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Die neue Welt · 1930-04-18 · Heft 135 (18.4.1930) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 135 (18.4.1930)
Date
1930-04-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 5 DIE NEUE JVELT Nf. 135?s WIEN. VII., KA!S£RSTftASÖfrlg3 IX., AllSEftSTrtAÖSe 6 FERNSPRECHER' 0-38*0-43 «4 Frankfurter Bankverein, Frankfurter Genossenschafts*,. i «c Bank, Frankfurter Handelsbank,. Frankfurter Hypo« theken*Bank, Frankfurter Pfandbrief *Bank, Frank« furter .Gewerbekasse, Grunelius & Co., Ferdinand Hauck, Georg Hauck & Sohn, B. Metzler seel. Sohn & Cdns., Nassauische Landesbank, Rejt&sbfinkHatftf£ stelle. Die Deutsche Bank hat bei zirka 430 Mann Personal ungefähr fünf Juden. Einer ihrer stellvertretenden Direktoren iät deütscfti nationaler Stadtrat und der Betriebsratsvor« sitzende ist aktiv in der Deutschvölkisch eri Partei tätig." ZUR BEACHTUNG! Da infolge der Feiertage Näqhrichten und Korrespondentenpöst ausgeblieben sind, (erscheint diese Nummer ausnahmsweise i(f Seiten stark. ■;'•>; '■" Das Wiener Sttidenterirecht und die Juden. Nationale Abstammung als Grundlage. . . Die. Wiener. Univörsitätshehörden haben ein -„Studentenrecht" erlassen, welches auf Grundlage der. Mut-; tersprache und Volkszugehörigkeit beruht. Der Erlaß fordert die Studenten auf, sioh in „Studentennationen" zu organisieren.- welche Vertreter zu wählen haben. Mit diesen Vertretern werden die Universitätsbehörden bei gewissen Anlässen verhandeln und Verfügungen, welche die Rechte und Pflichten der Studenten betreffen, beraten. Als Vertretung der deiit.sche\n Studenten, also , der Majorität, wird die bereits / bestehende „Deuts c h e S t n d e n t'e n s c h a f V anerkannt.1 Die anderen Studenten werden aufgefordert, eigene;,Stüdentennationen" oder," „gemischte. StudeÄteh^^Cteri44''zü/ bilden. Das Bekenntnis zu einer Studentennation ist nicht frei. Die Studentennation hat das Recht, die A b s t a mm'ung 'des Bewerbers bei der Aufnahme zu prüfen und deh Bewerber eventuell abzuweisen. Ein Schiedsgericht,, dessen Majorität Professoren ' bilden, entscheidet als letzte Instanz ih diesem Falle. Der Erlaß schreibt weiterg; Vor, daß Fragen der Pa rteipolitik" und des Glaubensbekenntnisses von der Beratung und Beschlußfassung ausgeschlossen sind. An den Verhältnissen'an der Wiener Universität wird der,.Erlaß wenig ändern. Dier durch ihn anerkannte „P e u t s che S tu d entenscha f,t"? ist eine antisemitisch, und nationalistisch-jeaktiönär eingestellte Organiri satipn und jWird es bleiben. Es wäre allzu naiv, daran zu glauben, <daß . die Formel „Parteipolitik, und Glaubensbekenntnis dürfen nicht Gegenstand der Beschlußfassung: sein44, etwas daran ändern wird. Die jüdische und ihres jüdischen Volkstums bewußte Hörerschaft wird weiterhin gegen Vergewaltigung und Unrecht kämpfen müssen. Und nicht diese jüdische Hörerschaft ist dafür mitverantwortlich, daß es jetzt zu einem „Studentenrechte" gekommen ist,, welches vielleicht formal, aber gewiß »nicht tatsächlich Ordnung schafft und Minoritäten schützt. . . , Die jüdischnationale Hörerschaft war die" e \ ji z j g e iT r,ä g e r i n des demoje ra tischen Ged a n k e n s; a u f; dem Boden der Universität. Sie, ist für die Bildung e i n e,T Organisation eingetreten,, welch?, ohne Unterschied der . Nationalität, des Glaubens und der Herkunft, alle Studenten, zusammenfaßt und' jedem gleiches. Recht gibt,.. Dieses, einzig görechte Bestreben, \vurde von ,fder deutschnationajen Studentenschaft abgelehnt.,Aber auch die Studenten, die jetzt am lautesten protestieren, die Sozialdemokrat i-; sc.hen Studenten — der überwiegenden .Mehrzahl nach Juden, aber Assirailationsjuden — sind ihr hiebei in den Rücken gefallen. Sie haben sich, gleich .den Antisemiten, zur' „B o d e n s t ä n d i g k e i t" bekannt, wollten nur den „Staatszugehörigen" Rechte zuerkennen, das heißt alle „fremden Juden" um jedes Redit bringen. Jetzt schreien sie. ' Uebrigens geht es diesen „Bodenständigen44 bei ihre}* jetzigen Entrüstung .weniger' um das Recht der Studenten als um ihr Recht, die jüdische Volkszugehörigkeit zu verleugnen und sich als Angehörige des, deutschen Volkes zu gebärden. In wilder Klage schreibt, der .«bodenständigste4* uiid '„deutscheste" aller, der Chefredakteur der „Arbeiter-jZeitung44, Ilerr Fritz Auster!it z, in einem Leitartikel: m ..Das Sdiiedsgericht wird selbstverständlich zu entscheiden haben, daß die jüdischen. Studenten, mögen sie sich auch als Deutsche fühlen, nicht zur ,.Ocu tschen ,St udeni enscli af t", sondern zu der „Jüdische* ShidÖ&tenschaft'Vgehören . jüdische Büttferfurn wirdT allerdings die ElnpfDrehung seiner^'''n ft* dai-^ih «11 d def „J Ud/ftC h e n Studenfeä^enalt^. als Äelei<i.igu¥g' emp* finden. *f > ' ' l' Wir hatten es für* aiwfitndlg und selbstverstiindlieli, daß «dch der Jude ztt sefflem Volke bekfennt. Aber m<& -m? sind (kge^ert; -daß man Herrn Aüsterlitz und 'täteftONttt zu dieser Würde \lM Anständigkeit,z w i n gl jWir woIlcn»,freies Bekenntnis zu uns. kein erzwungenes. Ifletrn AustörliM soll es freistehen, zu dtilk Germanen jfcti gehen. ^Sb sie ihn wolleft oder nicht', is| ihre Sache« "seine Sache^nfftTit unsere. Aber auf seilt fölles Gerede vom ,;G h e 11 o" lind von ,;B e l"e ad i g u n g", welche darin liegt, einer „Jüdischen Studentschaft" anzugehören, wollen wir ihü fragen: Wo ist das" Ghetto? Bei jenen*; die: sich; frei;&u, ihren* alten Volke bekennen? Oder bei jenen, die immer wieder in die deutsche Nation hineinwollen, immer wieder hinausgeworfen werden undüvimmer wieder hinlaufen? Bei,der „Jüdischen Studentenschaft'4 oder bei Herrn Aüsterlitz und Konsorten? in Das Blütraärchen. | , Getaufte Juden und polnische Lehrer als Zeugen. \ In W i I n a? wurde eine Druckschrift verbreitet, Welcher ' ein ' getan ff (bt litauischer Rabbiner bezeugt, daß die Juden für verschiedene Zwecke, insbesondere für die Herstellung von Mazzoth, c h r i s 11 i c h e s B1 ü t beschaffen und benützen. Diese Broschüre wurde zwar aus formellen Gründen von der Verwaltungsbehörde konfisziert, aber weder der Verfasser noch die Verbreiter werden verfolgt. Kurz vor den jüdischen Feiertagen hat die Mis-, s i 0 n s g e s e 11 s c h a f t in Wilna im Saale der Organisation der c h r i s t Ii c h e n Deraok r a f e 11 eine große Versammlung veranstaltet, in welcher ein getaufter Jude ein langes Referat darüber hielt, daß die Juden christliches Blut für Mazzoth gebrauchen. Die Missions- Die jüdische National- und Universitätsbibliothek. 2ttr,ÄfÖffnung des WoJIsohn.HaüMs auf dem Sttopns Älti 15. April.; Am 15. April #ird auf dem Skopus bei Jeru* Sri 1 eIh das David Vv*$ifsohn»Haus in Anwesen* heit des High Cömmissiotters und vieler Gäste feierlich eröffnet werden. Die Leitung der Universität vefan« staltet für die Presse eine Vorbesichtigung des präch* tigert Gebäudes, bei der folgende Daten über die Ent* Wicklung der' Bibliothek mitgeteilt wurden: Die B'nei Brith Loge in Jerusalem grün* dete im Jahre 189ä unter großen Schwierigkeiten eine Bibliothek, die unter dem Namen Beth Midrash Aaraba* nel bekannt wurde. Ein Beitrag Sir Moses Montefiores von $ Pfund war damals ein Ereignis. Dr. Joseph Chasanowittf, ein Arzt aus Bialystok, machte es zu seiner Lebensaufgabe,, einen Grundstock für die jüdische National* und Universitätsbibliothek zu sammeln; bei seinem Tode im Jahre 1920 hatte er mehr als 30.000 Bände, darunter, sc hr wertvolle hebräis.chc Werke, nach Jerusalem gesandt. Als die Zionistische Exekutive in diesem Jahre die Bibliothek in Jerusalem übernahm, war das Gebäude in der Abessynischen Straße bereits, überfüllt. Aus allen Teilen der Welt wurden Bücher gesandt, um zu ermöglichen, daß die Bibliothek sofort bei Eröffnung der Universität der Be« nützung übergeben werden konnte. Die Baukosten des David Wolfsohn<Hauses betragen 38.975 Pfund, die Einrichtungskosten belaufen sich auf 8900 Pfund.. (Nach Fertigstellung werden sich die Gesamtkosten auf 50.000 Pfund belaufen.) Das Ge* bäude der Bibliothek ist eines der modernsten B i b 1 i o t h e k s bauten im Nahen Osten. Seine Auf* bewahrttngsräumen .fassen in den verschiedenen Stock» werken 300.000 Bände und sind mit metallenen Regalen, G1 a-s f u ß b o d e n und künstlicher Ventilation ausgestattet; ein Aufzug verbindet die Lagerräume mit "dem! Entleihungsraum. Zwei Safes sind für besonders kostbare Werke bestimmt. Der Zeit« geiellschaft .in.: Wilna |at .bisher sehr judenfreundlich. Da es. ihr aber nicht gelang, Juden für den Katholizismus einzAifapgen, wurde..sie.antisemitisch.. Die Behörden sind, bis nun nicht eingeschritten.. . . Im Städtchen Zelüd.ok. ,der Wilnaer Wojewodsclmft hat sich in der s t a a 11 i c h e n, p o 1 n i s ch e n V o 1 k ss c h u 1 e, die auch von jüdisch e n Kindern besucht wird, folgender Fall ereignet. In der sechsten Klasse entstand. während des ^.{Handarbeitenunterrichtes zwischen den Kindern ein Streit darüber, ob die Juden für~Ma£ioth christliches1 Blut benutzen. Die Ansicht -der - christlichen Kinder war geteilt. Die Debatte, wurden heftig, die. jüdischen Kinder begannen zu weinen. Schließlich einigten sich, die streitenden Kinder .dahin, den Lehrer zu befragen. Per befragte Lehrer B o j e z u k erklärte: „Ja..Es ist richtig. Ich habe viel darüber gelesen, und ich bin überzeugt,, daß die Juden zu, Pessach, Blut y;e r w.q n.d e n." Auf <lfefl rjinweis der jüdisclieu Schülerinnen, daß die Mazzoth nicht geheim , gebacken werden und. daß auch Christen, bei dieser Arbeit, verilll'lljpUlllilllllflllllllHW^ I Jüdischer Liederabend | 1 Sonntag, den 20. April-1930,8!/, Uhr abends, < Großer Saal im 1 1= , / Hctel Continental, II., laborst aße 4 3 i HILDA DULICKA JA 1! Lieder, Voikslteder (hebr. ü. Jfld.), Chassldlsche, Synagooale 1' ( i uo* Halä$tlna-Lleder . Am FlOgfett ÄuDOLF.BEwK g | ' Rezitation« SAMUEL SCHWAGER' ' | 1 Kartenverkauf: Buchhandlung'Rath, II., Tabo Straße 20a und im' 1 , =.;,. Hotel Continental, Tabot Straße 4V g s S " ' * i: Ö wendet, werden,. die dies^ mei-iken müßten, blieb der LehrenB-o j e z u k fest bei seiner Behauptung. Er sagte:. „Nicht für alle Mazzoth wird., christliches Blut verwendet,., nur für eine besondere Art. Uebrigens wird schon das Mehl mit Blut verarbeitet!"; , . Die jüdischen Kinder , berichteten den Vorfall ihren Eitern, Eine Abordnung jüdischer Bürger spraoh ffi%<4a<j#*(^ ••»>». .tyi.-.V-M..^ ,• ■>:•,■-,i%..r. £-.'•:-.•! unter Führung des Rabbiners beim Schuldirektpr vor und protestierte gegen, das ungeheuerliche Vorgehen des Lehriers Bojcznk. Der Schulverwalter erteilte eine ausweichende Antwort. Er ^klärte der Delegation, daß er den jüdischen Kiiulen);< gasajgt> h«tt§; .^Fragetfure» Eltern, Die weiden euch antworten!.'' Ein Vorgehen gegeti-d«n. Lehcer lehnte er ab. Der jüdische Abgeord-. nete; WiJnus, Prf W y g o d * k i, - intervenierte wegen <Jes Fftlles beim Schülkurator Pogorzels-ki in Wilna. Djesec sagte ciji£. Untersuchung^ zu, von welcher aber 'bis heute nichts verlautet, schriftensaal (Katznelson<Zimmer) bietet 45 Lesern Platz; 2000 Zeitschriften'treffen regelmäßig ein. Die. Ver? waltungszimmer enthalten Mobiliar aus dem Besitz' \y,olfsphns. — den ersten, in der BezaleUSchule..her« gestellten Teppich, Gobelins von Lilien, . ein Porträt Wolfsohns von Isaac Israel, dem Sohne Joseph Israels, das kürzlich von Mr. Jacobus Kann gestiftet wurde. Mr. Kann ist auch Verwalter der Wolfsohn« Stiftung, deren Fonds zum größten Teil für die Er* richtung des Bibliotheksgebäudes verwendet wurde. ' Statistik."Von deft 25aooo bereits registrierten Bänden sind die meisten in deutscher Sprache ge* schrieben, nämlicli Q2:ööd Bände;'' an zweiter ' Stelle stehen Bände in englischer Sprache, u. zw. 40.000. Die Reihenfolge der am meisten benützten Sprachen war im Vorjahre bei 31.180 Büchern, die aus* geliehen wurden, folgende: hebräisch, deutsch, , englisch, jiddisch, russisch," französisch. Neben schöner Literatur und Büchern jüdischen Inhalts fanden Werke über Philosophie und Psychologie das größte Interesse. Eine Zweigbibliothek medizinischer Werke mit etwa 7900 Bänden ist unter den Auspizien des Aerzteverbandes von TebAwiw eröffnet worden und verdankt ■ ihre Entstehung hauptsächlich Herren Dr. Julnis Jarcho, New York; Prof. Emanuel Libman, New York, hat dieser Sammlung seine fachmännische Unter* Stützung zur Verfügung gestellt. Eine Unterabteilung be* findet sich auch im Nathan Strauß^Gesundheitszentrum in Jerusalem. Der Beamtenstäb der Bibliothek besteht aus 29 Personen. Beamte der Bibliothek wurden nach New York, Paris, London entsandt, um sich in modernen! Bibliotheksmethöden auszubilden. j Die Bibliothek enthält 181 seltene bibliophile Stücke, darunter .17 Inkunabeln, einschließlich Proben aus der Druckerpresse von Abraham Conat aus' Mantua, der spanischen Drucker Lissabonner Nahma* niden. Ein einzig dastehender Text ist eine Ausgabe des Hoheliedes von Solomon Rossv Venedig 1622, das erste, hebräische Buch, das Noten enthält. Ferner befinden sich dort 056 Manuskripte, darunter 160 tal» mudische Kommentare, und : rabbinische Schriften. Ein Manuskriptkatalog über kabbalistische und chassidische Schrjften sojl in Kürze von Dr. G. Scholen» veröffentlicht werden. ..... .... 5000 Autogramme und; Photographien, bedeutender jüdischer Männer, und Frauen sind in der Sammlung von Dr. Abraham Schwadron enthalten; darunter ein Brief Heines, in dem er seinen ' Ueb er tritt zum Christentum b e.$la u e r t, das Original von E i n« Steins Relativitatstheprie, sowie Schrtfton von

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