen Hungerstreiks Ge* fangene zu Prügelstrafen verurteilt worden seien. „Davar" betont, es sei jedenfalls unbestritten, daß polt* tische Gefangene in palästinensischen Ge* fängnissen geschlagen worden seien und es sei unerheblich, ob der Hungerstreik den Schlägen voraus* gegangen oder ihnen gefolgt sei. Die Tatsache, daß auch in englischen Gefängnissen Prügelstrafe vorkomme und daß auch dort zwischen politischen und kriminellen Gefan* genen nicht unterschieden werde, rechtfertige noch nicht, die Anwendung solcher Grundsätze in Palästina, wo das rohe und ungeb i 1 det e Gefängnispersonal mit Hilfe dieser Grundsätze eine wahre Schreckensherr* schaft geschaffen habe. „D a v a r" wendet sich in die* sem Zusammenhang heftig -gegen die vor einigen Tagen erfolgte Verhaftung Zahlreicher jüdischer Kommunisten^ anläßlich eines Leichenbegängnisses sowie gegen Vorkomm* nisse im Immigrations*Departement, die bewiesen, daß die Regierung nicht mit gleichem Masse messe und* insbesondere jüdischen Arbeitern gegenüber keinerlei Rücksicht kenne. Die jüdischen Anwälte gegen die palästinensischen Gerichte. » Jerusalem, 10. Mai. (J. T. A.) Der Verband der jüdischen Anwälte Palästinas hielt soeben seine Jahres* Versammlung ab und faßte die folgenden Resolutionen: Die Gerichte Palästinas tragen bei der Behandlung der aus den August*Unruhen sich ergebenden Fälle nicht genügend der-Tatsache Rechnung, daß die Juden die Angegriffenen waren und in Selbstver* teidigung handelten, daß die Polizei in einer Reihe von Fällen die schuldigen Angreifer nicht festzustellen ver* mochte, daß keiner der Haupthetzer bestraft worden ist, daß in'einer erschreckend großen Zahl von Gerichtsfällen gegen Juden falsches Zeugnis abge* legt wurde. Die Konferenz erhebt darüber Beschwerde, daß die Shaw*Kommission ihren Aufgabenkreis über* schritten und Empfehlungen ohne hinreichende Unter* suchung der Tatsachen gemacht hat. Es wird mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, daß eine jüdische Frau (Frau Ginsberg) das Reclrt erlangt hat, als Anwalt vor Palästina*Gerichten zu erscheinen, wodurch das Anwaltsrecht für Frauen erlangt wurde. Es wird aber dagegen protestiert, daß die Regierung unge* achtet des Spruches des Obersten Gerichtes, daß Frauen als Anwälte mit männlichen Anwälten gleichberechtigt sind, eine Beschränkung gegen Frauen einzuführen ver* sucht in der Weise, daß Frauen das Erscheinen vor be* stimmten Falästina*Gerichten als Anwälte nicht er* laubt ist. Die Konferenz gibt der Unzufriedenheit darüber Ausdruck, daß ungeachtet der großen Zahl der jüdischen Bevölkerung des Haifaer Di* strikts es seit zwei jähren keinen jüdischen Richter am Haifaer Distriktsgericht gibt. Die Konferenz vereinigt sich mit der ganzen Pa* lästinaJudenheit in dem Protest gegen die pol i* tische Tätigkeit des Kanzlers der Hebrä>* sehen Universität Dr. Magnet und die Pro* paganda von Brith Schalom. Beschränkungen für weibliche Rechtsanwälte. Jerusalem, 8. Mai. In einer Sonderausgabe der „O f f i c i a l Gazette" veröffentlicht die Regierung eine Verordnung über Beschränkungen der Aus» Übung von Anwaltsfunktionen durch weibliche Rechtsanwälte. In der Verordnung heißt es zwar, daß niemand seines Geschlechts wegen untauglich für den Beruf eines Rechtsanwalts ist, daß aber Frauen nicht vor religiösen und Stammesgerichten erscheinen können, im übrigen kann der Oberste Richter jederzeit nach Bestätigung durch den High Commissioner weib» liehen Rechtsanwälten verbieten, an gewissen Ge* richtsverhandlungen teilzunehmen und andere Beschrän» kungen vorsehreiben. —> Die Verordnung wurde im Hin* blick auf die Entscheidung des Jerusalemer Obersten Gerichts erlassen, nach der Fraüert zur Rechtsanwalts* Prüfung zugelassen werden müssen. AUS PALÄSTINA. Erhöhte jüdische Einwanderang in Palästina. Jerusalem, 8. Mai. (J. T. A.) Im Verlauf des Monats März 1930 sind 1068 Einwanderer, unter ihnen 899 Juden, nach Palästina gekommen; in dem gleichen Monat haben 271 Juden- und 108 Nichtjuden das Land verlassen. Im Februar 1930 betrug die Zahl der Einwan* derer 772, unter ihnen 593, Juden. Im Jänner 1930 wan* derten 555, im Dezember 1929 517 Juden ein. Die Zahl der jüdischen Auswanderer betrug im Februar 1930 190, im Jänner 1930 167 und. im Dezember 1920 128. Import und Export im Jänner 1930. Der Wert des Imports nach Palästina betrug im Monat Jänner 1930 537.9t3 Pfund gegenüber 667.407 Pfund im gleichen Monat des Vorjahres; der Export betrug 3*0.593 Pfund gegenüber 175.692 Pfünd im gleichen Monat des Vorjahres. Die große Steigerung des Exports ist auf die Zunahme der Ausfuhr yon Orangen, Wein, Durra und Waschseife zurückzuführen; die Abnahme des Imports im Jänner auf die Verminderung der Einfuhr von Weizen, Zucker, Holz, Petroleum und Automobilen. (Ziko.) Die Lage auf dem jüdischen Arbeitsmarkt. Nach einem Bericht des „Merkas Awodah" war die Arbeitstage in den Städten und landwirtschaftlichen Siedlungen in den. letzten Monaten sehr zufri e d e ns teilend. In der Zeit Von Juli' 1929 bis März 1930 haben mehr als 3 5 0 0 n e u e Einwanderer Beschäftigung gefunden. Besonders bemerkenswert ist, daß gleichzeitig damit die Zahl der Arbeitslosen von 890 (April 1929) fauf 350 Personen im April des laufenden Jahres, gesunken ist. .'.f- Die Lage auf dem Baumark te' ist g ü n s t.i g. Bpi öffentlichen Arbeiten und bei Bauten sind über 310$ Arbeiter beschäftigt, davon 2700 in den Städten und.; 400 Arbeiter in den landwi r t Schaf t-1 ich ein Sjafcdlungen. Die. Aussichten für die BeVchaftigung diegfer Arbeiter in der Sommersaison sind gesichert^ In allen Städten rechnet man mit einer starken Baubev^egung von privaten Auftraggebern sowie mit größeren Bauaufträgen verschiedener Institutionen. — In den landwirtschaftlichen Siedlungen sind zirka 9000 Arbeiter beschäftigt. Trotz des Herannahens der „toten S a i s o n" 'in den Pflanzungssiedlungen darf jedoch angenonmenk werden, daß auch für die Sommermonate keine; Arbeitslosigkeit ziu befürchten ist. Nach einer Untersuchung des' „Merkas Awodah" bestehen in den Siedlungen von Judäa und Saron Pläne f ür die Ausführung von? - Bauarbeiten in einer Höhe von 75.000 Pfund. In Jerusalem-war in den letzten Tagten die Nachfrage nach Arbeitskräften so stark, daß die Zahl der Arbeitslosen in dieser Stadt auf ein M i 11 im 41 m zurückgegangen ist. Der Bedarf an Arbeitskräften richtete sich nicht nur auf Facharbeitcr, sondern auch auf Taglöhner. Erfreulich ist die Uebertragung des großen Baus der Ymca (Young'Men Christian Association) an 2 jüdisch e und 2 arabische Unternehmer, die den Bau gemeinsam zur Ausführung bringen werden. Die Fundamente des großen Baukomplexes sind bereits seit längerer Zeit errichtet worden. Die Ausführung des Gebäudes, die jetzt vergeben wurde, wird über 100.000 Pfund kosten. Der Bau war, wie die Tageszeitungen melden, ursprünglich ) einem arabischen Unternehmer übertragen worden, der jedoch die Bedingung, eine Kaution von 12.000 Pfund zu stellen, nicht erfüllte. Ein neuer Industriezweig in Palästina, Vor einem Jahr' etwa begann der Unternehmer Schapiro in Haifa mit der Herstellung von Obstsäften insbesondere aus Orangen und begründete damit einen neuen Industriezweig für Palästina. Die Erzeugnisse des jungen Unternehmens, das sich den Namen „A s i s" beilegte, fanden schnell Anklang, so daß die Produktion rasch vergrößert werden konnte. Der Sitz der Fabrik wurde dann von Haifa in das Zentrum des Orangengebietes, nach Ramath-Gan, verlegt. Im ersten Jahre verarbeitete die Fabrik 9000 Kisten Orangen zu Säften und ätherischen Oelen, Auf Grund des Verlaufes dieser Saison wird im nächsten Jahre mit einer Verdreifachung der Produktion gerechnet, Die Exportaussichten sind günstig und auch der Absatz in Palästina ist noch sehr erweiterungsfähig, so daß eine weitere Vergrößerung der Fabrik im nächsten Jahr erforderlich sein wird. Die Zahl der beschäftigten Arbeitskräfte, meistens Arbeiterinnen, beträgt zurzeit 40, die Erzeugung im ersten Jahr 150.000 Flaschen Orangen- und Zitronen» saft. Die Schalen der Früchte finden für die Herstellung von Ocl, Marmelade und Gelatine Verwendung. Die Mehrzahl der Arbeiter wird infolge des Schlusses der Orangensaison Ende April entlassen, jedoch soll künftig, sobald mit der Entwicklung der Kälteindustrie die Möglichkeit zur Aufbewahrung von Früchten während des Sommers gegeben ist, die Produktion auch im Sommer fortgesetzt werden. Vom Hafenbau in Haifa. Nach einer Mitteilung der Regierung waren im März große Fortschritte beim Hafenbau in Haifa zu verzeichnen. Der Wellenbrecher konnte 82 Meter in das Meer vorgetrieben werden, wobei über 12.000 Kubikmeter Steine verwendet wurden. Die „Zunge" des Wellenbrechers erstreckt sich bereits 350 Meter von der Küste ins Meer und hat unterhalb des Wasserniveaus eine Tiefe von 5 Meter, so daß ein großer Teil der bereits fertiggestellten Mauer für den Zuschauer unsichtbar bleibt. Die Wirkung der Sperrmauer macht sich bereits dadurch bemerkbar, daß sich auf der von ihr geschützten Seite eine Art Hafenbecken mit stillem Gewässer gebildet hat, das von Segelschiffen und Booten als Hafen benützt wird. Inzwischen hat auch der Bau der Hafenanlagen in engerem Sinne begonnen. So ist ein Teil der Kaimauer, an der die Schiffe anlegen werden, westlich von der deutschen Mole in Bau genommen worden. Die dazwischen liegende Wasserfläche wird mit Sand aufgefüllt und später bebaut werden. Die deutsche Mole wird jedoch noch während dieses Jahres für die Benutzung durch das Publikum freigegeben werden können. Nur sechs jüdische Polizisten in Tiberias. Jerusalem, 30. April. (J. T. A.) Die hebräische Presse veröffentlicht Klagen von Juden in Tiberias über Mangel an Sicherheit für die Juden in dieser Stadt. Obwohl die Juden drei Viertel der Gesamtbev öl.keiung ausmachen, besteht die Polizei in Tiberias aus 18 Moslemiten, 13 Christen und nur 6 Juden. Nachklänge zu der Mai-Feier. — Arabische Mißverständnisse. Jerusalem, 8. Mai. (J. T. A.)l Der 1. Mai ist in den Städten wie auf dem Lande ohne irgendwelchen Zwischenfall verlaufen. In TeUAwiw wurde der am Abend des 1. Mai von äußerst links gerichteten Arbeitern ver* anstaltete Packelzug von der Polizei aufgelöst, wobei die Ruhe in keiner Weise gestört wurde. In mehreren Orten wurden Festversammlungen abgehalten, auf einigen der« selben traten auch Araber als Redner auf. In den Eisen« bahnwerkstätten Haifas feierten.. 150 Arbeiter, davon 75 Prozent jü'olscfieV4 de? iftest'''arabischer Die4 Im Jänner 1930 gebildete arabische Arbeiterorganisa« tion, die im Gegensatz zur jüdischen Arbeiterorganisa* tion steht, feierte den 1. Mai nicht. * Etwa 80 arabische Bauern aus der Nachbarschaft der jüdischen Kolonie Kfar Saba besuchten den jüdischen Kolonisten in Kfar Saba D r u y a n und baten ihn, sie als Arbeitsuchende bei der „Jewish Association" ein* zutragen. Dabei erzählten sie, daß Araber und Juden aus der Stadt am 1. Mai Flugblätter verteilten, in denen die arabischen Bauern und Arbeiter aufgefordert werden, sich mit den jüdischen Arbeitern gegen arabische wie jüdische Effendis zusam« raenzuschließen; sie würden einen Arbeiterlohn von vier bis fünf Schilling pro Tag und freie ärztliche Hilfe erhalten. Druyan erklärte den arabischen Bauern, sie hätten die Proklamationen mißverstanden, sie könnten Mitglieder der Jewish Association nicht werden. Darauf« hin kehrten'die Araber 'in ihre"Heimatorte zurück . * Der der Husseini*Familie angehörende Ibrahim Y u n a s, ein Verwandter des Groß*Mufti und des Präsidenten der palästinensisch * arabischen Exekutive M u z a K a z i m. Pascha,, wurde zusammen mit dem Juden Ben Simon bei der Verteilung kommunisti* scher Proklamationen unter arabische Bauern gefaßt; beide wurden verhaftet. Verurteilungen wegen Kommunismus in Palästina. Jerusalem, 11. Mai. (J. T. A.) Die TekAwiwer jüdischen Mädchen Lea Fisch und Chawa H a 1 p e r n wurden wegen Teilnahme an der kommunistischen 1. Mai* Kundgebung zu 6 Monaten Gefängnis und Landes* Verweisung verurteilt. Die am 30. April verhafteten Joseph Herschenbaum,.Mordechai Berditschew* s k i und Pua A1 a m i wurden zu je 35 Tagen Gefängnis, abzulösen durch je 7 Pfund Geldbuße, verurteilt. Traurige Lage der Juden in Südarabien. London, 3. Mai. In der Sitzung der Vereinigten jüdischen Gemeinden Englands (Jewish Board of Deputies) wurde nadist eilender Bericht erstattet: Die Lage der Juden im Y em en und der Yemen-Flüchtlinge in Aden und in anderen Gebieten am Roten Meer ist weiterhin eine Quelle der Besorgnis für das Committee. Die jüngst eingetroffenen Berichte aus dem Yemen zeigen, daß im Zusammenhang mit den Augustu nrulten i n P a 1 ä s t i n a die Not der Juden im Yemen eine Verschärfung erfahren hat. Die moslemitischeu Fanatiker sind aggressiver geworden, im ganzen Lande , reisen Agitatoren herum, die das Volk zur Ausrottung der Juden auffordern. In den Häfen des Roten Meeres zählt man etwa 500 jüdische Flüchtliugsfamilien und etwa 250 jüdisdie Waisenkinder aus dem Yemen, 80 der Waisenkinder sind 11 ' ' 1 1......an ■«» 1 "1 .;.....iöfc ■«-*!■