Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 136 (25.4.1930)
- Date
- 1930-04-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite S Dlt NEUE WELT Nr. 136 WIEN VII.. KAISERSTRASSE 123 fX., A L S E R ST RASSE 6 FERNSPRECHER B-38-0-43 in dieser Sache etwas zu unternehmen. Der Richter in Tilsit waltet weiter seines ehrenvollen Amtes, rauhe Sitten und Zahlungsunwilligkeit als heilige, germanische Kulturgüter sorglich hütend vor raffenden, dreckigen Judenhänden. Um was es ihnen geht . . Das neue Wiener Stil dentehrecht. Jeder Semesterbeginn bringt an der Wiener Uuiversität blutige oder unblutige Episoden. Seit Kriegsende spiegelt sich hier cn miniature der politische und soziale Machtkampf der österreichischen Republik wider, der bisher weder Sieger noch Besiegte gezeitigt hat, wenn auch offenbar wurde, daß die deutsche Intellektuellenschicht dem reaktionären Lager zuneigt, möge sie den Schriftstellern, Professoren, Technikern, richterlichen Beamten und sonstigen geistigen Berufen angehören. Die deutsche Studentenschaft der Wiener Universität hat seit Jahren um ihre Hegemonie gerungen, wobei sie es nicht verschmähte, brutale Gewaltmittel anzuwenden und jene Atmosphäre zu erzeugen, die bei allen nichtdeutschen Staatsbürgern Oesterreichs das Gefühl der Unsicherheit und Rechtlosigkeit auslöste. Auf diesem Wege der Vorherrschaft standen sozusagen nach dem Muster der reaktionären Hochschulbestrebungen in anderen Staaten die Parolen vom Numerus clausus u. a. ähnlicher Art, was uns zum Slchuß berechtigt, daß die deutsche Studentenschaft in ihrer überwiegendsten Mehrheit das reaktionär« antisemitischeste Element im Staate darstellt. Die Universitätsbehörden, der Akademische Senat, hat bisher selbst die rohesten Auswüchse dieses Kampfes teils gMM'^ schweigen gefördert, um endlich, nach 20 Semestern, ein entscheidendes Wort zu sprechen. Der Kampf war natürlich in ein Stadium gelangt, wo eine Klärung in bezug auf die Interessenvertretung der Stüdentengruppen nicht;mehr hinausgeschoben werden konnte. Die vom Akademisdien Senat getroffene neue Studentenordnung scheint uns im Prinzip schon deswegen zweckmäßig, weil.die Wiener Universität als Lehrstätte für Studenten aller Länder und Sprachen internationalen Charakter besitzt, auf Grund dessen sie in aller Welt einen guten Namen hatte, den preiszugeben ein Akt von Verständnis- und Würdelosigkeit für Stadt und Staat wäre. Da es vom psychologischen und national wirtschaftlichen Ständpunkt verständlich ist, daß jede Studentengruppe ihre Interessen jeweils von ihren eigenen Vertretern gewahrt wissen will, ist die Idee der „Studentennationeri" ohne Betonung der Staatszugehörigkeit des einzelnen Studenten gewiß nicht unglücklich zu nennen — vorausgesetzt, daß allen Studentennationeri volle Gleichberechtigung züzukommt und daß jede Studentennation selbst in ihrem Rahmen auf vollkommen demokratischer Basis begründet ist. Die Modalitäten des vom Senat erlassenen Statuts Werden vielleicht in dem von uns skizzier* ten Sinne einer Korrektur bedürftig sein. Jedenfalls aber enthüllen uns die es begleitenden Proteste, Kommentare und Auslassungen wieder einmal die schmähliche psychologische Posit i o n desisraelitisc he nAssimilantent u m s. Während diese Kreise, sobald die Interessen jüdischer Studenten an der Universität mit Füßen getreten, jüdische Hörer und Hörerinnen aus den Lehrsälen hinausgeprügelt wurden, das ganze jüdische Volk auf den Ansdilägen der Aula beschimpft und besudelt wurde, kein Wort der Abwehr fanden und sich feige in den Winkel drückten, die „A rb e i t e r- Z e i t u n g" sogar die Parole ausgab, die „Hakenkreuzler und H a k e n n ä s 1 e r" allein zu lassen, bekommen sie jetzt einen roten Kopf. Ihren israelitischen Kommilitonen, fast neunzig Prozent der Anhängerschaft, droht die Gefahr, von ihrer deutschen Mutternation Tefusiert zu werden. Ihre publizistischen Organe, der „kultur'-propagandistische, deutsch und demokratisch orientierte „Tag", ist darüber entsetzt, daß man seinen israeli- > tischen Studenten das waschechte Deutschtum absprechen und sie in die jüdischnationale, das ist Zionietieche Organisation drängen könnte, wo sie» statt an ejner Futterkrippe zu sitzen. ^Mitgliedsbeiträge werden entrichten müssen. Er ruftV ^ic' selbst in den Schwanz beißend, dos „gesamt < Ö8tcrr eichis c h ö J u d entu m" zur Abwehi dieses Streiches auf. Ein Herr fteinrich Eduard Jacob, der Nachrichtenliefcrant für; das brave, deutschbewußte „B e r 1 in e t T1 tt g e b 1 a 11", mosaischer Konfession, hat sich sogar die Büberei geleistet, von tieft Österreidtischen Zipnisten zu sagen, daß sie den Hakenkreuzlern das Stichwort, geben. Die „Arbeite r-Z e i t u n g" fällt von einem Extrem ins andere. Zuerst sprach sie das aus ihren politischen Kämpfen bekannte „N i e m a 1 s" aus, Um nach einer kurzen KomJJromißpause wieder einmal den Weg in die Laube anzutreten. Die liberalen Hodischülervereinigungen aller Schattierungen stellen sich auf die Hinterfüße, weil sie fürchten, in die inaugurierte sogenannte „gemischt e" Studenfenhätion eingereiht zu werden. (Gemischt, weil in dieser Nation alle jene Platz finden sollen, die entweder einer weniger als ein Prozent der Gesamtsfüdcnteiisdi'aft angehörenden Gruppe angehören oder von der Stiulentenriation abgelehnt werden, für die sie sich erklären wollten.) Heute, ist bereits die sozialistische Studentenschaft nicht mehr abgeneigt, sich um den Eintritt in die deutsche Studentehnatidn zu bewerben, allerdings nur unter der Voraussetzung, daß man ihre israelitische Majorität mitnimmt. „Arierparagraph" ist der Mantel, in den sie, liberale und sozialistische A&similanten, ihren Widerstand kleiden; Jammer- A. Einwanderer, : welche . zu Erwerbszwecken , ein* ciscnV Sil werden irV "folgende Kategorien geteilt: t. Personen, Welche Mitte;! besitzen, welche sie inabhängig machen. Solche Personen müssen ein Kapital,von 1000 Pfund bar oder in Boden,- Maschinen usw. nachweisen. 2. Personen, welche freie B erufc-ausüben, §©« ferne sie ein Kapital von 500 Pfund besitzen. Die Er* teilung der Einreiseerlaubnis an Personen dieser Kate; gorie ist von der .' Ansicht des ■ E i n wa n d e r u n g s« amtes abhängig, ob im Lände Bedarf für weitere Mit« glieder des in Betracht kommenden Berufes vors banden Ist. .-'<.' 3. Qualifizierte Handwerker, die ein Vermögen von?50 Pfund nachweisen können. An Personen dieser Kate* gorie werden Einreisebewilligungen nur dann erteilt, wenn es die ökonomische Aufnahmsfähigkeit des Landes gestattet. 4. Alle Personen, die. beweisen können, daß sie im Lande ein gesichertes Einkommen von mindestens 4 Pfund monatlich haben werden. Dieses Einkommen muß aus Verdienstquellen stammen. B. Personen', deren Erhaltung im Lande gesichert ist. Diese Kategorie umfaßt "Waisenkinder, welche von öffentlichen Institutionen erhalten werden, Personen religiöser Berufe, Studenten mit gesichertem Ein» kommen usw. C. Personen, : die sichere Aussicht auf Beschäftig gung haben. ■ D. Personen, - welche von palästinensischen Ein* wohnern dauernd erhalten werden. Diese Kategorie unter« JMW %§nU'/MnmMwb/Ww 11 " r- *1 " * V, > „<k Ä %^4niU/0on r«l I III «I v»V•*•!':^■y/C>^^4'S'<^''"■■ •t:'->';''•i-M".?.- gestalten, die nun im luftleeren Raum schweben, Bettler, die um ein Almosen bei fremden Tischen schnorren, nationale Desperados! Das ist die Lage, .das ist der Zustand, in dem sich die vom jüdisdien Vqlksgedanken nicht erfaßten jungen Menschen befinden. Ihr Abseitsstehen hat sie -in...eine .tragische. Situation gedrängt. Sie stehen in einer Vereinsamung, ctie ihre .künftige Läutb^ri,",.^.$ren.....geistigen ' Wertgehalt in, ,der menschlichen Gesellschaft.b^ dem jüdisch bewußten Studenten keinerlei von außen kommende Zurücksetzung, keine Einschränkung seiner akademischen Freizügigkeit innerlich etwas anhaben kann. Der... j ü d i s.ch b..e w u ß t e Student ruht in seinem Volkstum. , Dort findet er seinen Halt, seine Wördes, seine Icleale, Mit diesen Werten ausgestattet, mag es .dem jüdischen Studenten fernliegen, mit Hodimut und Schadenfreude die tragische Situation seines iliiii entfremdeten Kollegen zu belächeln. Es'scheint uns vielmehr natürlicher, daß er, der jüdischuatipnale Student,, seinen jüdisdien Studiengenossen den Weg der Rückkehr zum jüdisch en'Volk ebne. o, c. Neue Einwanderüiigsvorschriften ti\r Palästina. Jerusalem, 20. April. Gestern wurden im offiziellen Regierungsblatte „Official Gazette" neue Vors Schriften, welche die weitere Einwanderung nach Palä* stina regeln, veröffentlicht. Nach den neuen Bestim* mungen werden folgende Kategorien von Einwanderern zugelassen: ALT WERDEN und [möchte jeder. So schwierig es scheint, es ist den-] noch leicht erreichbar durch [ ständige, sorgsame Körperpflege. Ein hervorragendes Mittel dazu ist FRANZBRANNTWEIN mit Mtnthol | Massagen (Einreibungen). mit Diana-Franzbrannki wein erfüllen mit verjüngender Kraft. Ebenso I J, wortvoll zur Mund« und Haarpflege. ,"' Uftd dabol 9«hr billig. ' ." ' V: ■ ' ' "' '." ' J ' ' *'.'' T [Nehmen Sie nurDiana und weisen Sie wertlose ] Nachahmungen energisch zurück, , ÜBERALL ERHÄLTLICHI liegt nicht den Vorschriften, welche sich auf alle anderen Kategorien beziehen. Die neue. Einwanderungsverordnung sieht auch vorj daß rPalästinä«Einwandcrer, welche keine Palästi fi a* Bürger sind, für den Fall des Verlassens Palästinas nur dann ins Land zurückkehren können, wenn sie ein .Rückreisevisum vorweisen können. Die Rückreise* frisa AVerderi ausschließlich nach' dem 'Einsehen des. Hoch« ^ipr^Ecvisss.^, ve^Ut,.^^4Är,*X'^^'^,x v, - Ein neuer englischer Kolonienminister. London, 21. April. (J. T. A.) Der parlamentarische Korrespondent des „Da i 1 y H eral d", des Orgaus der jetzt regierenden Arbeiterpartei, erfährt, daß ungefähr in der' ersten Maiwodie ein Wechsel im Sta'ätssekretariat für die Kolonien eintreten wird, und zwar in der Weise, daß Herr Vcrnon Hart s h o r n an Stelle von Lord P a ß f i e 1 d (früher Sidney Webb) die Leitung des Ministeriums für die Dominions und für die Kolonien übernehmen wird. Möglich' sei aber auch eine Teilung dös Staatssekretariats in der Weise, daß ein besonderes: Staatssekretäriat für die Kolonien und eines für die Dominions eingerichtet werdein;• — . Ha-rtshorn• gehörtder Indien-Kommission.au,, die in der ersten Mniwoche ihren Bericht: erstatten wird. Palästina-Fragen im. Unterhaus. — Die Vollstreckung der Todesstrafe ist Vorrecht des Oberkommissärs. — Einschränkung der Prügelstrafe in . den palästinensischen Gefängnissen. , London, gl. April.. (J. T. A.) Der Araberfreund Howard Bury riditete im Unterhaus an den Unterstaatssekretär für die Kolonien die Frage, ob er zwecks Schaffung einer besseren Atmosphäre in Palästina Anordnung treffen wolle, daß die gegen Juden oder Araber i n \ e r b i n d u n g mit den August-Unruhen in Palästina ausgesprodxenen Todesstrafen ni c h t vollstreckt werden. Dr. Drummond S h i e 1 s erwiderte, das Vorrecht, Todesstrafen vollstrecken oder nidit vollstrecken zu lassen, liege in den,Händen des High C o m m i s s i o ne r; man könne sich. da rauf verlassen, daß dieser sidi.in seinen Handhingen durch angemessene Erwägungen werde leiten lassen. Sir George Jones fragte, ob im-Hinblick auf die im Bericht der Palästina-Kommission enthaltenen Aussogen des Mufti geplant sei, gegen den Mufti gerichtlich einzuschreiten. Dr. Shiek erwiderte: Ich habe alles auf den Mufti Bezughabende iu dem Bericht der Kommissionen gelesen; mir ist nidits über einen Vorschlag zur Einleitung einer Aktion bekannt. Im allgemeinen möchte idi Klarheit darüber schaffen, daß ich nicht wünsche, zu einem R e s o n a n zboden für antiarabische oder antijüdische Propaganda gemadit zu werden. Wir bemühen uns, einen Weg zum Frieden in Palästina zu finden, soldie Fragen aber bringen uns hierbei nicht vorwärts. Freenuu (Arbeiterpartei) fragt Dr. Shiels, ob er wisse, daß in den Hungerstreik getretene Gefangene in palästinensischen Gefängnissen get