Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1930-04-04 · Heft 133 (4.4.1930) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 133 (4.4.1930)
Date
1930-04-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2711736-2711751--1750-2714988
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Nr. 133 DIE NEUE WEL\ Seite S Die Regierung ging sogar so weit, den von den Juden gemachten Kompromißvorschlag, daß beide Vizebürgermeister paritätisch die Verwaltung der Munizipalität übernehmen sollen, zurückzuweisen. Da wir nun die Hoffnung aufgeben müssen, die Lage bessern zu können, haben wir mit Zustimmung der jüdischen Gemeinde Jerusalems beschlossen, unsere Aemter im Stadtrat niederzulegen. cand. med. OLA BÜKSPAN geb. Sonnenschein Dr. DAVID BUKSPAN VERMAHLTE Statt jeder besonderen Anzeige Wien, im Mörz 1930 Scharfe Palästina-Debatte im englischen Parlament. Im englischen Unterhause wurden an das Kolonial» ministerium mehrere Anfragen gerichtet, welche sich einerseits mit den Hetzereien des Oroßmufti von Palästina, Emin el Hussein, anderseits mit der Person des Zionistcnführers Jabotinsky befaßten. Die Wühlarbeit des Großmufti. London, 28. März. Herr Marjoribanks richtete im Unterhaus an den Unterstaatssekretär für die Kolonien die Frage, ob ihm bekannt sei, daß die Libanon>Behörde die arabische Zeitung „Ahd Ul Jadid" deshalb ver« boten habe, weil die Zeitung einen Brief des Groß« m u f t i von Jerusalem abgedruckt hat, in welchem die Moslems des Libanon aufgefordert werden, sich gegen die französische Regierung zu erheben; ob ihm ferner bekannt sei, daß der Groß« mufti auf der Gehaltsliste der Palästina* Regierung steht. Sind, fragte Majoribanks weiter, Schritte ergriffen worden, um die weitere Hetztätig* keit dieses Würdenträgers zu unterbinden? Bc« zieht der Großmufti noch immer ein Gehalt von der PaIästina»Regierung und weiß die Regierung, daß der Mufti am 17. Februar 1930 einen Brief an den Scheich Moustafa Ghalaini, Oberhaupt der Moslemiten in Beirut, gesandt hat, in welchem er die syrischen Moslems zu einem Widerstand gegen die französischen Behörden auffordert; welche Maßnahme gedenkt die Regierung da« gegen zu ergreifen? Der Unterstaatssekretär für die Kolonien Doktor Drummond S h i e I s erwiderte, es sei ihm bekannt, daß die Zeitung „Ahd Ul Jadid" von den Libanon»Behörden unterdrückt wurde. Der Mufti sei Präsident des Moslemi* tischen Obersten Rates in Palästina. Bezüglich des letzten Teils der Frage werde , er, der Unterstaatssekretär, er* wägen, ob es wünschenswert sei, irgend eine Aktion ein» zuleiten. * Der Großmufti, welcher die Mordhetze in Palästina inszeniert hat und nun auch Syrien und den Libanon in Brand stecken will, wurde von Herbert Samuel, dem ersten Gouverneur Palästinas, aus dem Gefängnis geholt, wo er als Anstifter des ersten Judenpogromes saß, und zum Präsidenten des Obersten mohammedanischen Rates ernannt. Er ist eine Frucht der gepriesenen „Friedens* politik" Samuels. Er weilt jetzt als Führer der arabischen Delegation in London. Um den unangenehmen Eindruck der Frage im Unterhause abzuschwächen, richtete der Sekretär der arabischen Exekutive und Delegation, Djemal Husseini, an die Londoner Zeitungen ein Schreiben, in welchem er den Sachverhalt zu beschönigen suchte. In Entgegnung dieses Briefes erschien in den „Times" nachstehender Brief zweier Abgeordneter an den Herausgeber: „Sir! Herr Djemal Husseini gibt in dem Briefe, welcher in Ihrer Samstagnummer erschienen ist, zu: 1. daß der Mufti in gewisse Schwierigkeiten eingegriffen hat, welche sich zwischen den syrischen Moham» medanern und „gewissen" Behörden ergeben haben. (Wir sagen einfach: die französische Regierung in Syrien); 2. daß der Mufti von der Palästinaregierung ein gewisses „offizielles" Einkommen bezieht. „Herr Djemal Husseini mag ein Sachverständiger für blühende Umschreibungen orientalischer Sprachen sein. Uns aber muß er erlauben, unsere Meinung gerade heraus zu sagen. Der Mufti erscheint in der Liste der britischen Regierungsbeamten in Pa« lästina (Amtliches Blaubuch vom Jahre 1928, Seite 117). Wir halten es für unerlaubt, daß ein solcher Beamter gegen eine befreundete Macht (Frankreich) hetzt. — V. A. Cazalet, F. Kinsley>Griffith." Der Fall Jabotinsky* London, 28. März. Commander Ken wort hy rieh« tele im Unterhaus an den Unterstaatssekretär für die Kolonien die Frage, ob er jetzt die Umstände mitteilen könne, unter denen Herr Wladimir Jabotinsky im Jahre 1920 von einem Militärgericht zu 13 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. Diese Strafe, fqhr Kenworthy fort, wurde kurz darauf in der zweiten Instanz in ein Jahr Gefängnis umgewandelt, wo* rauf infolge Amnestie Straffreiheit eintrat. Jabo» tinsky aber hat gegen das früher« Strafurteil Berufung eingelegt, auf Grund deren das Militärgericht die Strafe annullierte, mit Ausnahme des Punktes, bei dem es sich um den Besitz eines Revolvers ohne Lizenz handelte. Hat Jabotinsky in diesem Zusammenhang ein Versprechen ab« gegeben« niemals nach Palästina zurückzukehren? DIESONNEderHEIMAT HAT DEN WEIZEN AUF DEN JÜDI¬ SCHEN FELDERN PALÄSTINAS GE¬ REIFT. JÜDISCHE HÄNDE HABEN IHN GEERNTET UND MIT DER EHRFURCHT VOR DEM GLAUBEN DER VÄTER ZU MAZZOTH FÜR DIE BRÜDER IN DER GANZEN WELT GEFORMT. PALÄSTINA MAZZOTH AUF DEM PESSACHTISCH SIND EIN LEBENDIGES ZEICHEN FÜR DIE INNIGE VERBUNDENHEIT DES NA¬ TIONAL FÜHLENDEN JUDEN IN ALLER WELT MIT DER JÜDISCHEN HEIMAT. FÜR DEN GROSSHANDEL: GUSTAV WILDER. IV., BLECH TURMGASSE 12, TEL. U-43-8-19. TELEGRAMME: KARMEL, WIEN. Dr. Drummond S h i e s erwiderte: Die Ereignisse, auf die der Fragesteller sich bezieht, geschahen zu einer Zeit, als noch das Kolonialamt eine Verbindung mit Pa* lästina nicht hatte. Die Tatsachen haben sich im wesentlichen so abgespielt, wie sie der Frage« steller schildert, nur wisse er, der Unterstaatssekretär, nicht, ob Herr Jabotinsky' jemals ein Versprechen, nicht nach Palästina zurückzukehren, abgegeben hat. Colonel Assheton P o w n a 11: Weiß der Unter* Staatssekretär von den großen Verdiensten, die Jabotinsky sich durch Bildung eines jüdischen Bataillons im Kriege um England erworben hat? Colonel Howard Bury: Weiß er,, daß Jabotinsky nach;^]?a^tinfti>v2UTiückk'öhr^4.tine^ eine sehf.-; heftige äufs wiegelnde Rede hielt? lonienminister) ist nicht geneigt, irgend welche ändernden Aktionen in dieser Angelegenheit zu ergreifen. (Beifall auf den Bänken der Arbeiterpartei.) fdnftt engttfeti* uAJLBEiRT ^s*^ WIEN I. FREISINGERGASSE I Telephon U Z Captain Bennet: Ist es nicht so, daß jemand, der aus einem Lande ausgewiesen ist, nicht zurückkehren darf, wann und wo es ihm beliebt? Orrasby * G orc: Ist es nicht Tatsache, daß das Urteil aufgehoben wurde, ein Urteil, das nie hätte gesprochen werden sollen? Die Andeutung des ehrenwerten Mitglieds ist demnach grundlos. Auf alle diese Fragen wurde keine Antwort erteilt. Die Kollektivstrafen. London, 28. März. Colonel Howard Bury, der bekannte Antizionist und Araber freund, rieh* tete im Unterhaus an den Unterstaatssekretär für die Kolonien die Frage, ob er wisse, daß die Verordnung über die Kollektivbestrafung bereits in Safed und in ande* ren Orten Palästinas in Kraft getreten ist, daß dieser Verordnung rückwirkende Kraft verliehen wurde und daß sie eine Härte und eine Ungerecht«g* keit gegen die Araber bedeute; wird die Regie* rung dafür sorgen, daß die Verordnung aufgehoben wird? Unter lautem Beifall von den Bänken der Arbeiterpartei rief Commander Kenworthy dazwi» sehen: Weiß das ehrenwerte Mitglied dieses Hauses, daß die Kollektivbestrafung verhängt wurde als Vergeh tung für verabscheuungswürdige Morde an schutzlosen Frauen und Kindern? Unterstaatssekretär Dr. Shiels erwiderte: Die Kollektivbestrafung wurde in Safed und in anderen Distrikten Palästinas als ein notwendiger Akt im Zusam* menhang mit den Gewalttaten bei den Palästina<Unruhen des letzten Jahres angewandt. Lord Passfield (der Ko» Das Jubiläum eines Palästina-Werkes, Fünf Jahre Hebräische Universität. Die geistig-politischen Voraussetzungen. . Im Augenblick, wo der politische Zionismus als der Weg zur Wiederbelebung des jüdischen Volkes von den lebendigen Kräften der gesamten Judenheit erkannt wurde, mußte zielgemäß die Synthese des jüdischen Staats- und des jüdischen Kulturgedankens eintreten. Zionismus bedeutete in diesem Aspekt, aus einer geschichtslos gewordenen Gemeinschaft ein Geschichte machendes, sein Leben selbst gestaltendes politisches Subjekt zu schaffen; aus einer teils in alten Kulturformen erstarrten, teils in fremden Kulturen leerlaufenden, parasitären Masse ein seine eigenen geistigen Werte erneuerndes, aktives Volk zu machen. Zionismus bedeutete also Land und Sprache, kurz den hebräischen Judenstaat. Dieser Zionismus war es, der den Boden für .die neuerstandene hebräische Sprache, Literatur und Wissenschaft mit allen ihren geistigen Erscheinungen fruchtbar machte und zur Kristallisation all dieser Kräfte hinstrebte. Stufenweise vollzog sich der Aufstieg des hebräischen Schulwerkes vom Kindergarten zur Volksschule, von ihr zur Mittelschule, vom Haifaer Technikum zur Hebräischen Universität in Jerusalem. Die Vorarbeiten. Der Schöpfer des bedeutenden Gedankens vom Jüdischen Nationalfonds, der Heidelberger Mathematikprofessor Hermann S c h a p i r a, war auch der Initiator eines hebräischen Universitätsgedankens, den er schon auf dem I. Zionistenkongreß in Basel in einem Antrag niederlegte. Die zweite Etappe leitete im Jahre 1902 eine Schrift ein, die „Eine jüdische Hochschule" hieß und die Chaim Wcizmann, Martin Buber und Berthold Felwel zu Verfassern hatte. Interessant ist der Umstand, daß für die Verfasser der Sitz der Universität nicht unbedingt an Palästina gebunden sein mußte, sondern daß auch England oder die Schweiz ins Auge gefaßt wurden. Erst auf dem XI. Zionistenkongreß (Wien 1913) wurde dem Plan nähergetreten, der hier leidenschaftlich und breit behandelt wurde. Ussischkin hielt das Kulturreferat und darin eingeschlossen das Referat über die Gründung der Universität. Der Weltkrieg unterbrach die Vorarbeiten, die finanziell und administrativ schon weit gediehen waren. Noch unter dem Donner der Kanonen konnte Chaim Weizmann in Anwesenheit des englischen Oberkommandierenden Lord Alle nby den Grundstein auf dem Skopus legen. Im Jahre 1921 wurde von Weizmann und Albert Einstein ein weiterer Schritt zur Verwirklichung getan, indem den beiden gelang, die jüdischen Intellektuellen Amerikas für die Herbei- Schaffung der Mittel zu gewinnen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.