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Die neue Welt · 1930-05-09 · Heft 138 (9.5.1930) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 138 (9.5.1930)
Date
1930-05-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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StSfc 1 DIE NEUE WELT Nr. 158 Nach ÄGYPTEN und'PALÄSTINA mit d«n Uuratdampfera 41 ir tfllVtVIllll ||1 Ruittffahrt»fi I« MNIttlMMir Qeoua - Neapel — Sizilien - Aegypten — Palästina — Syrien — Zypern — Kongtanttocpel — Atfam — Neapel — Marseille — Genua zu besonders ermäßigten Preisen Auskünfte: „SItmar",!. Karatnerring 18 (Ecke Schwarzfenbergplatz) Telephon Ü-45Ö09 gemein*zionistischer Kampf. Die Weltunion der Zionisten» Revisionisten fordert deshalb die sofortige Durchführung folgender Maßnahmen: 1. Einsetzung eines unparteiischen Schiedst gerichtes zur Untersuchung der Vorkommnisse in Kfar Saba. 2. Klare Stellungnahme der, Zionistischen Exeku* tive und der zionistischen Landeszentralen zu den Ereig* nissen in Kfar Saba. 3. Schaffung von neutralen Arbeitsnachweisbüros in Erez Israel durch den Waad Leumi (Nationalrat), welche Arbeit nach nationalem und nicht nach Partei« Prinzip zuzuweisen haben. 4. Das gleiche Recht auf Arbeit für alle jüdischen Einwanderer nach Erez Israel, nach ihren individuellen Fähigkeiten, ohne Rücksicht auf ihre politischen oder sozialen Anschauungen. ..... ,■, # Dies die Darstellung von revisionistischer Seite. Die Revisionisten sind Partei in diesem Kampfe und um ein klares Bild zu gewinnen, bedarf es sicherlich einer Darstellung von gegnerischer und neutraler Seite. Aber ohne.-Rücksicht auf Details bleibt eines bestehen: Die Verantwortung der Zionistischen Leitu n'g und ihre Pflicht, Ordnung zu schaffen. Im ShawjBerichte, wird der Vorwurf erhoben, daß. in Palästina der jüdische Arbeiter von politischen mid weltanschaulichen Gesichtspunkten' her, . also p a r t ei« mäßig beurteilt und behandelt wird, nicht nach dem Grade seiner Eignung und Tüchtigkeit. Vorfälle wie in Kfar Saba sind, geeignet, diese für den Zionismus schäd* liehe Auffassung zu stützen. Sie müssen verhütet werden. Das ist Pflicht der Leitung. In einen öffentlichen Rede nach dem Erscheinen des bösartigen, gegen den Zionismus gerichteten Shaw« Berichtes über, die Zustände in Palästina hat Präsident Weiztriann eine Rede über die Verantwortlich« keit der Zionistischen Organisation für die Einwanderer und ihr Wirken auf das Land gehalten. Er hat '-r. ganz, unziönistisch. -~. die Verantwortung für die nxi 11 .e l.s t ä n d i s c h e Einwanderung abgelehnt. Aber die Verantwortung für die eingewanderte Arbeiterschaft hat er voll •und ganz anerkannt. Was in Kfar Saba geschehen ist und jederzeit an anderen Orten gc« schehen kann, fällt gewiß in den Bereich der vom Präsi* denten der. Zionistischen Organisation anerkanntenr.Ver« aritwortlichkeit. Das Wort ist da. Und die Tat? Zeitweiliges Abkommen in kfar Saba. Jerusalem, 2. Mai. (J, T. A.) Zwischen der allgemeinen Konföderation der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas (Hisiadruth Haovdim) und dem Verbände der jüdischen Kolonisten Palästinas ist es hinsichtlich des Konfliktes in Kfar Saba zu einem vorläufigen Uebeieinkommen, das bis zum 1. Juni d, J. Geltung hat, gekommen, wodurch der Konflikt eine vorläufige Erledigung gefunden hat. — Die Kolonisten fordern, daß das Arbeitsnachweisbüro von einer durch die Zionistische Exekutive oder den Waad Leumi zu ernennenden neutralenPerson geleitet werden solle, während die Histadrutu sich dem widersetzt. Die Kolonisten fordern auch, daß das Arbeitsnachweisbüro sich auf Arbeitszuweisung beschränkt, während die Histadiuth wünscht, daß das Büro audi die Löhne festsetzt und die Arbeit Uberwacht. Histadiuth will ferner nicht zugeben, daß die Kolonisten die Freiheit haben sollen, Arbeiter nach Belieben anzustellen oder zu entlassen. Uebereinstimmung wurde erzielt in der Festsetzung eines Achtstunden- Arbeitstages und eines Minimallohncs von 4 Schilling täglich. Die Konferenz der Allgemeinen Zionisten Palästinas verurteilt den Zusammenstoß zwischen jüdischen Arbeitern in Klar Saba, Jerusalem, 2. Mai. (J. T. A.) Die Konferenz der Allgemeinen Zionisten ganz Palästinas, die soeben in Tel-Awiw getagt hat, nahm eine Resolution an, in der die vorgekommenen Gewaltakte im Zusammenhang mit den Differenzen zwischen den in der Histadrnth organisierten jüdischen Arbeitern und An* gehörigen der revisionistischen Organisation , Brith Trumpeldor auf den Örangenböden von Kfar^ Saba scharf -verurteilt werden. In weiteren Resolutionen werden die jüdischen nationalen Institutionen aufgefordert, sich dorn Plan der Errichtung eines Parlamentes in Palästina zu widersetzen, den Vorsdilägen der britisdten Palästina-Kommission entgegenzutreten und nicht zuzulassen, daß nichtjüdische Interessenten in Fragen der jüdischen Einwanderung zu Rate gezogen werden. Schließlich wird bedauert, daß die Dienste von Harry Sacher und Miss Henrietta Szold der Exekutive der Jewish Agency nicht zur Verfügung stehen. lieber 5000 arabische Arbeiter in den jüdischen Kolonien. Jerusalem, 30. April. (J. T. A.) Wie die hebräische Arbeiter-Tageszeitung „Dawar" mitteilt, sind in den jüdischen Kolonien Palästinas mehr als 3000 arabisdie Arbeiter beschäftigt, davon 1801 in Pctach Tikwah, 465 in Chederah und 448 in Nes Zionah. Wahlen zum österreichischen Zionistentage Der „Verband demokratischer Zionisten Oesterreichs46 erläßt folgenden Aufruf: An die Zionisten Oesterreichs! Am 15. Mai findet die Wahl zum österreichischen Parteitag statt. Der Ausgang dieser Wahl ist von besonderer Bedeutung für das Schicksal der österreichischen Organisation, weil er entscheiden wird, ob die stärkste unter den zionistischen Gruppen, der Verband demokratischer Zionisten, wieder in die gemeinsame Arbeit voll eintreten kann. Der Verband demokratischer Zionisten will die gemeinsame Arbeit. Bei den zionistischen Wäblern ist es gelegen, ihm durch ihre Stimmen die Möglichkeit der Zusammenarbeit zu geben. Die Parteitage in den letzten, für die österreidiisdie Organisation so traurigen Jahren wurden nicht durch gewählte, sondern ernannte Delegierte beschickt. Eine durch wahltechnische Maßnahmen geschaffene „überwältigende Majorität" bewirkte, daß jene Personen und Gruppen, deren Tätigkeit nnd Geist die zionistische Organisation geschlossen, groß und stark gemacht hatte, überstimmt und verdrängt wurden. Zu diesen Scheinwahlen gesellte sich die Ausstreuung falscher, böswilliger Gerüchte. Einmal \u Zwei Seelen wohnten, ach, in Goethes Brust; Die eine hob ihn himmelwärts, die and're ließ ihn fallen. So bringt uns auch .Huber mit Essig nur Lust, Doch seine Verse, ach, mißfallen allen. die Verleumdung, daß die demokratischen Zionisten durch ihre Kritik an der Politik der Leitung der Weltorganisation diese „zerstören** wollen. Dabei war diese Kritik eine aus dem zionistischen Herzen und Gewissen kommende. Daß Gr,u»d zu dieser Kritik vorhanden war, beweisen die traurigen Vorfälle in Palästina , und London. Viele, die diese Kritik seinerzeit ablehnten, sind heute von ihrer Ehrlichkeit und Richtigkeit überzeugt. Dann, wurde die Verleumdung verbreitet, daß die demokratischen Ziouisten. und ihr Führer die österreichische Organisation aus Macht- und Mandatshunger zertrümmern wollen. Das wurde über Menschen gesagt, die Jahrzehnte ihres Lebens iu rastloser, selbstloser und erfolgreicher Arbeit diese Organisation geschaffen und ihr gedient hatten! Leider fanden diese Gerüchte vielfach Gehör; vielleicht deshalb, weil es* Männern der Arbeit nicht gelegen ist, von Bezirk zu Bezirk, von Verein zu Verein zu laufen, um persönliche Gerüchte zu überwachen und zu zerstreuen! Das alles hat dazu geführt, daß Männer die Leitung an sich brachten, welche sich der Aufgabe, die Organisation zu führen und den ihnen anvertrauten Besitzstand jkr Organisation ,«zti erhalten, nicht g e w a c h i;e n z, 'e i g fe'n.. ^Die Folgen waren verhängnisvoll. > Noch nie war der Zustand der Organisation ein so desolater wie? jetzt, wie unter ,, dieser Führung. Die meisten Bezirksgruppen und Verbände bestehen nur auf dem Papier. „Generalversammlungen", bei welchen kaum ein Dutzend Mitglieder erscheinen, sind die Regel. Um Ausschüsse zu konstituieren, müssen Personen gewählt werden, welche nicht einmal anwesend sind. Von einer Werbe- und Versammlungstätigkeit ist — wenn man von Unterhaltungen und gewissen traditionellen Feiern absieht — keine Rede mehr. Neue Mitglieder werden nicht geworben, die alten fallen ab. Die Jugend ist iührungslos und verläuft sich. Die Jugend, welche der Zionismus vor der liberalen Assimilation gerettet hat, strömt jetzt nnbehindert ins Lager der roten Assimilation. Die Parteileitung steht untätig da. Von einer Stellungnahme der zionistischen Organisation zu den Fragen des jüdischen und allgemeinen politischen Lebens in Oesterreich ist in den letzten Jahren nichts mehr zu verspüren gewesen. Die zionistische Organisation war unter der früheren Leitung Schützerin, Beraterin und Führerin der österreichischen Judenschaft. Sie hat die Judenschaft nach dem Kriege vor ärgster Unbill bewahrt. Sie hat gegen die antisemitische Reaktion von rechts und links erfolg» reich gekämpft. Das alles gibt es nicht mehr. Die Organisation hat jede Bedeutung für die österreichische Judenschaft eingebüßt und ihren schwer erkämpften Platz assimilatorischen Faktoren überlassen. Dabei kann nicht ins Treffen geführt werden, daß der zionistische Gedanke als solcher in Oesterreich seine Zugkraft eingebüßt hätte. So hat sich bei den letzten Kultuswahlen der zionistische Gedanke als stark erwiesen und mit Hilfe des zionistischen Programmes ist die Majorität der Assimilanten gebrochen worden. Aber die kraftlose Führung der Organisation hat sofort nach der Wahl den Kampf für das zionistischeProgramm aufgegeben, so daß die volksfremde Assimilation statt zu verschwinden, förmlich Auf er stehung;fe'iert. Dem alten zionistischen Programme von der demokratischen Volksgemeinde hat die Bevölkerung zugestimmt. Aber nichts davon ist verwirklieht worden. *\ Die Frage des allgemeinen und des Frauenwahlrechtes und alle anderen Hauptpunkte sind unerledigt, ja unbehandelt geblieben, weil die Herren von der Union eine Behandlung „verboten" hatten. Mit einigen S u b v entionen haben sidi die zionistischen Mandatare abspeisen lassen, .wie überhaupt d i e z i o- ROBERT STRICKER: VEGE DER REDEN UND AUFSÄTZE über 80 Artike^ und Abhandlungen, Parlaments¬ und Versammlungsreden // 330 Seiten auf holzfreiem Papier In elegantem Ganzleinenband VERLAG R. LÖW1T, WIEN Die Sammlung umfaßt eine dreißigjährige Periode jüdischer Politik und jüdischen Erebens, von Theodor Herzl bis zum heutigen Tage Die Sammlung hat geschichtlichen Wert und wirkt doch lebendig und frisch, weil die Aeußerungen Robert Strickers über die aktuellen Anlässe hinausreichen und zeitgemäß, geblieben sind Keine der von Robert Stricker als Politiker, Parlamentarier und Schriftsteller autgeworfenen Fragen hat ihre Bedeutung eingeoüßt: Stellung zum Antisemitismus — Der Schaden und die Schande der Assimilation — Herzls Zionismus und seine Verwässerung — Die jüdische Politik — Der Kampf um den Judenstaat etc. Die „Wege der jüdischen Politik« bieten Information, Anregung und Belehrung Vorzugspreis für die Leser der „Neueu Weit«: Das elegant ausgestattete Buch in Ganzleinenband kostet im Laden II — österr. Schilling. — Bei Bestellung durch die „Neue Welt" nur ötterr. Schilling 8.-r oder lach. K 40.-, Mark 3.-, poln. Zloty rwiw. Ui 190.-, «chw. Fr«», 0.90. — Zttstellungs-, bezw. Versandgebühr ist in diesem Preis inbegriffen, Bitte mittels,Karte direkt zu bestellen Der Vorzugspreis gilt nur bis 15. Mai 1930 *N

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