Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 135 (18.4.1930)
- Date
- 1930-04-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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'♦«■»T»t«^«-~~ Preis 35 Groschen V« b* bi BEZUGSBEDINGUNGEN. Oesterreich monatlich S 1.50, gHfc mm MM M ■ M/M BEZUQSBEpiNGUNG EN Detttwhlatfd monatlich vierteljahrig S 4.20, ganzjährig S 16.-; Polen monatlich fl E MM ■ ■ K Mark 1.-, vierteljährig Mark^a.-; Bulgarien monet- Zloty 2>-f vleitelÄ Zloty 6.-; Tschechoslowakei ■£ W Kfl lieh Lewa 40.-, vTertel^hrtg Lewa >20; Italien monatlich Kc 6.-, vierteljährig Kc. 15—; Jugom fe| W mMW ■Ü "W l'i'h vierteljährig Lire 14.-; Sjhwel» slawlen monatlich Dinar 14.-, vlerteliahrig Dinar 40.-: uuninencnen aaocat cfnirvtro Snd d,e.if ^S'AmÜ ndS u lü,on4tII$ Sehvr*%! Rumänien monatlich Lei 40.- vierteljährig Lei 120.-. HERAUSGEBER: RQBERT STRICKER Francs IM. vlertel}«hrtg Schweizer Franca 4.50. Redaktion and Verwaltung: Wien, IX>, Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 4 Freitag, den 18 \ April 1930 Nr. 135 RUNDSCHAU Sterbendes und lebendes Judentum. — Bücherstürmer? Nein! Bücherdiebe! Friderikus in Verlegenheit« — Der verschwindende jüdische Bankbeamte. Im Jahre 1929 gab es in Wien 1344 jüdische Ge« burten, dagegen 2638 jüdische Todesfälle und 893 Aus« tritte aus dem Judentum. Die Zahl der Juden hat also in einem Jahre um 2217 abgenomme n. Die Geburten* ziffer beträgt pro 1000 jüdische Seelen 6,4. Der Rück* gang der jüdischen Bevölkerung läßt sich nicht mit den allgemeinen Verhältnissen in Einklang bringen. Die auf 1000 nichtjüdische Seelen entfallende Geburtenziffer ist über 12, also doppelt so groß wie bei den Juden. Un» gefähr 20.000 nichtjüdischen Geburten'stehen 25.000 Todes» fälle gegenüber, während die Zahl der jüdischen Todes» fälle doppelt so groß ist als die Zahl der jüdischen Ge» burten. Die Abnahme der jüdischen Bevölkerung ist also mit Rücksicht auf diese Ziffern verhältnismäßig fünf* mal so groß wie die Abnahme der nicht jüdischen. Das ist Sterben eines Volkes^ — Nicht besser liegen die Verhältnisse in Berlin. Hier ist die Zahl der Austritte etwas geringer, dafür ist die absolute und relative Geburtenziffer n o c h geringer als die in Wien. — In Budapest geht der Niederbruch noch rascher vor sich. Während bei den Nichtjudeh'die Gc* burtenziffer noch weitaus^ höher ist als. die . der,. Todes*, fälle, ist letztere bei den Juden um. 80 Prozent höher. Die Zahl der Mischehen ist in nicht ganz zehn Jähren auf das Dreifache gestiegen. Vor einigen Dezennien, als die Zahl der Budapester Juden ein Viertel der heutigen betrug, war die Geburtenziffer absolut höher. Die Rab» biriate und Kultusgemeinden versuchen einen Kampf gegen Mischehe, Taufen und willkürliche Geburten Verminderung. Der ungarische Groß* rabbiner Dr. Simon H e v e s y schloß eine große Tempelpredigt, welche diesem Gegenstande gewidmet war, mit dem Ausrufe: „M e irte jüdischen Brüder und Schwestern!. Wohin soll das führen? Wollt Ihr Euch denn selbst der Vernichtung preisgeben?" — Im Osten, dessen Judenschaft sich immer rapid vermehrte, das gleiche Bild. Im heutigen Polen beträgt die Verhältnis* zahl, der jüdischen Geburten weit weniger als die Hälfte jener der Nichtjuden. Dafür sind die Selbstmord* Ziffern mehr als doppelt so hoch. — Sterbendes Judentum! Palästina! — Bei einer ungefähren Gesamt» zahl von 160.000 Juden gab es im Jahre 1928 jüdische Geburten in der Zahl von 5308. Das entspricht einer Zahl von 35,04 Geburten auf 1000 jüdische Seelen. Die Zahl der Todesfälle im gleichen Jahre betrug 1830. Also: In Wien, Berlin, Budapest usw. doppelt soviel Todes* fälle als Geburten! In Palästina dreimal soviel Ge* burten als Todesfälle! In Palästina 35,6 Geburten auf tausend Juden. In Wien und Budapest beträgt diese Zahl um 6 herum, in Berlin ist sie noch niedriger. In Palästina sechsmal soviel jüdische1 Geburten als in Wien und'Budapest, siebenmal soviel als in Berlin. Der even* tuelle Einwand, daß hier das Leben auf dem Lande eine Rolle spielt, fällt weg. In Palästina ist der ungewöhnliche Zustand zu verzeichnen, daß der natürliche Zuwachs in der Stadt größer ist als auf dem Lande. Im Jahre 1928 gab es in der rein jüdischen Stadt Tel*Awiw 493 Todesfälle und 1552 Geburten, Auf tausend Seelen entfielen auf 1000 jüdische Seelen über 39 Geburten, im ganzen Lande 35,6. Was" ist der Grund? Das* jüdische Volk in der Zerstreuung büßt den Willen zum Leben, zur Fort* pflanzungVein. Das jüdische Volk In Palästina begehrt stürmisch nach dem Leben, nach Stärke, Das jüdische Volk? in der Zerstreuung siecht dahin, das jüdische Volk in Paläsdna lebt und strebt nach Größe! " ■ * /In den. Vereinigten Staaten sind viele Wagen» ladungen.' .j ü d i s c h * r e, l i g i ö s e r und j ü d i s c h* w i a a e n s c h,af 11 \ eh e t B ü eher aus Rußland einge* langtEmpfänger dieser kostbaren Sendung ist die Am* 101g' (Handelsvertretung der Sowjetr'egierung) in New Yefki Biet* russische Regierungsstelle: bietet diese Bücher den jüdischen, staatlichen und privaten Biblio* theken zum Kaufe an. Ueberall werden Muster auf« gelegt. Der Direktor der jüdischen Abteilung der Staats* bibliotheken in New York, Dr. Joschua Bloch, bestätigt, daß Sowjetvertreter bei ihm waren und ihm riesige Mengen kostbarster jüdischer und hebräischer Bücher angeboten haben. Er mußte mangels entsprechender Mittel den Kauf ablehnen. Ein großer Teil dieser seltenen Bücher ist inzwischen von reichen Bücherliebhabern in New York und Chicago erworben worden. Schachernde und stehlende Revolution! Bei den großen Umwälzungen, bei Revolutionen und Religion«* kriegen, besonders im Altertum und Mittelalter, ging man immer zuerst gegen die Bücher los. Der vordringende Islam vernichtete die großen Bibliotheken in Aegypten1, das Christentum tat so in Rom und Griechenland. Jüdi* Sehe und heidnische Büches Mittelalter auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Barbarischer Fanatismus fürchtete den Geist, der in den Büchern wohnt, und hat in seiner Furcht und Wut unschätzbaren Kulturwert ver* hichtet, glaubte dianiit':c^n><^i getötet zu haben. Oberin, dieser Zerstörungswut , -steckte ' j^ichleeit* ,._,elu*ij|ejier> Glaube. Was für Lichtgestalten,; was« für Ehrenmänner Isirid doch diesemittelalterlichen Inquisitoren,; wenn .man; sie mit den Inquisitoren Sowjetrußlands vergleicht! Auch sie verfolgen den Geist, der in Büchern wohnt, stempeln den Besitz solcher Bücher zum Hochverrat und schicken Spitzel in jüdische Häuser und lassen sie Bücher Weg» nehmen. Aber sie vernichten sie nicht. Nein! Sie,ordnen und verpacken sie fein säuberlich und verschachern sie an das reiche Amerika<\ Im heiligen Eifer rauben^ um nachher in wohlweislicher Ueberlegung: zu besten Preisen zu verkaufen: Das ist nicht das Wüten einer Revolution. Das ist schmutziges Treiben einer die* bischen Bürokratie. Der deutschnational*antisemitischen Berliner Zeitung „Pridericus" ist Unangenehmes widerfahren. Unter den Erfindern, welche den Ruhm und Wohlstand der deutschen Nation erhöht haben, zählte sie in einem Artikel auch einen Baron--von Lieben auf. Zu sei* nem Ruhme stießen die Herren vom „Fridericus" inaltgermanischer Art beifällig Schwert und Schild gegen« einander. Tags darauf begann ein Strom von Zuschriften die Redaktion zu überfluten. Zarte Verweise und grobe Anfragen, ob auch der „Fridericus" bereits von Juden gekauft sei. Denn der vielbelobte Baron von Lieben ist Jude! Erst schwiegen die Herreh Redakteure, dann aber — ein rechter teutscher Mann weiß sich zu helfen — gaben sie die alte, aber immer gute Antwort: Auch daran sind die Juden schuld. Es stand im „Fridericus" zu lesen: „Und wenn der Baron von Lieben wirklich Jude ist, dann Hut ab vor diesem tatsächlich tüch* tigen und dabei bescheidenen Juden. Vor den Herausgebern des „Jüdischen Lexikons" aller« dings kann man weniger den Hut abnehmen. Denn das Fehlen des Barons von Lieben in diesem' Buchzeigt, daß da wieder einmal mit jüdiseher Hast,, mit jüdischen Preisen und mit'jü.diseher ■ Ungenau!gkeit gearbeitet worden ist." Da. geht sich so ein armer antisemitischer Redak* Alle im redaktionellen Teil befindlichen entKe-ltllüheo' Notizen sind durch ein beisreftlgte* E beaeiebaet*. KURORT BADEN bei Wien. Winterkurort, radioaktive Schwefelbäder gegen picht, Rheumatismus, Neuralgien. Trinkkuren mit ausgezeichnetem Erfolg gegen Erkrankungen des Magen-Darmtraktes, der Gallenwege, der Niere und Blase. 70, GEPURTSTAG AMI. MAI 1930 UM HALB NEUN UHR A0END5 'IM CONTINENTAL-SAAL QR055E GEDENKFEIER REDNER HEINRICH T0RK-5TEINER DER FREUND UND MIT¬ ARBEITER DES FÜHRERS GROSSES KÜNSTLERISCHES PROGRAMM Preise der Karten: 1. und 2. Reihe 8 5.-, die übrigen Reihen S 3r-, 2,— und 1.50. Stehplate S 1.50. Karten xu haben bei: Brüder Schiffmann, I!:, Taborslraße 48» Paul Älter, V.K Aibettergass* 18,' Cafd" Produktenbörse, II., Tabdratraße, AdmtnlBtra ion der «.Neuen Welt". Bestellungen aueb tel.-phonlsch.bei FraU Elsa Nebeiizahl, III., RasumofsHVgasse 1, Telephon Nr. U-12-2-16, und bei Frau Paula Stricker. 11,1 Hollandstraße 10, l elephon Nr R-45-6-89. teur ein teures jüdisches Buch kaufen und Wird hinein» gelegt. Jetzt kann man sich nicht einmal auf die Ge< lehrsamkeit der Juden verlassen, wenn man. auf ihr arttia semitische Wissenschaft gründen will. Jüdische Unvera schämtheit! Jüdische Schlamperei! Schließlich wird man noch daraufkommen, daß der jüdische Verlag den jüdi« sehen Baron Lieben absichtlich unterschlagen hat, um einen armen antisemitischen Schreiber zu blamieren! * Das Bankfach wird als jüdische t>omäne bezeichnet. Soferne es die bei Banken beschäftigten Juden betrifft, hat dieses Schlagwort seine Richtigkeit ein« gebüßt. Die jüdischen Bankbeamten Oesterreichs wis* sen davon ein trauriges Lied zu singen. Jüdische Dtrete» toren, jüdische "Verwaltungsrätei jüdische Aktionäre und jüdische Kunden in Hülle und Fülle! Aber, jüdische Angestellte? Das war einmal. Tagtäglich schrumpft die Zahl der im Bankfafeh beschäftigten Juden zusammen. Jeder Abbau trifft hauptsächlich die Juden und bei Neuanstellungen ziehen die jüdischen Machthaber, welche sich sonst gerne als „werdende jüdische Persönlichkeiten" preisen lassen, Hakenkreuzler, gute Deutsche und Christen vor. M an hat eben Rücksichten zu nehmen! Der jüdi« sehe kleine Beamte mag betteln gehen, den* Herrn Direktor hie und da anschnorren. Direkt öder im Wege der Kultusgemeinde. Man wird ihm für Mazzes geben! Der Prozeß der Ausschaltung der jüdischen Bank« beamten beschränkt sich nicht auf Oesterreich. In Deutschland wird's noch gründlicher gemacht. Wie alles in Deutschland. Ein Brief, welchen die Berliner „Weltbühne" veröffentlicht, ist die beste Illustration. Da heißt es: „Vor längerer Zeit sagten Sie einmal in der „Weltbühne", daß man als Jude leichter Bank« direktor als Angestellter , in einer Groß« - bank werden könne. Das trifftden Nagel auf den Kopf. Bei der Disconto*Gesßllschaft zu Frankfurt a. M. (ehemals Rothschild)' waren bisher acht bis nenn Juden beschäftigt Bei der ersten vorläufigen Kündigung von insgesamt sechs Leuten, darunter einem;Portier, wurden drei Juden entlassen, Es bleu ben also, bei einem Personal voir airka .335 Mann, noch sechs, jüdische An ge* s te 11 t,e, dazu ein j ü d i s c h e r D i r e k 10 r. Folgende Banken nehmen überhaupt keine Juden auf, respektive haben keine jüdischen Mitarbeiter (wohl aber jüdische Kundschaft): Allgemeine Elsässische Bankgcsollschaft, Gebr» B«thmann, Frankfurter Bank, r