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Die neue Welt · 1930-05-09 · Heft 138 (9.5.1930) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 138 (9.5.1930)
Date
1930-05-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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ffo, 138 Dlfi NEUE WELT Stffa 3 ■■■■■■■■■■■■ Das wertvollst« ■■■■■■■■■■■■ i Mllttertag-Gefchenk: eine 11 MtiPl ■ M, PraUrstraB« 9 H, TabortlraB« 36 ■ VltOtimpandorfarsfraBe 74, X,K«0l«rplats 13 ■ XIV, HUHalderfarstraBe IM i ■ XX,Wan«nst«lnttr.22,XXI,SchloBhofars<r.20 ■ ■ ■■■■■■»Ausnahmspreise mit 10°/» Rabalt!»««««""« war die Wirkung des Zionismus nach der einen Seite hin» kein Ghetto zu schaffen, sondern dem jüdischen Volk als geschlossener Einheit den ihm gebührenden Platz neben den anderen Völkern zu erringen, nicht abseits zu stehen, sondern an den allgemeinen Kulturwerten mitzuarbeiten. York-Steiner ging in seiner Rede diesen Weg, um schließlich immer wieder zu Herzl als dem großen, unbestrittenen Führer zurückzufinden. Das künstlerische Programm des Abends brachte zunächst einen neuen jüdischen Chor auf den Plan, den gemischten Chor der „Wiener jüdischen K. onzertvereinigun g". Schon das erste Auftreten brachte diesem Chor unter der ausgezeichillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllt | Verband demokratischer Zionistcn 5 Mittwoch, den 14. Mai 1930 um halb 9 Uhr abends 5 3 im <al« Produktenbörse, II., Taborstraße 10 s S T h e m a : S Nur für Mitglieder! s ^iiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^ neten Leitung seines Dirigenten Bernhard Vayda einen sensationellen Erfolg. Der Vortrag des Psalms „Seii scheorim", des „Rezeh" von Low, und das große Hallelujah (Psalm 111) von S. Sulzer wurden mit allen dynamischen und stimmlichen Feinheiten herausgebracht, wobei der Tenor des Oberkantors S. Landerer den Darbietungen besonderen Glanz verlieh. Oberkantor Landerer und der Chor boten edelste Musik. Hofburgschauspieler Philipp . Ze.sk a spracb^Herzls .erste Kongreßrede und den klassischen „MauscheT1, stürmisch applaudiert auch noch Max Nordaus prophetische G-edenkverse mit hinreißendem Schwung. Der Jüdische Sprechchor unter Leitung von Oskar Teller brachte einzelne Szenen aus dem „Neuen Ghetto" in origineller szenischer Komposition zu durchschlagender Wirkung, Prof. Juliusz Wolf sohns Meisterschaft als Komponisten und Pianisten zeigte sich in den „Fünf Stimmungsbildern aus der Kind er weit": reiche motivische Verknüpfungen und Umkehren, eine Fülle kontrapunktischer Finessen bezeugen den großen Musiker, der hier eigene Motive (An der Wiege, Leitmotiv des Lehrers) und Volksmotive (Amol is gewen a maasse, Chanukkalied) zum Teil im Troppstil paraphrasdert. Der Beifall war stürmisch. Die „H a t i k w a h", von der „Wiener Jüdischen Konzertvereinigung" vierstimmig vorgetragen, schloß die Feier, deren rednerisches und künstlerisches Programm einen erhabenen Eindruck hinterließ. Präsident Leo Motzkin. Der Zionistische Landesverband hielt im Musikvereinssaal eine Herzl-Gedenkfeier ab, die vom Wiener jüdischen Gesangverein unter Mitwirkung des Oberkantors Berson Margulics eingeleitet wurde. Oberkantor Margulies bot, wie immer, eine Glanzleistung. Der Chor war ausgezeichnet. Nach einer Ansprache von Dr. Jakob Ehrlich hielt der Präsident der Exekutive, Dr. Leo Motzkin, eine großangelegte Gedenkrede, in der er die Gestalt Theodor Herzeis im Rahmen seines bereits zur Legende gewordenen geschichtlichen Raumes zeichnete und auch einzelne aktuelle Probleme, wie die Araberfrage und die nächsten Aufgaben des Zionismus, streifte. Nadi seinen mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen schloß ein Choral die schöne Feier. Der Gang zum Hcrzl-Grab. Unter klarster Maisonne zog diesmal eine große Schar der österreichischen Judenheit auf den Döblinger Friedhof, der die sterblichen Reste Theodor Herzls seit 26 Jahren beherbergt. Diesmal wurde nicht der Todestag, sondern der 70. Geburtstag des toten Führers zum Besuch des Grabes gewählt. — Sämtliche zionistische Organisationen, der Zionistische Landesverband, die jugendlichen Verbünde, die Studentenkorporationen in Wichs und Gala, der Brith ■Trumpeldor, durchwegs mit Fahnen und Emblemen, u. a. nahmen an dem Aufmarsch teil. An der Spitze des imposanten Zuges marschierte der in Wien weilende Präsident des Aktionskomitees Leo Motzkin. Der Verband der demokratischen Zionisten war als geschlossene Gruppe, ungefähr 1000 Personen umfassend, erschienen. Die mit Herzl innerlich und programmatisch am stärksten verbundene Vereinigung bildete auch die weitaus stärkste Gruppe im Zuge zum Grabe des Führers. Genug! Die blutigen Zusammenstöße zwischen jüdischen Arbeitern in Palästina. — Ungesunde Vertuschungsversuche. — Die zionistische Oeffentlichkeit will Auf klärung und Ordnung. — Die Darstellung von revisionistischer Seite. — „Wir tragen die Verantwortung", hat Weizmann gesagt. - Aber die Zionistische Leitung schweigt! In der palästinensischen Kolonie Kfar Saba ist es zu blutigen Zusammenstößen zwischen jüdischen Arbeitern gekommen. Juden sind über Juden hergefallen! Britische Polizei mußte einschreiten! Auch in Zeiten ruhiger Entwicklung des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina würde eine solche Nachricht alarmieren. Jetzt, nach den arabischen Blutexzessen, nach dem Erscheinen des perfiden Shaw«Berichtes, jetzt, da von allen Seiten gegen das jüdische Palästina Sturm gelaufen wird, muß sie erschütternd wirken, Mehr als bei irgend einem anderen Anlasse hat die zionistische Oeffentlichkeit das Recht auf volle Aufklärung. Dringender als je kann sie in diesem Falle von der Leitung der Zioni* ^tischen Organisation fordern, daß baldigst und gründlichst Ordnung geschaffen werde! Was aber ist von berufener Seite unternommen worden, um die Oeffentlichkeit aufzuklären? Was ist unternommen wors den, um Ordnung zu schaffen? Nichts! Die offiziellen und halboffiziellen zionistischen Zeitungen — also fast hun« dert Prozent aller — widmen den Vox-fällen einige kleine, verborgene Notizen. Sie, die sonst spaltenlang über Ein« weihungsfeiern, Gespräche mit dem oder jenem Millionär, über Geburtstage und die überflüssigsten Konferenzen überflüssiger Organisationen berichten, sie gibt der Schande von Kfar Saba zehn Zeilen Kleindruck. Und die Zionistische Leitung, sonst auch nicht wortarm, schweigt. Auch von einem Eingreifen der leitenden Fak* toren wird nicht berichtet. Man überläßt es zwei braven Vertretern der Kolonisten, welche nur das Vertrauen ihrer Kollegen, sonst nichts hinter sich haben, sich red* lieh, aber erfolgsarm mit der Beilegung des Kampfes ab* zuplagen. Zwei offizielle Zeilen melden, daß ein bis zum I. Juni, also ein vier Wochen dauerndes Abkommen geschlossen wurde. Und dann? Dann kann's wieder losgehen! « Das Büro der Weltorganisation der Z»o» nIaten*Revlsionisten, welcher die angegriffenen Arbeiter angehören, versendet folgende Darstellung: Der Tatbestand. Ain p. April 1. J. begaben sich in Kfar Sa b a J5 Arbeiter, die dem Brit Trumpeldor angehören, um 5.30 Uhr morgens zur Plantageric des Herrn Ahro« noviez, wo sie zu arbeiten pflegen. Am Haupttore der* stelben standen Wachtposten des Arbeitsbüros der Hista« drut Ovdim (Arbeiterorganisation). Als die Trumel« dorianer beim Haupteingange anlangten und sich in die Plantagerie zur Arbeit begeben wollten, wurden sie von den Wachtposten mit Schmähungen und Schimpf« Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen ^iimtf^ Die führende schwedische Weltmarke worten überschüttet, denen sogleich Tätlichkeiten folgten. Trotzdem gelang es einigen Trumpeldorianern, zu den Arbeitsgeräten in der Plantagerie zu gelangen. Im selben Momente jedoch strömten ganze organisierte Gruppen der Histdrut dem Wachtposten „zu Hilfe" und ein Mann vom Arbeitsbüro der Histadrut rief den Angreifern zu: „Freunde, warum schlagt ihr nicht?", worauf sich die Menge auf die Trumpeldorianer stürzte. Dreimal fielen an diesem Tage Mengen organi« sierter Mitglieder des Arbeitsbüros über die wegen ihrer verschwindend kleinen Zahl sich nicht zur Wehr setzenden Trumpeldorianer her, wobei g c* wohnlich 20 bis 25 auf einen TrumpeU dorianer kamen. Folgende Mitglieder des Brit .Trumpeldor sind bei diesem Ueberfalle verwundet worden: Pinchas Rotten« stein, Kaiman Schapira, Joel Tarmo, Zwi Riwa, Elieser Schifoni, Simcha Holenberg, Aharon Hichmann, die alle in ärztlicher Behandlung stehen. Parallel zu diesem Ueberfalle kam es auch an anderen Stellen von Kfar Saba, wo Mitglieder des Brit Trumpeldor friedlich arbeiteten, zu ähnlichen Gewalt* r (Simonsbrot; noft immn unnttUH "*\ pactitrta! Se|t, bWW» Su ijuk lit Alf tiltttuibfrtts* nnb fctlfcttiftltit emattt **i tMte]! etttt ftat tt: äSeidj an 8M5tfar|tn nnb. flHbmincn. ÜRftgtiUeibtn unb 3t^tfon%tt«. «fmoflSdrtilAbM 0Diflt>flaara« 11 — IäflUdjerVoftt>rrf«ttt>-«Sport —— taten. Auch am darauffolgenden Tage wiederholten sich die Ueberfalle auf die Trumpeldorianer an den verschle» denen Arbeitscfrten de| Kolonie. Esist mit besonderer Betonung festzustellen, daß die Mitglieder des Brit Trumpeldor nichts unternommen haben, was gegen die Interessen des Palästina*Aufbaues oder gegen die Interessen der Arbeiter verstoßen würde. Sie haben keinen Streik gebrochen, sie haben keine Löhne gedrückt, sie haben niemanden aus seiner Arbeits* Position verdrängt, sie haben nicht provoziert — ruhig gingen sie ihrer Arbeit nach und diese Arbeit ist ihre einzige Sünde. Die unmittelbaren und indirekten Ursachen. Die Ueberfalle in Kfar Saba haben eine tiefe Wunde des Jischuw entblößt. Das der seit langen Jahren als Protektionskind und monopolisierenden Organisation wirkenden Histadrut unterstellte Arbeitsnachweis* b ü r o kristallisierte sich allmählich zu einem Parteiorgan heraus, das frei parteimäßig waltete. Nur wer nach dem Ermessen der Histadrut für die Arbeit „reif" er« schien, und das waren bloß diejenigen, die sich den klassen kämpferischen Standpunkt zu eigen machten, konnte Beschäftigung finden, selbst dann, wenn Arbeitsplätze frei waren und nach Kräften lechzten. Das war auch der Fall in Kfar Saba. Als nämlich diese Kolonie im laufenden Jahre ihre Plantagerien er* weiterete und weitaus mehr Arbeitskräfte benötigte, wandten sich die Kolonisten an die Histadrut um Ent* sendung von Arbeitern. In den meisten Fällen wurde ihnen aber überhaupt nicht geantwortet, in anderen — allerdings vereinzelten Fällen — wurden an Stelle von Arbeitern Arbeiterinnen gesandt, die den Anforderungen nicht entsprachen. Obwohl also die Histadrut keine Menschen für Kfar Saba frei hatte, wollte sie anderer« seits die Arbeit des Brit Trumpeldor daselbst verhüten und riet daher den Kolonisten „mit der Durchführung der Arbeiten nicht zu eilen, da eine Aus« dehnung derselben im gegenwärtigen Momente eine .Panik' schaffen könnte". Die Kolonisten ließen sich je« doch im Ausmaße ihrer Arbeit nicht beeinträchtigen. Und als dann die Arbeiter des Brit Trumpeldor die freien Arbeitsplätze einnahmen, da brauste der Sturm gegen alt, da gellte der Schrei: „Lieber zehn Araber; als ein Trumpeldorianer bei der Arbeltl" Versuch eines Ausgleiches. Treu dem revisionistischen Prinzipe der nationalen Schiedsgerichte, haben die Revisionisten und Mitglieder des Brit Trumpeldor wenige Zeit vor den Ueberfällen sich bereit erklärt, Beschlüsse einer Vermittlungs« kommission, die diese Frage regeln wollte, anzu» erkennen. Dies geschah ungeachtet dessen, daß sie nach ihrer Arbeitseinordnung durch Hetzartikel und Reden beschimpft wurden. Sie pflichteten den Vorschlägen der Herren M. Smilansky und J. Hankin bei, welche diese Regelung vornehmen wollten und folgende Resolu« tionen vorschlugen: 1. Beide Seiten verpflichten sich, binnen iwei Wochen das Statut eines neutralen Arbeitsbüros aus« zuarbeiten. 2. In der Zwischenzeit dürfen nicht mehr als 25 Trumpeldorianer bei ihrer Arbeit verharren. 3. Wenn eine der beiden Seiten sich diesem Be« Schlüsse nicht fügt, fällt die ganze Verantwortung für die Konsequenzen auf diese Seite. Die Kolonisten, die Revisionistische Organisation und der Brit Trumpeldor, obzwar nicht ganz einver* standen, haben bloß mit Rücksicht auf die ernste poli« tische Lage im Lande und um jeder Verschärfung ,des Konfliktes aus dem Wege zu gehen, diese Vorschläge angenommen. Die Histadrut aber wich unter verschiedenen Vor wänden einer pos'u tiven Antwort aus. Die Situation spitzte sich täglich zw. Die Histadrut glaubte, die neuen Chaluzim der revisionistischen Orga« nisation und des Brit Trumpeldor durch Terror zum Eintritte in ihre Organisation zwingen za können. Diese Chaluzim jedoch kommen ins Land als Träger des nationalen Monismus. Sie melden sich beim Arbeitsbüro der Histadrut nicht an, weil die Zuweisung von Arbeit durch ein neutrales Büro, nicht aber durch eine einer bestimmten Gruppe angehörende Institution vorgenommen werden muß. Folgen und Forderungen. Die große außenpolitische Gefahr, die derartige Handlungsweise nach sich ziehen muß, darf nicht über* . sehen werden. Durch die Ereignisse, in Kfar Saba hat die Histadrut den Gegnern des Zionismus und des Palästina» Aufbaues eine neue Waffe zu unserer Bekämpfunggegeben. In einer solchen Situation kann nur Klarheit und Offenheit der Weg aus dieser Verwicklung sein« Der Kampf, den die palästinensischen Revisionisten und Trumpeldorianer zu führen haben, ist gleichsam ein all»

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