Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 134 (11.4.1930)
- Date
- 1930-04-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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r Seife * die mm WELT' Nr. 134 Hotel* Restaurant GUTH II., Hollandstraße 14 veranstaltet — wie'alljährlich •— auch heuer zwei feierliche SEDE R-ABE NDE unter der Leitung (GOR GRÜNBERG des Herrn Kantors vom Leopoldauidter Tempel Beginn 8 Uhr OewÜhnllohe Prtlsa Feinste Pallistina- und Unoar-Weine dichter waren Christen, ehrliche Kommunisten mit ein* fächern, geradem Verstand. Sie zogen die Jugend des Knaben mildernd in Betracht und verurteilten ihn zu neun Monaten Gefängnis unter Anrechnung der sieben Monate Untersuchungshaft. Der Junge, nahm seine Strafe, entf gegen und wurde bald frei. Aber die Jewsekzia war nicht zufrieden. Ihr Bemühen war von Erfolg geUrünt- und ein energischer Befehl wurde von C h'a r k o w. erlassen, den Prozeß aufs neuezu verhandeln und ihn vor das Oberste Gericht zu bringen. Der Junge wurde wieder verhaftet und wurde nach K. geschickt. Die Untersuchung war dein Untersuchungsrichter Mr*z übertragen, einem einge* fleischten Jewsektionisten, der uns vom ganzen Herzen h a ß t und sich bemüht, uns nach Möglichkeit Böses zu tun. Das Resulat der neuen Untersuchung lautete dahin, daß der Junge seine Partei verraten und noch dazu seine jungen Kameraden aufgestachelt habe, und nicht genug damit, habe er an den Grundlagen des herrschenden Staatssystems gerüttelt, „um die Regierung zu stürzen" (so heißt es wörtlich in der Anklage); er müsse daher als Staatsverräter verurteilt werden, was mit Todesstrafe durch Erschießen g e« sühnt werden soll!. Auch hatten wir inzwischen er* fahren, daß von dem Zentralbüro der Jewsekzia in Moskau eine Weisung an das Kreisgericht in K. ergangen war, den Jungen nach der ganzen Strenge des Gesetzes zu strafen, um die anderen abzuschrecken. Der Junge ist Waise. Seine Mutter haben im Jahre ioio die Haidamaken (Petljuraleute) getötet; seinen Vater tötete die Tscheka im Jahre 1922 auf Grund einer Anklage jüdischer Kommunisten, er führe illegale Literatur ein. Bei einer Haussuchung fand man bei ihm zu Hause einige Nummern der „Hazefirah" und des in Krakau erscheinenden „Hariiizpeh". . Ohne Prozeß und ohne .Gericht wurde er in den Kellern der Tscheka erschossen. Die Schwestern des Knaben drangen "nun in" mich, nach K. zu gehen und mich z'u be» mühen, ihren jungen, gequälten, unglücklichen Bruder den Klauen des Todes zu entreißen. Alle Tore des Erbarmens waren für den Jungen verschlossen. Vergeblich waren meine-Bemühungen durch bekannte, vielleicht weniger hartherzige Jewsektionisten. Da ereignete sich diesmal wirklich ein Wunder vom Himmel: zwei der Richter erkrankten schwer und an ihrer Stelle wurden 2wei christliche Richter ernannt. Die Jewsktia bemühte sich, den Prozeß zu vertagen, in* dem sie betonte, daß nur jüdische Richter ein gerechtes Urteil gegen1 einen jüdischen Verräter fällen können. Aber der Vorsitzende und der christliche Verteidiger willigten nicht ein, den Prozeß zu vertagen. Ja, sie schlugen vor, das frühere Urteil zu bestätigen. Doch machte sich der Einfluß der Jewsekzia schließlich geltend und das Urteil lautete: Das Verbrechen, dessen der Junge angeklagt ist, ist nach den Paragraphen des Gesetzes m i t dem Tode zu sühnen. Da man jedoch die Jugend des Angeklagten mildernd in Betfacht ziehen müsse, ver* urteilte ihn das Gericht zur Verbannung in den Distrikt Turkestan für fünf Jahre! Eine Woche nach dem Urteilsspruch wurde mein Neffe in die Verbannung geschickt. Mein Lieber, wenn es Heilige gab in der langen Geschichte unserer Ver« bannung, dieser Junge zählt zu den heiligsten. Wenn es Gequälte gab in unserer Geschichte, dieser Junge schreitet voran. In. einem zerfetzten Hemd, mit Fetzenresten von Schuhen bekleidet, mit tief in den Höhlen liegenden Augen, das Gesicht weiß wie der Tod. Kraftlos und mit einer Kette gefesselt, ging er hinter dem Soldaten. Alles, was seine Schwester hatte, zweieinhalb Rubel, gab sie ihm. / Alles, was ich besaß, 45 Kopeken, übergab ich ihm. Viel« leicht war dies der letzte Abschied; denn wieviele junge. Menschen voll Leben finden in der -Verbannung ihr Grab, sterben an Hunger und Krankheiten!? Der Vorsitzende des Weitverbandes der „Hüter des Sabbat" bei Albert Thomas. Berlin, 2. April. Herr Albert T h o m a s, der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes des Vö 1* kerbundes in Genf, hat bei einem kurzen Aufent* halt hi Jtetin>4jBn Vorsitzenden de^\^ej^b^l$f Jür Sabbatschutz, „Schomre Schabbos'\ Herrn Do» zenten Dr.: G r ü n b e x g, empfangen. Pie Unterredung' D I E P R AMI E S 500.000 AM 3. APRIL MIT EINEM PROKOPP-LOS GEWONNEN Die Lose der Geschäftsstelle J. Prokopp, bisher nur in Baden, Hauptplatz 17, sind seit dem 1. April auch erhältlich in der LOSVERTRIEBSSTELLE WIEN, VI., ECKE MARIAHILFERSTRASSE THEOBALDGASSE 19 TELEPHON A-31-6-36 durch Radium - Hochlraquenibestrohlung. Gegen Gicht Ischias, Rheumatismus, Nervenleiden. , Undssben. konz. dsrraato-phy »ikaliscbe MN^taftst< h$oI*Rä* " U KÄrntnerstraße 10. Eingang Seitengasse. gab Herrn Grünberg Gelegenheit, Herrn Thomas ein* gehend über die Bestrebungen und Ziele des Weltver« bandes zu informieren. Unter Hinweis auf die am 10. Juni beginnende internationale Konferenz, die über die Regelung der Arbeitszeit der Angestellten in den Büros und Handelsgeschäften zu beraten und zu beschließen haben wird, bat der Präsident des Welt« Verbandes, die Belange der safebattreifen Angesteil« ten, die um ihrer GeSvissensüberzeugung ' willen in den meisten Füllen schwerste Öcnaciirciligung in ihren Ar« bcitsmöglichk^eiten erfahren, in der zu treffenden i n t c r* nationalen Konvention nach Gebühr zu berücksichtigen. Herr Thomas offenbarte lebhaftes Interesse, Sympathie und Anerkennung für die sozialen Ziele, der Organisation und für ihren Willen, das sittliche Niveau der Arbeit durch seelische Vertiefung des Gcf dankens der Sabbatruhe und durch ihre Sicherung vor innerer und äußerer Gefährdung zu heben. Ein Jude Oberrichter von Australien. Melbourne, 2. April (J. T. A.) Sir lsaac Alfred I s aaes, seit 1906 Mitglied des Obersten Gerichtes von Australien und in den Jahren. 1927 und 1929 1 stellvertre« tender Präsident des Obersten-Gerichtes, wurde soeben^ zum' Pr ä s-i d en t-örv ef e s'1 O'b er s tc iY: Ger ich tes1 des australischen St'aätcnbürides' an Stelle ndes zurück« getretenen Sir Adrian Knbx ernannt. Sir lsaac Isaacs steht hpute im 75. Lebensjahre. Er wurde , in Melbourne geboren, war Mitglied der australischen Bundesversamm« hing, die 1897 bis 1899 die Verfassung des australischen Staatenbundes ausarbeitete, würde später Oberstaats* anwalt des Skates 'Victoria' und 1905 "Oberstaätsanwalt des gesandten: Staate^bundesV iViel^ ,Jahre: lang' wiir er Mitglied des,.au^tralis,chenj Pariarncnts^ vejrtreteqdefrp'r^ ''d&s'- S|af£e>-«V^ct.o«ia^ Im Jurii 1928 erhielt: ei* die & i f t er würde'. —•' "Auch''das australische Dominion^ Neuseeland, hat im ■,< April 1929 einen Juden, Sir Michael e.r,s, zum Präsidenten de.s .Obersten (Berichtes ernannt. - Y . Der britische Krönrat bestätigt Todesurteile gegen PalästinarÄraber. . London, 2. April. Das juridische Komitee des briti« sehen Kronrates (Privy Council) hat die von fünf Arabern aus Safed, die wegen Ermordung von Juden zur Zeit der Augustunruhen vom obersten palästinensischen Gericht zum Tode verurteilt worden waren, eingebrachten Appellationen zurück g e wiesen und sonach die. Todesurteile endgültig bestätigt, . .. . Die Oberstaatsanwaltschaft war durch Kenelm Preedy vertreten, die. Revisionsappelle vertragen die- Anwälte . Pritt„ Horace ^Douglas und Abcaricus, das Richterkomitee des Kronrates setzte sich zusammen aus Lord Dunedin,, Lord "Thbnkerton und Lord MacMillan.^ Pritt, führte aus, die. Gerichte in Palästina hätten in. einigen Fällen das ottomanische Strafgesetz,, auf das sie sich' stützten mußten, völlig ignoriert; in diesem Straf«,' gesetz wird Mord definiert als eine mit Vorbedacht", vorbereitete und mit Ueberlegung ausgeführte Tat. PerV sönen, die ohne vorherige Ueberlegung töteten, werden nach diesem Gesetz nur zu Gefängnisstrafen in - ver*i schiedencr Höhe verurteilt. Die Mordfälle in Palästina aber waren das Ergebnis des religiösen Fanatismüs. Aus den, Urteilen des Obersten Gerichtshofes in Palästina im Dezember 1929 ist klar zu ersehen, daß die Richter hinsichtlich der Frage der vorherigen Ueberlegung nicht dem ottomanischen Recht, sondern den Prinzipien des'* englischen Rechtes folgtet*: 'Einige derjenigen Araber, die ■ heute die gegen sie ausgesprochenen Urteile anfechten,/ wurden des Mordesmit v o'r ä n g e g a ivg e n-'e* U-e b c »»/ legiihg schuldig befunden, weil Beweise vor*, lagen,- daß sie anderen-- geholfen haben, die überlegte. Morde begingen. Nach dem ottomanischen Gesetz heißt abert; Mord eine mit ruhiger Geistesverfassung, mit Kalt*, blütigkeit und in Zeitunterschied zwischen Plan und Tat ausgeführtes Verbrechen. In anderen Fällen wurden Per*, sonenzum Tode verurteilt, weil sie Morde begingen, unjL> .andere Verbrechen durchführen zu können. Das Palästina» , gericht prüfte aber nicht, ob irgend welche. Beweise d^für^^ vorlagen, daß die Appellanten wirklieh mit dem Zielt , mordeten, uni Plünderung und Brandstiftung begehen zu können. Der Anwalt P r i 11 analysierte besonders den Fall des zum Tode verurteilten Arabers Mustapha Achmed Deiblis. Die übrigen Anwälte trugen die anderen Fälle vor. Nachdem sich das juridische Komitee des Privy Council zur Beratung zurückgezogen hatte, wurde die Sitzung wieder eröffnet und Lord Dunedin teilte mit, die Lords seien zu dem Beschluß gekommen, daß die Appelle nicht gegen das Urteil der Evstrichter, sondern gegen die Urteilsgründe des 'Jerusalemer Berufungsgerichtes erhoben worden sind. Die Lordrichter haben beschlossen, die Appelle zurückzuweisen, weil sie zu der Ueber* zeugung gekommen sind, daß man solchen Appellen nicht stattgeben kann, ohne die seit vielen Jahren geltenden Prinzipien bei Appellationen in Kriminalprozessen zu ver« letzen. . Ein Staatsangestellter wegen Verhöhnung - der jüdischen Bevölkerung gekündigt. —- Die Kündigung zurückgenommen. Berlin, 3. April. Die nationalsozialistische Land? tagsä'bgeordhete K,u b e hatte sich in einer Meinen An* frage am - 10. Februar 1. J. beim preußischen Staats« ministeriunv darüber beschwört, „daß ein gewisser H ö p p c,' Angestellter* ••' Beim 1 Kreise H'abelschwer'dt in/ Schlesien, vom Landrat Bayer seine Kündigung erhalten hatte, weil" er eine. Plakatsäule der Nationalsozialisten herumgetragen hatte, auf der die jüdischen .Mit* bürger des. Herrn Bayer angegriffen wow den s e i e n." — Hierauf antwortet, der preußische Innen*, minister nunmehr unter anderem: „Die Kündigung. des Angestellten Hoppe, ist nicht vom Landrat, sondern vom Kre.isausschuß. in Habelschwer dt, ausgesprochen worden. Sie ist erfolgt, weil Hoppe sich an dem Herumtragen einer hohlen Pappsäule der nationalsozialistischen deut« sehen Arbeiterpartei beteiligt hat, durch de?en Aufschrift nach Auffassung des Kreisausschusses die j ü d i s c h e ■Bevölkerung, des Kreises verhöhnt ist. Hoppe hat eingesehen, daß sein Verhalten unangebracht ist. Er hat um Entschuldigung gebeten und ver* sprochen, sich in' Zukunft nicht mehr in dieser Weise zu betätigen. Der Kreisausschuß hat daraufhin die Kündi* gung zurückgenommen." ■ •> : Abnahme der jüdischen Bevölkerung in Ungarn. Budapest; 6. April. Rabbiner Dr. Großmann sprach im Tempel in der Dohnay utea über die Zu* kunft des ungarischen Judentums .und teilte mit, daß im abgelaufenen Kalenderjahr die Zahl der* jenigen, die den jüdischen Glauben verlassen haben, um 3 5 0 gestiegen sei. In 500 Fällen haben Braut und Bräutigam trotz ihres jüdischen Glaubens die rituelle Eheschließung unterlassen und ungefähr 9 00 Knaben, "jüdischer Eltern wurden nicht dem Juden« tum zugeführt. Die jüdische Bevölkerung in Ungarn sei im Abnehmen begriffen. , S IT Nach ÄGYPTEN und PALÄSTINA .--..>•.■•- mit den Luxusdarapfern 44 ritnrni H44 *1f*Tw3tu*E* »' „iv giiii<!fil>rt«ii Im Pltteiowr (fenua Neapel1V Sizilien. — Aegypten -r Palästina — Syrien — Zyperq rr Konstantinopel — Athen — Neapel Marseille — Genua zu besonders ermäßigten Preisen Auskünfte; -Sütnar", I. Käwtnerriqg 18* (Ecke Schwarzenbergplatz) Telephon U-450Q9 BSSESSESSSESS^S^SBasSBBBm