Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 134 (11.4.1930)
- Date
- 1930-04-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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r Nr. m DIE NEUE WELT Büif II Mittelmeer nach Indien zu den britischen Dominions und Kolonien östlich vom Suez*Kanal. Palästina würde einer der bedeutendsten Stützpunkte in der ganzen britischen Konstellation wer* den. Die Idee vom Siebenten Dominion ist derart be* schaffen, daß sie noch im Laufe dieses Jahrhunderts ver* wirklicht werden kann. Inzwischen ist es klare Pflicht jeder britischen Re* gierung, der jüdischen Rasse im Geist der Balfour* Deklaration behilflich zu sein: durch Aufrechterhaltung absoluter Ordnung in Palästina und durch entschlossene Bekämpfung aller Gewaltmethoden, die angewendet werden könnten, um die legitimen Ansprüche des Zionismus niederzuhalten. Wir müssen also unsere ganze Macht aufwenden, den Juden in ihren Anstrengungen beim Aufbau und der Immigration zu helfen. Die Kosten Britanniens wer« den geringfügig sein, denn das jährliche zionistische Budget beträgt bereits jährlich 750.000 Pfund und wird gewiß noch wachsen. Die Von der russischen Hölle. Helfer der roten Inquisitoren. — Erpressung an Rabbinern. — Verjagte Greise« Zionisten in die Verbannung. — In den Tod, weil er hebräisch lernte. Reform*Rabbinern Hand in Hand. Wie es um die Wirk« lichkeit bestellt ist, beweisen die folgenden Berichte. Schwere Repressalien gegen religiöse Führer in Sowjetrußland. Berlin, 6. April. (J. T. A.) Von einer jüdischen Per* sönlichkeit in Berlin werden der Jüdischen Telegraphen:» Agentur neue aus authentischer Quelle stammende und verbürgte Tatsachen über antireligiöse Re« pressalien in Rußland mitgeteilt. — Kurz nachdem die verhafteten und nach ausländischer Interventton wieder auf freien Fuß gesetzten Minsker Rabbiner die Erklärung unterschrieben haben, daß wohl anti« religiöse Propaganda, aber keine R c l i g i o n s v c r* Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen /fuwfig?*0 Die führende schwedische Weltmarke folgungen in Rußland vorkommen, haben die Sowjet* behörden verlangt, daß auch die ukrainischen R a b* biner eine solche Erklärung unterschrei* b e n. Es wurde eine Konferenz ukrainischer Rabbiner einberufen, die von Rabbi Jizehak Leib Schneersohn aus Jekaterinoslaw geleitet war. Die Konferenz* teilnehmer weigerten sich aber, öffentlich zu erklären, daß Rcligionsverfolgungen nicht stattfinden. Sie waren lediglich bereit zu erklären, daß die Religionsverfolgun* gen nicht antisemitischer Natur sind. Auf Grund dieser- Weigerung wurde der Vorsitzende der Konferenz Rabbi Jizehak Schneersohn aus Jekaterinoslaw, auf dessen Ein« Die Protestbewegung gegen die antireligiösen und antikulturellen Verfolgungen in Sowjetrußland, welche jetzt in Europa und Amerika vor sich geht, hat ganz merkwürdige Gegenbewegungen ausgelöst. Es sind der roten Inquisition Verteidiger erstanden. Aber nicht etwa in gesinnungsgemäß kommunistisch eingestellten Kreisen, was ja weiter nicht bemerkenswert wäre. Vertreter religiöser Körperschaften erheben ihre Stimme zu« gunsten der Sowjetleute und protestieren gegen die Pro* teste. Aus New York wird gemeldet, daß eine ge* meinsame Konferenz von 80 protestantischen Geistlichen und 20 jüdischen Reformrabbinern eine Erklärung ver* öffentlicht hat, in welcher die Kundgebungen gegen Sowjetrußland als unerlaubte Einmischung in innere An* gelegenheiten zurückgewiesen werden. Die Konferenz fordert, daß die „sozialen und historischen Hintergründe der gegenwärtigen Haltung Sowjetrußlands" berück* sichtigt werden müssen. Die bisherigen Proteste müssen zurückgewiesen werden, weil ihnen „der Ton der An* maßung" anhaftet. Man sieht, wohin der Konkurrenzneid führt, auch vielleicht besonders in religiösen Angelegenheiten. Pro* testantische Geistliche entschuldigen mit Beraubung, Ein* kerkerung und Todesurteilen verbundene Glaubensver* folgungen, wollen sie mit Hilfe „sozialer und historischer" Motive begreiflich und berechtigt erscheinen lassen. Warum? Weil eben in Rußland nicht die Verfolgung der protestantischen, sondern der orthodoxen und katholischen Kirche im Vordergrunde steht. Der gleiche Beweggrund ist bei den jüdischen Teil* nehmern an der Pro*Sowjet*Konferenz, bei den Reform* Rabbinern, vorhanden; lauter Herren, die in den Ge* meinden der Reichsten tätig sind, also mit Kommunismus sonst wenig zu schaffen haben und sonst keinen Anlaß nehmen, ihn zu studieren, seine „historischen und so* zialen" Hintergründe in Betracht zu ziehen. Nur daß dies* mal die Juden offenherziger sind, als die Christen. Sic sagen es gerade heraus, daß die Religion des russischen Judentums verstockte, finstere Orthodoxie ist, deren Verfolgung also begreiflich erscheint. Einer der ersten Führer dieser Gruppe von Reform*Rabbinern, der Präsident des reformierten Rabbinerseminars in Cin* cinnati, Dr. Julius Morgenstern, hat einen in diesem Sinne gehaltenen Artikel in amerikanischen Zeitungen veröffentlicht. Er rät den unglücklichen russischen Juden CffeC^r» l^O^J? "1$^^^. nicht mehr und nicht weniger an, als vom alten ver< ^Arww^T^ «LJI? stockten Glauben zu lassen, Reformjuden zu wer* WIEN I. FRE ISINGERG ASSE 1 den. Dann werden sie Gnade verdienen und Gnade in den Augen der Sowjetleute finden! Uebrigens hat der liebe Dr. Morgenstern die richtige Antwort erhalten. Bernard G. Richards, der Sekretär des „Jüdischen Kongresses", hat in offenen Briefen, welche in vielen amerikanischen Zeitungen abgedruckt wurden, diesem „warmherzigen" Seelsorger den Spiegel vorgehalten. Noch von anderer jüdischer Seite her wird ver* sucht, die Sowjetregierung zu verteidigen, qnd zwar auf wirtschaftlichem Gebiete. Das Hilfskomitee reicher amerikanischer Juden, der „Joint", hat viele Millionen für die jüdischen Kolonien in Rußland hergegeben. Es sollte durch diese Aktion dem Zionismus und Palästina der Wind aus den Segeln genommen werden. Das viele Geld ist so gut wie verloren. Die berühmte „Krimkolo» nisation" ist zusammengebrochen. Die Sowjetleute haben das jüdische Geld wohl genommen, aber die Kolonien zugrunde gerichtet. Sie haben sie „kollektivisiert", das heißt mit nichtjüdischen zusammengelegt und die Juden unter unmögliche Bedingungen gesetzt Aber die Joint* Bürokratie ist nun einmal da und sie will sich behaupten. Ihr Bestreben ist es daher, alle traurigen Nachrichten zu entkräften und Rußland auch weiterhin als . ein „Para* dies" und die jüdischen Kolonien als den Wohnsitz glücklichster Menschen gelten zu lassen. Auch sie prote* stieren gegen jede „Einmischung" und arbeiten mit den femjre cttghfctje (Stoffe ALBERT HARDT Telephon U 2o -3 -4l »11 ABBAZIA LAURANA Orthod. kosch. Pension WEISS neu eröffnet Erstklassige Küche Mäßige Preise Auf Wunsch Prospekte fluß die Sowjetbehörde die unnachgiebige Haltung der Konferenz zurückführte, verhaftet und ist bis heute noch in Haft. Weiter wird der Jüdischen TeJegraphen*Agentur in Berlin mitgeteilt, daß die vor mehreren Wochen ver* hafteten Leningrader Rabbiner, Rabbi L a z a r o w und Rabbi Nissan, zu zehnjähriger Verbannung nach den Solowezky*Inseln verurteilt wurden. Der Synagogenvorsteher Jasnogursky aus Leningrad und sieben junge Zöglinge einer Jeschiwah wurden zu j e drei Jahren Gefängnis, beziehungsweise Ver« bannung verurteilt. Verbannung nach den berüchtigten Solowezky* Inseln bedeutet sicheres, qualvolles Sterben! Die Auflösung der Leningrader Jüdischen Gemeinde machte zahlreiche Greise obdachlos. Moskau, 6. April. (J. T. A.) Es bestätigt sich, daß der Hauptrabbiner von Leningrad Lazarow zu zehn Jahren Verbannung in ein Konzentrationslager verur* teilt worden ist. Sein Sohn und der Vorsteher der Lenin* grader Synagoge „Zemach Zedek" wurden zu dreijähriger Verbannung verurteilt Die vor längerer Zeit verhafteten Führer der Leningrader jüdischen Gemeinde wurden alle zu Verbannung von verschiedener Dauer verurteilt. Infolge der Auflösung der Leningrader jüdischen Gemeinde mußte das von ihr erhaltene Greisenasyl aufgelöst werden. Zahlreiche 70* und 80jährige sowie noch ältere Greise und Greisinnen sind jetzt obdachlos. In staatliche Greisenasyle wreden die meisten von ihnen nicht aufgenommen, weil sie sich einstmals mit Handel befaßten. Der Kampf gegen Pessach. Moskau, 4. April. Der Zentralverband der Gewetfc* Schäften hat den lokalen Verbänden dld Weisung zu* gehen lassen, sich an der antireligiösen Kam* pagne im Zusammenhang mit dem jüdischen Pessach * Fest und dem christlichen Osterfest Inten* siv zu beteiligen; die Kampagne wird bis zum 15. Mai dauern. Das Ziel ist, im Verlauf von zwei Monaten mindestens 100.000 Arbeiter dem Verband der Atheisten als Mitglieder zuzuführen. Am 19. April sollen in Moskau und in allen Städten und Städtchen der Sowjetunion Straßenkundgebungen gegen die Religion stattfinden. Der Verband der Atheisten hat beschlossen, für eine Verhinderung des öffentlichen Verkaufs von Mazzoth und Ostereiern zu wirken. Htm* derte „Brigaden" von Mitgliedern des Atheistenbundes werden sich in die Provinzen begeben, um die Anti* pessach* und A n t i o s t c r n*Kampagnc zu leiten. Riga, 4. April. In Verbindung mit einer Straßen« demonstration der Juden der Stadt Rogatschow, Distrikt Bobruisk (Weißrußland), gegen das Verbot der ritucl* len Schächtung und der Sammlung von Unterschriften für Aufhebung dieses Verbotes wurden — wie nach Riga gemeldet wird — alle vier Schächter der Stadt verhaftet. Moskau, 5. April. Die ganze jiddische kommunisti* sehe Presse, voran die Tageszeitungen Moskauer „E m e s", Charkower „S t e r n" und . Minsker, „O k t i a b r", widmen ihre Spalten voll und ganz der Propaganda gegen das jüdische Pessach fest. Die Zeitungen veröffentlichen das folgende Programm: 1. Alle jüdischen Arbeiter, Handwerker, Angestellten und Kolonisten sollen in den Pessachtagcn ihrer gewöhnlichen Beschäftigung nachgehen. 2. Kein Jude soll in den Pes* Sachlagen eine Synagoge besuchen. 3. Keine Spur von Mazze oder sonstiger Pessachkost darf sich in einem jüdischen Hause befinden. 4. Jeder Jude soll in der Pes* sachwoche seine Gebetutensilien (Talith und Tephilin), jede jüdische Frau ihre Sabbatleuchter zugunsten des Industrialisierungsfonds abgeben. 5. Jeder Jude trete aus seiner Religionsgemeinde aus und schließe sich dem Ver* bände der Atheisten an. Moskau, 6. April. Infolge Mangels an Pcsj sachmehl?♦* Rußland und der Aussichtslosigkeit, aus dem Auslande Mazzoth zu erhalten, haben die Rabbiner in Sowjetrußland den russischen Juden erlaubt, aus ge* wohnlichem Mehl Mazzoth für das Pcssachfest hcrzustel« len. Der Zentralverband der Konsumgenossen« Schäften hat an alle Genossenschäften die Weisung ergehen lassen, in diesem Jahre keine Mazzoth und keinen Pessachwein zum Verkauf anzubieten. Gegen den Zionismus. Moskau, 3. April. Unter der Beschuldigung, Mit* glieder von illegalen Organisationen, wie „Haschomer Hazair" und „Zionisten*Sozialisten" zu sein, wurden so* eben neunzehn Juden aus Moskau nach Mittelasien verbannt 55 weitere des Zionismus verdächtigte Personen mußten sich schriftlich verpflichten, Moskau nicht zu verlassen. Auch mußten sie eine Erklärung unterschreiben, daß sie nicht mehr dem Hechaluz oder ähnlichen Organisationen angehören. Unter den 19 nach Mittelasien Verbannten befinden sich M. Belfer, Isak Katzenelson, Abraham Reismann und die Mädchen Teubel Wischniewskaja und Babzi Lewitis. In Minsk wurden in den letzten Tagen fünf, in Odessa vier junge Zionisten verhaftet, von denen zwei aus dem Gefängnis flüchten konnten. In B a k 1 wurden 30 Personen auf einer Versammlung verhaftet. Wegen zionistischer Betätigung wurden zwölf von ihnen ohne Gerichtsurteil in die Verbannung ge* schickt, die übrigen wurden freigesprochen. Weil er Hebräisch lernte ... Der in Deutschland erscheinende „Israelit" ver* öffentlicht Bruchstücke aus einem geschmuggelten Privatbrief .... Aus welchem Grunde ging ich hierher? Ich mußte es tun wegen meines Neffen; er ist ein Heber Junge von 16 Jahren, der die Lehren seines ver* storbenen Vaters nicht vergessen hat und der eifrig und liebevoll Hebräisch lernt. Dieser Junge wurde von der Jewsekzia festgenommen, weil er die Partei der kommunistischen Jugend, der er angehörte, „v e r* raten" hat und für Zionismus und hebräische Kultur unter seinen jungen Kameraden geworben hatte. Mein Neffe wurde verhaftet und wegen Verrats und Aufruhrs als gefährlicher Konterrevolu* ti0när angeklagt. Ungefähr sieben Monate saß er im Gefängnis der Kreisstadt Br*b, bevor es zur Ver* handlung kam. Der Prozeß fand in K*now statt., Die Jüdischer Liederabend Sonntag, «<g0%^ «••■ * 1 Utder, Volkslieder <bel>r. n. Jttd,), Ctusjldnctft, ft und Pftltotlna-Ucdtr Am FlOgel« RüpÖL Rezitation 1 8AMHKL SOHWAQIIt! K&rttnvtik«uf 1 Buchhandlung Batb.Jt,. Tabontitul« «Kl «ri Im ( Hotel CoAUneofil, UvT**oietr*ßi 4*„ hHHIHÜtHlWKHmmHHllU!HJUiilHtHlHUllil4imHrtimNlllinfim