Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 139 (16.5.1930)
- Date
- 1930-05-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2711736-2711757--1829-2715073- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite X DIE NEUE WELT Nr. 139 EXCELSIOR Inhaber RKHARO HlftlOO I., Adlcpgat.«» 5 Tel. R.aS*4.«0 Columbia- Modell 100 DAS BESTE tu dem bllltftttn Pr«it* s m.-A Größe 32 X 21'/, om Höhe 14 cm Neue verbesserte Columbia-Dose 15 b ■ -•■ . , ' '• •"/ -r~-<0 ■*•■'■.. : '■'"•—•>■»-. r Mittel vorhanden sind. Laut Art., 3, de? Gesetzes unter« liegt die Wahl d es Rabbiners der' Genehmigung seitens des Kultusministers, Hauptbedingung für eine solche Genehmigung ist,' daß der Rabbiner italienischer Staatsbürger sein muß. Bei dem Mangel an Rabbinern unter den italienischen Juden ist diese; Bestimmung eitle schwerwiegende.' '..'.'.*.' " , . ' Vor ' dem Konkordat 'hatte4'die r eHg'iose .Ehe k ein e.s'täa.t 1 ic h e Gültigkeit in Italien.'Öeüte hat die jüdische religiöse Trauung — ebenso wie die katholische — laut'Art. j bis 12 des' neuen Gesetze's und laut Art.'23 bis 27 des Reglements volle zivile de 11 u n g. Ehe» scheidung i s t n i c h t. z.u 1 ä s 3 i.g, deshalb kann auch die vom Rabbiner'nach jüdischem Recht vollzogene Ehe nichMnehr geschieden werden. Während aber katholische Ehen in. besonderen Fällfin. durch das katholische kirchlich« Gericht ' für " ü"n g.tt lti g erklärt werden können, steht dem Rabbiner eine solche Befug* nis nicht zu. Auch auf anderen Gebieten ist die frühere Gleich* Stellung aller Kulte nunmehr zerstörtworden! Die katholischen Priester sind jetzt vom Militär* dienst befreit, die Rabbiner aber müssen Militär* dienst leisten. Nur im Falle einer allgemeinen Mobilisierung können vom Staate anerkannte Rabbiner vom Militär* dienst befreit werden, wenn der Oberstaatsanwalt erklärt, daß ihre Tätigkeit als Seelsorger unentbehrlich ist. Sehr wichtig sind im neuen Gesetz die Verfügungen über den Religionsunterricht; laut Art. 6 Wer* den jüdische Kinder auf Ersuchen der Eltern von der. Pflicht befreit, dem obligatorischen (katholischen.) Unterricht beizuwohnen.'Laut Art. 23 haben Eltern jü* discher Kinder, sofern diese in. einer Schule in genügen* der Zähl vorhanden sind,'das Recht, zu verlangen, daß in der Schule selbst ein Raum für Erteilung des jüdischen Religionsunterrichts zur Verfügung gestellt werde. Art. 24 verfügt sogar, daß die. j ü d i s c h e G e m e i n d e ermächtigt werden kann, eine j ü d is ch c E 1 e hi e n tan * c h u 1 e auf eigene Kosten zu eröffnen. Wie die Mittel zur Erhaltung solcher Schulen beschafft werden sollen, wird vielleicht in dem Gesetz :über die O'rganisa* tidh der jüdischen'Gemeinden, an <ler gegenwärtig eine besondere Kommission arbeitet, gesagt 'sein. Erst wenn dieses Gesetz veröffentlicht sein wird, wird man ■ überdie für die Juden Italiens neu entsfandene Lage Ab« schließendes sagen können. Die Wahlen mm österreichischen Zionistentage. Die am i^. Mai vorgenommenen Wahlen zum Parteitage der österreichischen Zionisten ergaben in Wien folgendes Resultat: Liste der vereinigten „Allgemeinen Zionisten" 1518, „Demokratische Zionisten (Radikale)" 870, Revisionisten 317, Hilachduth 256. Zur Besetzung gelangen zirka 60 Mandate. Gekoppelt waren die „Allge« nieine Liste" mit Hitachduth, die demokratischen (radi* kale) Zionisten mit den Revisionisten. Auf die demokra« tische Liste und die Revisionisten dürften 25 Mandate entfallen. * Kommunique des Verbandet demokratischer Zionisten. Der Verband hat folgendes Kommunique" aus* gegeben: Zionisten Oesterreichs! Wir danken vor allem den Freunden und Mitarbeitern, welche unserer Liste zum Siege verholfen haben. Denn der Ausgang der "Wahl be» deutet einen Sieg des zionistisch*demokratischen Gedan* kens, des radikalen Zionismus. Er hat bewiesen, daß wir die weitaus stärkste, geschlossene Gruppe im öster* rcichischoh Zionismus sind. Die Liste der allgemeinen Zionisten hat die verschiedensten Gruppen, Verbände und Personen, vielfach ohne., .jedes., gemeinsame Programm, zum Wahlzweck, gesammelt. Wir gingen alä streng gc« schlosscne, ideologisch gebundene Einheit in den Wahl* kämpf, ohne Mitläufer, ohne den. Versuch, durch die oder jene Personen Wähler anzuziehen. Wir haben unsere Idee vorangestellt, unseren unVerwässerten HerzbZionis« mtts, und haben uns damit als die Stärksten erwiesen. Wenn man die Umstände berücksichtigt, unter welchen wir in die Wahl gingen, ist der Erfolg doppelt hoch zu weiten. W i r tn u ß t cn unter Protest zur Wahl gehen! Wir hatten keine Vertretung in der obersten Wahlbehörd e. Wh* konnten 'feststellen, daß hunderte parteifremde Personen, Leute, die nichts mit dem Zionismus zu tun haben und vielfach in a n* tfc^—^ ■fcwii t^mutmmmmmm^im^mmm^twmmmmmmm ■im »^www——^a*«« i u ^mm+m—mmmm*mmm Ich schnitt es gern in alle Rinden ein, Ich grüb es gtfrn in jedön Kieselstein, Auf jedes weiBe Blättchen möcht ich's schreiben:" Idi kauf nur Hubers Eaeig uhd so soll es bleiben. 15 deren politischen Parteien organisiert sind, von den Gegnern in die Wählerlisten; eingetragen wurden. Als wir das merkten, haben wir die Prüfung und Reinigung der Listen gefordert. Wir' werden von . der maßgebenden Stelle aus formalen Gründen abgewiesen. Wir konnten nichts dagegen tun, denn wir ""hatten, wie schon bemerkt, keine Vertretung jii' deY^öber'ste'n Wahlbehörde. Wir hatten im Vertrauen'aaf die'vins zugesicherte 'Neutralität des Präsidenten derv Organisation auf die Einsetzung'einer auch von uns besahickten^Wadtlbehörde verzichtet und dem Presidenten;>allc Vollmachten zugestanden; Der mit der Vollmacht betraute; Pr£$i4cnt, ist dann Spitzenkan* <lidat der Gegenliste, geworden, .und hat das ihm. änver* traute Amt des Neuralen rtifibt niedergelegt. Das einzige Mittel, um gegen...djese : Umstände wirksam zu prote«' stieren, wäre Fernbleiben,.von der, Wahl gewesen^ „Im Interesse der Organisation rh,aben wir darauf verzichtet und hat>cn es hingenommen,; daß Minderte parteifremder Personen zur Urne kamen. Unsere Mäßigung,ist belöhnt. •Unser Programm hat sich trqtz alledem durchgesetzt. Wir sind nupmehr in der Lage, die Entwicklung der ös.ter* ffcichischen" Organisation _ trif-* ginne Unseres Progra'mmes wirksam beeinflussen zu 'können 1 * ' Eine Feststellung! Durch das. unbegreifliche Vorgehen des Herrn Dr. Alfred Low y, Obmann der Sektion VIII und IX, ist es zu einem bedauerlichen Zwischenfall gekommen: Der genannte Herr teilte Vertretern unseres Verbandes mit, daß sein Name gegen seinen Willen auf den Wahlaufruf der Gegenseite gesetzt worden war. Der Verband machte selbstverständlich von dieser Mitteilung Gebrauch. Herr Dr. Alfred Löwy aber veröffentlichte nachträglich seinerseits eine Erklärung, daß die Unter* schrift mit seiner Zustimmung unter den Aufruf gesetzt worden war. Er behauptete also das strikte Gegenteil dessen, was er einen Tag früher nachdrücklich erklärt hatte. Wir stellen das fest. Das Urteil übre ein solches Vorgehen ergibt sich von selbst. Herzl-Gedenkfeier der israelitischen Kultusgeineinde Gras. Die israelitische Kultusgemeinde Graz veranstaltete Dienstag, den 6. Mai, im Tempel anläßlich des 70. Ge* burtstages Theodor Herzls eine Gedenkfeier, bei der Herr Leo Motz kin, der Präsident des zionistischen Aktionskomitees, die Gedenkrede hielt. Der Präsident der Kultusgemeindc; Herr Doktor Robert Sonnen wald, begrüßte den Gast im Namen der Kultusgemeinde und der Vizepräsident der Kultus* gemeinde und Vorsitzende der zionistischen Ortsgruppe, Herr Karl Schwär z, im Namen der zionistischen Orts* gruppe. In seiner Erwiderung betonte Herr Motzkin, daß die jüdischen Gemeinden zu engerem Zusammen* schluß kommen müßten, um gemeinsam alle großen Fragen der jüdischen Gemeinschaft zur Lösung zu bringen. In der groß angelegten Gedenkrede,, die Herr Motz* kin im Tempel hielt,, führte er aus:.Zum ersten Male seit dem Tode unseres großen Führers Theodor Herzl feiern wir heute seinen G e b u r t s t a g, gedenken wir heute seiner nicht mehr allein in Trauerreden wie an seinem Todestage-. Heute 'feiern wir seinen Geburtstag und wollen damit zum Ausdrucke bringen, daß er durch das Werk, dessen Grundlage er uns geschaffen hat, leben* d i g er als je ins n-s erera Herzen steht. Herzl war ein leuchtender Meteor am Firmament des Juden* tums und wenn heute dieganze Welt da» -große Aufbau* werk des:jüdischen Volkes in Palästina bewundert, dann ist das Theodor- Herzls. unvergängliches V e r d i.e n s t; Zwargabes vor Theodor Herzl Zionisten, denn die Liebe, zu -Zion und -die Hoffnung auf Rückkehr des jüdischen Yolkes: in,: sein-Land-lebte seit den .Tagen der Verbannung im Herzen des jüdischen Volkes, doch erst Theodor. -Hora$l'?.schuf« diesem, gewaltigen,..:Sehnen eines,; heimatlosen , Volkes.,die .Tribüne, von der aus es seine Stimme, an die Völker und Nationen erheben kqnnte. Die Tribüne ,des zionistischen Kongresses, von der zum ersten Male die Losung ausging, daß das jüdische. Volk als gleichberechtigter Faktor im Völkergeschehen an* erkannt und das. ihm. .angetane Unrecht, wieder gut* gemacht werden, müsse, Herzls Traum, iür den Tausende von, begeistei-ten Juden in .selbstloser Hingabe an die Arbeit gingen, er ist in Erfüllung gegangen. Dem jüdi* sehen Volk is,t . durch. d.en :freien Bund der Völker die Möglichkeit gegeben worden, wieder in dem Lande seiner Väter sich eine neue Heimat zu schaffen. Die erhebende Feier wurde durch hebräische Ge# sangsvorträge des jüdischen Tempelchors, unter Leitung des Herrn Oberlehrers Julius Steiner, bereichert. Im Anschlüsse an die Feier fand ein Festbankett statt, das Schon die im folgenden aufgezählten Arbeiten zei* gen eine neue E n t w i'c k 1 u n g s 1 i n i e, einen neuen schöpferischen Geist. S. Rosowsky: „An der Wiege" sucht kunstvoll aus dem Volksmotiv in eigene Melodie umzubiegen und verarbeitet das Ganze zu einem kurzen, von echtem Empfinden getragenen Violinstück. Alexander Kr ein: op. 24 Caprice Hebräique, ebenfalls noch an die Volksmusik gebunden, aber von' Crnstem- Streben und künstlerischen Intentionen getragen und op. 41 Air (rus* bischer Staatsverlag) — in der Entstehungszeit weit aus* cinanderliegend — ein formal gut angelegtes, durch die Reinheit der Faktur und tiefe Innerlichkeit der melodi* sehen Linie unmittelbar ergreifendes Stück. Das Werk eines gereiften Musikers, welches die Aufmerk* samkeit aller konzertierenden Geiger verdient. Sehr bemerkenswert sind die Veröffentlichungen von Jos. Achron: die bereits populär gewordene „He* bräische Melodie" (nach einer alten Synagogenweise) der „Hebräische ' Tanz" (komponiert" 1012), Tanzimprovisa* tionen (1914) und „Scher" (1917). Diese Stücke sind heute so allgemein bekannt, daß es sich erübrigt, näher auf sie einzugehen. Wir wollen noch die hübsche C a n* z o n e 11 a, op. 52 („Licht so träumend") erwähnen, die Achfon selbst für die Violine übertragen hat, eine selbst* erfundene Melodie volkstümlicher Prägung, die durch ihre unmittelbare Natürlichkeit tiefen Eindruck hinterläßt. lssai Dobr owein, der weniger aus innerem Drang als aus Interesse am Stoff zwei jüdische Motive künstlerisch verarbeitete, „Melodie Hebräique", op. 12 (Universal Edition), bringt eine anders geartete, persön* liehe Note hinein und zeigt, welch verschiedene Emo* tionen und Auswirkungen diese Motive auslösen können. Hier werden zwei Motive — verquickend und sich gegen* t..'.:'.; ablösend — entwickelt, logisch aufgebaut und mit überlegenem Formsion überzeugend gestaltet. Paul Kirman. veröffentlicht vier leicht faßliche Stücke mit. zum Teil weniger bekannten Volksmelodi'en. „Chanson Palestinienhe", „Chant du Yemen", „Chant des Scphardim", „Danse Galicienne" (Schott). Jede dieser Bei arbeitungen reiht, gut kontrastierend, je . eine im , Cha* rakter ruhig getragene und bewegte Melodie aneinander, ohne sie besonders zu. verarbeiten oder zu paraphrasieren. Die Harmonisierung ist einfach, unaufdringlich, nützt aber die Eigenheiten, das Kolorit dieser Gesänge und Tänze nicht voll aus. Interessant durch den 7/4»Takt und die melodische Linie is;Uider- Gesang der Jemen«* tischen Juden. Diese Stücke eignen sich gut zum Musizieren im privaten Kreise. In weitem Abstand von den eben besprochenen Kirmanschen Bearbeitungen stehen Ernest Bl-ochs drei ehassidische Stimmungen „Baal Schern" (U.' E.). Bloch, der für die Weiterentwicklung des neuen Stils in der jüdischen Musik sehr viel bedeutet und bereits viele große Werke geschaffen hat, ist unabhängig von der Renai3sancc*Strömung, die von den russisch*jüdischen Musikern ausging, ganz aus eigenem Trieb und Bewußt* sein, zum eigenen jüdi's chen Charakter sei* ner Musik gelangt. Symptomatisch ist, daß ungefähr um die gleiche Zeit in weit voneinander entfernten Län« dern, bei verschiedenen schaffenden Musikern, unab* hängig von einander, die gleiche Sehrtsucht, das gleiche Problem eine ähnliche Lösung gleichen Geistes gefunden hat. Diese Lösung ist: die Schaffung eines jüdischen Stils in der Musik. In ' den drei kleinen Stücken: „Vidui", „Nigun"; „Säimchäs Torah" — heute bereits Repertoire« stücke aller großen Geiger -r hat sich Bloch voin Volfcsmotiv ziemlich stark emanzipiert. Sie wirken .wie Improvisationen. Die ganze Summe chassidischer Glau* bigkeit, Wehmut und' verhaltener,' verinnerlichter Aus* gelassenheit, die ganze Mystik der chassidischen Seele tönt uns entgegen und berührt uns tief. In diesen Im* pressionen spürt man > deutlich die Sphäre des jüdisch Empfundenen. Alexander Weprik, der in Moskau lebende junge, btegabte Komponist, hat Bedeutenderes geschaffen als die zwei. Werke für Violine. Der „Kadisch" op. 6, mehr instrumental als vokal (ohne Text) gedacht, kann; auf einer Geige oder -Flöte gespielt werden und die Suite op. 7 (Schott). Es ist nicht alles originell, nicht frei von Einflüssen der russischen Musik, man spürt jedoch schon einen ausgeprägten Willen zum Eigenen, eine Begabung, deren Merkmal Vielfältigkeit, jugendliche Spannkraft, die Fähigkeit des lebendigen Einfühlens und starke Geistig* keit ist. S. F e 1 d m a n n, ein neuer, bisher völlig unbe* kannter Name, veröffentlicht zwei „Hebräische Melodien" op. 9 (russ, Staatsverlag). Gut klingende, anspruchslose Stimmungsmusik, mit einer einprägsamen Melodik und sparsamen Begleitung. In allen hier erwähnten Werken ist eine große Summe von Arbeit und schöpferischem Willen enthalten. Manches noch unausgeglichen, unselbständig, Mischpro* dukte aus innerlich Erfühltem und der Gebundenheit an Erlerntes, Erworbenes. Vieles noch Verheißung. Einiges jedoch schon unter den strengen Begriff der Kunstwerte einzureihen. Losgerissen vom Mutterboden durch Abgrenzung und Eingeschlossenheit in der Fremde eingeengt, sind wir heute in altem Suchende, Pioniere. Aber aut allen diesen Werken leuchtet ~ vom inneren Verantwor« tungsgefühl getragen die Sehnsucht, sich «eines, eigw nen Seins, seiner eigenen Welt bewußt zu werden. i-'-Mw^^iii^r^m'.^ir^W- > 1 Ihi.i.mi't .-it. •^wm-mmmr y**^r^ia>i¥twpiHTS!i*-"ir mumni n&E^ias.,.