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Die neue Welt · 1930-04-25 · Heft 136 (25.4.1930) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 136 (25.4.1930)
Date
1930-04-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Hr. m Dffi NEUE WELT Seile 5 4. April. Heute tim 11 Uhr vormittags landeten wir in Neapel. Das Wetter war nicht besonders günstig, wir mußten daher von dem beabsichtigten Ausflug nach Pompeji absehen und benützten den östündigen Aufent* halt, um das Nationalmuseum, das Aquarium und andere Sehenswürdigkeiten zu besuchen. In Neapel schloß sich uns der Präsident der Zionistischen Organisation in C1 e v e 1 a n d, Dr, S c h a p i r o, an. Wir sind die einzige Gesellschaft, die nach Palästina reist. * 7. April. Die Seereise ist zu Ende, die ganze Reisegesellschaft ist wohlauf in Alexandrien einge* troffen. Die Formalitäten nach der Landung werden von unserer Reiseleiterin erledigt, die Reiseteilnehmer be* nützen den kurzen Aufenthalt, um Alexandrien zu be* sichtigen. Wir alle sind voller Erwartung der bevorstehen* den Tage im Lande unserer Sehnsucht. * 8. April. Bei herrlichstem Wetter kamen wir heute früh nach T e 1 * A w i w. Freunde erwarteten uns am Bahnhof und beschenkten uns mit Blumen. Unser Hotel liegt direkt am Meeresstrand und bietet einen prachtvollen Ausblick. Die Einquartierung ist bald bc« sorgt, jeder Teilnehmer hat sein Zimmer schon im Eisen* bahncoupe zugewiesen erhalten und kann sich sofort zum Frühstück begeben. Gespeist wird im Freien und sehr gut. Die Reisestrapazen sind bald vergessen, nie* mand denkt an ein Ausruhen, wir unternehmen einen Rundgang durch die von Orangenduft erfüllte Stadt. In Tel*Awiw herrscht bewegtes Leben, wir treffen Bekannte und Freunde und*informieren uns über die Stirn» mung im Lande. Ueberall Zuversicht und fester Glaube an die Zukunft. TcbAwiw nimmt einen ungeahnten Aufschwung, hingegen ist Jaffa tot. Die Juden verlassen es und ziehen nach Tel*Awiw. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind nicht schlecht, leider sind die jüdischen Touristen in diesem Jahre ausgeblieben. Die jüdischen Hotels im Lande stehen leer und unsere Reiseleiterin hat viel Mühe, den bei ihr vorsprechenden Hoteliers aus Jerusalem plausibel zu machen, daß unsere Gesellschaft nur ein Hotel belegen kann. Das Hotelgewerbe leidet sehr infolge der Augustunruhen und mit ihm viele jüdische Familien. Umso höher ist es dem Wiener Verband demokratischer Zionisten anzurechnen, daß er trotz aller Schwierig* keiten 'diese Reise organisiert und eine Gruppe von Reisenden ins Land gebracht hat, welche nach ihrer Rückkehr für wei* tere Touristenreisen nach Erez Israel Pro* paganda machen werden. * 11. April. Unvergeßliche Tage-liegen hinter uns. Die wunderschönen Stunden in dem herrlichen TebAwiw, die in sehr bequemen Autocars unternommenen Ausflüge in die in vollster Blüte stehenden Kolonien, wie Recho* bot h, Rischon le Zion, Petach*Tikwah, H e r z 1 i a, dann auf dem Wege nach Jerusalem in M i k* weh Israel, Ben Schemen, Kirjath Anavim, M o z a waren für uns alle Erlebnisse, an die wir immer zurückdenken werden. Nun sind wir in Jerusalem, wo wir die ersten Pessachtage zubringen werden. Hier steht alles im Zeichen der bevorstehenden Festtage der verschiedenen Konfessionen. Die englische Verwaltung hat alle Maß* nahmen getroffen, damit diese Tage reibungslos ver« laufen sollen. Die Stadt bietet ein sehr bewegtes Bild, Jerusalem ist ein Bauplatz geworden. Die Juden ziehen aus der Altstadt weg und gründen neue Stadtviertel. Auch hier keine Spur von Verzagtheit, fest verwurzelt sind wir im ganzen Lande und werden nie von unserem Boden weichen. Wir absolvierten bereits einen Teil unseres für Jerusalem vorgesehenen Pro« gramms; alle Reiseteilnehmer sind mit dem bisherigen Verlauf der Reise zufrieden und wir freuen uns auf den Seder in Jerusalem. werden. Bevollmächtigte der Regierungskommission Komzet erheben öffentlich gegen Ozet die Beschul« digung, die Vorbereitungsarbeit für die jüdischen Neu* kolonisten nur sehr mangelhaft geleistet zu haben. Die jiddische kommunistische Presse äußert Un« ruhe darüber, daß ein großer Teil der jüdischen Jugend in den Kolonien in die Städte zieht, um Beschäftigung in der Industrie zu suchen. Die Zeitung „E m e s s" druckt einen Appell ab, der die Ueberschrift tragt: „Fesselt die Jugend an das Dorf!", Das Hauptorgan der „Gottlosen" fordert Zurückhaltung in der antireligiösen Kampagne in Sowjetrußland. Moskau, 18. ApriL (J. T. A.) Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren war die kommunistisch*atheistische Agitation gegen die Feier des Pessachfestes in diesem Jahre infolge des neuen Kurses der sowjeti* sehen Religionspolitik zurückgedrängt. Das Haupt« organ der antireligiösen Propaganda „B e s b o s c h n i k" (Der Gottlose) veröffentlichte unter der Ueberschrift „M acht keinen Lärm!" einen bemerkenswerten Aufsatz, in dem die Mitglieder der militanten atheisti* sehen Organisation instruiert werden, dieses Jahr von der Abhaltung antireligiöser Karnevals, Demon« strationen und Versammlungen vor den Synagogen oder Kirchen während des Pessach« und Osterfestes abzusehen und sie abzusagen, wo sie schon vorbereitet waren. Vor einigen Wochen, schreibt das Blatt, demonstrierten die Sowjetmassen gegen den vom Papst inszenierten Kreuzzug gegen die Sowjets, und am 1. Mai werden sie unter Verwendung antireligiöser Parolen von neuem demonstrieren. Wenn dem so ist, hat es dann einen Sinn, jetzt wieder neue antireligiöse Demonstrationen zu insze« feinde enghfctK fftoffe AT IIWT WA'PlVr1 XtULiJB JEi JK JL JnUaJRV JL gegfr.l79T~s*s_, WIEN I. FREI SINGERGASSE 1 Telephon U 2o-3-4/ Union der Zionisten - Revisionisten Oesierreidis Mpntaa, den 28. April 1930 um 7a9 Uhr abends im Cafe „Arkaden", I., Universitätsstraße, Versammlung Thema: Berieht der Untersuchungskommission Referent: Dr. Paul Diamant» Anschließend Diskussion. Gäste willkommen. Das Scheitern des jüdischen Kolonisationswerkes in Rußland, — Jüdische Neukolonisten kehren in die Städte zurück. Moskau, i&'.April. (J. T, A.) Ein bedeutender Prozentsatz der jüdischen Neukolonisten, die in diesem Vorfrühling in die jüdischen Kolonien gezogen sind, kehrte nach wenigen Tagen in die Städte zurück, well nach ihrer Meinung infolge der milderen Politik gegenüber den Deklassierten in den Städten eine bessere Existenzmöglichkeit für sie vorhanden ist als in den Kolonien, in denen infolge der man gel* haften Vorher ei tun gsarb eit das Leben für die Neukolonisten schwer ist. Diese Neu* kolonisten hoffen, daß sie nunmehr in den städtischen Kooperativgenossenschaften als Arbeiter unterkommen nieren? Tatsächlich ergibt sich aus Zahlreichen Berichten, daß das Pessachfest in diesem Jahre fast ungestört ver* laufen konnte. Die von den lokalen jüdisch#kommunisti* sehen Organisationen vielerorts bereits eingeleiteten Vor* bereitungen für eine Antipessach*Kampagne sind annul« liert worden. Viele jüdische Kommunisten erklären, daß der antireligiöse Kampf im gegenwärtigen Zeitpunkt eine Kraft* und Zeitverschwendung bedeute, weil das Leben selbst im Verlaufe eines natürlichen Prozesses und ohne jeden Kampf die Zahl der in Rußland lebenden gläubigen Menschen von Jähr zu Jahr verringere. Die jüdisch* kommunistische Presse allerdings, obgleich auch sie sich im Vergleich zu früheren Jahren eine bemerkbare Mäßigung auferlegt, widmet der Antipessach*Agitation beträchtlichen Raum. Sie beklagt, daß die Mazzoth*Bäcke* reien in diesem Jahre stärker beschäftigt waren als jemals in den vergangenen Jahren, und fordert ihre Leser deshalb auf, der wiedererwachenden religiösen Ak« tivität durch Veranstaltung von „Roten S c d c r* f e i e r n", antireligiösen Versammlungen, Vorträgen und Konzerten an den Sederabenden entgegenzutreten. Panik bei einem Anti-Seder-Konzert des „Bund" in Lodz. Warschau, 16. April. (J. T. A.) Ein Unglücksfall, der sich am zweiten Sederabend in Lodz ereignete, hat in der Stadt außerordentliches Aufsehen erregt und wird von der jüdischen religiösen Bevölkerung der Stadt als Gottesgericht gedeutet. Der jüdische Arbeiter-„Bund" veranstaltete demonstrativ am zweiten Sederabend im Philharmonie-Saal ein Konzert mit einem Arbeiterchor, der hauptsächlich aus Frauen bestand. Während des Konzerts stürzte plötzlich die Bühne, deren Stützpfosten morsch waren, ein, so daß die Sänger mitgerissen wurden und unter die Trümmer kamen. Es entstand eine unbeschreibliche Panik. Die Feuerwehr griff ein und zog aus den Trümmern die zahlreichen Verletzten, darunter mehrere Schwerverletzte, hervor. Weißrussische Juden besetzen eine enteignete Synagoge. Moskau, 18. April. (J. T. A.) In dem weißrussischen Städtchen Dubrowna, dem ehemals wohlbekannten Zentrum einer Talith- (Gebermantel-) Erzeugung, haben die religiösen Juden, durch das neuerdings erlassene Stalin-Dekret ermutigt, durch einen Handstreich die in einen Arbeiterklub umgewandelte Synagoge wieder in Besitz genommen. Die Synagoge war gegen den Willen der Bevölkerung und ohne Wissen der Zentralejeekutive der Sowjets enteignet worden. Da durch da« UFA-TON-KINO W|M ytsü Dr« F!(mth«at4r der guten Oesellschaft zeigt Mgtleft i OOJUtftO VEIOT «*d fUMM KVAHtt |« Die letzte Kompagnie Ein« sprefeh. und Tonflimtfagftdle der Joe Maf «Produktion der Ufa Nach einer Idee von Wilhelm und Kosterlitz. — Manuskript! Ludwig von Wohl Regtet Kort Bernhardt Muelkt Ralph Benatzky Beginn: Wochentag S, 7, 9Uhr — Sonn- und Feiertag3,5,7,9 Uhr neue Dekret die Enteignung religiöser Gebäude ohne diese beiden Voraussetzungen verboten tat und bereits vollzogene Enteignungen für ungültig erklärt werden, verlangten die Juden vom Vorsitzenden des Ortssowjets die Rückgabe der Synagoge. Nachdem er sie verweigert hatte, entfernten sie die alten Schlösser, ließen neue anbringen und nahmen die Schlüssel an sich. Sie fühlen sich im Recht und erwarten von den zentralen Stellen Unterstützung. In der Ukraine werden wieder SchächthHuser errichtet. Moskau, 18. April. (J. T. A.) Um die Vorräte an Geflügelfedern für den Export zu steigern, hat das Handelsdepartement der Regierung Gostorg in mehreren ukrainischen Städten Schachthäuser eröffnet, die unter der Aufsicht der lokalen Rabbiner stehen. Die in diesen Schlachthäusern beschäftigten Schochtim erhalten von den Sowjets Gehalt und werden in die Klasse der gelernten Arbeiter eingereiht. Das Organ der jüdischen Kommunisten „E m e s s" greift den Gostorg von Sinowjew9k an, weil er in seinem Verwaltungsbereich drei Schächthäuser eröffnet hat. Gefährdung des jüdischen Schulwesens in Litauen. Kowno, 15. April. (J. T. A.) Die Existenz der jüdischen Schulen Litauens ist durch eine kürzlich erfolgte Regierungsverordnung gefährdet, welche die „L i t a u i«i e r u n g" aller privaten Schulen bezweckt. Eine Delegation der führenden Juden Litauens hatte in dieser Sache bereits eine längere Unterredung mit dem Staatspräsidenten Smetona. Aber trotz der von ihm erreichten Zusagen schreitet die Litauisierung fort. Das jüdische Schulwesen Litauens, das ein dichtes Netz von Unterlichtsanstälten mit hebräischer und jiddischer Unterrichtssprache umfaßt, ist der bisher unangetastete letzte Rest der seinerzeit der litauischen Judenschaft gewährten nationalkulturellen Autonomie. David Lloyd George gegen die Lüge des Shaw-Berichtes. Der ehemalige Premierminister Englands, jetzt Chef der Liberalen Partei, sagt in einem Artikel „Aegypten und Palästina" über die Entwicklung des Zionismus in Palästina u. a. folgendes: „Unter türkischem Regime waren die Juden ein kleines, verhältnismäßig armes und unterwürfiges Völkchen. Sie lebten zum großen Teil zusammengedrängt in den schäbigen Stadtvierteln Jerusalems. Dies hat sich seit dem Weltkrieg geändert, als die Alliierten 1917 den Juden ein natio* nales H eim in Palästina versprachen. Zwar sollten die Rechte der arabischen Bevölkerung berücksichtigt werden und man dachte nicht daran, arabischen Besitz zu beschlagnahmen; aber es wurde angenommen, daß das Land wenigstens zweimal soviel Menschen ernähren könnte als unter der türkischen Mißwirtschaft ihr Leben dort fristeten. Seit dem Weltkrieg hat sich die jüdische Bevölke* rung Palästinas um hunderttausend Seelen ver* mehrt, aber auch die mohammedanische Bevölkerung hat zugenommen. Die Juden haben seit 1919 die Summe von über 20 Millionen Pfund für Palästina aufgebracht. Die Araber haben Nutzen aus diesen Geldern gezogen. Die jüdische Einwanderung hat das Land be* reichert, nicht nur durch Kapital, sondern auch durch den Zustrom intelligenter, geschickter und fleißi* ger Bevölkerung. Ländereien, die bisher einer geringen Menschenzahl mageren Lebensunterhalt boten, ernähren jetzt infolge moderner Kultivierung?« und Bewässerungsmethoden eine zwanzigfache Bevölkerung. Heute finden achtzigtausend Araber mehr ihr Aus« kommen in Palästina als dort zur Zeit des WaffenstilT* Standes lebten. Dabei ist die arabische Landwirtschaft, wo überhaupt von einer solchen gesprochen werden kann, primitiv und er trag arm. Es wird noch einige Zeit dauern, bevor die Araber die von den Vorfahren über» nommene primitive und regellose Art der Ackerbestellung aufgeben, aber schließlich wird, besonders bei der jün* geren Generation, das Beispiel der Juden Frücht« tragen. Es werden die Täler und Höhen Kanaans wieder von einer glücklichen und gedeihenden Bauernschaft be« völkert werden. Die Klagen der Araber und ihrer Freunde, daß in Palästina kein Platz für jüdische Einwanderer ge* schaffen werden könne, wenn man nicht dl« Araber vertriebe, sind bötwilliger Unsinn.

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