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Die neue Welt · 1930-04-11 · Heft 134 (11.4.1930) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 134 (11.4.1930)
Date
1930-04-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite S DIE NEUE WELT Nr. 154 Vorband demokratisch«r Zlonisten entfällt! Der Friedhof von Saloniki. Wie bereits berichtet, haben vor kurzem Vandalen den alten Friedhof in Saloniki geschändet und etwa 70 Grabsteine zertrümmert. Die Trauer unter den Juden von Saloniki aus diesem Anlaß ist um so tiefer, als die Zerstörung hauptsächlich auf dem ältesten Teil des Friedhofes gewütet hat. Der Friedhof von Saloniki ist nicht nur deshalb, weil er heute bereits 500 Jahre alt ist, und die Grabsteine eine wahre Enzyklopädie zur Geschichte einer der ältesten und interessantesten Judengemeinde darstellen, sondern auch wegen seiner Anlage, der herrlichen Ausblicke, die man vou hier aus genießen kann, das Ziel der Touristen. Auf der einen Seite dieses nahezu höchsten Punktes von Saloniki, sieht man das unendliche Meer mit dem regen S,chiffsverkeli r, auf der anderen Seite kann man sich des Anblicks hoher Berge mit ewigem Schnee erfreuen. Der jüdische Friedhof an dieser Stelle umfaßt mehr als 5000 Quadratmeter und ist von einer Steinmauer ein gefaßt, die jedoch an vielen Stellen bereits große Lücken aufweist, durch welche die repatriierten Griechen aus der Türkei, die in der Nähe angesiedelt sind, ihre Haustiere auf den Friedhof treiben, um dort zu weiden. Alle Einsprüche der jüdischen Bevölr kerung und der jüdischen Gemeinde blieben unerhört und selbst an dem Tag, als nach der Zerstörung eines Teiles des jüdischen Friedhofes eine große Kommission am Friedhof amtierte, haben Griechen ungestört ihre O c Ii s e n, Esel und Schweine zwischen den jüdischen Gräbern weklen lassen können. Die Vandalen haben scheußliche Arbeit geleistet, die offensichtlich von langer Hand vorbereitet war und es war in der Tat eine Szene voll Rührung, der sich auch der Polizeipräfekt nicht entziehen konnte, als die Nachkommen jener Toten, deren Grabsteine völlig vernichtet und zerbröckelt wurden, fastend und weinend Gebete verrichteten an den zerstörten Gräbern. Ueber Ursachen und Zweck dieser Untat gehen die Meinungen in den maßgebenden jüdischen und griechischen Kreisen wohl auseinander. Doch darin stimmen alle überein, daß dieser Demonstration politische Gründe zugrunde liegen. Wie erwähnt, wurden die Austauschgriechen aus der Türkei im. Jahre 1922 in der Umgebung des jüdischen Friedhofs angesiedelt und nun verlangen diese Heimkehrer einen großen Teil des Friedhofgrundes für eigene Bauzwecke. Die Regierung hat die Erfüllung dieses Wunsches zugesagt und da die Griechen offenbar der Meinung sind, daß die Regierung ihr Versprechen nur wegen des Widerstandes der Juden nicht erfüllen könne, griffen sie zu demselben Erpressungen!ittcl, das sie wiederholt den Türken gegenüber mit Erfolg angewendet haben. Sic demolierten einfach einen Teil des türkischen Friedhofs, warfen die L e i c h e n aus den Gräbern, zerstörten die Grabsteine und bauten ihre Häuser darauf. Auch die Universität von Saloniki fordert schon seit langem,'daß ein Teil des jüdischen Friedhofs applaniert werde, um auf dem so gewonnenen Grund die Universität erweitern zu können. Die jüdische Gemeinde ist aber entschlossen, trotz dieser Erpressungsversuche und^ob'gleich sie überzeugt ist, daß diese Versuche noch \vicderholt werden, fest entschlossen, den Kampf um ihr Hecht auf den Friedhof zu Ende zu führen. Auf dem Salonikier jüdischen Friedhof liegen viele als heilig verehrte Gelehrte und Führer der 500 Jahre alten Gemeinde. Zu ihren Gräbern wallen die Richard Herzog I«, Adlergau« s T«l. IM&4.90 II., Kl. Plarrg. 2t Toi. A-41>«-24 Sprechapparate BJMIA* Mnd RundfunkMrlftt« ■^lUFiw jeder Art, ferner , Jüdische und hebrflUche Schoilplotten I sowie alle Modernsten Tanz- und Gesängsschlager - 'V*We}*_Tr*?}Jl$& Vorrat^rcicht gQ - aeiie zurückgesetzte Platten Auch Teilzahlungen! Provinz Versand! m EROFFNUNGSANZEIGE. KAFFEE NIZZA, II. Heinestraße 2, Ecke Taborstraße 60 Wir gestatten uns. einem P. T. Publikum erjtebenst Mitteilung zu machen, daß wir das Kaffee Nizza käuflich erworben haben und dasselbe den modernsten nnd hygienischesten Anforderungen entsprechend neu erstehen ließen. Die Eröffnung des Kaffeehauses findet am Donnerstag, den 10. April 1930 um 12 Uhr mittags statt und werden wir bestrebt sein, dasselbe in nur cut bürgerlichem Sinne zu führen und den verehrten P. T. Gästen Immer das Allerbeste zu bürgerlichen Preisen zu bieten. Die gesammelten Erfahrungen und fachmännischen Kenntnisse durch langjähriges Wirken in dfeser Branche gewährleisten eine gute und klaglose Bedienung in Jeder Hinsicht. Um zahlreichen Zuspruch höflichst bittend, empfehlen sich hochachtungsvoll Alfred und Gustav Paschkes ärmeren Schichten der jüdischen Bevölkerung und legen, genau so wie etwa am Grabe eines Wunderrabbi in Osteuropa, in Form von Briefen ihre Wünsche und Bitten um Fürsprache an allerhöchster Stelle nieder. Bis auf den heutigen Tag jedoch haben sich die Legenden von der übernatürlichen Kraft und geistigen Macht eines Mannes erhalten, dessen Grab ständig mit solchen Bittgesuchen seelisch Bedrückter übersät ist. Dieser Mann war der Chacham Isaak Berdessi, vor dem alle, die in seine Nähe kamen, vor Ehrfurcht erzitterten. Niemals konnte man diesem heiligen Mann — so erzählt die Volkssage — geradeaus ins Auge schauen, weil von seinen Augen Strahlen ausgingen, die nach allen Seiten hin leuchteten. Reich und arm vergötterte ihn und erbebte, wenn er seine Stimme zum Segen oder, Gott bewahre, zum Fluch erhob. Persönlich äußerst bescheiden, bewohnte er eine kleine Kammer, die angefüllt war mit talmudischen und kabbalistischen Werken. Aus allen Teilen der Halbinsel und noch von weiterher wurde er mit Bitten um Gutachten in den wichtigsten religiösen und persönlichen Angelegenheiten bestürmt und, wie immer auch seine Entscheidung ausfallen mochte, niemand wagte es, Unzufriedenheit merken zu lassen. Damals lebte in Saloniki ein sehr reicher Mann Abraham Sehalticl, der sich ein großes Palais bauen ließ, zu welchem er türkische Arbeiter verwendete. Schaltiel war damals der allgewaltige Parnes von Saloniki. Niemand wußte, daß Schaltiel iimmnntinmtntmm'iiiiiitminmiimiiinitittmimiHititM rifmiiHHtiimiuiittitltimiiii SIEGM. KORNM EHLl GROS5FLEISCHH AUERE1 Zentrale iX.. Bergga«se 19. Telephon 17-W.u. 16-9-34 1 I L i e f e r a n ' » ü r H e ■ ) a n s i a I t e n | JiSSSÜiSSSf??? nSLr^3"Ffe8sclh j. unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der lar. Kul- | Ii"- ,, tusgemdnqe» .Wie» / § Ai^ozuatellqhf}, kostenlos i| IX. Berggasse 13 ✓ XVIII., WShrtngerstr* 97 f r r>initiHHMi)iintrAtMiiHMniMiMtmiiitilimtjli^Hliu iHlMWM"!hlMiw<iHitmtiimit>mw^^ imimHiiHmuiimiHiMiiuiiHiMitmM^ seine türkischen Arbeiter-auv-'Samstag im Keller für seinen Bau Steine klopfen und auch sonst Arbeiten verrichten, lasse. Es wurde niemals bekannt, wie der Heilige Chacham zur Kenntnis dieses religiösen Verrats gelangte. Als er davon erfuhr, ließ er den Gemeindepräsident kommen, und hielt' ihm'seine unjüdische Tat vor. Es wäre vor allem am Platze gewesen, jüdische Arbeiter zu verwenden. Aber er ermahne ihn, die Sabbatarbeit einzustellen, denn er werde sonst der Arbeit, die mit ■ Sabbatentweiltung geleistet wurde, niemals froh werden. Senor Alberto (Abraham) Schaltiel, der iu seinen Viergespann vor der bescheidenen Wolt-, uting des Chacham vorgefuhren war, verließ diesen mit. trotzigen Worten und setzte seine Sabbatentweihungfort. Da erhielt er eines Tages von Rabbi Isaak ein. kurzes' Schreiben',.'darin stand bloß: „Dein Ende ist bereits bestimmt: Brand, Mord, Irrsinn!" Ein Jahr später brach, während Senor Alberto Schaltiel in seinem herrlichen neuen Palast ein Abendessen gab, plötzlich ein Feuer aus, von welchem der Prachtbau bis auf den Grund zerstört wurde. Nicht lange darauf wurden seine Frau und Kinder von Wegelagerern überfallen und hin- Jehuda EhrenBcrani liest im Theatersaal des Hotel Post ' Dienstag, den 15. April, */♦• Uhr abends „Jüdischer Humor" (Schalem Ate jenem, Asch, J. L. Peres, Tunkeier u. a. \A/\A/VVVVWN/VVVVVwV^^ Karten bei R. Löwit, I., Wollzeile Nr. 6. M. Roth, II., Taborstraße Nr. 20 a. gemordet. Schaltiel selbst verlor allmählich sein Vermögen und schließlich auch seinen Verstand .... . Das isj; nur eine der vielen Legenden, über diesen Mann." Auch von seinem. Tod hat sich eine Legende bis auf den heutigen Tag erhalten. Er starb eineinhalb Stunden vor Sonnenuntergang am Sabbatvorabend. Es hieß nun, den heiligen Mann noch vor Sabbateintritt zu Grabe zu bringen, damit die Leiche nicht über den Sabbat uubegroben liege. Man entschloß sich, die Beerdigung in beschleunigtem Tempo durchzuführen, um nicht den Sabbat zu eutweihen. Aber siehe da, die Sonne schien selbst auf einem Platz stehen geblieben zu uein, um dem großen Zaddik die letzte Ehre zu er-, weisen. Uncl erst als der Heilige Rabbi Isaak in Anwesenheit von tausenden spiner Gläubigen zur ewigen' Ruhe bestattet worden war, wurd es plötzlich finster. An jenem Sabbutvorabend hat es keine Dämmerung gegeben, unmittelbar trat die finstere Nacht ein. So erzählen die ulteu Juden von Saloniki. Mf Jüdischer NatlonaUond» Orai JUDISCHER LIEDERABEND Mittwoch, den 16. April 1930. abends halb 9 Uhr, Im Kammirmoilkiaaj HILDA DULICKAJA, Wien Lladar, Volkalladar (habrälach und Jiddisch), ehaatldlseha, avnagonala und Palästina-Uader. Am F|0gel: Frau Mar» Fieudmann. Karten von S 1.— bis S 5.— im Vorverkaufe bei: Alexander Lands" kroner, Annenstraße 28. Tabaktrafik Paul Kletter, Joanneumring 5. Oslas Liechtenstein, Bismarckplatz 6, Qeschirrhandlun Julius Preis, Jakotninipfatz 3, Möbelhaus Artur Preis, Annenstraße 11, Teppichhaus Samuel Weiss, Stubenberggasse 4. T healer, Kunst und Literatur 15 Jahre nach J. L. Perez' Tod. Während eine Reihe jiddischer Dichter im letzten Jahrzehnt in den Rahmen des europäischen Literaturguts einbezogen und darin heimisch wurde, ist ihm J. L. P e r e z Werk abseits geblieben; abseits in dem Sinne, daß sein außereuropäischer, außerzivisatorischer Wert auch die Distanz zu dem schuf, was im Schöße der A11 e r w e 11 s 1 i t e r a t; u r eine Herberge fand. Die Konjunktur für „Jiddisch" ist noch nicht vorbei. Seitdem Mathias Ach er die ersten, aus heißem Atem und spruchlicher Einfühlungskraft geformten UebertraT gungen jiddischer Dichter in die Welt sandte, ist eine an propagandistischen Tendenzen reiche Epoche abgerollt, der hauptsächlich das ostjüdische Thesier die Signatur gab. Perez und seih Werk blieben in stolzerlso.lier u n g, unbeschadet der Tatsache, daß gerade die feinnervigsten, seelischen Gehalt suchenden Leser in ihm das reinste Ziel ihrer Sehnsucht fanden. Fast wider Willen war es ihm beschieden, die Grenzen des jüdischen, ostjüdischen Kulturinhalts zu erweitern, allerdings nicht in revolutionärer Pose. Vou der ersten Railade über die unzähligen Novellen, Skizzen und Studien zur „Goldenen Kette" und zur „Nacht auf dem Markt" geht ein Strom verinnerlichten, unterirdischen, immateriellen Wirkens. Das dichterische Werk J. L. Perez' lag in seinem transzendentalen Streben, die ehassidische Welt zu umfassen, um sich in ihr z« erneuern. ' Als Dichter dieser Welt ist J. L. Perez der edel-» s,te. Bewahrer einer geistigen Kraft, diaj ebenso unsterblich ist wie der Dichter selber. Ein großes Legat für den Musiker Ernst Bloch. Aus New York wird uns geschrieben: Die Kinder, des verstorbenen jüdischen Ehepaares Jakob und Rosa S t e rn in Kalifornien, die als Musikfördercr und ausübende Musikliebhaber bekannt waren, haben zum An- > denken ihrer Eltern eine Stiftung von 100.000 Dollar errichtet, deren Erträgnisse, etwa 5000 Dollar im Jahr, während zehn aufeinanderfolgenden Jahreu dem auch außerhalb Amerikas bekannten jüdischen Komponisten Ernst Bloch zugute kommen sollen. Ernst Bloch gehört zii den anerkanntesten Tonkünstlern des neuen Amerika, der sich ursprünglich mit seinen rein jüdischen Themen einen Namen gemacht hat. Besonders seine symphonischen Werke haben bei den Kritikern vollste Anerkennung gefunden. Vor einem Jahre wurde ihm für seine amerikanische Symphonie „Amerika" der Dreitausenddollarpreis zuerkannt. Aber er selbst ist, wenn man so sagen darf, am meisten stolz auf die musikalischen Schöpfungen, die er „aus ure i g e n s t e r Quelle" wie sein großes Werk „I s r a « 1" u. a. geschaffen hat. Dieser ernsten tondichterischen Arbeit zollt auch die Familie Stern Anerkennung, indem sie dem jüdischen Komponisten die Möglichkeit bietet, sich sorgenlos seiner jeder marktschreierischen Art ab- Kundmachung Die W^ner Molkerei bringt auch heuer in allen ihren Filialen zum Verkauf < Die Pessach - Koschermilch wird in ihren Meiereien in Niederösterreich unter streng ritueller Aufsicht der von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. M. Rosenmann bestellten religiös verläßlichen Organe (dwj&d) erzeugt, jede Kanne und jede Flasche ist mit einer Plombe, respektive mit einer Schleife versehen mit dem Aufdruck ' no& bv ws.'a^n Wien, 10. April 1930. Wiener Molkerei

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