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Die neue Welt · 1930-05-09 · Heft 138 (9.5.1930) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 138 (9.5.1930)
Date
1930-05-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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jff. m OB1IO e Dffi NEUE WELT Nr. 138 letztere Abteihing wird jedoch zur Zeit noch in dem alten, in Baracken untergebrachten Hospital bei Ein Oharod belassen. Die Kosten für die Errichtung des Krankenhauses l>etrugen 10.500 Pfund. Davon wurden 4365 Pfund durch das Vereinigte Komitee der Frauenorganisation Hadassah und der Vereinigung jüdischer Aerzte Amerikas und 3000 Pfund durdi den Keren Hajessod (Spenden aus Shanghai) beigesteuert, während der Rest von der Knpath Cholim aufgebracht wird. Am 1. Mai wird ferner in Tiberias ein großes jüdisches Krankenhaus, da« Schweizer-Hospital, eröffnet werden. Das Schweizer Hospital in Tiberias verdankt seine Entstehung einer Spende von 25.000 Dollar, die Mr.- Peter Schweizer, der ehemalige Schatzmeister der Zionistischen Organisation Amerikas, dem Keren Hajessod für den Bau des Hospitales zur Verfügung gestellt hat. — Das Gebäude befindet sieh in der Nähe des jüdischen Wohnviertels Kirjath Schmuel. Von seinen Fenstern aus hat man einen herrlichen Ausblick auf die Stadt, den See von Tiberias und die gegenüberliegenden Berge. Das Gebäude besteht ebenfalls aus einem Zcntralgebäude und zwei Seitenflügeln. Ein Beridit über die Eröffnung wird'-'in der nächsten Ausgabe der „Ziko" folgen. Der Nationalfonds übersiedelt in sein eigenes Gebäude. Das Hauptbüro des Keren .Kajemeth hat den Neubau, der für den Feinds in dem jüdischen Viertel Rechaviah in Jerusalem errichtet wurde, bezogen. Der Bau liegt an einer der, höchsten Stellen der Stadt und ist überall weithin sichtbar. Die Inneneinrichtung ist eine der modernsten, die in Palästina zu finden sind, und enthält unter anderem auch Zentralheizung, die bisher nur in wenigen Häusern in Palästina vorhanden ist. Kundgebung in Jerusalem gegen Brith Sdialom. Jerusalem, 2. Mai. (J. T. A.) Das Zentralkomitee des Misrachi und des Hapoel Hamisrachi und eine Anzahl unparteilicher im öffentlichen Leben tätiger Persönlichkeiten haben in Jerusalem eine gemeinsame Versammlung einberufen, in der beschlossen wurde, eine1 Kundgebung an Dr. Weizmann zu senden, in der dieser aufgefordert wird, der Tätigkeit des Brith Schalom und anderer eine separatistische Politik treibender Gruppe ein Ende zu machen. In der Kundgebung wird diese Tätigkeit als „schändlich und verräterisch" bezeichnet. In einer zweiten Resolution wird der gesamte Jischuw aufgefordert, gegen die Tätigkeit des Brith Schalom zu kämpfen. Die Mitglieder des Waad Leümi und der palästinensischen Sektion der Jewish Agency werden aufgefordert, sofort zu einer Beratung über die politische Lage zusammenzutreten und Maßnahmen zu ergreifen, um die Interessen der palästinensischen Judenheit zu schützen. In vielen Kreisen der palästinensischen Judenheit wird dagegen protestiert, daß Persönlichkeiten aus dem Kreise des Brith Schalom Unterschriften unter eine dem High Commissioner Sir John Ghancellor zu überreichende Petition sammeln, in der dieser aufgefordert wird, von seinem Recht, die gegen die Araber ausgesprochenen Todesurteile zu annullieren, Gebrauch zu mach e n. Die treibenden Kräfte in dieser Aktion sollen der frühere Sekretär des Keren Hajessod, Dr. Hans Kohn und die. bekannte Sozialfürsorgerin^ Frau Möhl (früher Frl. Sophie Berger) sein£Es^e|ß^ajich,\daß Dr. J. L. Magnes, der Kanzler der hebräischen Universität, die Aktion unterstützt. Der Jerusalemer Augenarzt Dr. Ticho, der Anfang September 1929 von einem Araber angefallen und durch Dolchstiche ' schwer verletzt wurde, und seine: Frau haben die Petition für Aufhebung der Todesurteile mitunterschrieben! Treffpunkt aller Zionisten Die „Verbesserung" des Polizeiwesens in Palästina. Jerusalem, 2. Mai. (J. T. A.) Der Polizeikommandant von Ceylon, Dowbiggin, der einige Monate in Palästina geweilt und einen Entwurf für Reorganisation der Palästina-Polizei ausgearbeitet hat, empfiehlt, wie mitgeteilt wird, in seinem Entwurf die Abschaffung d,er Munizipal-Polizei, die Errichtung von Polizeistationen der allgemeinen Landespolizei in allen Orten und die Verstärkung des britischen Elementes innerhalb der Polizei. Die neue Polizeikraft in Tel- A w i w wird sich laut dem Entwurf Dowbiggins aus 20 britischen Polizeibeamten und einers Anzahl Polizisten aus dem Orte zusammensetzen und einem britischen Polizeiinspektor unterstellt sein. Nach diesem Entwurf wird die Tel-Awiwer Polizeieinheit in ihrer bisherigen Form mit ihrer ausschließlich jüdischen Zusammensetzung, ihrer besonderen Uniform und der von der Tel-Awiwer Stadtverwaltung geleisteten höheren Entlohnung, ebenso die besonderen Polizeieinheiten in den jüdischen Kolonien zu existieren aufhören. * Die Nachricht klingt wie ein schlechter Scherz, dürfte aber leider stimmen. Der Ueberfall der Araber auf die Juden hat Anlaß zu einer Reform des Sicherheitswesens gegeben. Nun reformiert man in der Weise, 4aß man den Juden ihre Polizei, welche nach dem Zeugnisse aller tadellos gewirkt hat, weg. Das nennt sich „Verbesserung". „Reform". falastin" fordert die Amtsenthebung von Norman Bentwich, Hyamson und Abramson. Jerusalem, 29. April <J. T. A.) Das Organ der arabischen Exekutive „Falastin" fordert in einem Leitartikel die Amtsenthebung des Chefs des Justizdepartements der Palästina-Regierung Norman //, Taborstr. 70 Monumentalstes Kafffeehaus Wiens I Bentwich, des Chefs des Einwander ungsamtes Albert M. Hyamson und des Bodenkommissars Abramson. Die Zeitung behauptet, diese drei hohen Beamten seien allesamt Zionisten, die die Juden in der Okkupation des Landes unterstützen. Bentwich überflutet Palästina mit Gesetzen, die den Sitten und Traditionen der Mehrheit der Landesbewohncr fremd sind; Hyamson öffnet den jüdischen Einwanderern die Tore Palästinas und Abramson läßt es z.U. daß der Boden Palästinas in j ü d i s c h e Hände übergeht. „Falastin" zitiert zur Unterstützung der Behauptung von der Existenz eines jüdischen Komplotts zur Beherrschung Palästinas die „Protokollcder Weisen von Zi o n". (Der Bodenkommissar Abramson, der früher Kommissar des Norddistrikts von Palästina gewesen ist, ist nicht Jude. % Zehn Araber unter Beschuldigung der Ermordung von fünf Jeschiwahstudenten. Jerusalem, 30. April. (J. T. A.) Vor dem Kreisgericht in Jerusalem begann heute ein Prozeß gegen zehn Araber aus Hebron, unter einen ein 70jähriger Mukhtar, die beschuldigt werden, während des furchtbaren Massakers in Hebron fünf Jeschiwahstudenten ermordet zu haben. Die Prozeßverhandlungen sind für drei Tage berechnet; im ganzen Lande sieht man dem Ausgang des Prozesses mit gespanntem Interesse entgegen. Ein jüdischer Landarbeiter von Mordschuld freigesprochen. Haifa, 50. April. (J. T. A.) Vor dem Distriktsgericht in Haifa hatte sich der jüdische Landarbeiter Nathan Doctörsky aus der Kwuzah Ajeleth Haschachar in der Nähe von Safed unter der Beschuldigung zu verantworten, während der Unruhen im August einen Araber aus einem benachbarten Dorfe ermordet zu haben. Das Gericht sprach ,Doctörsky frei, mit der Begründung, daß die Aussagen der arabischen Belastungszeugen widerspruchsvoll und unzuverlässig sind. Ein jüdisch-arabischer Konflikt in Kalandia. Jerusalem, 1. Mai. (J. T. A.) Der jüdischen Kolonie Kalandia benadibarte Araber trieben ihr Vieh zur Weide auf die Felder der Kalandia -Kolonisten. Als die Kolonisten'versuchten, das Vieh aus ihren Feldern zu entfernen, wurden sie vgn den Arabern mit Steinen beworfen, von der Seite der Araber fielen auch einige Revolverschüsse. Die yon dem Konflikt benachrichtigte Jerusalemer Polizei nat bis jetzt die von den Kalandia-Kolonisten ausgesprochene Bitte um Schutz ignoriert. Ausgleichsverhandlungen betreffend die Infiat- Böden gescheitert. v Jerusalem, 1. Mai. (J. T. A.) Der Anwalt der arabischen Pächter der Infiath -.Böden in Chederah, die sich, obwohl sie bereits einmal abgefunden wurden, weigern, das von den Juden käuflich erworbene Land zu verlassen, hat dem Ge* rieht mitgeteilt, daß seine Klienten den Ausgleich, über den er mit den jüdischen Kolonisten von Chederah verhandelt hat, zurückgewiesen haben. Sonnt wird der Fall wieder vom Gericht aufgenommen werdent das in kurzem sein Urteil fällen wird. Brief aus Griechenland. Von unserem Mitarbeiter S. Josefsberg.1 _ Geschrieben im April auf der Fahrt im ,. .. Schwarzen Meere. Jh Griechenland, wo bis zum ersten Balkankriege kaum §000 bjs 10.000 Juden zerstreut lebten und eine verschwindende Minorität unter etwa 2,5 Millionen Griechen bildeten, wohnen heute etwa 100.000 Juden* davon, 60.000 bis 70.000 in Saloniki. Sie wählten 3 Abge^ ordnete, die Herren M. Bessantsehi, MataIon und den Senator Dr. Ascher M a 11 a c h, der zugleich P r ä g u dent der zionistischen Organisation iat, in die gesetzgebenden Körperschaften Griechenland Alh? sind in Sa 1 oniki auf zionistisches Programm gewählt und treten auch in der Deputierten* kammer t und >m Senat als Zionisten auf. Augenblicklich gehe« sie mit. der Regierungspartei und haben, wie mir Hprr Bessantsehi mitteilte, unlängst von' den» Premierminister Venizelos einige Konzessionen in befljjg auf 'das jüdische Schulwesen erreicht. Iu Athen gibt es etwa 2000 meist aus Saloniki Koniantinopel und Smyrna eingewanderte Juden. $Je arbeiten als Kaulleute und Agenten. In gewtiger ße* ziehung sind sie sehr indifferent. Von einem jüdischen Leben ist nichts zu spüren, geschweige denn von zionistischem. Man findet kaum einen Juden, der hebräisch spricht und versteht. Außer, in. K a va 11 a, wo die jüdische Gemeinde etwa 6000 Seelen zählt, befinden sich noch kleine Judengemeinden in Drama, Serres und X a n t h i. Wenn man vom Judentum in Griechenland spricht, meint man Saloniki, wo die Juden nicht nur dank ihrer Zahl, sondern durch Leistungen auf kulturellem, nationalem und humanitärem Gebiete eine ganz hervorragende Stellung innehaben. Wenn auch das Saloniki von heute nicht mehr das ist, was es in der türkischen Aera war, als die Juden die Majorität in der Stadt bildeten und kraft ihrer Zahl und ihres Wohlstandes die Stadt eigentlich regierten, ist Saloniki mit seinen 60.000 bis 70.000 Juden (genau läßt sich die Zahl nicht feststellen) doch eine der bedeutendsten jüdischen Städte des Orients. Die zionistische Organisation äst ziemlich stark, 3000 Juden sind organisiert. Sie verteilen sich auf Misrachi, allgemeine Zionisten und Revisionisten. Am stärksten ist der Misrachi. Antizionisten gibt es in Saloniki überhaupt nicht. Die Kenntnis der hebräischen Sprache ist, neben der spagniolischen, ziemlich verbreitet. Für mich war die hebräische Sprache das einzige Verständigungsmittel. Es gibt etwa 1 Dutzend jüdische Schulen mit spagniolischer und hebräischer Unterrichtssprache und eine Anzahl von hebräischen Kindergärten, die von einer Palästinenserin aus Metullah geleitet werden. Der hebräische Klub hält jeden Sabbat seine Zusammenkünfte ab, in denen unter Vorsitz des Deputierten Bessantsehi und Herrn Florentin Vorträge gehalten werden, an die sich Diskussionen anschließen. Die wirtschaftliche Lage der Juden ist äußer st ungünstig. Durch die Hellenisierung der Stadt wurden viele jüdischen Existenzen vernichtet und viele Juden zur Auswanderung gezwungen, u. a. die berühmten „Hamale", die jüdischen Hafenarbeiter, die als streng religiöse Juden den Sabbat feierten. Kein Schiff, das am Sabbat im Hafen einlief, konnte damals die Ladung löschen. Heute gibt es keine „Hamale" mehr. Sie sind fast alle ausgewandert oder zu anderen Berufen übergegangen. Der Rest, der sich noch bei der Hafenarbeit erhalten hat, muß am Sabbat arbeiten. Nach dem großen Brande im Jahre 1917, der das ganze jüdische Viertel einäscherte, mit der großen Zentral-Synagoge, einer Sehenswürdigkeit des Orients, und 70 anderen Synagogen, wurde das Judenviertel nicht wieder aufgebaut. Es wurden an der Peripherie der Stadt 5 kleine jüdische Viertel neu angelegt. Jedes hat eine Synagoge, eine Schule und einen Kindergarten. Das größte dieser Viertel besuchte ich in Begleitung des Zionistenf ührers Herrn David F1 o r e n t i n. Es liegt auf dem Terrain, welches der italienische Teil der Orientarmee der Entente im Weltkriege besetzte und umfaßt eine Bodenfläche von 1200 Hektar. Hier sind zirka 800 Häuser neu erbaut worden, welche ungefähr 5000 Seelen beherbergen. Das ganze Viertel ist Eigentum der jüdischen Gemeinde, welche die Häuser vermietet. Es enthält außer Synagoge, Schule, Kindergarten ein großes Krankenhaus, das seinerzeit aus Ica- Geldern errichtet worden ist. Zu erwähnen wäre noch, daß es hier eine Nordaustraße gibt. Mit dieser Bezeichnung aber wurde nicht der Jude und Zionist Max Nordau, sondern der P h i 1 h e 11 e n e. geehrt. Der Händler. Von Vladimir Jabotinsky. Aus dem von Karl Baum im Verlage' Dr. Färber, Mähr.-Ostrau, herausgegebenen Buche „Vladimir Jabotinsky: Feuillet o n s". Man will ihn begraben, den Händler. Nioht nu* faktisch, was ich, sein fanatischer Anhänger, noett mit ökonomischen Gründen entschuldigen könnte. Aber man begräbt ihn auch moralisch. Warum machen die Menschen aus jeder einfachen Sache eine Ideologie?, Man könnte doch kurz und bündig erklären: Da ein gesunder Wirtschaftsbrganismus nicht mehr als 10 bis 12 Prozent Händler verträgt, muß man für die Juden andere Erwerbsquellen erschließen. Aber das genügt noch nicht — scheinbar weckt das allein noch nicht die nötige Begeisterung. Um Begeisterung dafür «u schaffen, besonders bei uns Juden, d. h. bei den Söhnen und Enkeln aus einer Kette von Generationen ordentlicher. Kaufleüte, muß man außerdem „begründen", etwas wie ein starkes ideologisches „Pfui!" konstruieren. Das ist nun natürlich nicht schwer, im Gegenteil, sehr billig. Jeder, der einmal in einem Buche oder'einer Zeitung darüber gelesen hat, weiß das ganze Gedicht schon auswendig und kann es aus dem Stegreif deklamieren: Der Händler ist unproduktiv; ein Vermittler, der den Produzenten und den Käufer bestiehlt, ein Parasit, eine überflüssige soziale Figur, die in der Weltgeschichte keine schöpferische Rolle spielt, kurz, „trefe" in jeder Beziehung. Das ist eine schlechte, gefährliche und dumme Ideologie. Schlecht ist sie deshalb, weil wir Juden nun schon einmal ein Volk von Kaufleuten sind — bis in die letzten fünfzig Jahre war das unser Hauptmerkmal in der Weltwirtschaft und es ist nicht fein, wenn wir selbst auf unser altes und eigenes Tätigkeitsgebiet verzichten. Gefährlich ist es darum, weil ein Jude Impressionist ist und dies alles sehr ernst nimmt, besonders k iiiniiMii 1 *mJL afetMidi&MgkJSi " Vi'Matr*1ltit-,'^a>**'^:

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