Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 136 (25.4.1930)
- Date
- 1930-04-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2711736-2711754--1790-2715031- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
r Seife I D!C NEUE WELT Nr. 136 EXCELSIOR Inhaber RICHARD HERZOO l.f Adleroasse 5 Tal. 11-23*4-80 Größe 32 X 21'/. Höhe 14 cm Neue verbesserte Columbia-Dose 15 b . sehe auch weiter, daß es den J u d c'n gut ginge, ja daß sie wirtschaftlich immer mehr vorwärts kämen, während der größte Teil des deutschen V o 1* k e s i m m m c r mehr verelende. Es wäre ihnen ye» lungen, eine große Anzahl Berufe in weit höherem Maße zu besetzen, als es ihnen im Verhältnis zu ihrer Bevölk-j* rungszahl zukäme, ja, die Juden waren überhaupt mit Schuld an dem großen Unglück, das das deutsche Volk betroffen habe. Was sei zur Lösung der Judenfrage zu tun? Alle bisher von den Völkern unternommenen Versuche, wie Massenhinrichtun* gen, Zwangstaufen, Einschließung ins Ghetto und Aus« Weisungen wären erfolglos geblieben. Mischehen stoßen bei den Juden auf Widerstand und würden auch von einem großen Teil des deutschen Volkes abgelehnt, da auf diese Weise der jüdische Geist noch mehr unter diesen verbreitet werde. Der Zionismus, der seinerzeit geglaubt hat, das Judenproblem losen zu können, scheitere daran, daß nur die galizischen und pol» nischen Juden nach Palästina gingen, während die West* juden nicht daran dächten. Wir sehen also, daß alle Versuche zur Lösung der Judenfrage gescheitert seien, und der Grund hierfür sei der, daß falsche Mittel angewendet worden seien. Die Judenfrage sei eine Folge der schlechten Eigenschaften der Juden, die sie zum Teil auch erst durch die großen Verfolgungen angenommen hätten. Sie würden erst ver* schwinden, wenn es gelänge,.die jüdische Seele mit dem Geist des Evangeliums zu durchdringen." Ein edler Geist, dieser evangelische Geist, den der Hofpfarrer so eifrig anpreist. Von so etwas soJ* len sich die Juden „durchdringen" lassen. Wenn Hof« pfarrer in Hofkirchen so sprechen, wie geht es . an den weniger heiligen und vornehmen Stätten Deutschlands zu? rissen. Die Bottroper Kriminalpolizei stellte Ermittlungen an; dabei wurde u. a. festgestellt, daß sich an der Aks tion auch weibliche Personen beteiligt haben müssen, da entsprechende Absatzspuren vorhanden waren. Die Bottroper israelitische Gemeinde hat ioo Mark Belohnung atisgesetzt für Mitteilungen, die zur Ergreifung der Täter führen können. Die 83. FriedJiofsschändung. Berlin, 20. April. (J. T. A.)' In Bottrop wurden auf dem israelitischen Friedhof eine Anzahl Grabsteine umgeworfen, zwei Grabsteine wurden zertrümmert und zwei andere in häßlicher Weise mit Oelfarbe beschmiert, Die Tat selbst wurde Freitag nachmittags entdeckt. Das Schloß des Gitters war zerstört und die Kette durchge« 1 Sterben des Judentums. Breslau, 20. April. In der letzten Vollsitzung des Vorstandes der Breslauer Judengemeinde wurde nachstehende Statistik bekanntgegeben: 1928 1929 Geburten . ' «.......177 M-2 Ucbertrittc zum Judentum und zur Syn« agogen*Gemeinde ....... 20 3t Trauungen..........117 111 Beerdigungen einschließlich Einäscherungen . 384 437 Austritte aus der SynagogcnsGemeindc , 4 11 Austritte aus dem Judentum ..... 30 14 Die aus diesen Zahlen hervorgehende Gefahr für den Bestand des deutschen Judentums wurde erörtert. Der Berichterstatter, Justizrat Preiser, und verschiedene Mitglieder des Vorstandes und der Gemeindevertretung wiesen darauf hin, daß nach den von dem bekannten Statistiker Felix Theilhaber berechneten Zahlen eine jährliche Geburtenzahl von 17 auf 1000 lebenden Per* sonen erforderlich ist, um auch, nur den gegenwärtigen Bestand der Bevölkerung zu erhalten, während die Zahl für die Breslauer jüdische Gemeinde bloß 7,45 beträgt! Dabei steht Breslau sogar hinter Berlin und anderen Orten mit starker jüdischer Bevölkerung zurück. Der Ueberschuß der Stcrbefälle über die Geburten ist (eben* falls nach Theilhaber) bei den deutschen Juden drei« mal so groß als bei den Katholiken, und doppelt so hoch als bei d en E v a n g e 1 is*c'h en. O schwöre nicht und küsse nur, Ich glaube keinem Weiberschwur. — Von allen Versprechungen in der Welt — Kur Huber-Essig das seinige Jiält. Kaiholische Diamanten; ' In Antwerpen haben, wie der belgischen Presse zu entnehmen ist, katholische Diamanten* h ä n d 1 e r sich zu einem eigenen Klub zusammengetan, um die jüdischen Diamantenhändler, denen die Grüna dung und der weitere Aufschwung des Diamantenhandels und -'er Diamantenschleiferei in Antwerpen zu danken ist, aus dieser ihrer Urdomäne zu verdrängen. Vor Jahr» zehnten haben diese „katholischen" Diamantenhändler überhaupt keine Ahnung gehabt, wie viel Mühe, Sach» kenntnis und Geschäftsgeist notwendig sind, um diesen Geschäftszweig auf'iene—Höhe zu bringen, auf welche er bis zum Ausbruch des Krieges gebracht war und eigentlich auch heute noch, steht. Damals ließen diese frommen Katholiken die Juden diese Pionierarbeit leisten, guckten ihnen allmählich die Eigenarten des Geschäftes ab, und1 heute möchten sie, wie das so oft gegen jüdische Pionier« arbeiter zu geschehen pflegt, diese. um die Früchte ihrer Arbeit bringen. ' Natürlich denken diese katholischen Diamanten« händler nicht gerade an reelle Geschäf tsusancen bei die« sem Konkürrenzkampf, sondern an regelrechte Verfol* gungen, wie ihre geistigen Ahnen, die Inquisitoren, es prak* tiziert haben. Die belgische Presse geht aber diesen frommen „Bekennst du," frug mit unerschütterlicher Ruhe der Hofnarr weiter, „daß du - davon Kenntnis hast, wie dein Vater mit dem jüdischen Glaubensbekenntnis auf den Lippen starb, da er zeitlebens im geheimen ein Jude war?" „Das ist nicht wahr! Das ist eine satanische Ver« leumdung!" stammelte mit heiserer Stimme der Groß« inquisitor. „Nun, so wollen wir Ew. Eminenz etwas nach* drücklicher nach der Wahrheit befragen," meinte gleich* mütig der Zwerg, und die Henkersknechte erfaßten auf seinen Wink wieder den Großinquisitor, zogen ihn an dem Seil in die Höhe. Diesmal aber band man an das rechte Bein des in der Luft Schwebenden einen Holz» pflock . . . Der Großinquisitor röchelte Avie ein zu Tode Getroffener, aber dazwischen schrie er immer: „Lüge! Verleumdung! Wahnsinn!" Da brachte einer der Knechte eine mit Feuer ge« füllte eiserne Pfanne, auf welche Schwefel gelegt war, und hielt sie ihm unter die Nase . . . Da brüllte der Priester: „Laßt mich los! Ich will ja alles gestehen! Ich will die Wahrheit bekennen!" Man ließ ihn herab und' ließ ihm Zeit, sich ein wenig zu erholen ... Er war aWr noch nicht fähig, zu sprechen . . . Vielleicht weniger vor Schmerz als vor Wut. „Ew. Eminenz sind doch nicht so verstockt wie die, Juden, die wir jüngst verbrennen sahen", meinte ( freundlich der Zwerg. „Die haben bei den ersten Graden noch immer geleugnet . . . Auch noch als man ihnen die kochend heißen Eier unter die Armhöhle legte... Und dann noch „Genug! Genug!" schrie der Großinquisitor, dem schon das Nennen dieser ihm offenbar wohlbekannten Prozeduren, die Haare zu Berge steigen machte . . „Ich will alles bekennen." . Und er gestand alles. ' - Nun sollte der Großinquisitor das Bekenntnis mit seiner Unterschrift bestätigen. Er zögerte: Da fing er den Blick auf, mit dem sich der Hofnarr zu einem der Folterknechte wandte, und er schrie: „Ich unterschreibe! Ich unterschreibe!" Er tat es. Hierauf befahl der Zwerg: „Führt ihn ab! Er kommt in die Zelle, in der die Juden waren." Das Verhör hatte keine zwei Stunden in Anspruch genommen. * Wieder stand der Hofnarr vor dem verstörten König. Er war hinter einem Vorhange Zeuge der Vor* gänge gewesen. Endlich begann er: „Du hast dein Wort gehalten. Aber sag', konntest du wissen, daß der Großinquisitor, dieser starke, kraft* volle Mann, nicht alle Qualen erdulden und überdauern werde, bevor er sich zu diesen Lügen Dekennen würde?" „Lügen? Majestät, Lügen? Woher wissen wir, daß es nicht lautere Währeit war, die er bekannte? . . ." „Nun . . . Doch lassen wir das . . . Ich will nur wissen, wie du den Mut fandest deinen Kopf zu wagen? . . , Und wenn er ständhaft geleugnet . . , und lieber unter der Folter gestorben wäre, wie andere, wie selbst schwache Frauen „Majestät, ich wußte nur eines: der Großinquisitor ist stets ein grausamer Mann gewesen, dem die Schmer* zen anderer wohltaten. Zum ersten Male wäre ein grau* samer Mann nicht auch ein Feigling gewesen . . ." „Du meinst, er ist feig? , . ." „Gewiß, Majestät." Und der Zwerg schlug wieder sein lautes Gelächter an. „Feig, sehr feig. Er wäre im* stände gewesen, aus lauter Feigheit auch das zu be* kennen, daß er die Hostien auf Befehl Ew. Majestät ge* schändet hat ..." Und der Narr lachte . . . lachte . . . bis daß der König nicht mehr wußte, ob er auch lachen, oder — zürnen solle« G. E—n., inj. Markus HüMbaiier und Fron zeigen die Geburt eines gesunden "Göchkrthens an 'Wien, Witsan 5690 Geschäftemachern nicht auf den Leim. Sie erinnert sich noch zu gut, wieviel Belgien diesen jüdischen Pionieren auf dem Gebiete des Edelsteinhandels zu danken hat, und man erinnert sich vielleicht noch, •' so oft den Juden in Amsterdam Schwierigkeiten gemacht wur* den, die belgische Regierung eigene Emis* säre nach Amsterdam entsandte, um die Ju ■'•jn unter den weitestgehenden Rechtszusicherungen nach Antwerpen zu locken. Und auch umgekehrt, Amster* dam ur l die holländische Regierung tun alles Mögliche, Wenn sie sehen, daß durch Abwanderung jüdischer Dia* mantenschleifcr und Diamäntcnhäridler nach Antwerpen das Amsterdamer Geschäft geschwächt wird. Auch die Regierungspresse in Belgien hat es an War» nungen an die katholischen Projektanten eines juden* reinen Diamantenklubs nicht mangeln lassen und darauf hingewiesen, daß gerade der Umstand, daß das Diaman* tengeschäft in Antwerpen in den Händen von Einwan« derern aus Osteuropa liegt, viel zur Hebung des Geschäf* tes und der Staatseinnahmen beigetragen hat, weil diese osteuropäischen Einwanderer1 wichtige Geschäftsbeziehun« gen mit ihren Verbindungen in Europa und ganz beson* ders in Amerika angeknüpft haben und aufrechterhalten. Der jüdische Friedhof von Saloniki bedroht. S a 1 o n i k i, 16. April. (J. T. A.) Der neue Gene* ralgouvcrneur von Saloniki, Herr G o n a t a s, hat soeben die Verlegung aller Friedhöfe in ein von der Stadt entfernt liegendes Gebiet beschlossen. Er will die von der Israelitischen Gemeinde gegen die Zerstörung ihres mehr als vier Jahrhunderte alten histori* sehen Friedhofs vorgebrachten Einwände nicht berücksichtigen. Auf, dem Friedhofsgelände sollen ein Park angelegt, sowie verschiedene Bauten für die Uni* versität und mehrere Häuser für die griechischen Flucht« linge errichtet werden. Da alle hier und in Athen ge* niachten Bemühungen, von jüdischer Seite die Erhaltung des Friedhofs durchzusetzen, bisher ohne Wirkung ge* blieben sind, so ist zu befürchten, daß der große jüdi* sehe Friedhof von Saloniki bald verschwinden, wird. Drei Riiualmordanklagen in Saloniki. Saloniki; ^16.-April. Während der zwei letzten Wochen wurden in Saloniki drei An* klagen wegen Ritualmords erhoben. In allen drei Fällen handelte es sich um kleine griechische Kinder, die *~ da sie sich beim Spielen verirrt hatten — mehrere Stunden vermißt waren, dann aber gesund wiedergefunden wurden. Die Klagen wurden abgewiesen, aber keiner der Verleumder belangt. Die Zeitungen pro* testieren gegen die Polizei, die solche Beschuldigungen' bis zur Erhebung einer Anklage kommen läßt. giiiiii!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiki| | Verband demokratischer Zionismen a ■■■■■■••BBHBBBBBBBBBBBBBMHIBBBBHBBBBBI^^^^^^ 5 . s. s Mittwoch, den 30. April 1930 um halb 9 Uhr abends 5. Im Cale Produktenbörse, IL, Taborstr. 10 E I Wichtige I | Mitgliederversammlung | | Bericht über die Laße in der § | Organisation § iiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiii Von der zweiten Palästinareise des Verbandes demokratischer Zionisten. Der Verband, der es sich 2ur Aufgabe gemacht hat, durch Veranstaltung vorbild* lieh geleiteter und billiger Palästina« reisen den Kontakt mit Palästina inniger zu gestalten, hat trotz großer Hindernisse, an denen leider die meisten, von anderer Seite projektierten Reisen scheiterten, wieder «Ine Gesellschaft nach Palästina gebracht. Wir erhalten nachstehenden Bericht: 3. April Unsere Reisegesellschaft traf igestern um halb 12 Uhr nachts fahrplanmäßig in Genua ein. Hier erwarteten uns bereits einige Reiseteilnehmer, die von ihren Wohnorten direkt nach Genua kamen, um sich uns anzuschließen. Sofort nach der Ankunft begaben wir uns auf den Luxuseildampfer der Sitmar „Esperia", mit welchem wir heute nachmittags die Seereise antraten. Wir richteten uns auf diesem mit allem erdenklichen Komfort ausgestatteten Schiffe behaglich ein und unsere Reiseleiterin, Frau Berta Taub es, sorgte dafür, daß die Eituelwünache der Reiseteilnehmer von dem liebenswür» digen Bordkommiieär erfüllt wurden,