Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 138 (9.5.1930)
- Date
- 1930-05-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2711736-2711756--1819-2715062- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Kf. m DU NEUE WfiCT Seilt y Die Juden Indiens wollen bei der Konferenz mit den Delegierten der indischen Minderheitsvölker vertreten sein. Bombay, 2. Mai. (J. T. A.) Die Juden Indiens, die etwa 25.000 Seelen stark sind, haben dem Vizekönig von Indien Lord Irwin ein Memorandum Uberreicht, in welchem sie den Wunsch aussprechen, bei der Round Table-Konferenz zwischen der Regierung und den Vertretern der verschiedenen Völkerschaften Indiens vertreten zu sein. Sie berufen sich hierbei auf die von der leteten allindischen Minderheitsvölkerkonferenz aufgestellten Grundsätze, laut denen jede Minderheit im Lande ein Recht auf Vertretung hat Bisher waren die Juden Indiens, obwohl sie seit vielen Generationen in Indien leben, als Europäer klassifiziert. Sir David Ezra aus Calcutta und Herr Meyer N i s s i m, der soeben sein Amt als Oberbürgermeister von Bombay niedergelegt hat, haben sich nach London begeben, um die Sache der indischen Juden vor der britischen Regierung zu vertreten. General Sir John Monash an der Spitze der Veteranen Australiens» Melbourne, 27. April. (J. T. A.) General Sir John Monash, ein Jude, der Oberkommandeur dei australischen Streitkräfte während des Welt krieges war, schritt aus Anlaß des in ganz Australien be gangenen Kriegergedächtnistages an der Spitze von 25.000 Kriegsveteranen durch die Straßen Mel bournes. — Auch in Sidney führte ein J u d e, General Sir Charles Rosenthal, den Gedächtnismarsch der Kriegs» Veteranen, in Sidney waren es 20.000, an. Opposition gegen die Ernennung Sir Isaac Isaacs zum Generalgouverneur von Australien. Melbourne, 28. April. (J. T. A.) Die britische Regie» rung hat, wie wir gemeldet haben, an den Chef des Obersten Gerichts Australiens Sir Isaac Isaacs, der ein geborener Australier und Jude ist, die Anfrage gerichtet, ob er das Amt eines britischen General« g o u v c r n e 'u r s für Australien annehmen würde. Sir Isaac Isaacs hat eine Antwort noch nicht erteilt. Inzwischen macht steh im Lande eine Opposition gegen seine Ernennung zum Generalgouverneur bemerkbar, die sich aber in keiner Weise gegen ihn als Juden richtet. Die Opposition geht vielmehr von politischen Erwägungen aus, indem geltend gemacht wird, daß die Ernennung eines Australiers zum Generalgouverneur die so wich» tige innige Verbindung Australiens mit dem englischen Mutterlande lockern würde. Alle bisherigen General* gouverneure waren geborene Engländer. Im Verlaufe dieser Erörterungen zollen jedoch alle Parteien der Persönlichkeit Sir Isaac Isaacs hohe Aner* kennung, Der Premierminister Scullin bedauert es in einem öffentlichen Statement, daß die Nachricht über die bevorstehende Ernennung Sir Isaac Isaacs zum General* gouverneur Anlaß zu einer öffentlichen Kontro* v e r s e gegeben hat. Der Premierminister verurteilt den seitens des Führers der Opposition, Herrn Latham, an den Tag gelegten Parteigeist, der eine wirklich bedauere liehe Vorstellung vom British Empire vermittelt, wenn er der Befürchtung Raum gibt, daß Sir Isaac Isaacs Ernennung zum Generalgouverneur die Bande des Empire lockern würde. Ein australischer Journalist schreibt im „Daily New s", Sir Isaac, dessen Vater ein Schneider in Beechworth war, sei ein Meteor, dessen Licht einen ganzen Kontinent erleuchtet. General Smuts über die Notwendigkeit militärischer Sicherung Palästinas. Johannisburg/ 2, Mai. (J. T. A.) Der frühere Premier General Smuts, der Mitglied des britischen Kriegskabinetts war, das die Balfour-Deklaration erließ, hielt auf einem zionistischen Bankett eine Rede, in der er ausführte, er sei überzeugt, daß die britische Regierung in Zukunft bei Situationen wie im August 1929 mit fester Hand zupacken werde. General Smuts unterstrich die strategische Bedeutung Palästinas für dos britische Reich und führte aus, die Verteidigung des Suezkanals, der großen Schlag, ader des British Empire, geschehe nicht längs des Kanals, sondern in Palästina; und wenn die britische Regierung den Kanal sichern will, muß sie sorgfältig Streitkräfte in Palästina verteilen, damit sich Unruhen wie im August nicht wiederholen. Weitere Tatsachen über die Eufschädigungspraxis der Palästina-Regierung. Jerusalem,*. Mai. (J. T. A.) Es werden weitere Tatsachen über das Vorgehen der Palästina-Behörden bei der Auszahlung von Entschädigung an Opfer der Augustunruhen bekannt, die Unzufriedenheit der jüdischen Bevölkerung hervorrufen. Dem Jüdischen Nationalfonds, der 33.850 Pfund als Schadenersatz für die bei der völligen Zerstörung der jüdischen Arbeiterkolonie Hulda erlittenen Verluste beanspruchte, wurden 115 3 Pfund ausbezahlt. Professor Joseph Klausner von der Hebräischen Universität, dessen bedeutende Bibliothek in Talpiotb, enthaltend zahlreiche wertvolle Bücher und unersetzliche Manuskripte, zerstört wurde, wurden 19T Pfund statt der beanspruchten 1321 Pfund ausbezahlt. Dem ebenfalls in Talpipth wohnhaften hebräischen Schriftsteller S. Agnon, der als Schadenersatz für die Zerstörung seiner Bibliothek 1876 Pfund forderte, wurden 183 Pfund ausbezahlt, Agnon teilte seinerzeit dem l f. A.-Vertreter mit, daß bei der Vernichtung seiner Bibliothek etwa 3000 wertvolle Dokumente zur Geschichte Palästinas in den letzten drei Jahrhunderten verlorengegangen Sind. Dr. Jaffe, der 230 Pftlnd Schadenersatz beanspruchte* erhielt drei Pfund ausbezahlt. Das Todesurteil gegen Urphali abermals bestätigt — Drei Todesurteile gegen Araber. Jerusalem, 2. Mai (J, fr A.) Das Berufungsgericht htt dem zweiten Appell des jungen Jaffaer Juden Joseph Abraham Mizrachi Ur phali, der wegen an geh» Ii eher Ermordung von zwei Arabern während der Unruhen am 28. August 1929 zum Tode verurteilt und dessen Berufung am 3. April zurückgewiesen wurde, nicht stattgegeben und das Todesurteil bestätigt. Der Anwalt Urphalis ersuchte das Gericht, beim High Commisaioner Sir John Chancellor um die B e g n a d i» gung Urphalis anzusuchen. Drei Araber wurden wegen Ermordung des Juden Nachman Segal während des Augustmassakers in Hebron zum Tode verurteilt, ein vierter wurde wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Einer der Verurteilten macht geltend, daß er noch nicht 18 Jahre alt ist und deshalb nicht zum Tode verurteilt werden kann. Das Gericht hat, da Geburtsmatriken fehlen, eine ärztliche Untersuchung zur Bestimmung seines Alters angeordnet. „Sabbatfreunde" in Petach Tikvah verurteilt, Jerusalem, 2. Mai. Vor dem Gericht in T e 1-A w i w hatten sich Rabbi Sapir und die Kolonisten Winitzki und Yemini wegen Beschränkung der individuellen Freiheit von Reisenden z»u verantworten. Laut der Anklage haben sieh dio Genannten an einem Sabbattngo an der Spitze von 100 Mitgliedern der Schomre Schabbös an der in die Kolonie führenden Strafte postiert, um das Eintreffen von Autos in der Kolonie zu verhindern, weil sie dies als eine Entweihung des Sabbat betrachten. Die Versammelten haben aber auch ebne mit britischen Soldaten besetzte Motorlore an der Einfahrt in die Kolonie verhindert und das Auto mit Steinen beworfen. Vor Gericht stellten die Angeklagten kategorisdi in Abrede, daß irgendjemand aus der Gruppe Steine geschleudert habe. Das Gericht hielt es fUr erwiesen, daß die Angeklagten sich an einer illegalen Ansammlung beteiligt und die individuelle Freiheit von Reisenden beschränkt haben und verurteilte Rabbi Sapir, Winitzki und Yemini zu je 5 Pfund Geldstrafe und zur Hinterlegung von je 50 Pfund als Sicher Stellung für weiteres, gutes Betragen. Gefährliche Judenhetze der Cuzisten in Bessarabien. Bukarest, 2. Mai. (J. T. A) Die Zeitung „Dimi« n e a t z a" teilt mit, daß die Anhänger des Antisemiten« führers Cuza in Bessarabien eine gefährliche Judenhetze betreiben und daß die Behörden keinerlei Maßnahmen ergreifen, um diesem gefährlichen Treiben Einhalt zu ge» bieten. Während Hunderte von Bauern zum Jahrmarkt in dem hauptsächlich von Juden bewohnten Städtchen Capresti, Bezirk Soroca, zusammenströmten, erschienen in einem Auto Agitatoren aus Balfi und hielten auf* rührerische Ansprachen an die Bauern, die sie aufforderten, über die Juden herzufallen und deren Wohnungen zu zerstören. Eine Gruppe Bauern über» fiel unter dem Einfluß dieser Reden mehrere Juden, die sich auf dem Jahrmarkt befanden; nur der Zurückhaltung der Juden ist es zu danken, daß es nicht zu einer Kata* Strophe kam. Die cuzistischen Agitatoren versprachen den Bauern für den Fall, daß diese die Cuzisten bei den Wahlen unterstützen, daß die Häuser und Felder der Juden unter den Bauern verteilt werden. Die mißhandele ten Juden haben bei dem Gendarmeriechef Beschwerde erhoben, die aber unberücksichtigt gelassen wurdc. Gendarmen, die der Mißhandlung der Juden bei« wohnten, hatten sich geweigert, den Angegriffenen zu Hilfe zu kommen. „Dimineatza" teilt mit, daß ähnliche Vorfälle in mehreren anderen bessarabischen Orten vor* kommen, und fordert die höheren Behörden auf, dem ge* fährlichen Treiben Einhalt zu gebieten, bevor es zu spät ist. Die Zeitung stellt fest, daß sich die Cuzisten der Unterstützung der Ortsbehörden erfreuen. Antisemitismus in Mexiko und in Kanada. Mexiko City, 1. Mai. (]. T. A.) Seit einiger Zeit betreibt ein großer Teil der mexikanischen Presse eine scharfe antisemitische Propaganda. Im ganzen Lande werden antisemitische Broschüren in großer Zahl verbreitet, die zum wirtschaftlichen Boykott der Juden auffordern. Es ist noch nicht ganz klur, von welcher Seite die Kampagne gestützt wird. Montreal, i. Mai. (J. T. A.) Die in Quebec erscheinende französische Tageszeitung „Le Goglu* betreibt seit einiger Zeit eine rücksichtslose antisemitische Propaganda, die sidi u. a. auch gegen den Premier der Provinz Queliec L. A. Tosohereau niditet. Auf eine Aufrage des J.-T.-A.-Vertreters erklärte 'Tascherean, für die Juden bestehe kein Grund zur Befürchtung, daß die antisemitische Propaganda ernste Konsequenzen mit sich bringen wird; es handle sich hier vielmehr um eine politische Aktion, für die der Antisemitismus als Werkzeug dienen soll. Die Juden der Provinz Quebec mögen versichert sein, daß das kanadische Volk sich verwenden. Kathreinerj KneippMalzkaffee. 6 Millionen Schalen. Kafnxeiner mit Milch. wec^eniäg^uh.^ mOsferreich cefrai 70ej^wvß &.4eikJ durch diese Hetze nicht beeinflussen lassen wird; die antisemitischen Zeitungen werden ebenso schnell verschwinden, wie sie an die Oberfläche gekommen sind. — Die jüdischen Führer in Montreal traten in Verbindung mit der antisemitischen Hetze zu einer Beratung zusammen und beschlossen, gegen die antisemitischen Verleumdungen der französischen Presse in Kanada Klage vor Gericht zu erheben. AUS PALÄSTINA. Zwei neue jüdische Spitäler eröffnet. Am 29. April wurde im Emek Jesreel an der Straße von AI u I e h nadi Kfar Jeladim da« neue zentrale* Hospdtal der Kupath Chol im (.Arbeiterkrankenkasse) für das Emek eröffnet. Seine Errichtung kommt einem seit Jahren empfundenen Bedürfnis des Emek entgegen. Es befindet sich in zentraler Lage inmitten der Kette der jüdischen S i e d 1 u n g e n im Emek. Das Hospital selbst liegt auf einem Hügel, der eine schöne Aussieht auf die fruditbaren Felder der Umgebung bietet. Das Gebäude ist nach einem Plan aufgebaut, der eine Erweiterung gestattet, falls die gegenwärtigen Ränimliehkeiten nicht mehr ausreichen sollten. Es besteht aus drei Flügeln, von denen der eine die Büro- und Verwaltungsräume, die Wohnungen für die Aerzte und das Pflegepersonal enthält; der Mittelllügel dient als Krankenhaus für innere Krankheiten und sdiließlich ein dritter für die Unterbringung der Kinderabteilung und später eines Entbindungsheimes. Die Wochen-Kalender Mai 1930 TV* snn Ijar 5690 9 Freitag U-w Sabbateingang 7.15 10 Samstag ll-y Sabbatausgang 8,06 o"»3 vbri «ri,D'vnjj nn* 11 Sonntag 18~3> 12 Montag 14-t 13 Dienstag 15HB 14 Mittwoch 16—TW 15 Donnerstag 17~r u