Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 135 (18.4.1930)
- Date
- 1930-04-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sei!« 1 DIE NEUE WELT Nr. 135 SSjSS ^^UmAc^eln^ JjJJ NUSSOL fPEZIAL Gelb, geschmeidiges Pflanzenfett! $ Ui b «ra II erhältlich! 100 Prozent Fettgehalt nicht bloß darin, daß man rlie Perspektive und den Sinn für Realitäten'verliert, .sondern hauptsächlich darin, daß im Sturme und Lärme die Möglichkeit eintreten kann, daß durch die Tatsache des ungünstigen Berichtes, die wirklichen Ursachen vertuscht werden, welche einen derartigen Bericht verursacht und ermöglicht haben. Und schließlich und endlich ist der-Bericht nichts mehr als ein Glied in der Kette ähnlicher Geschehnisse im Verlaufe des letzten Jahrzehntes. Für uns ist. der Bericht sieher kein Zufall und keine Ueberraschung. Was wir inldemselben lesen» ist die logische Folge einer jahrelangen politischen Einstellung zum Zionismus. Die Aufgeregten und Erstaunten werden aber im Tummel der Proteste vor allem versuchen, s i c h selbst der Vefantw or tung zü entziehen,"die auf ihnen lastet. Ich meine die zionistische Mehrheit und Führerschaft^ Was aber die Situation noch gefährlicher macht, ist die sicherlich bald eintretende Bemühung, diese Panik dahin auszunutzen, um unter dem Drucke der schweren Umstände die Genehmigung zu 1 i q u i d a t o r i s che n K0 mp rom i ssen und Nac hg i e b i g k e i t e n d ur ch zusetzen. Deshalb darf die Aufmerksamkeit der jüdischen Welt nicht bloß auf die" äußere Front konzentriert werden. Der Kampf auf der inner-zionistischen Front muß im verstärkten Maße, auf die letzten Erfahrungen gestützt, fortgesetzt werden. Die. wirkliche Lage muß wahr erklärt. und die indirekten Schuldigen, bloßgestellt werden. Dabei muß aber eins berücksichtigt werden: der Freund in London und der Nachbar in Erez-Israel dürfen nicht den Eindruck gewinnen, daß :es unter, unseren Füßen brennt ,' _ ' * '• "" ..';' Nach einigen Tagen, höehsteiis nach;zwei, drei Wochen, wird der Bericht aufhören — insbesondere für die Außenwelt — e i iie, p ö,li tisch e Sensation zu se in.. Die . Aufregung, wird sich gelegt haben. Der Zionismus und die Palästina-Fragen, die auf eine 'Weile in England aktuell, geworden sind, werden wieder von der Tagesordnung verschwinden. Der Bericht wird nochmals erwähnt werden — zum Guten von unseren Feinden und zum Bösen von unseren Freunden"^ -^!Avanrencl der " Palästina-Debatte in der Budgetdiskussion, doch bald wird die ganze Angelegenheit in Vergessenheit geraten sein. Weitaus wichtigere Berichte für England, von Untersuchungskommissionen, bestimmt von Parlamenten und Regierungen, liegen in den britischen Staatsarchiven, begraben. E s ist nicht ausgeschlossen, daß auch der P a 1 ä s t i n ä - B e r i c h t, a 1 s Dokument, i n den Schränken des Colonial Office verschwinden w i r d.' Sowohl die englische Regierung ■ als auch die englische Presse haben gegenwärtig viel dringendere politische Probleme, die ihre ganze Aufmerksamkeit und Konzentration erfordern. Hiezu gesellt sich noch, der angeborene englische Vorsichtsinstinkt. Es gibt keine Handlung in einer heißen Minute; man wird verschieben, sich umsehen und genau überlegen. Deshalb ist kein Grund zur Besorgnis vorhanden, daß die englische Regierung irgendwelche radikale feindliche und schädliche Maßnahmen treffen wird, insbesondere wenn Herr MacDonald und seine Kollegen den unangenehmen Beigeschmack des Berichtes deutlich fühlen. Und man darf auch niclit vergessen, daß weder die Regierung noch das. Parlament y.b e rh a u p i an den Bericht und die Vorschläge. der Shaw-Kommission gebunden sind. Gewiß muß der Bericht bekämpft werden. Er muß durchlöchert werden durch unsere kritischen Kugeln; jede seiner Behauptungen muß zurückgewiesen und alle Fakten revidiert werden. Die Hauptsache ist aber nicht das Duell rings um die Kapitel und Einzelheiten des Berichtes. In der Hauptfrage geht es. um den Geist, von welchem der Bericht durchdrungen ist, um das Herantreten an das Problem, um die politischen Postulate. Es geht um das Ganze und um den Kern. Und dieser Kampf darf keinesfalls durch den ungünstigen Bericht und durch eine Panikstimmung beeinflußt werden. Der Bericht ist nicht das erste, und sicher nicht das letzte Wort. Es hat keinen Sinn, die Kommission deshalb anzugreifen, daß sie ihre Kompetenzen und Aufgaben überschritten habe. Diese Beschuldigung mag rein formell berechtigt sein, sie kann aber keineswegs als Argument gegen die Ausführungen der Kommission dienen. Mit diesem Vorwurf wird auch kaum möglieh sein, die Autorität der Kommission zu untergraben, welche offen erklärt, daß man die direkten Ursachen der Unruhen nicht feststellen kann, ohne gleichzeitig die indirekten Ursachen, den permanenten Quell der Aufregung zu untersudien. Und sie hat redit. Bei dem Versuch, die fundamentalen Fragen zu berühren, hat die Kommission, obwohl sie zu ungerechten und für uns ungünstigen Folgerungen gelangte, nach Vernunftegründcn gehandelt. Welchen Zweck hat es denn, noch weiter zu zögern, noch weiter beim toten Punkt zu verweilen und lediglich die Lage mehr zu komplizieren und zu verwickeln? Kann man denn wirklich von Schuldigen der Unruhen sprechen — ob Araber oder Juden, oder Beamte — ohne t i ef er in die Materie einzudringen und ohne den allgemeinen Stand und das Regime im Lande zu berühren. Die Kommission hat sicherlich die Wunden aufgedeckt. Das ist peinlich und enttäuschend für uns, insbesondere aber für diejenigen, welche seit Jahren vor dej|| wahren Lage ihre Augen ver- SekHoit Vf—VUI de» Verbandes demokratischer . Zlonfiien gratuliert herzlichst ihrem Mitgliede Herrn Dr. IGNATZ HIRSCH u. Frau zur Geburt eines Sohnes schlössen; aber das Unvermeidliche mußte doch einmal eintreten. Darüber — weil es jetzt eingetreten ist, wo wir nicht vorbereitet sind — darf man doch nicht verzweifeln. Will denn jemand unter uns, daß das gegenwärtige Regime mit seiner Unbestimmtheit und Nebulosität fortgesetzt werde? Wenn nicht, muß man eben; den Versuch unterlassen, die Kommission, und ihre Ausführungen bloß wegen technisdier und formeller Gründe zu desavouieren, wenn auch diese als soldie vollkommene Berechtigung haben. Es wäre viel vernünftiger, die Tatsadie auszunutzen, daß das Problem in seiner ganzen Sdiärfe aufgerollt worclen ist, es nun aus seiner halben Bearbeituiig zu .JE+nde zu führen, weil die KommissiÖn^Hlqfß 'dbejFllic^JithL üncj einseifig die betraf fendpn - Fragen. ljejnjirie. ^Hi .a b es'.X,ü'? s? n >T1 eiifaInen d,enjWj aß au f &ie F r.agen e ri cfl i ch:'ef ne^M^e' uri tt e r sch'^i f:ende1 Antworte rt e i 1 tfV e r d e. Daß wir diese Gelegenheit im gegenwärtigen Moment haben, ist vielleicht clasi einzige Verdienst dieser Kommission. Gewiß sojltcf die; r^ommjssipn keine derart schädliche Beleuchtung .geben, aber die Schuld hiefür tragen diejenigen,' 'welche "glaubten, daß ein jüdischer Staat auf „r echt 1 ich e n Sand" gebaut werden kann. Jedodi ganz und gar lächerlich ist es; aufdi#* Ausführungen der Kommission1 mit einer Unmenge von Protesten nach alter j ü di sch e r G e p f 1 o genh e i t zu antworten, wie es etwa die Warschauer. Kultusgemeinde oder der Waad Leumi taten. Mit wütenden Protesten und bitteren Vorwürfen wird man die geäußerten Meinungen nidit widerlegen ödet gar absdiaffen. Schließlich und endlidi hat doch die englische Kommission das Redit, sich betreffs einer so wichtigen Frage öffentlich zu äußern. Deshalb, weilihre Ausführungen gegen uns sind, darf dieses Recht doch, noch nicht bezweifelt werden. Und darin ein Attentat auf jüdisches Recht zu (erblicken, ist sidierlich naiv. Die Ausführungen der Kommission können lediglich Was machen Sie jeden! Abend? „Ich lasse mich' mit Diana-Franzbranntwein massierend — .Warum gerade mit Diana Franzbranntwein?" — „Weil ich mich uberzeugt habe, dass nur Massage mit DIANA FRANZBRANNTWEIN! mit ^tanthol, sokhe Schmerzen lindert, weiche von U e b e r a n » t r e n g u n g oikJ »chwerer Arbeit herrühren. ' Eben darum kaufe ich nur Diana Franzbranntwein und nichts anderes.* N«!ina«n Sl« nur Diana 1 *•«**••• *a«hahrannfl*«i w«Üi»n »I« suHicfc i Qjimtf «rhtfitiuiii ■ durch sachliche Erwiderungen entkräftet werden; durch prinzipielle politische Stellung zu den Fragen, mit den wichtigen Tatsachen, durdi überzeugende Ziffern und hauptsächlidi durch unsere klare Interpretation des Mandates, seine Ziele und Zwecke, mit der besonderen Betonung, daß wir von diesen Zielen nicht nachlassen werden. Das ist die einzige Taktik und der einzig möglidie Weg. * Die Bedeutung des Berichtes liegt nicht in der nachteiligen Wirkung, die er auf die Regierung und auf die englische öffentliche Meinung ausüben kann, sie liegt auch nicht in den' momentanen Folgen, die er für unsere Aufbauarbeit noch sich ziehen könnte. Unsere Freunde wird er nicht beeinflussen und unsere Gegner nicht stärken. Im Gegenteil, viele Wankelmütige werden vielleicht gezwungen sein, nachzudenken, eine bestimmte Stellung einzunehmen, viele Unentschlossene werden aktiv ihre Sympathien ausdrücken. Die bisherige gefährliche gleichgültige Neutralität wird jedenfalls beendet werden müssen — und dabei werden die imperialistischen Interessen Englands ihre Auswirkung haben, wenn wir verstehen, den Moment auszunutzen. Die Majorität der englischen Politiker und Presse hält im allgemeinen das zionistischeProblem und die Bedetitungdes jüdischen Jischuwfürdas britische Imperium nicht aus ein and e r. Die 200 Seiten des Berichtes werden diese sicherlich nicht studieren. Das müssen wir tun. Die wahre Gefahr des Beridites liegt aber in einer ganz anderen Richtung. Er kann schädliche Folgen haben: 1. Durdi seine Wirkung auf die Beamtenschaft des Colonial-Office und Palästinas; 2. durdi die Verstärkung der arabischen Gegnerschaft und des arabisdien Widerstandes; 5. durdi die Enttäuschung und Entmutigung der jüdischen Massen, die den Eindruck gewinnen können; daß wir an eine eiserne Barriere stießen. Wenn auch die englische Regierung nidit alle Ratschläge akzeptieren und nidit im Geiste dieser Kommissionsanträge handeln wird, so wird der Be- £|illlllllllIIlIII!lllllllllilllllilllllllllllillllllllUIIIIIIMIIillIllll£ Verband demokratischer Zionismen § 1 Mittwoch, den 23. April 1930 um halb 9 Uhr abends 2 5 im Cafe Produktenbörse, II., Taborstr. 10 E I Wichtige | | Mitgliederversammlung | 'iltlllllllllllllllllllllllilHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII? rieht dodi ein autoritatives Dokument für die englische Beamtenschaft bleiben, auf das sie sich wird stützen können, wenn sie später, nach der Beruhigung der Gemüter, daran gehen wird, die aktuellen Probleme Palästinas zu lösen. Eine Regierung kann ja schließlich nur die generellen politischen Richtlinien lediglich andeuten; sie kann bloß eine allgemeine Formel geben. Die f a k t ische Durchführung liegt aber i m m e r in den Händen der Beamten, und für d i e s e: ist der Bericht eine Quintessenz administrativer Weisheit, selbst weil in demselben ihre eigenen Wünsche ausgedrückt werden. Sie werden sich schon darum kümmern, daß die Thesen des Berichtes und deren Durchführungen als Basis der administrativen Praxis und der gesetzgeberischen Tätigkeit angenommen werden. Und darin allein liegt die Gefahr, insbesondere da die Durchführung der Empfehlungen des Berichtes nicht auf demonstrative Art, wie viele meinen, vorgenommen, sondern still, ruhig, nach Art des Berichtes selbst in kleinen Dosen verabreicht wird. Deshalb ist die Tendenz gewisser zionistischer Kreise gefährlich und falsch, aus dem Bericht kein großes Wesen zu machen und vielmehr ihn verschweigen und vergessen zu wollen, weil,weder die Regierung noch die Parlamente seine Empfehlungen zu erfüllen verpflichtet sind. ] Totschweigen — diesen Ratschlag gab meines Erachtens die Regierung — wird aber sicherlich bald von der offiziellen zionistischen Presse aufgegriffen werden. Das Totschweigen ohne bestimmte konkrete und klare Bestimmungen seitens der Regierung darüber, was sie zu tun gedenkt, hieße den Fehler des Weißbuches wiederholen. Auch damals hat man uns eingeredet, dieses Dokument sei bloß eine Formalität