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Die neue Welt · 1930-04-11 · Heft 134 (11.4.1930) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 134 (11.4.1930)
Date
1930-04-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 134 DIE NEUE WELT Seite t NEUEINFOHRUNG! r s&srtsrs •.m bestauhant. ix. koiino. 3 j bei Verabreichung von Mentti das "J* | ^| |£ £ HAUSMANNSKOST» 1 MenÜS VOn bester Qualität, nahrhaft und vorzüglich zubereitet (inklusive Trinkgeld): $ 1.70, 2.20,2.80 FrUhstüCkgulyaS, Bier Und Brot (inklusive Trinkgeld)'. $ 1.«—. Erstklassige Getränke Hochachtungsvoll AlFONS KORNMEHL.: Unterbrechung der Ausgrabungen in Jericho. Die Ausgrabungen in Jerusalem, die dort während der letzten Monate von Prof. Garstang durchgeführt wurden, sind jetzt eingestellt worden und werden im nächsten Jahre wieder aufgenommen werden. Prof. Garstang hat nach Presseberichten erklärt, daß die Ausgrabungen die Berichte der Bibel über die Eroberung Jerichos durch Jostta bestiitigen werden. Das jüdische Volk im letzten Jahrhundert. in. (Siehe Nummern 131 und 132.) Verteilung der jüdischen Bevölkerung auf Staaten und . Städte. Während des ganzen ig. Jahrhunderts lebte fast die Hälfte aller Juden innerhalb der Grenzen des russischen Staates. 1925 hingegen findet man auf dem russischen Staatsgebiet der Nachkriegszeit nur noch ein Fünftel des Gesamtjudentums. In den Grenzen des alten Oesterreichs fand sich im 19. Jahr* hundert rund der fünfte Teil des jüdischen Volkes, im heutigen Oesterreich wohnt nur der achtzehnte Teil. Diese Verschiebung ist eine bedeutsame Folge des Weltkrieges für das jüdische Volk. Vor dem. Krieg lebten zwei Drittel des jüdischen Volkes in Nationalitätenstaaten (Rußland und Oesterreich), wobei sie mit der herrschenden Staatsnation zusammengingen. Nach dem Zerfall dieser Staaten sind die einzelnen Nationalitäten (Ungarn, Tschechen, Polen, Ukrainer, Bialorussen) in den Vordergrund getreten und haben das Dasein für die jüdischen Minoritäten koih* plizierter gestaltet. (Allerdings hat der politische Zionismus, was Lestschinsky nicht in den Kreis seiner Betrachtung zieht, ihnen eine wichtige Waffe im Kampf um ihre nationale Existenz geliefert.) Fast zwei Drittel des ganzen jüdischen Volkes leben zurzeit in drei Staaten: Amerika, Polen und Rußland. Rumänien, Ungarn, Deutschland, Tschecho- . Slowakei, England, Frankreich, Oesterreich, Argen» tinien, Litauen und Palästina hinzunehmend, findet man, daß sich 90 Prozent des Gesamtjudentums in 13 Staaten mit je mehr als 100.000 Juden befinden, während 10 Pro« zent über fast 50 Staaten verstreut sind. Von Einzelfällen abgesehen, stellen die Juden heute das großstädtischeste und konzen« trierteste Volk dar; sie haben sich zu großen kom* Pakten Gemeinden in den größten Städten der Welt, in den Nervenknoten des wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Lebens zusammengeschlossen. In der ganzen Welt gibt es 19 Städte mit mehr als 1 Million Einwohnern, von denen für uns 14 Großstädte in Europa und Amerika (Japan, China, Indien, sind ausgeschlossen) in Betracht kommen. In diesen größten Zentren wohnen rund 38 Millionen Menschen, unter ihnen 3,5 Millionen oder 9,2 Prozent Juden,, während der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung Europas und Amerikas nur 2 Prozent ausmacht. Errechnet man den Prozentsatz der großstädti» sehen Juden in Europa und Amerika in Beziehung zum Weltjudentum, so findet man, daß ihre Zahl 23 Prozent ausmacht, wobei Städte mit weniger als 10.000 Juden gar nicht berücksichtigt sind. Betreffs der Kompaktheit der. jüdischen Bevöl« kerung und ihrer Konzentration in großen Gemeinden ■ ♦ Zwei neue 1119 61611- Apparat« Inaelen U2G, Qleichstrom-Ortsempfflnger (Vollnetzanschluß) mit eingebautem Lautsprecher Preli S S39«~~ Betriebskosten 12 g per Stunde Ifigelen U2W, Wechselstrom-OrtsempfSngur (Vollnetzanschluß) mit eingebautem Lautsprecher Prtf* 9 275.— Betriebskosten 1 g per Stunde Bei allen prominenten Händlern auch WM auf Teiliehltina erhältlichl ■ 1 gibt es aufschlußreiche Ziffern (Grundjahr 1920): An erster Stelle T e I < A w i w (40.000 Einwohner) 100 Pro« zent, P i n s k (23.000) 74,6 Prozent, R o w n o (30.000) 71,2 Prozent, Bend in (27.000) 62,1 Prozent, B e r< d i t s c h e w (43.000) 65,1 Prozent, K i s c h i n e w (133.000) 60,2 Prozent, Jassy (75.000) 60 Prozent, Jerusalem (80.000) 60 Prozent, Brest Litowsk (30.000) 53 Prozent, Tripolis (30.000) 53.3 Prozent, G r o d n o (34.000) 53,9 Prozent, B j a 1 i s t o k (76.000) 51,6 Prozent, Wilna (130.000) 43,2 Prozent, Minsk (131.000) 40,8 Prozent, Czernowitz 91.000) 47,6 Prozent, Lemberg (220.000) 35 Prozent, Odessa (420.000) 36,4 Prozent, Lodz (450.000) 34,5 Prozent, New York (6,000.000) 29,8 Prozent, Warschau (990.000) 32,5 Prozent, Budapest (930.000) 22,9 Pro* zent, Wien (1,860.000) 10,8 Prozent. Für die Beurteilung der Verhältnisse kommt es hier nicht nur auf die Größe der jüdischen Gemeinden an und für sich an, sondern auch darauf, welchen Teil der Gesamtbevölkerung die Juden bil* I IpWlIllfilfflWlHI^ BLAIMSCHIINf AWS PFLANZEN - Margarine nr^'KPDiwA JHL JtiiJKl^i If Unerreicht in Qualität und Prtisl Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwurden des Herrn Oberrabbiners S. Fürst Darf In kainam jüdischen Haushalt HHihm nec tot Ueberau erhältlich KARL BLA1MSCHEINS Vereinigte Margarine- und Butterfabriken, Wien, XIV., Dlefenbachgäss« 99 mimxmm »WIMMIM^ 30.000, Breslau von 4400 auf 23.000, Köln von 100 auf t6.ooo, Wien von 1000 auf 201.000. Das amerikanische Judentum ist viel stärker konzentriert als das irgend eines anderen Landes. 75 Prozent der amerikanischen Juden leben kompakt in Städten mit mehr als ro.000 jüdischen Einwohnern. Besonders auffallend ist hier das Wachstum innerhalb der Jahre 1900 bis 1925. New York zeigt eine Steigerung von 500.000 auf 1,750.000, Chikago von 60.000 auf 325.000, Philadelphia von 75.000 auf 275.000, Cleveland von 40.000 auf 90.000, Los Angeles von 2000 auf 65.000. Lestschinsky ist der Ansicht, daß die beiden Pro* zesse: Konzentration der jüdischen Massen in den Großstädten und Zusammenschluß zu großen kom* Pakten Gemeinden Hand in Hand verlaufen und noch nicht zum Abschluß gelangt sind, namentlich in den ost* europäischen Ländern. * Lestschinsky hat in seiner Untersuchung die Un* SAISON - NEUHEITEN INDANTÖRENHAUS - MODEDIENST STOFFE, MODELLE u. SCHNITTE nach EIGENEN ENTWÜRFEN INDÄNTHRENHAUS Wien, VI. Bez., Mariahilf erstraße Nummer 71 UNÜBERTROFFEN WASCH-, LICHT- UND WETTERECHTE STOFFE für Kleidung und Helm den. In New York z. B. beträgt der Prozentsatz der Juden 29,8 Prozent, gleichzeitig aber haben sie in dieser Stadt mit ihren vielen Nationalitäten sogar die Mehr* heit. In 22 Städten bilden die Juden über 50 Prozent der Einwohnerschaft; in 67 Städten über 30 Prozent. Es handelt sich um einige Städte Palästinas (TeUAwtw, Jerusalem, Jaffa, und um osteuropäische Städte in Rußland, Polen und Rumänien, wobei auch hier nur Gemeinden mit mehr als 10.000 Juden berücksichtigt wurden. Für die Entwicklung der Konzentration der jüdi* sehen Massen und den Grad ihrer Kompaktheit in den großen Sädten verschiedener Länder legt Lestschinsky die Verhältnisse in Rußland, Polen und Galizien, Deutsch* land und Oesterreich und in den Vereinigten Staaten zugrunde. Bezüglich Rußlands fällt auf, daß sich kompakte jüdische Massen in den letzten Jahrzehnten gerade in jenen Städten gebildet haben, die früher den Juden versperrt waren. In kaum zehn Jahren haben diese Handels- und Industriezentren einen Zustrom von hunderttausenden Juden erhalten, allerdings unter ganz besonderen, den Andrang künstlich erhöhen* den Umständen. Die außerhalb des jüdischen Siedlungsrayons gelegenen Städte (Kiew, Moskau, Leningrad, Charkow, Rostow, Tiflis, Saratow, Baku und Smolensk) erfuhren von 1847 (S500 Juden) bis 1920*26 (538.800 Juden) eine jüdische Vermehrung um fast das Hundert* fache. In den anderen Städten nahm die jüdische Bevölkerung während derselben Periode nur um das Fünf* fache ab. In Polen fallen beim Wachstum der großen jüdischen Gemeinden die Differenzen zwischen der Zu* nähme der Konzentration in Galizien und dorjeniyon im übrigen Polen auf. Galizien verfügte 1921 über zehn Städte mit mehr als 10.000 Juden, deren Zahl sich seit 1856 nur verdoppelt hat. Im übrigen Polen ver* mehrte sich die jüdische Bevölkerung in 22 Gemeinden mit mehr als 10.000 Juden von 1856 bis 1921 um das Sechsfache: ein Beweis dafür, daß heute die Kon* zentration der Juden in großen Gemeinden im industrialisierten Kronpolen die jüdischen Gemeinden im rückständigen agrarischen Galizien weit überholt hat. In Deutschland hatte im Jahre 1825 keine einzige Siadt (Wien als deutsche Stadt inbegriffen1) to.cco Juden. Die absolute Zahl du Juden ist im Verkuif von 100 Jan» ran um das. Zweiund^v.anzigfache gestiegen, hiebei Berlin von 4000 auf 172.000, Frankfurt von 4500 auf möglichkeit der Umschichtung innerhalb der alten Volkswirtschaft nicht behandelt und daher auch die wirtschaftliche Lösung der Judenfrage nicht einmal gestreift. Er hat die Schlußfolgerung aus der Tatsache gezogen, daß sich die jüdischen Massen im Emigrationsland nicht einordnen können, und daß die Konzentration der jüdischen Massen und ihre Produktivisierung (Schaffung eines jüdischen Bauernstandes und einer starken Arbeiterklasse auf einem Territorium) die wirt* schaftliche Lösung der Judenfrage bedeutet. „D e r Kampf um bessere Lebensbedingungen und um jüdische Kultur führt zum Aufbau einer normalisierten Wirtschaft in Palästina", bekennen alle ehrlichen Sozialisten, denen es bekannt ist, daß die wirtschaftliche Struktur der palästinensischen Arbeiterschaft erheblich produk* tiver gestaltet ist als in allen übrigen Ländern. Verglei« chen wir die Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung in Weißrußland und in Palästina: unter den 457.000 Juden in Weißrußland gibt es 703 landwirtschaftliche Arbeiter, von 160.000 Juden in Palästina aber — 6400. Dieser Pro* zentsatz ist im Wachsen begriffen. Das Symbol des Galuthjudentums ist der Handel des deklassierten Kleinbürgers, das Symbol des neuen palästinensi* sehen Judentums ist die Arbeit, geschaffen durch den neuen jüdischen Arbeiter und Bauern. Wochen-Kalender April 1930 snn Nissan 56*90 11 FreitaR 18- * Sabbateingang 6.35 12 Samstag 14-t Sabbatausnang 7.2t nmyi taon .*rnn row ,w 13 Sonntag 15-ra riDDT 'K 14 Montag riPßT3 15 Dienstag 17-t* ormva 18 Mittwoch lo~rn D»mrn'3 17 Donnerstag 19-kp own 'j!

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