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Die neue Welt · 1930-04-25 · Heft 136 (25.4.1930) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 136 (25.4.1930)
Date
1930-04-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. '1% DIE NEUE WELT Seit« % ROBERT STRICKER: WEGE DER JÜDISCHEN POLITIK REDEN UND AUFSÄTZE über 80 Artikel und Abhandlungen, Parlaments- und Versammlungsreden // 330 Seiten auf holzfreiem Papier in elegantem Ganzleinenbancl VERLAG R. LÖWIT, WIEN Die Sammlung umfaßt eine dreißigjährige Periode jüdischer Politik und jüdischen Erlebens, von Theodor Herzl bis zum heutigen Tage Die Sammlung hat geschichtlichen Wert und wirkt doch lebendig und frisch, weil die Aeußerungen Robert Strickers über die aktuellen Anlässe hinausreichen und zeitgemäß geblieben sind Keine der von Robert Stricker als Politiker, Parlamentarier und Schriftsteller aufgeworfenen Fragen hat ihre Bedeutung cingeDiißt: Stellung zum Antisemitismus — Der Schaden und die Schande der Assimilation — Herzls Zionismus und seine Verwässerung — Die jüdische Politik — Der Kampf um den Judenstaat etc. Die „Wege der jüdischen Politik" bieten Information, Anregung und Belehrung Vorzugspreis für die Leser der „Neuen Welt": Das elegant ausgestattete Buch in Ganzleinenband kostet im Laden 11 — ösierr. Schilling. — Bei Bestellung durch die „Neue Welt" nur österr. Schilling 8.- oder tsch. K 40.—, Mark 5.—, poln. Zloty 9. mm. Mri 190.—, schw. Frca. 6.50« — Zustellungs-, bezw. Versandgebühr ist in diesem Preis inbegriffen. Bitte durch beiliegende Karte oder direkt zu bestellen Der Vorzugspreis gilt nur bis 15. Mai 1930 Paliistina dem in England geltenden Gesetze anzugleichen. Auf die Frage F r e u m a n s, ob politischen Gefangenen in Palästina die gleichen Privilegien gewährt werden wie in anderen zivilisierten Ländern, erwiderte Dr. Shiels. es gäbe in Palästina kein eigenes Gesetz für politische Gefangene. Es werde jede Anstrengung gemacht, um die Verhältnisse in Palenstina zu bessern, aber ohne beträchtliche Ausgaben für Bauten und andere Arrangements werden wir in Palästina nicht das System haben, das wir haben möchten, immerhin aber werden Fortschritte erzielt. Eüt jüdisches junges Mädchen stirbt an den Folgen des Hungerstreiks. Jerusalem, 21. April (J. T. A.) Das 18jährige jüdische Mädchen Hanna Mi 1 s tci n, die wegen koramunistisoher Betätigung seit mehreren Monaten im Gefängnis gehalten wurde und im September 1929 in den Hungerstreik trat, ist vor einigen Tagen an den Folgen des Hungerstreiks., der ihre Gesundheit erschlitterte, gestorben. Obwohl sie sich krank meldete, winde sie brutal behandelt und nidit ins Krankenhaus geschafft. Erst als sie in ihrer Zelle ohnmächtig zusammenbrach, wurde sie in bewußtlosem Zustande in das Hadassah-Krankenhaus geschafft, wo sie verstarb. Bei ihrem Begräbnis kam es zu einem Zusammenstoß zwischen den Freunden der Toten und den Polizisten, als die Polizei einige Personen, die einen Kranz auf das Grab legen wollten, von der Begräbnisstätte zurückwies. Dabei wurde ein Polizist verwundet und mehrere aus der Menge der Leidtragenden wurden verhaftet. Nur diese Seh wedenk finge macht Rasieren zum Vergnügen peitscht worden sind und ob er Anweisung geben wolle, daß das Gesetz über Prügelstrafe in Palästina dem Gesetz in England angeglicheu werde, so daß Prügelstrafe nur wegen tätlicher Angriffe auf Gefängnisautöritäten angewendet wird. Dr. Shiels erwiderte, er t>e,i dahin informiert worden, daß Gefangene in Palästina wegen Hungerstreiks nicht gepeitscht worden sind. Die Bestimmungen über Prügelstrafe in Palästina-Gefängnissen wurden am 29. März der Bibliothek des Unterhauses einverleibt. Diesen Bestimmungen gemäß ist die Zahl jener Vergehen, auf die Prügelstrafe steht, eingesdiränkt worden. Es wurde für tunlich erachtet, das Gesetz in JivUtp* Die fuhrende schwedische Weltmarke Reichsdeutsche Ostern. Die Ritualmordgläubigen sterben nicht aus. — Der Herr Hofprediger. Aus Köln wird gemeldet: In einem Hausflur spielten einige Kinder ziemlich lärmend. Ein jüdischer Ladenbesitzer wies die Kinder energisch zurecht, worauf sie davonliefen. Ein Kind muß nun einen besonderen Schreck bekommen haben, denn es blieb ver* sch wunden. In kurzer Zeit hatte sich eine nach Hunderten zählende Menge vor dem Hause an* gesammelt, die unter. Führung dei> Vaters und seiner Tochter eine recht bedrohliche Haltung gegen den jücli* sehen Ladenbesitzer einnahm. „Der Jude hat das Kind versteck t'\ „die Juden brauchen jetzt christliche Kinder" und ähnliche Rufe wurden laut, die zur Kennzeichnung der Situation wohl ausrei« chen. De.- Vater des vermißten Kindes hielt selbst Haus* s u c h u n g vom Keller bis zum Dachfirst, ohne das Kind zu finden. Die Haltung der Menschenmenge vor dem Hause wurde immer drohender. Ein Schutzpolizist versuchte die Leute zu beruhigen, indem er darauf hin« wies, daß das Kind sich verlaufen haben würde und daß die Leute sich hüten würden, ein Kind zu verstecken oder irgend etwas mit ihm anzufangen. Es wäre aller Wahrscheinlichkeit nach zu ernsteren Ausschrei» ^Urteile Sfter SimonsüroK * 1. ©Lmonltorot uerftient als ^Tfäitaljimncj&mfctel teu etftcn SKaita cin^unebmien uttb ftellt ttwfyl twis Softe auf kern Gtebtete imr ffieformmtährunn bar. 2. ©tmcm#&tot tft leicht DetfocMiIidj, reguliert bte 'wxkmmiQ ltitib üTxrtwfft an SBaftfa^fcbmacf inohteS C£raä>hm§ fckeö ankere Äornißtor. fttt ben guten ftdntofthanMuuacn uttb 33ä<fetcicu erfjhWid). L Simonö&rotfo&rtt 95Men*Ä<»flrrm 11 1 W „ aftgtttfjcc $0|U>erI<tub - @gpott — tungen gekommen, wenn nicht nach kurzer Zeit das Kind wiedc erschienen wäre; es war in der Angst zu weit weggelaufen und kam dann wieder. Wenn über das Aufflackern von Ritualmordmärchen> aus irgend einem russischen, polnischen oder rumänischen Städtchen oder Dörfchen berichtet wird, beschleicht einen immerhin ein peinliches Gefühl, die Erkenntnis, daß ein dummes und gefährliches Märchen den Jahrtau» senden und ihrer Entwicklung widersteht. Aber man. tröstet sich: Mangel an Kultur, Aberglaube, Rückständig* keit usw. Die Kölner Geschichte beweist, daß dieser Trost fadenscheinig ist und nicht hält. Köln ist eine der zivilisiertesten Städte in Deutschland, welches eines der zivilisiertesten Länder der Welt ist. Wenn es aber um Juden geht, fällt die Zivilisation und Aufgeklärtheit den Leuten wie Zunder vom Leib, auch in Köln. * Wie die Breslaucr „Jüdische Zeitung" meldet, hielt im vornehmsten protestantischen Gotteshausc der Stadt, in der 11 o f k i r c h c, der Herr Hofpfarrer Albert vor der versammelten Menge einen Vortrag „D i e Juden frage und der Weg zu ihrer Lösun g". Den Kernpunkt des Vortrages bildet die Forderung, daß die Juden verschwinden müssen. Nachdem sich Verfolgungen, Pogrome und Hinrichtungen nicht als erfolgreich erwiesen haben, wäre ein letzter Versuch zu unternehmen, die Juden zur Taufe zu veranlassen. Anscheinend um den Juden diesen Schritt zu erleichtern, ließ sich der Herr Hofpfarrcr in nachstehend bezeich; nender, liebenswürdiger Weise über die Juden aus: „Die Judenfrage besteht nicht nur darin, daß die Juden trotz aller Versuche, die man seit 2000 Jahren gc* macht hat, sie zu vernichten, überhaupt noch da sind, sondern in den großen Schädigungen, die sie den Völkern, unter denen sie leben, zufügen. Diese Schädigungen zeigen sich vor allem in dem von den Juden ausgehenden Geiste der Zersetzung und dem ihnen innewohnenden „bösen Triebe" zur Herrschsucht. So wäre es ihnen gelungen, auch das deutsche Volk in starkem Maße zu beherrschen, und man Große Herzl-Feier. Am 1. Mai veranstaltet der Verband demokratischer Zionisten anläßlich des 7 0. Geburtstages Theodor Herzls eine große Feier im Continentalsaale. Es ist ein überaus reiches künstlerisches Programm angesetzt. Die Festrede hält Heinrich-Y ork-Steiner,. der Freund und Mitarbeiter des Führers. Einleitend spricht Oberbaurat Robert Stricker. Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen. Da bald a 11 e K a r t e n v e rgriffen sein werden, empfiehlt es sich, rechtzeitig Karten zu kaufen oder zu bestellen. Kartenbezug siehe Anzeige auf der 1. Seite. Der Hofnarr. Das Autodafe hatte seinen programmgemäßen Ver* lauf genommen. Eine Familie, Perez, dessen Gattin Sara und deren blühend schöne fünfzehnjährige * Tochter Miriam hatten ihre Missetat gesühnt ... Nach langen und wiederholten Folterqualen hatten die verstockten Frevler endlich einbekannt, daß sie eine Hostie unter greulichen Flüchen geschändet hätten. Der König, die Königin mit den jungen Prinzes* sinnen, sowie die vornehmen Herren und die zarten Dameti des Hofes waren bei dem gottgefälligen Schau* spiele erschienen. Manchem schönen Frauenmund war während der Prozedur, die von frommen Verwünschung gen einer von feurigem Glaubenseifer erfüllten Volks» xnenge begleitet wurde, der Ausruf entschlüpft: Die elenden Juden! Lange genug hat es gedauert, bis sie ihre Schändlichkeit eingestandenl Und da war «s, daß der Hofnarr des Königs, ein zwerghafter, buckliger Mensch, der mit der traurigsten Miene die lustigsten Sachen und mit freudestrahlendem Antlitz die furchtbarsten Gedanken zu äußern pflegte, dem König lachend zuraunte: „Ich schwöre es bei dem Leben der Frau Königin, daß der Großinquisitor nicht in drei Tagen, sondern schon nach drei Stunden be* kennen würde, daß er nicht eine, sondern drei geweihte Hostien geschändet hat!" Und dabei lachte der bucklige Zwerg sein markdurchdringendes Lachen . . , das alle hörten. Seine Worte hatte aber nur der König allein ver» nommen. * Dem König wollte aber der Scherz seines Narren nicht aus dem Köpfe. Er beschied den Zwerg in sein Geheimkabinett. Defc* Narr wartete ruhig, bis der König ihn anherrschte: „Du erfrechtest dich, beim Leben der Königin zu schwören. Merke dir, es kostet dein Leben, wenn du jetzt nicht die. Narrennossen bleiben läßt und nicht ernst und wahrhaft antwortest. Du bist nicht groß und es wird dich empfindlich treffen, wenn ich dich um einen Kopf kürzer machen lasse." Darauf der Narr: „Ich werde ernst und wahrhaft antworteu — wie mein König befiehlt." „Du sagtest, der Großinquisitor werde ... du weißt ja noch, was du gesagt hast?" „Ja, Majestät! Und wenn ich es wünschte, so würde er auch noch bekennen, daß seine Mutter mit dem Teufel Buhlschaft getrieben ..." „Bist du wahnsinnig? Seine Mutter, die fast im Rufe der Heiligkeit starb ... du bist toll ..." „Majestät ... er wird . . . wenn ich es verlange, auch bekennen, daß sein Vater im geheimen' anhing und mit dem jüdischen Glaubensbekenntnis auf den Lippen starb." Der König schrie: „Genug der Worte! Wie willst du beweisen, was du so frech behauptest? Aber vergiß nicht, dein Kopf steht auf dem Spiele." „Majestät, der Großinquisitor wird nach drei Stunden bekennen, mit Wort und Schrift bestätigen, daß er die Hostien geschändet, daß er wisse von der Buhl* schaff, die seine Mutter mit dem Teufel hatte, und daß sein Vater als Jude starb, wenn der König mir die Voll* macht gibt, den Großinquisitor in der Weise zu be* fragen, in der auf seinen Befehl der Jude Perez, seine Gattin und die fünfzehnjährige Miriam über ihre Misse* taten befragt wurden." Der König stutzte . . . Dann nach einigem Nach* denken: „Gut, es wird geschehen, jvie du verlangst . . * Der Großinquisitor, in der Meinung, vom König zur Audienz — wie so oft — beschieden worden zu sein, war in stolzer Haltung, mit dem ewigen, salbungsvollen Lächeln auf den Lippen im Vorsaale des königlichen Kabinetts erschienen. Dieser war seltsam verändert. Er war in eine Folterkammer verwandelt, ausgestattet .mit allen Marterwerkzeugen der damaligen Justiz. Auf .einem erhöhten Sitz, am grünen Tische, saß der Hofnarr, an seiner Seite, rechts und links, saßen zwei Schreiber. Im Hintergründe des großen Saales sechs riesige Henkers* knechte. Der Großinquisitor, ein großer, starker Mann, war nicht wenig überrascht. „Was soll das?" herrschte er den Zwerg an. „Was für Komödie soll da aufgeführt werden?" Mit großer Ruhe reichte der Zwerg dem Groß* inquisitor ein Papier. Erbleichend las er, daß auf des Königs Befehl der Hofnarr bevollmächtigt worden sei, ein Verhör mit dem Großinquisitor anzustellen und die Ergebnisse desselben protokollarisch aufnehmen zu lassen. Der Großinquisitor hatte gelesen , , Seine Ant* wort auf alle Fragen, die der Hofnarr an ihn richtete, war Schweigen. Da gab der Hofnarr ein Zeichen und zwei der Henkersknechte faßten den Großinquisitor, entkleideten ihn und ließen ihn, an Händen und Füßen gebunden, an einem Seil hoch ziehen. Der niedrigste Grad der pcmlichen Befragung, bei der bloß die Glieder des Verhörten ein wenig ausgerenkt werden. Der Großinquisitor aber brüllte vor Schmerz und wand sich in rasender Wut . » k „Ich will antworten!" schrie er, „ich will antworten, nur laßt mich frei." Da fragte der Hofnarr mit sanfter Stimme, die ganz an die gewöhnliche Sprechweise des GroßinquisU tors erinnerte: „Du bekennst also, daß du vorigen Sonntag, als du von der Kirche heimkamst, drei geweihte Hostien ge* schändet hast?" „Lüge! Verleumdung!" schrie der Großinquisitor. „Bekennst du, daß deine Mutter unter deinen Augen mit dem Teufel Buhlschaft getrieben hat?" Der Großinquisitor heultet „Luge! Wahnsinnige Lüge!"

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