Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 137 (2.5.1930)
- Date
- 1930-05-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 137 DIE NEUE WELT Seif« 5 in 1 II i-i WIEN, I., Bauernmarkt 10 12-14 VII., MariahiltarttraR« 90 (Ecke Zieglergaste) Teppiche Vorhänge Indanthrenstoffe Decken aller Art In gröBter Auswahl zu billigsten Prelten In erprobten StrapazqualltBten I gemeinschaft lebenden Völkern erst nach jahrhundertelanger leidensreicher Entwicklung beschieden war, die Konzeption des Staatsgedankens — hat Theodor Herzl mit raschen, durch die Inkarnation der jüdischen ethischen Prophetengewalt beschleunigten Schritten durchmessen. Im Augenblick, da die Judenfrage ihn stellte, schlug er das Geranke, das zwei Jahrtausende Zerstreuungsgeschichte hindurch den Blick auf die wahre Situation des jüdischen Volkes verwehrte, mit mächtigen Hieben nieder und stellte ins Licht der Welt: die Erkenntnis von der Judennot und deren Lösung dnreh den Judenstaat. * Judennot ist der Zustand der widernatürlichen sozialen Verfassung, in der sich die jüdischen Massen in der Welt befinden, was im gewaltigen, jedes soziale Gefüge bedrohenden jüdischen Luftproletariat zum Ausdrucke kommt, mit dem sich zwangsläufig überall ergebenden Phänomen der Judenabstoßung, die gemeiniglich mit dem Schlagwort „Antisemitismus" benannt wird und als unheimlicher circulus vitiosus, das ist die Permanenzerscheinung „Antisemitismus — Judennot", „Judennot — Antisemitismus" in die Augen springt. Judenstaat ist die Heraushebung der jüdischen Massen aus diesem Permanenzzustand, um sie territorial zu konzentrieren, sozial zu normalisieren und die psychologischen Attribute eines Staatsvolkes, das sie einst waren, ihnen wiederzugeben, kurzum, aus den von ihren Wirtsvölkern als Krankheitsherd empfundenen anormalen Massen ein normales Volk zu machen — dort „in unserer unvergeßlichen historischen Heimat" Erez Israel, „dem gewaltig ergreifenden Sammelruf für unser Volk". * Der W e g ist ein politischer Weg. Er bedeutet die Schaffung rechtlich politischer Voraussetzungen, das ist internationale Anerkennung der jüdischen Staatsgründung. Das Instrument ist. die Organisierung des jüdischen Volkswillens zum Staat. Theodor Herzl hinterließ also die Idee des jüdischen Staates Erez Israel, den Weg zu ihm durch Aufrufung der internationalen Kompetenzen, das Instrument im Zionistenkongreß und in der Zionistischen Weltorganisation. Dieser großen Herzischen Konzeption stellten sich da und dort retardierende Elemente entgegen, die eine Besiedlung Palästinas als Aufgabe zur Schaffung eines „geistigen" jüdischen Zentrums betrieben sehen und Herzls Staatszionismus auf ein gefälliges „K u 11 u rz e n t r u m" reduziert wissen wollten. * Herzls Ziel-, Weg- und Methoden Weisung behielt die Oberhand. Mit seinen Waffen warb man um die jüdischen Massen und gewann sie für den Zionismus. Mit den von ihm geschaffenen Intsrumenten errang man die Sympathie der öffentlichen Meinung, die Anerkennung der Mündigkeit einer jüdischen Politik seitens der politischen Welt, reale Triumphe nach innen und außen. Die von ihm gegebenen Richtlinien, die in allen seinen Aktionen diplomatischer und propagandistischer Natur gekennzeichnet, in seinen Tagebüchern, politischen Schriften und Korrespondenzen niedergelegt sind, haben trotz hemmender Neben- und Gegenströmungen (Kampf der „Praktischen" gegen die „Politischen", Bildung diverser religiöser und sozialer Fraktionen) zur Balfour- Deklaration, zur Anerkennung des politischen Zionismus im Völkerbundmandat, zur Inangriffnahme des effektiven Aufbaues Erez Israels geführt. "/Gerade als die konsequente, noch im Sinne Herzls betriebene politische Haltung Früchte zu tragen begann, begannen bereits überwunden geglaubte Tendenzen den Zionismus zu unterminieren. Zunächst wurden statt eines großzügigen, der Situation des Landes entsprechenden, einzig dem Gesamtziel zustrebenden Kolonisierungsplaues an gewisse soziale Prinzipien gebundene Experimente im Sinne eines „M u s t e r v o 1 k e s" und „Mustergemeinwesens" inauguriert. Weiters wurde schon in der Epoche der ersten politischen Schwierigkeiten, die aus dem sich regenden Widerstand der Araber und der Etablierung einer von Haus aus schädlichen Verwaltungsmechanik der britischen Administrationsbehörden reflektieren, keinerlei klare, eindeutige und Recht fordernde Haltung gezeigt, wodurch der Keim sogar für ein sichtbares Zurückweichen gelegt wurde. ' * Sir Herbert Samuel, der erste Oberkommissär Palästinas, wurde von der zionistischen Leitung noch in einem Augenblick gestützt, wo es klar war, daß seihe Verwaltungspfaxis und seine Einstellung zu den politischen Problemen des Landes zur Untergrabung der zionistischen Position führe, im weiteren Verlauf also auf Jahre hinaus Präzedenzfälle schaffen konnte. Der von Herbert Samuel geübte Geist führte naturnotwendig zu dem verhängnisvollen Ch urchilisch en Weißbuch, das der Balfour-Deklaration den Herzischen Sinn nahm. Diese offizielle, von der Zionistischen Exekutive nicht klar bekämpfte Einstellung müßte eine Restringierung der praktischen Arbeit mit sich bringen, zunächst die des zionistischen Kernproblems der M a s s e n i m m i g r a t i o n. * Soziales Experimentieren, wirtschaftliche Einseitigkeiten, unklare politische Stellungnahme brachten Krise um Krise für das Land, für den Zionismus in der Welt. Für den geistigen Zionismus, dem zwei Kulturfaktoren, hebräische Sprache und' Wissenschaft, gesichert schienen, war der Augenblick der Selbstbegnügung gekommen, wodurch er es wieder wagen konnte, die Herzische Ideologie ihres weitgespannten politischen und sozialen Rahmens zu entkleiden. Grüppchen und Cliquen, die den Achad Haamismus nicht verdaut haben, proklamieren neue Zielsetzungen. Nicht mehr Judenstaat, sondern binationaler Staat! Nicht mehr Majorität, sondern Qualität! Die zionistische Leitung selbst, wenn sie sich auch die Phraseologie der antiherzlschen Strömungen nicht zu eigen machte, ließ ihnen freien Lauf. Ihre Haltung gegenüber der Mandatnrmacht und gegen- DER TIGER* DIR ERSTE KRIMINAL-SPRECHFILM AUS DIR UNTERWELT BERLINS Produktionsleitung: Allrae] Zeltler Hau p t darsteiler Regie: Johannes Hey er Charlotte Suia, Gertrude Berliner, Hertha von Wallher, Harry Frank MuMik: WILLY KOLLO Ein Ufaton-Film AUSSERDEM DAS BESONDERS SEHENSWERTE TONFILM - BEIPRO¬ GRAMM Uraufführung heute und täglich: Burg-Kino Ufaton-Kino I, Opernring 19 Telephon B.20-3-99 II, Taborstraße 8 Telephon R-41-2-41 fdttfl? engKfdje «Stoffe ALBERT HARDT dedr. 1191 -Ssg^ WIEN I. FREISINGERGASSE 1 Telephon C/2o-3-4/ über der palästinensischen Administration verriet Schwäche, Kurzsichtigkeit, Mutlosigkeit, Nachgeben auf allen Linien. Während sich in den Reihen der Zionistischen Organisation eine immer stärker werdende Opposition formierte, die bei jeder Gelegenheit eine völlige Abkehr von der bisherigen, in ihrem Optimismus unbegründeten Taktik verlangte und seit Jahren immer wieder vor unausbleiblichen Gefahren warnte, schlug die Exekutive, nachdem sie selbst das Vertrauen an die Kraft des Zionismus und der jüdischen Yolksmassen verloren hatte, einen Kurs ein, der die Maria-Theresien-Kino VII, Mariahllfer Straße 70 Telephon B-35-5-19 restlose Liquidierung des Herzischen Erbes befürchten läßt. In diesem Geist der Panik, der Selbsttäuschung, des Prestiges um jeden Preis hat die Leitung die Lungen des Herzischen Organismus, Kongreß und Organisation, in ihren Funktionen abgedämpft; in diesem Geiste konnte die Idee der Erweiterung der Jewish A g e n c y geboren werden, eine Idee, die der schon am Boden gelegenen Assimilation neues Leben einflößte und damit zugleich die Souveränität des legalen Zionismus aufhob. * Eine neue Epoche von Fehlschlägen schloß sich an die Konstituierung der Agency an. Die Beurteilung der Araberrevolte vom August 1929 seitens maßgebender Kreise und Faktoren, der Geist des jüngst veröffentlichten Untersuchungsberichtes bezeugen wiederum die Tatsache, daß die Führung des Zionismus auf der ganzen Linie 'versagt hat und auch weiterhin die Schädigungen der zionistischen Interessen befürchten läßt. Ist Herzls Erbe vertan? Ein Vierteljahrhundert, nachdem Theodor Herzl von seinem begonnenen Werk scheiden mußte, sieht die Welt das Fundament des Baues, der allen Rückschlägen, allen Anwandlungen von Mutlosigkeit zum Trotz, organisch wächst und das Gebilde zu werden bestimmt ist, dem Herzl den Namen Judenstaat gegeben hat. Die Ereignisse der letzten Jahre haben den Jischuv nicht erschüttert. Eine neue Generation wächst dort und hier heran, erzogen und empfänglich fUr Herzisch eZiele. Mögen auch in den letzten dreißig Jahren manche Neben- und Umwege eingeschlagen worden sein — die Größe und prophetische Gültigkeit seiner zionistischen, jüdischen Konzeption hat selbst unter den widrigsten Umständen seinen Ausdruck in dem Wunderwerk gefunden, das wir „Das neue Erez Israel" nennen dürfen. Die Totengräber des Zionismus am Werke. Wie die jüdischen Opfer „entschädigt" Werden. Unter dem Titel „Die Totengräber des Zionismus" hat die „Neue Welt" im Vorjahre das Treiben der antb semitischen und antizionistischen Regierungsbeamten in Palästina geschildert, jener Gesellschaft, welche vom Schreibtisch aus das unter größten Opfern geleistete jüdische Aufbauwerk untergräbt und vom Schreibtisch aus allen feierlichen Versicherungen des Völkerbundes und der Mandatarmacht Trotz bietet. Eines der traurigsten Zeugnisse für die Unzulänglich« k e i t der zionistischen Leitung, daß dieses Regime untergeordneter Bürokraten seit mehr als zehn Jahren ungehindert wirtschaften und in bösartiger-Klein* arbeit viel kostbare jüdische Arbeit zunichte machen kann. Während die zionistische Leitung in London mit den höchsten Würdenträgern unterhandelt, unterwühlt und zernagt die palästinensische Bürokratie die Wurzeln des jüdischen Aufbauwerkes. Dieser Bürokratie, deren aktive und passive Schuld an den "Bluttaten und Mord* brennereien des August 1939 evident ist, ist jetzt die „Gutmachung der Schäden" übertragen. Sie hat das Entschädigungsverfahren zu leiten. Sie macht die Sache so,;* daß die jüdischen Opfer so gut wie nichts bekommen :;und materiellen Schaden erleiden, anderseits aber auch größten m o r a 1 i s c h e n Schaden. Wenn man von den lächerlichen Beträgen liest, welche den jüdischen Opfern zuerkannt werden, muß man den Eindruck empfangen, t?ctaß den Juden eigentlich nichts g e s c h e h e'r>' ist, daß ihre Anklagen leeres G e* schrei sind. lSo wirkt und waltet eine intrigante, bos* hafte Bürokratie, welche vom ersten jüdischen Gouver* neur u'nseligcn.jAndenkens, von Herbert Samuel, in den ,4 wurde. Die zionistische Leitung, deren ische Leistungen von der offi* Miellen Presse, von Parteitagen und Kongressen all* wöchentlich, allmonatlich und alljährlich bejubelt werden, ist unfähig,; 'ihr beizukommen. Diese fessellose Büro* kratie arbeit weiter, aber die zionistischen Blätter mel* den, daß |J||^ionist'iSche Leitung in London von der politischen^piatinn4 hochbefriedigt ist: JerultrTem, 24. April. Nachdem die Palästina-Regierung vor einigen Tagen mit der Zahlung von Entschädigungen an Araber in Safed für wäh- Sessel. geseizj^'V Staats m äMn i TIPPICHH AUS Uf EITZNER VI, MARIAHILFER STRASSE NR 105 Die beim Brande beschädigten Waren werden taglich von halb 9 bis 12 Uhr und von 1 bis 6 Uhr verkauft