Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 133 (4.4.1930)
- Date
- 1930-04-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seife 6 DIE NEUE WELT Nr. 133 mm—mm—m Die weltberühmten amerikanischen witzJKatzos Gries, Farvel. Matzos-Crackers sind bereite «ing«tr«ttoii «ncl kl «ffcn Bessere» Lebensmittelgeschäften erhältlich Hanischewitz Matzos-Vertrieb fo*iiy^a«a ojna "'^MK^fS!!? 24 Filiale: Ig. t»#f£'Jiyttüdgass« 9, Telephon A-41-8-64 f0nW^3KÖ nra» von Stuhlweiflenburg freuen sieh über diese Ablehnung, da sie der Meinung sind, daß, wenn matt auch nicht ohne Juden überhaupt, so doch ohne Juden Von der Fasson des Direktors Mathias Feld, besser leben kann als mit ihnen. . . . Die Saison für Ritualmordmärchen hat in Polen begonnen. Warschau, 28. März. Alljährlich vor dem jüdischen Pessachfeste werden in verschiedenen Teilen Polens Gerüchte über geschehene Ritualmorde verbreitet, die oft nicht ohne böse Folgen für die jüdische Bevölkerung sind. Oft hat eine lächerliche Ursache die Entstehung eines solchen Gerüchtes zur Folge, wie dies auch in diesem Jahre bei der Entstehung des Ritualmordgerüchts in G r o d n o der Fall war. In die Wohnung der Näherin Rachel Jente Nemwiszki torkelte ein betrunkener Pole hinein, fiel hin, und zog sich dabei blutende Ver» letzungen im Gesicht zu. Auf das erschreckte Rufen der Frau stürzten die christlichen Nachbarn in die Wohnung. Beim Anblick des blutenden Betrunkenen rief eine der Nachbarinnen, Frau Bodezko, die Jüdin habe ver» sucht, den Christen mit einem Messer ab« zusch lachten, um ihm Blut für das Pessachfest abzunehmen. Der Hetzruf pflanzte sich fort und die christlichen Einwohner dieser Gegend nahmen eine drohende Haltung gegen die Juden ein. Die herbeigeholte Polizei stellte fest, daß der Betrunkene, der auf dem Wege zu seiner Geliebten war, sich in der Tür irrte, ferner daß die Verletzungen von dem Fall herrührten. Numerus-clnusus-Antrag bei der Warschauer Handelsakademie. Warschau, 28. März. (J. T. A.) In der letzten all« gemeinen Versammlung der Studentenschaft der War- NUSSOL SPEZIAL d, gesehnt etatyvr ges Pflanzenfett! /y& 100 Prozent Fettgehalt U e b r a I I erhältlich! wohl, dafl das Unternehmen nicht ungefährlich sei. Es war auch unanständig. Das Warenlager gehörte nicht ihm. War nicht bezahlt. „Bezahlt hin, bezahlt her — überbezahlt!" schrie Reschinsky. „Ich kenn' diese Engrossisten. Ihr seid doch jung in der Branche, das heifit jung im Sohwindeln. Die Sache, von der ich spreche, wird jeden Tag gemächt Soll ich noch soviel Jahre haben, wievielmal ich es selbst schon gemacht hab'." Hier mengte sich Goldbergs Frau ein. Sie hatte mit Interesse zugehört. „Was werdet ihr dafür nehmen wollen?" fragte sie vorsichtig. „Ah, einen Kopf wie ein Mann, Gott soll Sie dafür segnen I Natürlich werd' ich es nicht umsonst machen. Ich hab's doch hier mit anständigen Menschen zu tun, nicht? Ich weiß, wem ich trauen kann. Du wirst mir geben — ich werde einen kleinen Teil der Waren nehmen, sagen wir ein Drittel, für meinen.Hausgebrauch. Nicht wahr, ich bin euch doch noch einiges schuldig. Gemacht?" Nach weiterem Hin und Her, nachdem Reschinsky, da seine Schuld als beglichen betrachtet wurde, großmütig auf ein- Fünftel heruntergegangen war, kam das Ueberein kommen zustande. Mr. Goldberg schwankte zwar noch immer, aber Reschinsky machte ihm klar, daß man Leute, die einen erwürgen wollen, den Hals nicht hinhält. Und am nächsten Abend erschien Reschinsky mit einem Streifwagen, lud auf, was nicht niet- und nagelfest war, bis er soviel hatte, daß er seinen Keller bis zur Decke anfüllen konnte. Alles ging dann glatt vonstatten. Goldberg meldete Konkurs an und fertigte seine Gläubiger nach Reschinskys Rezept mit Quargel ab. Reschinskys Schwiegersohn, der Advokat war, drechselte die Dinge so, daß aus der ganzen Sache auch für den Teufel nichts herauszuschlagen war. Und zur verabredeten Zeit erschien öoldberg in Reschinskys Haus, um seinen Teil. zu übernehmen. Reschinsky sajß beim Glas Tee, ein Stück harten Zuckers hielt er zwischen seinen großen Zähnen fest, sog daran, daß Luft zischte wie bei. einer Dampfmaschine. Er grüßte Goldberg freundlich, aber mit einem. Anflug des Erstaunens, und lud ihn zum Tee ein, was Qoldberg nervös ablehnte, . , „Ich hab* nicht viel Zeit", sagte Goldberg, „ich bin um meine Sachen gekommen und muß rasch zurück in mein neues Geschäft" „Sie haben ein neues Geschäft?" sagte Reschinsky, „wunderbar", „Nun möchte ich meine Sachen haben", sagte Goldberg und zappelte. . ' ■ Reftchinsky war höchlichst erstaun*. „Sachen? Was für Sachau?" „Die Sachen, die Sie aus meinem Geschäft haben! Was ist mit ihnen?" Goldberg begann Lärm zu schlagen. Reschinsky starrte ihn mit aufgerissenen Augen an. „Ich weiß nicht, was Sie reden", sagte er. „Die Sachen", schrie Goldberg, „die Sachen, die Sie aus meinem Geschäft haben, Sie Rauber! Die Waren, die Sie bei sich im Haus haben, Sie Einbrecher, Sie Kindermörder 1 Wollen Sie leugnen, daß Sie meine Sachen im Haus haben?" „Sie können dieses Haus vom Keller bis zum Boden absuchen, Sie werden nicht mehr finden als eingelegtes Sausfkraut, das ich bei Ihnen erstanden habe. Suchen Sie, wenn Sie wollen, suchen Sie!" Goidberg sank in den Stuhl und begann zu schluchzen. Daß ein Jude zu einem anderen so herzlos sein kann! Unerhört! Der schlimmste Goj ist menschlicher. Reschinsky hörte ihn teilnahmslos an. „Weinen Sie nicht, Idiot", sagte er. „Man sieht, Ihr seid ein Schneider. Ihr habt ein neues Geschäft, sagt Ihr. Und Ihr braucht Ware. Gut Ich kann sie Euch billig verkaufen. Billiger als die Engrossisten, die Halsabschneider. Ich versichere Euch." * „Meine Sachen", schrie Goldberg. Reschinsky verbesserte ihn. „Meine Sachen! Tausend Dollar wert, mindestens. Was wollt Ihr dafür geben?" Was sollte Goldberg tun! Er sah, daß er in die Hände eines erbarmungslosen Räubers gefallen war, eines Banditen. Weder Tränen noch Bitten konnten hier helfen. „Hundert Dollar!" bot er weinend an. „Was?" Reschinsky fiel in seinen Stuhl zurück. „Hundert Dollar für Sachen, die tausend wert sind? Einbrecher! Lieber geb' ich's Euch umsonst. Hundert Dollar? Schämt Euch!" Goldberg klappte völlig zusammen. „Wieviel wollen Sie also?" flehte er. „Haben Sie Mitleid mit mir und meinen Kindern." Reschinsky8 Gesicht heiterte sich auf. „Jetzt sprecht Ihr wie ein Mensch mit Herz und wie ein Jud\ Ihr seid kein schlechter Kerl, Goldberg, aber Ihr müßt noch viel lernen vom Geschäft. Was vorüber ist, ist vorüber- Ivb will Euch die Sachen für 400 Dollar ge'ten." Goidberg nahm sich immerbii soweit zusammen, daß er die in Rede stehende Ware um 350 Dollar bar erstand. „Aber wo werd' ich das Geld hernehmen?" fragte er. „Khcnso gut könnte ich jetzt 5000 berlegen." „Ihr werdet es von der „Allgemeinen Kreditkassa" bekommen. Und" — fügte er wohlwollend hinzu — „ich werde zusehen, daß Ihr es bekommt. Ich bin nämlich im Vorstand der Kassa." schauer Handelsakademie wurde auf Vorschlag der eationaldemokratischen Studentenschaft beschlossen, den Senat def Akademie aufzufordern, für jü« dische Studierende den Numerus ciausus einzu* führen. In der Begründung zu diesem Beschlüsse heißt es, man müsse den Juden den Zutritt zum Wirtschafts* leben Polens sperren. Ans Hnnger wahnsinnig geworden. Warschau, 28. März. Die Zeitungen weisen auf den folgenden Fall als einem Beispiel für die ungeheure Not unter der polnischen Judenhcit hini Ein 2Sjähriger jüdischer junger Mann namens David W e i n z w e i g verursachte in den Warschauer Straßen eine Verkehrs* Stockung dadurch, daß er Passanten überfiel und auf sie losschlug, um sich herumbiß, sich vor Autobusse und Straßenbahnen stelhe und den Verkehr aufhielt. Erst nach einer Stunde gelang es, ihn zu fesseln. Er wurde in das jüdische Hospital gebracht, da aber die Geisteskrankenabteilung dieses Hospitals voll belegt war, konnte er nicht aufgenommen werden und wurde in die allgemeine Klinik für Geisteskranke gebracht. Dort wurde festgestellt, daß der junge. Mann infolge Unterernäh« rung und zuletzt vollständigen Hungerns irrsinnig geworden war. Von der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde. Amtliche Verlautbarung der statistischen Daten betreffend das Jahr 1929. — Geburten, Todesfälle, Austritte usw. Zugleich mit dem Rechnungsabschlüsse für das Verwaltungsjahr 1929 liegen dem Vorstande der Israelitischen Kultusgemeinde die statistischen Nachweisungen der einzelnen Aemter und Abteilungen für dus Jahr 1929 vor. Aus der Nachweisung des Matrikenamtes ist ersichtlich, daß im Jahr 1929 450 männliche und 443 weibliche, zusammen 893 Personen ihren Austritt aus der israelitischen Religion bei den magistratischen Bezirksämtern vollzogen haben. Davon waren 523 ledigen Standes. Die größte Zahl 'der Austritte weist die Altersgruppe zwischen 30 und 40 Jahren auf. Der Eintritt in die israelitische Religionsgesellschaft, bezw. der Rücktritt hat in 305 Fällen stattgefunden. Davon betrafen Iii männliche und 194 weibliche Personen. Die Höchstzahl — 96 — weist die Altersgruppe vom 24. bis zum 30. Lebensjahre auf. Die Zahl der Todesfälle hat 2638 betragen, davon 1295 Männer, 1241 Frauen, 61 Knaben und 41 Mädchen! Die Höchstzahl der Todesfälle entfällt auf' Herzkrankheiten mit 487, dann folgen die Erkrankungen des Blutes und seiner Bahnen mit 412 und Erkrankungen der Atmungsorgane mit 372 Fällen. Die Zahl der Selbstmorde hat 78 betragen. Die Höchstzahl der Todesfälle nach dem Alter ergibt sich mit 603 Fällen in der Gruppe zwischen dem 70. und 80. Lebensjahre. In 223 Fällen wurde ein Älter zwischen 60 und 90 und in 32 Fällen ein solches zwischen 90 und 100 Jahren erreicht. Die Anzahl der Geburten hat 1344 betragen, davon 670 männlich, 674 weiblich. Darunter sind 24 männliche und 18 weibliche Totgeburten verzeichnet. Insgesamt wurden im Jahre 1929 im Wirkungsbereiche der Israelitischen Kultusgemeinde Wien 1246 Trauungen vollzogen. Davon entfallen 698 auf die Gemeindebethäuser und 548 auf jene Vereinsbethäuser, in welchen ein Gemeinderabbiner seinen Amtssitz hat. Betsitze: In den Gemeindetempeln und in den von der Kultusgemeinde veranstalteten temporären Bethäusern standen insgesamt 10.065 Betsitze zur Verfügung. Davon blieben unverkauft im Stadttempel 18, im Leopoldstädter Tempel 22, im Ftthfhauser Gemeindetempel 5. im Ottakringer Gemeindetempel 3, im Währinger Gemeindetempel 1, im Gemeindetempel des XXI. Bez. 4. Rituelle Schlachtungen: Im Jahre 1929 wurden im Schlachthaus St Marx 16.700 StttckGroßvieh geschlachtet, wovon 5243 Stück als trete befunden wurden, ferner 12.697 Stück Kleinvieh und weitere 4772 auswärts geschäebtete rituell beschaut. Schließlich sind 103 Schafe zur Schlachtung gelangt Im Gefltigelschächtlokale der Israelitischen Kultusgemeinde wurden 54.683 Hühner und 333 Gänse geschlachtet. Rituelles Bad: Das rituelle Bad der Israeli« tischen Kultusgemeinde wurde im Jahre 1929 von 50.735 Personen besucht, davon 37.527 Männer und 13.518 Frauen. Unentgeltlich wurden 10.243 Bäder verabfolgt. Trauungstaxen: Von den 6b9 in Gemeindetempeln vollzogenen Trauungen wurden 131 tax- und gebührenfrei vollzogen. GUTER HERD — I IST GOLDES WERTS Oft tatttMSOMinlertt I. Witaer orthodox« Masiothf««*ik ISRAEL VORTRIFFUCM gm bekannt d«8 überall tätlich frisch gebacken« Matzottt und Mazzothgrtoß Jjfess «2t Stempel ,VO R TR IF PLI C M» «hWtlieh lind