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Die neue Welt · 1930-04-18 · Heft 135 (18.4.1930) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 135 (18.4.1930)
Date
1930-04-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 155 DIE NEUE WELT Seife 5 nftniiiitiimiuiitiitiiiitiimiitmitiitiiimuiminninitMiiiiiDiitiiiiMiiiiiiit mttnitiimnmnminimfiiMimni SIEGM. KORNHEHL GROSSFLEISCHHAUEABI Zentrale IX., Berggasse 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 J~"L" p Lieferant iür Heilanstalten [| Abteilungen für «^»Fleisch h unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinata der lar. Kul- || tu9wemeinde Wien || Autozustellung kostenlos ii OX. Berggasse IS ✓ XVIII., Währlngarstr. 97 [| ntttiiHimitiitiK 1 zur Beruhigung der Araber und werde unsere Arbeit in Palästina keineswegs beeinträchtigen. Jetzt gerade können wir beurteilen, wie falsch diese Meinung und diese Taktik waren. Nicht unabsichtlich vergißt die Kommission gar oft an die Existenz des Mandats, aber zitier t ständig das Weißbuch von 1 922 als die offizielle Interpretation des Mandats. Im Gegenteil, der Handschuh, der uns durch den Bericht zugeschleudert wurde, m u ß a n g en o m m e n w erde n. Die Herausforderung muß eine Antwort bekommen. Die antizionistischen Kräfte des Colonial Office und der Palästinaadministration müssen vor aller Welt bloßgestellt werden. Unbarmherzig muß der Schleier der Hypokrisie heruntergerissen werden, die ein gemütliches Nest im Colonial Office selbst gefunden hat. Nichts vertuschen lassen, nichts verschweigen lassen, nichts verzögern lassen! K 1 a r h e i t! Der Moment ist gekommen, in welchem die Hauptfrage: Sein oder Nichtsein! beantwortet werden muß. Es ist Pflicht der zionistischen Politik, diese Antwort klar zu geben und nicht dadurch, daß man den Bericht als nichtig hinstellt und die Entscheidung hinausschiebt aus Furcht, daß sie vielleicht ungünstig ausfallen könne, sondern gerade durch eine offene und ehrliche Formulierung unserer Endziele. Ich befürchte, daß die gegenwärtige Exekutive diesen Weg nicht einschlagen wird, wie aus ihren bisherigen Schritten zu ersehen ist. (Ein weiterer Artikel folgt.) Große Herzl-Feier. Am 1. Mai veranstaltet der Verband demokratischer Zionisten anläßlich des 7 0. Geburtstages Theodor Herzls eine große Feier im Conti'nentalsaale. Es ist ein überaus reiches künstlerisches Programm angesetzt. Die Festrede hält Heinrich Y o r k- Sfeiner, der Freund und Mitarbeiter des Führers. Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen. Da bald alle Karten vergriffen sein werden, empfiehlt es sich, rechtzeitig Karten zu kaufen oder zu bestellen. Kartenbezug siehe Anzeige auf (1er 1. Seite. Der Pessach-Krieg der jüdischen Kommunisten. Moskau, 12. April. Die Protestbewegung in der ganzen Welt gegen die Religionsverfolgungen in Ruß« land hat, wenn auch geringe, Wirkungen zu verzeichnen. In vielen Städten machen die staatlichen Konsum* genossenschaften - eine Ausnahme zugunsten der religiösen Juden und gewähren ihnen auf ihre Brotkarten einen Mehlvorschuß für zwei Monate, um sie in die Lage , zu versetzen, Mazzoth für, Pessach herzu* stellen. Da es in Rußland an speziell für Mazzoth hergestelltem Mehl vollkommen fehlt, werden Mazzoth mit Erlaubnis der Rabbiner aus . ge». wohnlichem Mehl, das von den Konsumgenossenschaften auf Brotkarten geliefert wird, hergestellt. — Die jiddische kommunistische Presse berichtet, daß überall die Maz* zothsAktion mit Hochdruck vor sich geht und daß sogar Delegierte der Ortssowjets in Turow und anderen Städten des Kreises Mozir in Weißrußland, die sich früher selbst an der Anti*Pessach*Propaganda be* teiligt hatten, sich jetzt mit Mazzoth ein» decken. Die Zeitung „Emess" greift die staatlichen Konsumgenossenschaften an; weil sie Mehlvorschüsse für Mazzoth bewilligen. Die jüdischen Arbeiter und Handwerker in, den Provinzstädten, auch kommunistisch gesinnte, erklären, daß das jüdische Pessachfcst ein re* volutionä.res Fest sei, ein Fest der Befreiung aus der Sklaverei, und daß es darum von echten Revolution nären nicht bekämpft werden sollte. Die Charkower jid* dische Zeitung „S t c r n" belehrt die jüdischen Arbeiter dahin, daß das Pessachfest nicht ein Fest der Befreiung, sondern ein Fest der Sklaverei sei, indem die Juden durch dieses Fest zu dem Glauben bekehrt werden sollen, daß nur Gott aus der Sklaverei führen kann und daß ein Volk sich nicht selbst zu befreien vermag. Schwacher Zuzug zu den jüdischen Kolonien in Rußland. Moskau, iu. April. (J. T. A.) Der Zuzug von Neu« Siedlernzu' den jüdischen Kolonien ist in diesem Vor* frühling weit schwächer als in den früheren Vor* frühlingsperioden. Von 4610 städtischen jüdischen Fa* milien, die jetzt in den jüdischen Kolonien hätten an* gesiedelt werden sollen, sind bis jetzt im ganzen 1755 Familien eingetroffen. In der Krim zum Beispiel trafen von den 1005 erwarteten jüdischen Neukolonisten nur 506, im Cherson*Gebiet von 1540 nur 538, im Rayon Krivoyrog von 1145 nur 396, in Zaporoschje von 405 nur 85, in Melitopol von 275 nur 80, in Biro*Bid« schan von 875 nur 33 ein. Dieses Nachlassen des Zudranges zu den jüdischen Kolonien wird erklärt durch die Furcht der jüdischen Neusiedler, zwangsweise in die Kollektiven mit Nichtjuden gedrängt zu werden. Der Talmud behält recht in Kanada. Ein heiterer Prozeß mit heiterem Ausgange. Im „Czernowitzer Morgenblatt" berichtet ein Kauf« mann aus Montreal über einen Prozeß, der in Kanada Aufsehen und Heiterkeit erregt hat. Die Geschichte lautet so: In Montreal lebt ein gewisser Blatt. Dieser Blatt stammt aus Polen. Vor einigen Jahren hat er dort sein Gut verkauft und ist mit dem Erlös nach Kanada aus« gewandert. Als er in Montreal ankam, hatte er 10.000 Dollar in der Tasche. Also einen recht respektablen Be» trag, mit dem man schon etwas anfangen konnte. Blatt ist ein überaus gescheiter Mensch, aber auch ein Freund von Prozessen, ein unruhiger Geist. Blatt überblickte in wenigen Tagen kritisch die Situation in Montreal und prüfte besonders die Frage, was er mit den 10.000 Dollar? anfangen soll. Der Entschluß fiel ihm nicht schwer. Er war in seiner alten Heimat Land w i r t, also beschloß er, auch jetzt in seiner Wahlheimat Landwirt zu bleiben. Er investierte den größten Teil dieser 10.000 Dollar in einer Pachtung. Die Geschäfte gingen gut. Blatt wurde allmählich in den Kreisen der heimischen und zu* gewanderten Bevölkerung bekannt, er genoß Ansehen und galt als gescheiter, tüchtiger polnischer Jude. Da erwachte in ihm der alte Prozeßkrämergeist. Vielleicht war es auch noch etwas anderes. Vielleicht war es gar soziales Empfinden. ' ■ Er mengte sich unter die Leute, kam besonders häufig zu den Kleinbauern, unterhielt sich mit ihnen, informierte sich über ihre wirtschaftliche Situation und entfaltete in einem gewissen Sinne Aufklärungsarbeit. In Montreal gibt es eine Gesellschaft, welche riesige Bodenflächen besitzt, die sie verpachtet. Meistens an Kleinpächter. Diese Kleinpächter arbeiten lasttierhaft. Aber der größte Teil ihres Ertrages fließt ftintot enßUfctic Stoffe ALBERT HARDT decfr.lTO'"? ~s*s_ WIEN I. FREISINGERGASSE 1 Telephon U 20 Z 4I in die Kassen der Gesellschaft. Blatt klärte nun die Leute auf, er öffnete ihnen förmlich die Augen. Besonders ging er gegen den Direktor dieser Gesellschaft los. Die Sache verbreitete sich immer mehr und der Direktor erkannte, daß dieser Blatt kein sehr ange* nehmer Gast sei. ' < Als der Direktor merkte, daß unter den Bauern bereits eine ziemlich starke Bewegung im Gange war, di0 sich gegen ihn und die Gesellschaft richtete, suchte er nach Mitteln, um Blatt zu entfernen. Und es war auch nicht schwer, ein Mittel zu finden. Als nämlich im 'Vorjahre die Anbauzeit kam 'und Blatt sich an die Gesellschaft um Anbausamen gewandt hatte, wurde ihm kuruJgetan, daß die Sache nicht einfach sei. Man könn^ ihm nicht wie bis jetzt Samen geben. Er habe zu* viel Unf riedsamen ausgestreut, habe. zuviel gegen den Direktor der Gesellschaft intrigiert, als daß man ihm noch' dazu verhelfen sollte, sich weiter zu betätigen. Unter einer Bedingung werde man mit ihm jedoch Frieden schließen. Wenn er an die ,Gesellschaft in Montreal ein Schreiben richten und alles, was er gegen den Direktor gesagt hat, zu* r ü c k z i e h e n werde. Der liebe Blatt war nun in einer ganz peinlichen Lage. Als Lugner dastehenj Widerrufen? Reumütig Abbitte leisten? Eine VVien,ll.,Tabor8tr.8r Tel. R-41-2-41 UFA-TON-KWO Das Filmtheater der guten Geaellichaft zeigt täglich) , CONRAD VEIOT und KARIN EVANS In Die letzte Kompagnie Eine Sprech- und TonfllmtragOdie der Joe M«y-Produktion der Ufa Nach einer Idee von Wilhelm und Kosterlltz. — Manuskript: Ludwig von Wohl Reglet Kurt Bernhardt Musikt Ralph Benatzky Beginn: Wochentag S, 7, 9Uhr — Sonn- und Feiertag3,5,7,9 Uhr' Iliäis 1111-0. WIIN, i., Bauernmarkt 10 -ifc-M VII., MariahilfertfraS« 96 (Icka Zleglergatte) Teppich« Vorhänge IndanlhrensloTfe Decken aller Art In grttttter Autttahl au billigsten Preisen In erprobten Strapazqualltaten I schwere Zumutung. Aber was sollte er machen? Es drohte ihm die Vernichtung seiner Existenz. Blatt, der sich sonst kein Blatt vor den Mund nahm, war jetzt sehr wortkarg. Aber talmudisch gebildet, wie er nun war, fand er einen Ausweg. Er erklärte vor zwei Zeugen, daß er sich in einer Zwangslage befinde und daß er sich gc* nötigt sehe, den Widerruf zu leisten. So schrieb er denn auch einen Brief an die Gesellschaft in Montreal. In diesem Briefe widerrief er alle gegen den Direktor der Agrargesellschaft gemachten Aeußerungen und erklärte, der Herr Direktor sei ein tadellos anständiger Mann. Allein die Gesellschaft in Montreal hatte schon einen üblen Geschmack von der Tätigkeit des Blatt bekommen. Sie traute ihm nicht mehr. Die Gesellschaft ist mächtig und Blatt ist ein kleiner Einwanderer aus Galizien. Nichts ist einer solchen Gesellschaft leichter, als den ihr unbc< quemen und unliebsamen Gast unschädlich zu machen. Mitten in der Erntezeit wurde Blatt auf Grund einer höheren Weisung von seiner Pachtung entfernt. Er mußte alles stehen und liegen lassen und nach Montreal gehen. Er klagte die Gesellschaft auf einen Schadenersatz in der Höhe von 20.000 Dollars. Der Prozeß fand statt. Der Vertreter der Gesell« schaft bemühte sich, diesen Blatt als einen ganz ver» worfenen, verlogenen Menschen hinzustellen, der einer« seits der Gesellschaft Uebles nachredet und anderseits in Briefen alles wiederruft. Blatt behauptete, der Wider* ruf sei null und nichtig, weil er unter Zwang* gege* b e n worden sei. In seiner scheinbar zweideutigen Handlung sei nichts unehrenhaft. Das für ihn als Juden maßgebende Recht im Talmud habe ihn zu seiner Handlungsweise ermächtigt. Er berief sich auf eine Stelle im Talmud. Diese Stelle gäbe ihm recht. Der Richter, ein Franzose von Geburt, ging auf'den Beweis an trag des Blatt ein, ließ den Ortsrabbiner mit dem Talmud kommen, damit er den Sinn dieser Talmudstelle genau interpretiere. Der Rabbi kam. Er brachte die Gemarah mit und verlas die betreffende Stelle, welche tatsächlich zugunsten des Blatt interpretiert werden konnte. Der Richter schloß sich der Anschauung des Talmud an und gab der Klage statt. Ganz Kanada amüsiert sich. Ein Streik zur ungelegensten Zeit Die sozialistisch organisierten Arbeiter wollen mit Zionisten-Revisonisten nicht arbeiten. — Polizei . muß intervenieren. Die Jüdische Telegraphen-Agentur meldet aus P a- 1 ästina von Zusammenstößen zwischen jüdischen Kolonisten und jüdischen Arbeitern, welche der Histadruth (Arbeiterföderation) angehören. Die Orangenpflanzer von Kfar Saba, eine Kolonie in der Nähe von Petach Tikwah, hat 25 MitgUeder der zionistisch-revisionistischen Organisation „B r i t h Tru mp e 1 d o r" als Arbeiter aufgenommen. (Diese Arbeiter lehnen es grundsätzlich ab, der sozialistisch geleiteten Histadruth beizutreten und sich bei ihrem Arbeitsnachweis zu melden.) Die organisierten Arbeiter forderten die Entlassung der revisionistischen Arbeiter und suchten, als die Kolonisten diese Forderung ablehnten, die Revisionisten zum Verlassen der Arbeit zu zwingen. Polizei mußte herbeigerufen werden und die Ordnung herstellen. Die Arbeiter der Histadruth wurden aus der Orangenpflanzung zurückgezogen. Die Kolonistenführer Smiliansky und Chankin suchten zu vermitteln, , erzielten aber keinen Erfolg. * Aus diesem Berichte der J. T. A. geht hervor, dali in Palästina der Versuch unternommen wird, jüdischen Menschen, welche nach Palästina gehen, um dort in Freiheit zu leben und zu arbeiten, eine bestimmte Organisationsforra aufzuzwingen. (Aus der Ita-Meldung ist nicht zu entnehmen, daß die Brith-Trumpeldor-Leute etwa als Lohndrücker auftraten.) Dieser Versuch ist unzionistisch. Das jüdische Volk verlangt von seinen Söhnen und Töchtern in Palästina Arbeit und treue Anhänglichkeit an die jüdische Sache. Aber keine Unterwerfung unter bestimmte Organisationsformen. Die Arbeiterschaft hat das Recht und die Pflicht, sich zu ihrem Schutze zu organisieren, Lohndruck und unwürdige Arbeitsbedingungen abzuwehren. Aber es müssen freie Organisationen sein. Keine Zwangsorganisationen, welche ^mit dem Mittel der Arbeitsentziehung, des Aushungerns Widerstrebende zwingen. * Der Streik ist zu ungelegenster Zeit eingetreten. Einer der Vorwürfe, welche imBerichtederUntersuchungskommission gegen die Zionisten erhoben wird, besteht darin, daß sie bei der Auswahl und

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