Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 131 (21.3.1930)
- Date
- 1930-03-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE NEUE WELT Nr.131 iS»n rrssa *■?,?)mwsü antra KB Die bekannt besten und bezüglich rrntf 3 verläßlichsten ANERIKA- *J J| VtAffU NISCHEN nmäm£\ttn in Wien Uberall erhältlich Brüder wmm inaXfiSgüi. 62 t«äs )■■< Auflösung einer jüdischen Hilfsgesellschaf f. Die seit 1914 in Leningrad, existierende jüdische Hilfsgesellschaf t Jekopo", die eine rituelle Küche für unbemittelte jüdische* Studenten; ein jüdisches Altersheim und andere Wohlfahrtsinstitutionen in Leningrad unterhalten hat, ist von der Sow jetbehörde für aufgelöst erklärt worden. •' Der „Emess" schürt weiter* , Der ..Emess" kann sich an Gehässigkeiten nrcht genugtun. So behauptet er, daß die berühmte Jeschiwah in Nevcl, die im vorigen Jahre behördlichaufgelöst worden.ist, illegal weiter besteftt und daß lNPeveL immer noch Zentrum illegaler jüdisch-religiöser 'Arbeit-isti Der Geist des „Lubawitscher llcbbe", , sclxreibi . „Emess", herrscht immer nbcH W Nevel. •DiÖ' Z-eltühg 'behauptet, daß der Neveler Rabbiner die Sammlungen für den Jeschiwah-Fonds und die illegale Jeschiwnh selbst leitet und daß jüdische ArbeHe-r, unter ihnen sogar Kommunisten, zur Erhaltung der Jeschiwnh beitragen. Wird die Moskauer Große Synagoge beschlagnahmt? Moskau, 10. März. (J. T. A.) Bekanntlich hat der Moskauer Stadtsowjet um 15. Februar d. J. an die Moskauer Jüdische Gemeinde die Aufforderung gerichtet, die Moskauer Große Synagoge binnen .14 Tagen dem Verein der Atheisten zii übergeben, der in der Großen S*-nago£^ seine Hauptbüros Unterbringen will. Diese 14tügigc Frist ist nun beträchtlich überschritten, ohne daß die jüdische .Gemeinde der Aufforderung des Stadtsowjets nach Auslieferung der Synagoge nachgekommen ist. Die jüdische Gemeinde hat gegen den Entscheid des Moskauer Stadtsowjets an das Zentralexekutivkomitce der Sowjetunion aDpelliert. Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, besteht in den Kreisen des Zentralexekuü\komitees in keiner Weise, die Neigung, dem Beschluß des Stadtsowjets wegen Beschlagnahme der Synagoge die Sanktion zu erteilen. Der Verband der Atheisten setzt die Bemühungen fort, in den Besitz der Moskauer Großen Synagoge zu gelangen. Mitglieder dieses Verbandes sammeln" Unterschriften von Arbeitern unter, eine Petition an das Exekutivkomitee der Sowjetunion, in der ausgeführt wird, daß die jüdischen Massen selbst (!) die Umwandlung der Synagoge in' eine antireligiöseKulturinstitution verlangen. Es wird aber aus antltenüs'cher Quelle versichert, daß diese Bemühung; der Atheisten wenig Aussicht auf Erfolg hat. .'( Ein hebräischer Schriftsteller unter Spionagcanklage. Moskau, 12. März. (J. T. A.) Gegen den 68jährigen bekannten hebräischen Schriftsteller Leon Rnbinowitsch, dem. früheren langjährigen Redakteur v der hebräischen Tageszeitung „Hameli z", wurde wegen einiger von ihm in der New Yorker jiddischen Tageszeitung „Tog" veröffentlichten Artikel Anklage wegen Spionnge; und Y e r le u m d tt n g des Sowjetregimes im Ausland erhoben. Auf diese Delikte steht in Sowjetrußland sehr hohe Gefängnisstrafe. Eine Kundgebung, des Wiener Israelitischen Kultusvor« . Standes. In der Montag, den 17. März unter dem Vorsitz des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Generals Oberstabsarztes Universitätsprofessors Dr. Alois Pick, abgehaltenen öffentlichen Plenarsitzung des Kultusvor« Standes wurde einmütig folgende Kundgebung beschlossen: Von schmerzlichster Anteilnahme und tiefster Ent* rüstung erfüllt, vernehmen die Kulturmenschen der ganzen Welt immer wieder aufs neue die Nachrichten über jene brutalen Anstrengungen, die in Sowjetrußland gemacht werden, um die in jahrhundertelangen Kämpfen in allen zivilisierten Staaten so mühsam' errungene Glaubens« und Gewissensfreiheit in diesem Lande zu beseitigen. .Was den Gläubigen heilig ist, ist der Vernichtung preisgegeben. Stätten, die dem Dienste des Glaubens und der Gottes* lehre geweiht waren, werden zerstört oder entgegehge» setzten Zwecken dienstbar gemacht und alle jene Men« sehen mit den schwersten Strafen belegt, die auch nur insgeheim versuchen wollen, religiösen Bedürfnissen ge» recht zu werden. Furchtbares Leid ist über die Judenschaft des weiten Sowjetreiches gekommen, die durch Genera» tionen die Gotteslehre treu gehütet, unter den schwierig« sten Verhältnissen und Opfern sich ihr Gottvertrauen be* wahrt und die Lehren unserer heiligen Religion eifrigst zu pflegen gewohnt war. Ihr Seelenleben wird zerstört, das Heiligste ihnen entrissen und eine Not über sie gebracht, die sie schwerer empfinden als. alle Schrecken des Krieges und der wirtschaftlichen Vernichtung. Die Israelitische Kultusgemeinde Wien gibt im Nas men der gesamten Judenschaft Wiens, die in schmerz« lichem Mitempfinden die Nachrichten Von dem Leide ihrer Brüder in Sowjetrußland "vernimmt, ihrem tiefsteh Bedauern Ausdruck, daß derartige Geschehnisse im zwän» zigsten Jahrhundert und in einem Lande möglich sind, das angeblich aus dem Zustande der Verfechtung in den der Freiheit geführt werden sollte. Auch die Wiener Judenschaft schließt sich den Bestrebungen aller Edeideh* kenden auf dem weiten Erdenrunde ah, die dahin zielen, daß in Sowjetrußland an den berufenen' Stellen eine bes* sere Einsicht Platz greife und die Glaubens» und Gewis» sensfreiheit wieder hergestellt werde. Möge diese unsere Kundgebung innigster Anteilnähme, unseren bedrängten Brüdern in Sowjetrußland Trost und Linderung in ihrem Schmerz sein und dazu beitragen, daß sie die Kraft und die Stärke bewahren, bis — wie wir sicher erwarten — der Appell an das Weltgewissen von Erfolg begleitet »ein wird. Wird Rektor Magnes abtreten? Die Entscheidung heim Wnad Lernni. Jerusalem. 12. März. (J. T. A.) In Jerusalem zirku liert das Gerücht, daß Dr. J. L. Magnes beschlossen hätte, von seinem Amt als Kanzler der Hebräischen Universität zurückzutreten; als Grund wird die von verschiedenen zionistischen Kreisen an seiner Tätigkeit, im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Verbreitung seiner Broschüre „Like all the Nn t i o n s?'\-geübte Kritik angegeben; (Bekanntlich hat auch Dr. Hans Kohn wegen der Opposition gegen seine Brith Schaloin-Tätigkeit; sein Amt aj£; Universitätssekretär niedergelegt.) . •.!', Eine Vereinigung . von S t u d e n t e-n der H eb r ä i s c h e n TJ n i v e r s i t ä t forderte in einem Zirkular die Studentenschaft der Universität auf, den Rücktritt Dr. Magnes' zu •■.•■.verlangen. In dein Zirkulär heißt es: ' „Die Tatsache, daß Magnes, Krfhzler der Universität ist, verleiht seinen Worten uhd seinem Wirken besonderen Nachdruck. Seine jetzige Tätigkeit tut aber der Würde der- Universität Abbruch. Würden die Studenten dazu schweigeh, so würde es so aussehen, als ob sie mitidie Verantwortung für seine Aktionen tragen wollen." ■ ' Am 10. März fand eine '"Versammlung von Studenten der Hebräischen Universität statt, in.der ein von den r e v i s i o n i s't:i s c Ii e n Studenten; eingebrachter Antrug,''daß-der Rücktritt von Dr. Magnes zu fordern, sei, mit 50 gegen 30 Stimmen abgelehnt wurde. Die Mehrheit der Anwesenden m i ß b i 11 i g t e in einem Votum das 'Verhalten von Div Magnes, erklärte aber, daß die Frage seines' Verbleibens1 oder Nichtvcrble'ibens als Kanzler der Universität dem1 Wand Leumi zur Entscheidung iibcHri'sscn1 wbrdctr müsse. Einige der der Versammlung beiwohnenden' 'Professoren, '■ iinf er' ihnen Prof. J-. Klausner und Prof. 'Epstein, bedauerten zwar die separatistische politische Tätigkeit von Dr. Magnes, empfahlen aber ' den Studenten, die seinen Rüdetritt fordernde Resolution abzulehnen. Sdiliefliich' wurde mit 49: gegen 31 Stimmen die folgende Resolution angenohamen: " Die V e r s a m in 1 u n/g v o n S t uderite n der Hebräischen U n i y e r s i t ii.t . p r o t e s t i e r t g e g e n d i e Tätigkeit d c s, K n h z 1 e r s d e r U n iv e r s i t ä t D r. M a g'n'e s. il i c d e n A s p i r a t i p"n e n des j ü d i sc hen' Volkes i n 's e i nem Land e diametral e n t g e g e n g e setzt ist und geeignet sei, die n a tio n a 1 e Disziplin zu untergrabe ri, i n d e m : i m a 11 g e m einen k e i n U n t e r s c h i e d g e m a c h t w i rd zwi s c h e n D o kt o r Magnes als P r'rv ntpers o n u n d Doktor Magnes als offi ziel 1 e m Ohe r h aupt de r Universität, uiibe's'clutlct s'eiher Eric l ä r u n g\ daß e r auf eigene Vera n t w o r t u n g handelt. Die Versammlung f or d ort desh a 1 b de n W,a ad L e u m i und das Zionistische Aktionskomitee auf, die nach dieser Ri c ht u n g :M n..>Ja3 s n;o t w e n d i g q r a c h. ,t,e t e n M a ßr n ahmen ZHi e rgr e-ifeii. : KÖRPERLICHE UND GEISTIG* FRISCHE sind die kostbarsten. Güter des Lebens in der Jugend we i^sbesoiidcre im #lt«r Bewahren und mehren Sie diese Schätze durch stündige sorgsame Pflege Ihres Körpers. Das 'beste Mittel für alle Zwe<ko der Körperpflege .—• Einreibungen Packungen (Umschlüge), Mundwasser usw. .— ist DIANA mit Menthol Achten Sie genau auf die Marke „D i a n a". — Weisen Sie alle Nachahmungen energisch zurück. — Ein Vet> such überzeugt. UBERALL ERHÄLTLICH! Die antisemitischen Exzesse in Polen. Gegen die jadischen Studenten. Warschau, 15. März. (J. T. A.) Im Anatomischen Institut der Warschauer Universität fand am Vormittag eine Versammlung nationalddmokratischer Studenten statt, in der die Redner erklärten, daß die christliche Studentenschaft nun, da die Aktion wegen Herbeischaffung jüdischer Leichen für Sektionszwecke erfolglos geblieben ist, zu Taten schreiten müsse. Am Nachmittag drang eine Studentenmenge in der Zahl von etwa 500 in den Saal der Anatomie ein, in welchem unter Leitung von Prof. Loth praktische Uebungen stattfanden, stürzte sich auf die im Saale arbeitenden Juden und trieb sie unter schweren Mißhandlungen auf die Straße, ohne ihnen Zeit zu lassen, ihre Wintermäntel mit sich zu nehmen. Hierauf wurde an das Tor der Anatomie eine Tafel mit riesiger Aufschrift: „Eintritt für Juden verboten!" angebracht. Während der Schlägerei haben auch christliche .Studenten, die für Juden gehalten wurden, Verletzungen erlitten. Später veranstalteten die antisemitischen < Studenten im Universitätsviertel eine Riesendemonstration, in der Transparente mit der Aufsch rift: ..Nieder mit der jüdischen U e b e rs C Ii w e m m u n g!" getragen wurden. Schließung des Anatomischen Instituts. Warschau, 14. März. (J; T. A.) Im Zusammenhang mit dert schweren antisemitischen Ausschreitungen im Anatomischen' Institut der Warschauer Universität, wo über 60 jüdische Studenten und Studentinnen von eingedrungenen, auch nicht medizinischen polnischen Studenten sehr schwer mißhandelt und aus dem Institut hinausgeworfen wurden, ist das Institut auf unbestimmte Zeit geschlossen worden. In jüdischen Kreisen herrscht große- Erregung wegen des barbarischen Vorgehens gegen die jüdischen Medizinstudenten. Gegen den Leiter; der betreffenden Institutsabteiluug Professor Loth. wird die Beschuldigung erhoben, daß er die mißhandelten jüdischen Studenten nicht in Schutz genommen und sich bei den antisemitischen Studenten für die ihm dargebrachten 'Ovationen bedankte. Die Unruhen im Anatomischen Institut fanden ein Nachspiel in der Universität, wo das Büffet der jüdischen Akademiker-Selbsthilfe und das Büffet der assimilatorischen jüdischen Studenten vollkommen demoliert wurde. In der Universität wurde dann eine Versammlung antisemitischer Studenten abgehalten, in der die Rufe ausgestoßen wurden: „Wenn die Juden keine Leichen für Auatomiearbeiten liefern, so werden wir iu die Nalewki-Gasse (das jüdische Handelszentrum von Warschau) gehen und uns selbst jüdische Leichen holen!" Ein Vertreter der Handelsakademie erklärte in der Versammlung, obwohl seine Kollegen an der Frage der jüdischen Leichen nicht direkt interessiert sind, so werden sie ihrerseits sich bemühen, die Juden aus Handel und Industrie hinausstoßen zu helfen. An dieser antisemitischen Hetzversammlung haben sich Studenten und Studentinnen der militärischen. Offizierssanitätsschule beteiligt, in ihrem Namen erklärte sich der Sergeant Wiczak mit den antisemitischen Losungen einverstanden. Während der Straßendemonstration der antisemitischen Studentenschaft wurden in der Krulewska- Gasse mehrere Juden überfallen und schwer mißhandelt, einige erhielten blutende Kopfwunden. Auch im staatlichen zahnärztlichen Institut überfielen die antisemitischen Studenten während der praktischen Arbeiten ihre jüdischen Kollegen. , * Wegen Beistellung auch jüdischer Leichen für die anatomischen Institute der Universitäten in d)lll|lfllll|lllllllllll|IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII& 1 Verband demokratischer Zionistcn | mm a Mittwoch, den 26. März 1930 um halb 9 Uhr abends 5 im Cal* Produktenbörse, II., Taborstr. 10 E Versammlung | Gegenstand: g Die Lage im Zionismus § Referent: a Robert Stricker | ^iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHtiiitiniiHiii^