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Die neue Welt · 1930-05-02 · Heft 137 (2.5.1930) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 137 (2.5.1930)
Date
1930-05-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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r*r»r~~ — .....' i ■——um i ■ ■ —i—I—WM ttichtkathulischcr Schüler der Elementarschulen können für ihre Kinder um Befreiung ton kfttholi« sch• n Religionsunterricht ansuchen, und wo in einer Schule eine zureichende Zahl nichtkatholischer Schüler vorhanden ist, wird für sie ein Religionsunterricht in der eigenen Religion eingerichtet. Laut dem Gesetz sollen auch die Schulen nichtkatholischer Gemeinschaften durch Staat und Gemeinden subventioniert werden. * Ganz eigentümlich ist die Bestimmung, daß um die Befreiung jüdischer Kinder vom Besuche des katholischen Religionsunterrichtes ausdrücklich angesucht werden muß. Rabbiner sind keine Geitilicht. Berlin, 26. April. Das Oberverwaltuingsgericht hatte über den Antrag einer Synagogengemeinde auf Befreiung der Dienstwohnung des Rabbiners von de» Hauszinssteuor zu entscheiden. Der Antrag wurde gestützt auf die Hauszinssteuerverordnurig, derzufolge die Dienstwohnungen der Geistlichen von der Hauszinssteuor befreit sind. Das Gericht prüft nun, ob der Rabbiner als Geistlicher im Sinne dieser Verordnung anzusehen sei, und kommt zu dem Ergebnis, daß hierunter nur die Geistlichen der christlichen K i rchengeselLsc haften zu verstehen seien. Dies bedeute auah keinen Verstoß gegen Art. 137 der Reichsverfassung, da durch Art. 137 landesrechtliche Steuerprivilegien der alten Kirchen und gewisser ReligionsgesellscJiaften nicht auf andere erstreckt worden seien. « Die Deutschen, und auch deutsche Richter, machen sich gerne und nicht immer hannlos über die „Verdrehungen des talmudischen Rechtes" lustig. Diese Entscheidung deutscher Richter beschämt den verzwicktesten Talmudisteii. Die Reichsverfassung spricht zwar bedingungslos die Gleichheit aller anerkannten Religionsgesellschaften und ihrer Geistlichen aus. Weil aber vergessen wurde, alte Privilegien abzuschaffen beziehungsweise auf alle auszudehnen, werden Rabbiner nicht als Geistliche betrachtet. Judenheizerische Schriften von der preußischen Regierung empfohlen. Berlin, 27. April. Auf einer von der bündischen Jugend mit dem Motto „Wille-Weg-Werk" im November vorigen Jahres in Marburg veranstalteten Ausstellung waren Bücher wie die „Protokolle der Weisen von Zioji" von Alfred Rosenberg und Henry Fords „Der internationale Jude" in auffalliger Form ausgelegt worden, wobei besonders gehässige Stellen mit Blaustift angezeichnet waren. Den Marburger höheren Schulen wurde der Besuch dieser Ausstellung vor ihrer Eröffnung w a r m empfohlen. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erhob wegen der verhetzenden Ausgestaltung der Ausstellung Beschwerde beim. preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und erhielt den Bescheid, daß er die Bedenken gegen die einseitige Auswahl der ausgelegten Bücher und eines Teiles der gezeigten Bilder durchaus teile. In künftigen Fällen wird der Minister Vorsorge treffen, daß vor einer Empfehlung der Ausstellung eine Gewähr gegen Mißgriffe gekennzeichneter Art gegeben ist. „Jeder Jude muß ausgewiesen oder geschäftsunfähig gemacht werden!" Berlin, 26. April. In einem jetzt bekannt gewordenen Befehle der nationalsozialistischen Arbeiterpartei, dessen Befolgung allen Ortsgruppen zur Pflicht gemacht wird, heißt es: „Die Zeit zur Errichtung des dritten Deutschen Reiches ist noch kurz. Es ist jedes S.-A.-Mannes Pflicht, jeden Befehl abzuwarten. An dem Tage, wo Polizei und Reichswehr kein Gehalt mehr bekommen, ist die Führung des Reiches in unserer Hand. Jeder Jude muß ausgewiesen oder geschäftsunfähig gemacht werden. Zeitungsverlage haben sich nur noch nach unserer Führung zu richten, sonst erfolgt ohne weiteres die Schließung derselben." Antisemitische Studentenumtriebe in Rumänien* Bukarest, 26. April. (J. T. A.) Während der Osterferien machen sich Umtriebe antisemitischer S t u d e n t e n bemerkbar. Wie. die Zeitungen melden, hat sich das Innenministerium * mit den Führern der Studenten in Verbindnug gesetzt und diese . auf die ernsten Folgen etwaiger Unruhe« aufmerksam gemacht. Auch wurden Anweisungen gegeben, die Bewegungen der Studenten genau zu beobachten und im Bedarfsfalle rechtzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen. — Vor einigen Tagen wurden im Bukarester Volksgarten der Generalsekretär der Sozialdemokratischen t Partei Rumäniens, Uie Moscovici, ein Jude, und der sozialdemokratische Deputierte Radaceanu von antisemitischen Studenten überfallen und sehr schwer mißhandelt. Moscovici erhielt nicht unbedenkliche Verletzungen und wird längere Zeit das Bett hüten müssen. —• In Galaz drang eine Gruppe von etwa 30 Gymnasiasten, Mitglieder der vom Antisemiten und Prafektenmörder Codreanu geführten „Eisernen Garde", in die hauptsächlich von Juden bewohnte Movilastraße ein, und zerstörte den Laden des Kaufmanns Hellmann. *flfl* M&tffe WELT Der Senat der VeYei»f£ta* Staaten für eine weitere EhwchrSnknng de* osteuropäischen Einwanderung. Washington, 23. April. (J. T. A.) Der Senat des Kongresses der Vereinigten Staaten hat soeben mit 39 gegen 34 Stimmen einen Zusatzantrag zur Einwanderungsbill angenommen, demgemäß die seit 1. Juli 1929 geltende Länderquote reduziert wird in der Weise, daß die allgemeine Zahl von 150.000 Einwanderern jährlich auf 120.000 herabgesetzt wird, wobei die Einwanderung auf den, Basis der Volkszählung von 1890 zu geschehen hat und der Prozentsatz der Einwanderer aus jedem einzelnen Lande von 2 auf 1,5 Prozent dieses Zensus zu reduzieren ist. Einen Vorteil aus dieser neuen Ordnung würden die skandinavischen Länder und Deutschland ziehen, deren Zensus im Jahre 1890 ein hoher war, während bei Annahme dieses Zusatzantrages die Einwanderung aus den osteuropäischen Ländern stark reduziert werden würde, da 1890 der Zensus aus diesen Ländern, aus denen die Einwanderung nach Amerika erst in einer späteren Perlode eingesetzt hat, ein geringer war. — Ein Antrag, die gesamte Einwanderung'in die Vereinigten Staaten für drei Jahre zu verbieten, wurde vom Senat abgelehnt. Ebenso wurde mit 55 gegen 11 Stimmen ein Antrag, die gesamte Jahreseinwanderungsquote auf 76.000 zu beschränken und die Einwanderer gemäß den wirtschaftlichen Bedürfnissen des Landes zu wählen, abgelehnt. Die hebräische Presse und die Todesurteile. Jerusalem, 24. April. Die revisionistische hebräische Tageszeitung „Doar Hayo m" fordert die V o 11* Streckung der Todesurteile gegen arabische Mörder mit der folgenden Begründung: Die arabische Executive fordert die Aufhebung der Todesurteile nicht im Interesse der Verurteilten, sondern im Interesse des eigenen Prestiges. Die Morde waren ein Ergebnis der Hetze der 'arabischen 'Executive,' die Mörder glaubten ihrer Versicherung, daß sie straf? los ausgehen werden. Wenn man nun heute diese Men« sehen hängt, so wird das ganze Prestige der arabischen Führer zusammenbrechen. Wir Palästinajuden, fährt „Döar Hayom" fort, sehen* In der Vollstreckung" der ge* rechten Urteile eine Garantie für die Sicherheit in der Zukunft. Die Vollstreckung der Urteile wird den Arabern beweisen, daß man nicht urisei* Blut ungestraft vergießen darf. — Die hebräische Tageszeitung „Haarez" ist der Meinung, daß die jüdische Öffentlichkeit und die hebräische Presse zur Frage der Vollstreckung oder NichtVollstreckung der Todesurteile keine Stellung nehmen, sondern die Verantwortung ganz der Regierung überlassen solle. Prinzipiell, schreibt die Zeitung, sind wir Gegner der Todes« strafe; aber wenn schon Todesstrafe besteht, sollten diejenigen, die in den Augusttagen gemordet haben, nicht besser davonkommen als andere Mörder. Vor allem soll man sich den Drohungen der Agitatoren und dem politischen Druck nicht aus» liefern. Aber wie gesagt, das ist nicht unsere Sache, sondern Sache der Regierung. Es gibt Gesetze und es be« steht ein Interesse der öffentlichen Sicherheit; die Re# gierung möge all dies erwägen und Entscheidungen treffen. Seife 7 Für Annullierung der Todesstrafen gegen Araber. Jerusalem, 24. April. Dem Oberkommissar Sir John Chancellor ging abermals ein Memorandum aus "arabischen Kreisen zu, das die Forderung enthält, alle gegen Araber im Zusammenhang mit den Unruhen«*im August 1929 ausgesprochenen Todesurteile zu annullieren und die Verurteilten aus der Haft zu entlassen. — Bekannt« lieh hat der Unterstaatssekretär für die Kolonien Doktor Drummond Shiels in der letzten Sitzung des britischen Unterhauses erklärt, daß die Vollstreckung oder Nicht« Vollstreckung von Todesstrafen in den Händen des HighCommissionerliegt. Rabbinerhetze einer Akademie der Wissenschaften* Moskau, 24. April. (J. T. A.) Die jüdische Ab* teilung der Akademie der Wissenschaften in Minsk, der Hauptstadt Weißrußlands, veröffentlicht eine Proklamation gegen jüdische Religion und jüdische religiöse, Führ er, »n der versucht wird, den Beweis zu erbringen, daß die Rabbiner von Je den Interessen des Finanzkapitals dienstbar waren. Es wird erklärt, daß, obwohl eine eigentliche jüdisch© Inquisition nicht existiert, dennoch in den Räumen der jüdischen Gemeinden Sünder allerlei physischen P e i n i s u n g en ausgesetzt waren. Man , pflegte solche Sünder kahl zu'rasieren, sie Folterungen zu unterzietfenj*. angeblich ausgelassenen Mädchen wurden die Zöpfe ab* geschnitten, Denunzianten wurden Hände und Zun« gen abgeschnitten; Kohanim, die geschiedene Frauen heirateten, wurden die Finger der H ä n 4 e abgehackt; Dieben wurden die Ohren vom Schädel abgetrennt; der religiöse Bann war schon die geringste Strafe. In der Proklamation wird erklärt, daß die R a b» b i 11 e r im 11. Jahrhundert ihren Einfluß auf König Alfons VI. dahin ausgeübt haben, daß er die Karaiten aus allen Städten Kastiliens vertrieben h a t. Im 13. Jahrhundert verfolgten die Rabbiner den Maimonides, später "trieben sie Uriel Acosta in den Tod; im 17. Jahrhundert belegten sie den großen Philosophen Baruch Spinoza mit dem Bann, später führten sie einen das Glück in der Kaffeesckale Kathreinerj Kneipp Malrkaffee ^eAt+nd&fiuIUfiukwMc&meekenJU%ute. Kreuzzug gegen Moses Mendelssohn, gegen den Philo» sophen Nachman Krochmal; in den letzten Jahren be* kämpften die Rabbiner die Dichter Mendeli Morcher Sforin und Perez; 1925 haben orthodoxe Juden in War« schau die Gedenksteine der Schriftsteller Perez, Anski und Dinesohn beschmiert. Die Minsker jiddische Zeitung „O k t i a b r", die diese Proklamation der jüdischen Abteilung der Akade* mie abgedruckt hat, publiziert angebliche Dokumente, die ihr von dieser Abteilung zur Ver« fügung gestellt würden, aus denen erwiesen werden soll, daß verschiedene Rabbiner in der Zaren* zeit jüdische Arbeiter der Polizei ausge« liefert haben. In diesem Zusammenhang werden der Raw von Skwirjampolski, der Raw von Orio, Katzenelson, und der Raw von Ladzi, Meisel, genannt. „Oktiabr" veröffentlicht empörte Briefe aus Kreisen religiöser Juden, in denen dagegen protestiert wird, daß die Rabbiner durch solche Veröffentlichungen dem Haß der Bevölkerung ausgesetzt werden. In einem der Briefe wird bemerkt, daß der berüchtigte Antisemit Kruschewan in seinem Hetzblatt „Bessarabez" in der gleichen Weise die Juden denunziert ha,t. Die Zeitung „Oktiabr" druckt diese Briefe als Beweis dafür ab, daß die religiösen Elemente „kampflustig" sind. Die jüdischen „Wissenschaftler" der Sowjetrepublik scheinen eine geistige Anleihe bei den Verfassern der „Protokolle der Weisen von Zion" aufgenommen zu haben, WQchen-Kalender Mai 1930 ■vv*' srm Ijar 5690 2 Freitag 4-n Sabbateingang 7.05 3 Samstag . 5-n Sabbatausgang 7.54 owm nyaiw '»ori jhihd yn?n 4 Sonntag 6-1 5 Montag 7-T 6 Dienstag 8-n; 7 Mittwoch 9-ö 8 Donnerstag 10->

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