Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 136 (25.4.1930)
- Date
- 1930-04-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2711736-2711754--1792-2715033- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seife* om mm wect Nr. i% JMM^ Wiener lündetitefai In Gr#&fc In Gfaffi^'dem. Eldorado für Kinder, wird unier der administrativen Leitung der Frau Bjerta Taubes, Wien, II., Bödclinatraße 92, ein erstklassiges Kinderheim; iil hferiHchstel Lage Eröffnet. Bei ^Bigen Pfel^n wird bette Ve^kbstigttng und iiWithkelle Pflege geboten. Saisonbeginn: 26, Mai. Gemeinsame Hin- und Rückreise unter Aufsicht bewährter Pflegeruinen. Aerztliche Leitung: Dr. Erna Spitzer^ Wien,; VI., W*b«asse 25 (Telephon B-29-7-05). Pro-' spekte gratis. fiÄ BAD HALLjHL STÄRKSTES JODBAD EUROPAS SS Restaurant S. Mayersohn Schöne 1- bis 2-bettlge Zimmer / Schöner Garten Tel 59 Eröffnung 15. Mal Tel. 59 BCI LAURANA ABBAZIA Orthod. kosch. Pension WEISS neu eröffnet / Erstklassige Küche Mäßige Preise Auf Wunsch Prospekte Solche Beschwerden gehen von der Annahme aus, daß die rohen Ackerbaumethoden unverändert bleiben müssen. Ein Bericht zuständiger Ingenieure an die Regie» rung, cjer ich 1919 vorstand, kam, zum Ergebnis, daß durch ein Bewässerungsprojekt der bebaubare Boden Palästinas um e i n e M i 11 i o n Morgen v e r g r ö.ß ert werden kann und daß nach Durchfuhrung des Plans dort, wo heute ein Mensch lebt, sechzehn Personen ihren Unterhalt finden können. . Allein durch dieses Projekt könnte für zweihundert* tausend Familien im Lande ein Auskommen beschafft werden. Auf , zehn Siedler*Familien kommen wenigstens fünf Familien, die, vom Vertrieb der Erzeugnisse und der Belieferung der zehn leben können. Kein anderes Land ist jemals von seinen Bewohnern so vernachlässigt worden wie Palästina. Jeder Besucher kehrt ent* setzt über den Schmutz und die anscheinende Un» fruchtbarkeit des Landes heim. Palästina gleicht einem alten Herrensitz, der von, einem armen oder geizj» gen Pächter Vollkommen verwahrlost Wörden ist. Ich hoffe, die zivilisierte Welt wird dafür sorgen, daß dem Zionismus Bewegungsfreiheit ge* währleistet wird. Bisher ist er auf Mißtrauen, Eifersucht und Vorurteil gestoßen. Ein kurzsichtiger Bureaukratismus regiert gern . über eine schläfrige Bevölkerung, die keine Schwierig* ketten macht, und blickt voll Argwohn auf jede Be* wegung, die die zufriedenen Schläfer aufrütteln könnte. Penn wenn diese Schläfer gegen ihren Willen ge» weckt werden, so werden sie leicht ärgerlich, und ihre Behandlung ist dann schwierig. Dje letzten Unruhen werden vielleicht eine nützliche {folge haben, wenn sie die Aufmerksamkeit der Welt auf das; große Werk der jüdischen Kolonisten und die Notwendig? keit lenken, ihnen nicht nur Schutz, sondern auch Ermutigung angedeihen zu lassen. Es darf ihnen natürlich nicht gestattet werden, die gesetz» liehen Rechte von Einwohnern änderer Rasse oder Religion mit den Füßen,zü treten. Dazu haben sie aber auch bi&her keine. Neigung gezeigt, Man lasse ihnen freie Hand bei der Durchführung eines der interes* santesten und fruchtbarsten Experimente dieses Zeit* alters." Der Worte des Nichtjuden Lloyd George mögen insbesondere jene Juden eingedenk sein, welche plötzlich ihr Herz für die „armen, bedrückten und von den Zio* nisten verdrängten Araber" entdeckt haben. Wenn sie schon antiziönistisch sind, sollten sie ßich anständigere und ehrüchere Vorwände suchen. . . Schon wieder ein „geistiger" Zionist! Thomas Mann über das jüdische Palästina. — Dei Dichter bekennt sich zu einem geistigen Zionismus. Thomas Mann, der deutsche Dichter und Nobelpreisträger, weilte einige Wochen in Palästina. Er hatte vor seiner Abreise ein Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agen tu r, in dessen Verlauf er die Eindrücke, die er während seines Aufenthaltes iu Palästina gewonnen bat, schilderte. Infolge einer plötzlichen Erkrankung, die ihn zwang, das Krankenhaus aufzusuchen, konnte er nur zum Teil das jüdische Aufbauwerk in Augenschein nehmen. Einen starken Eindruck hat auf ihn die jüdische Kwuzah- Kolonie D i 1 b (Kirjath Anawim) in der Nähe von Jerusalem gemacht; um meisten voii allem hat ihm aber , die jüdische Stadt Tel-Awiw Bewunderung abgerungen. Die Juden in Tel-Awiw, sagte Thomas Mann, sind irgendwie anders als die Juden in allen anderen Städten der Welt; sie scheinen freier und glücklicher. Ich glaube an die Zukunft von Tel-Awiw. Ich habe den Eindruck von Wachheit und starker Intellektualität ihrer Bewohner von der Stadt mitgenommen. Was ich in Palästina gesehen habe, sagte Thomas Mann weiter, ist, als Ganzes wie einzeln gesehen, wunderbar. Alles ist im Fortschreiten begriffen, die Juden vollbringen ein schönes Werk. Aber sie dürfen nicht mit dem Kopf durch die Wand stoßen wollen, sondern sie müssen vorsichtig weiter gehen. Denn schließlich sind die Araber seit mehr als 1000 Jahren hier im Lande, auch sie glauben an ihre historische VerknUpftheit mit dem Lande und sie haben wohlbegründete Rechte auf dasselbe. Aber ich weiß, fügte Thomas Mann hinzu, der Jude ist nicht ins Land gekommen, um zu erobern und zu herrschen, sondern ei* kam, um sich zu erfüllen, sich seelisch zu befreien. Juden und Araber haben gewiß die Möglichkeit, nebeneinander in Palästina zu leben und sich gemeinsam dem Aufbau des Landes zu widmen. Die Hitzköpfigkeit und die Ungeduld einiger Juden erhöhen die Schwierigkeiten, die der Zionismus ohnehin vor sich hat. Ich bin ganz entschieden für den Zionismus, den ich wegen einiger seiner Ideale und Ziele mit der romantischen Bewegung unter den Deutschen des 19. Jahrhunderts vergleichen möchte; auch diese Bewegung hatte ihre Wurzel in dem Wunsche •nach Selbstbefreiung. Thomas Mann erzählte zum Schlüsse noch, daß er sich längere Zeit mit dem Kanz 1 e r der Hebräischen Universität Dr. J. L Magnes unterhalten habe, und schloß das Interview mit den folgenden Worten: Für alle Fälle können Sie mich als entschiedenen Bekenner des geistigen Zionismus hinstellen. * . Der „geistige" Zionismus hat in letzter Zeit ungeheuren Zulauf. Er Wird nächgerade zur Landplage. Alles, was gegen den Zionismus ist, was dagegen ist, MjMMnmiuiMumiwmiiMun^^ MlSfillllliHlllMHWIlHWMI^ SIEGM. KORNMEHL aROSSFLEISCHHAUERII Zentrale IX., Bergganse 19, Telephon 17-3*99 u. 16-9-34 sgr Lieferant l ü r Heilanstalten unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kultusgemeinde Wien Aiitozustellung kostenlos IX.. Berggasse 13 / XVIII., Währlngerstr. 97 daß die Juden ihr Land wieder aufrichten, bekennt sich zu ihm. Die Araber sollen das Land haben, die Juden ein „geistiges" Zentrum, in Welchem ein paar Kostgänger ein beschauliches Dasein führen. Geistige Zionisten sind alle Antizionisten im englischen Parlament geworden, »geistige Zionisten sind die antizionistischen Regierungsbeamten in Palästina, geistiger Zionist ist auch der ehrwürdige Pogromhetzer, der Mufti. Thomas Mann ist gewiß unvoreingenommen ins Land gekommen, aber er ist, wie leider fast alle nichtjüdischen Besucher und jüdischen Außenseiter, notgedrungen in die Hände jener Gruppe von Menschen geraten, welche wohl auf dem Rücken der Zionistischen Organisation nach Palästina, in die Höhe und zu behaglichen Stellungen gekommen sind, jetzt aber vom arbeitenden und kämpfenden Zionismus, der sie in ihrer Ruhe nur stört, nichts wissen wollen. Allen voran die Herren von der Universität, Rektor Magnes und der Bibliotheksdirektor Dr. Bergmann. Die haben Zeit für Fremde und die dazugehörigen „geistigen" Konnektionen. Sie können leicht Repräsentation treiben, viel leichter als der von Kampf und Arbeit absorbierte „Pöbel", der Palästina aufbaut. Beim Tee in liebenswürdigem Geplauder, im Salonton wird dem Fremden das giftige Märchen von den unduldsamen, gefährlichen j,j ü d ischen Hitzköpfen" versetzt und der nichtjüdische Gast verläßt das Land als „geistiger" Zionist. Deni Arabern das Land, ■ den Juden eine Universität, eine Bibliothek. Das ist ja alles, was „hochwertige" Juden in Palästina wollen. In behaglichem Büro, vor dem Schreibtisch „sich erfüllen, sich seelisch befreien", das ist der Zweck des Zionismus. Die jüdischen Massen draußen sollen das Geld dafür geben und weiter leiden, dort, wo sie sind. Die Besuche von Nichtjuden im arbeitenden und kämpfenden Palästina können ein Segen Werden, wenn die Besucher in die richtigen Hände geraten. Wenn Dr. Magnes und der ihm geistig verwandte Kreis weiter die Honneurs machen werden, dann werden diese Besuche zum Fluche ... r. st. Kehrt Oberrichter Brändeis zurück? Desolate Zustände in der Zionistischen Organisation Amerikas. — Geblieben sind ein Büro, Beamte - und Schulden. Aus New York wird gemeldet: Eine Delegation amerikanischer Zionisten, bestehend aus Dr. James Heller, Präsident des Administrativkomitees der Zio« nistischen Organisation Amerikas, Rabbi Israel Gold* stein, Dr. Nathan Ratnoff und David Frei* berger, wandte sich an Oberrichter Dr. Brandeis, um ihn zu bewegen, seine aktive Tätigkeit in der Zio« rristischen Organisation wieder aufzunehmen. Oberrichter B r a n d e i s gewährte der Delegation eine sympathische Aufnahme und versprach, den Wunsch ernstlich in Er* wägung zu ziehen, besonders angesichts der Ereignisse in Palästina. An der Konferenz nahmen verschiedene Prominente der sogenannten Brandeis*Gruppe teil, so Judge Julian fcfack, Robert Szold, Jacob de Haas, welche während der Brandeis*Administration führende Posten in der Organisation bekleideten. Demnächst soll eine weitere Aussprache stattfinden. •» Ein in Wien weilendes Mitglied der Brandeis* Gruppe gibt der „Neuen Welt" folgende Darstellung: Mit dem Ausscheiden des Führers der amerikanischen Zionisten Oberrichter Brand eis, welcher seinerzeit dem Drucke Weizmanns und seiner Anhänger weichen mußte, setzte in der amerikanischen Organisation der Prozeß der Bürokrati sie rung ein. Die wichtigsten Funktionen gingen in die Hände besoldeter Beamter über, auch die politische Führung. Der freiwillige Mitarbeiter verschwand, Von außen her kam höchstens Geld, aber kein Impuls. Das Ansehen der Organisation sank, dafür stiegen im gleichen Verhältnis die Ausgaben für Verwaltung, welche zuletzt enorm hoch wurden. Jeder Protest gegen diese ungesunde Entwicklung wurde als „undemokratisch" von der Partcipressc und den Be* amten niedergeschrien. Den letzten Stoß erhielt die Organisation durch die Erweiterung der Jewish Agency durch di« reichen Nichtzionisten. Jahrelang drehte sich alles darum, reiche nichtzionistische Juden durch Zugeständnisse und Kompromisse aller Art zu gewinnen. Die zionistische Agitation selbst wurde völlig vernachlässigt. Alles kon* zentrierte sich aüf die Schaffung von Möglichkeiten, Geld zu sammeln. Das Resultat war ein moralisches De» bakel. Die nichtzionistische Agency bemächtigte sich der Führung. Die Organisation ist nullifiziert. Jetzt ist es so weit gekommen, daß über Betreiben des nichtzionU stischen Führers War bürg und seiner Freunde die amerikanischen Zionisten aus der Exekutive der Jewish Agency entfernt wurden. Auch in materieller Beziehung hat sich die Erweiterung der Agency und die mit ihr verbundene Zerstörung der Zio* nistischen Organisation als schlechtes Geschäft erwiesen. Der erwartete Geldstrom ist ausgeblieben. Daß sich unter diesen Umständen die Augen aller Zionisten auf Oberrichter Brandeis richten, den Mann, der den Zionismus in Amerika groß gemacht und bei der Friedenskonferenz als Freund Wilsons bestim* mend in den Gang der Ereignisse eingegriffen hatte, ist kein Wunder. Ob aber Brandeis und seine Freunde in allernächster Zeit die Führung* werden übernehmen können, ist fraglich. Sie fordern die Entfernung der all* mächtigen Bürokratie. Diese aber, wie jede andere Büro* kratie, klammert sich an die Macht und wird, da die Gegensätze zwischen Brandeis und Weizmann fort* bestehen, in ihrer Haltung von London aus bestärkt. Unter diesen Umständen hat sich in Brandeis*Kreisen die Ansicht entwickelt,. es müsse der völlige Zusammen* bruch der Wirtschaft der heutigen Administration ab* gewartet werden. Das bedeutet aber eine weitere Schwä* chung des Zionismus in Amerika. Die kanadischen Zionisten lehnen die Jewish Agency ab? Die „Jüd. Preßzentrale Zürich" meldet aus Montreal: Der Präsident der Zionistischen Födera* tion von Kanada, Mr. A. J. Fr e im an, erklärte, daß in Kanada eine Jewish Agency «Sektion durch Vereini* gung von Zionisten und Nichtzionisten nicht in Frage k o ni m e. Wer nicht in der Zionistischen Orga* riisation' mitarbeiten wolle, sei kein brauchbarer Mit* arbeiter für das Aufbauwerk in Palästina. Uebrigens seien die meisten Juden Kanadas Zionisten. Diese Aeußerung wird vom neuen zionistischen Organ in Toronto, „Jewish Standard" . unterstützt.,Das Blatt erklärt, daß die Verein!* gung mit den Nichtzionisten nur danach angetan ist, den Zionismus zu schwächen, und die supponierte Unter* Stützung der Nichtzionisten, wie sich das bereits gezeigt habe, mehr als fraglich sei. Die größten jüdischen Zentren sind in Amerika. Die größten Gemeinden der, jüdischen Geschichte. — Zu* nähme trotz Sperre der Einwanderung. — Kein Volk von Schneidern mehr. Wie bereits kurz gemeldet wurde, haben die zwei großen amerikanischen jüdischen Organisationen, der jüdischhationale „Jüdische Kongreß" und das neutrale „American Jewish Committee", in einer gemeinsamen Konferenz beschlossen, in wichtigen, die jüdische Gesamtheit betreffenden Fragen miteinander zu kooperieren und die erforderlichen Aktionen gemein* sam durchzuführen. Im Verlaufe der Vollversammlungen dieser beiden Organisationen wurden äußerst interessante Daten über das Anwachsen der jüdischen Bevölkerung in Amerika und ganz besonders in New York, sowie über das Zunehmen einer inten* siveren jüdischen öffentlichen Tätigkeit innerhalb die* ser jüdischen Gemeinschaft in Amerika veröffentlicht. So wurde festgestellt, daß in dem eigentlichen New York gegenwärtig 1,765.000 Juden wohnen«