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Die neue Welt · 1930-03-21 · Heft 131 (21.3.1930) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 131 (21.3.1930)
Date
1930-03-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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/ DIE NEUE WELT Seite 3 RICH0N-1E-ZI0N („DIE ERfTE IN ZION") SO NANNTEN DIE ERSTEN JÜDISCHEN AN¬ SIEDLER PALÄSTINAS, DIE VOR 43 JAHREN INS LAND KAMEN, IHRE KOLONIE, AUS DER SIE IM LAUF DER JAHRE DIE BEDEUTEND¬ STE WEINPRODUKTIONSSTÄTTE DES LANDES SCHUFEN. SO BELIEBT UND GESCHÄTZT WAREN DIE WEINE ALSBALD IN ALLER WELT, DASS IMMER WIEDER VERSUCHT WURDE, IHRE CHARAKTERISTISCHE ETIKETTIERUNG NACH- ZUAHMEN. VERLANGEN SIE DAHER BEIM EINKAUF AUS¬ DRÜCKLICH KÄRMEL-WEINE AUS RICHON-LE- ZION, AUS DEN GROSSEN KELLEREIEN BARON EDMONDE DE ROTHSCHILDS, DIE BIS AUF, EINEN VERSCHWINDEND KLEINEN BRUCH¬ TEIL DIE GESAMTE LANDESPRODUKTION BEHERRSCHEN. GROSSVERTRIEB: GUSTAV WILDER IV., BLECHTURMGASSE 12, TEL. U-43-8-19, TELEGRAMME: KARMEL, WIEN. Nr. 131 sich aus London eine den Shaw*Kommissions« bericht betreffende Darstellung des „Jewish Chronicle" telegraphisch übermitteln läßt. Nach der Meldung des im allgemeinen gut informier* ten „Jewish Chronicle" ist der Bericht der Aus* forschungskommission bereits unterzeichnet und der Regierung übergeben worden. Der Bericht enthält folgende für die Juden günstige Punkte: 1. Die Schaffung eines Parlaments in Palästina kann nicht empfohlen werden. % Das Palästinamandat darf nicht ge* äncfar* werdeL. 3. Die Greueltaten der Araber in He* bron und Safed werden aufs schärfste an* geprangert. Ungünstig sind folgende Punkte: 1. Wir verurteilen die provozierende Haltung der jüdischen Jugend gelegentlich der 9. AbsDemonstration 1929 vor der Klage* mauer. (Diese Demonstration war bekannt* lieh von der Regierung genehmigt. Anm. der Red.) 2. Die Palästinaregierung ist nicht am Ausbruch der August*Ereignisse schuld. 3. Die Bodenkäufe bei kleinen arabi* sehen Grundbesitzern sollen eingeschränkt werden. Zu diesem Vorschlag hat das Arbeitermit* glied der Kommission Harry Snell ein Sepa* ratvotum eingebracht, worin er fordert, daß die Bodenkäufe seitens der Juden keinerlei Ein* schränkung unterliegen sollen. Zusammenfassend kann auf Grund der bis* herigen Meldungen gesagt werden, daß, wie immer der Bericht ausfallen mag, die Frage des britischen Mandates in Palästina nicht aufgerollt werden wird. Die zionistische Jugendfülirertagung in Berlin. Berlin, 13. Marz. (J. T. A.) Am 9. März fand in Berlin eine von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland einberufene Jugendführertagung statt, an der zirka 200 Jugendliche aus allen Teilen des Reiches teilnahmen. Es waren alle zionistischen Bünde vertreten. In der einleitenden Ansprache betonte Dr. Kano* wi tz, daß sich im Laufe der letzten Jahre immer stärker in .allen Bünden die Einsicht durchgesetzt habe, daß die Gemeinsamkeiten größer sind als die Differenzen. Ge» meinsam ist das Streben nach Palästina, der unbe* dingte Wille zur persönlichen Verwirklichung des Zi o» n i s m u s durch Chaluziuth, gemeinsam besteht für die Bünde die Aufgabe, die Menschen, die den Weg nach Pas lästina nicht finden, der aufbauenden zionistia sehen Arbeit in der Galuth einzuordnen. Im einleitenden Referat sprach Dr. L u b i n s k i von den Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur, von der Bevölkerungsbewgung der deutschen Juden und den Wandlungen in der Ideologie und Zielsetzung, insbeson« dere von der Mentalität der nichtzionistischen Palästina* freundlichen Jugend. Dr. Lubinski sieht eine große Schwierigkeit für die zionistische Jugend in der Tatsache, daß ein großer Teil von ihnen zur persönlichen Verwirk« Heining in Palästina nicht gelangen kann. Der Z i o n i s t sei dadurch gekennzeichnet, daß er sich dauernd als Schuldner der Bewegung fühle, die in jedem Augenblick von ihm Opfer verlangen dürfe. Die zionistische Bewegung ist dadurch gekennzeichnet, daß sie im Gc* gensatz zu allen anderen jüdischen Bewegungen die To« talität jüdischen Lebens erstrebt und erreicht. Die Nachmittagssitzung wurde eingeleitet durch ein lief erat von E. Liebenstein (Merkas des Hechaluz) über „Der Weg des jungen jüdischen Menschen in Pa* lästina". Liebenstein sprach von den Schwierigkeiten, mit denen der junge Westjude in ganz besonderem Maße in Palästina zu kämpfen habe. Er sieht für den Chaluz nur BIBBHB3Bn5fK3BSB83BHEBHnHHBHHHnHBHHM Drei Wiener Bilder. Am Nordbahnhof. Ein Extrazug steht in der Halle und unter deren Dach 300 junge Menschen aus Polen, aus der Tschechoslowakei, aus Oesterreich — junge, gesunde, starke Burschen! Sie fahren nach Palästina. Alle eint ein Ziel, ein Ideal, eine Hoffnung: Erez Israel. Allgemeine, Radikale, Revisionisten, Poale Zionisten, sie haben ihre Ideologien beiseitegestellt, die Spannungen vergessen. Die 300 jungen Menschen, die nach Palästina fahren, bilden eine Familie. Ein alter Jude mit Bart und Stirnlockeu betet, Chaluzim, viele in Trumpeldor-Tracht, sirigen, einige tanzen — sie haben sich gefunden zu innerer und äußerer Eintracht. Sie bringen Grüße von den Führern ihrer Heimatländer und man weint und lacht vor Freude und des Jubels ist kein Ende, „Wir fahren nach Erez —" Trumpeldors Worte schweben über ihnen: „Ein Stück Eisen! Benötigt ein Rad es? Hier bin ich. Ein Nagel, eine Schraube? Hier bin ich. Muß man die Erde aufgraben, hier bin ich, der sie aufgräbt, Braucht man Soldaten, bin ich zur Stelle. Pohzeileute, Juristen, Aerzte, Wasserträger? Hier! Ich habe keine Physiognomie, keine Psychologie, keine eigenen Gefühle, keinen eigenen Namen. Ich bin ein Diener Zions, zu allem bereit, an nichts gebunden, ich kenne nur den einen Imperativ: Aufbau!" „Ein dawar" — und die anderen gehen seinen Weg und reisen nach Erez. hob w einen Weg, dieser Schwierigkeiten Herr zu werden: die Eingliederung in die palästinensische Arbeiterschaft. Die* ser Weg sei der einzige, und : die westjüdische Alijah aller Richtungen müsse diesen Weg gehen. Alle anderen Referenten bekannten sich uneingeschränkt zur Erziehung zur Chaluziuth als der wesentlichsten Erzichungsaufgabe der zionistischen Jugend. Als Ergebnis dieser ersten Konferenz ist die Schaf« fung eines zionistischen Jugendrates aus ständigen Ver« tretern zionistischer Jugendgruppen zu nennen. Der russische Frühjahrsfeldzug gegen die Juden, Der Pessach soll ausgerottet werden. Die Leitung der Mosk'aucr Atheisten-Liga hat an alle* ihre Ortsgruppen Instruktionen versandt, in denen darauf hingewiesen wird, daß in diesem Jahre das jüdische Pcs.sachfest mit den christlichen Ostern zusammenfällt und daß sonach die beste Gelegenheit besteht, eine solidarische c h r i st liehjüdische antireligiöse Front gegen die Feier von Pessach. und Ostern zu bilden. Die Atheisten in allen Orten werden angewiesen, in der Nacht vom 19. zürn 20. April, also am ersten SecPer-Abend, antireligiöse Straßenkundgebungen mit Fackelzug zu veranstalten, bei denen antireligiöse Losungen ausgegeben werden sollen. Am ersten Pessachtage sollen durch Radio antireligiöse Ansprachen verbreitet werden. Auch soll in Plakaten die Bevölkerung überall zur Nichthaltung des Pessach aufgefordert werden. Die gesamte Antipessach-Kampagne, heißt es in der Instruktion, soll zur Stärkung der Propaganda für Schließung von Synagogen und Kirchen und für entsprechende Aufforderungen an die staatlichen Behörden benutzt werden. Gleichzeitig versandte das. Zentralkomitee der Atheisten-Liga an die Provinzkreise ein Zirkular mit dem Ersuchen, bei der Propaganda für Schließung von Andachtsstätten nicht bis ins Extreme zu gehen. Es heißt JNur diese Sehwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke darin: Die Schließung von Synagogen und Kirchen soll, wenn sich "die Mehrheit der Bevölkerung ihr widersetzt, nicht durch administrative Gewalt vollzogen werden, sondern es soll die Propaganda zur Gewinnung der Mehrheit der Bevölkerung verstärkt werden. Die jiddische Tageszeitung „Eraess" veröffentlicht einen n e u n s p a 11 i g e n Artikel, in welchem Weisungen, wie die Antipessach-Kampagne zu führen sei, gegeben werden. An die jüdische Bevölkerung richtete „Emess" die Aufforderung, die Pessach-Tage zur Stärkung der Propaganda für den Industrialisierungsfonds zu benutzen und freiwillig ihren Besitz an Wertgegenständen des religiösen Dienstes für diesen Fonds herzugeben. Die Bevölkerung wird ferner aufgefordert, kollektiv aus den jüdischen Gemeinden, wo solche Gemeinden noch bestehen, auszutreten. Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, beabsichtigen die jiddischen Zeitungen und die Atheistenkreise,. sich in diesem Jahr nicht auf den Kampf gegen das Ma z z o t h - E s s e n zu konzentrieren, da es ohnehin keine Mazzoth geben wird, sondern darauf, daß im Verlauf der Pessach-Woehe die bei den Juden noch vorhandenen religiösen Gegenstände aus Messing, Silber und Gold dem Induslrialisierungsfonds zugeführt werden. Die Zeitung „Emess" versandte Instruktionen dieses Inhalts an alle ihre Provinzkorrespondenten. Es wird ein neuer Zoll für aus dem Auslände eingeführte Mazzoth angekündigt, der 10 Rubel per Kilo und zusammen mit weiteren Steuer- und Zollgebühren etwa drei Dollar per Pfund ausmachen wird. „Ich fahre nach Beth Alpha!" „Und ich nach Binjamiria." „Und ich — nach Erez." , Ihr benötigt ein Stück Eisen? Hier bin ich! Der Zug fährt aus der Halle. Brausend erschallt die Hatikwah, Rufe „Auf Wiedersehen' in Erez!" Wir blicken dem Zug nach » , s sie fahren nach: Palästina. , Am Graben. Das Parlwiueriegesqjiäft „Fioris" ist eine j,arische" Firma; arisch'bis in die Schminke, mit der das Gesichtder Qeschäftsinl|aj)e]ciii beschmiert ist. Beschmiert sind auch, die Reklamezettel in der Auslage mit dem stolzen;; Worf arische Firrna^'und mit denk reizenden Text die , Drucksachen, die das Publikum kauflustig machen sollen. I|t' schon die Ware nicht attraktionsfghig, sollst Wenigstens der Text sein. Und der lautet z. B.: „Die' jüdische Religionsgemeinschaft ist eine internationale Verbrfchergesellschaft" . . . und die noch immer nicht* kauffreudig gemachten Passanten lesen die geistreichen;' Sprüchlein und denken sich ihr Teil. Die Wiener Kultusgemeinde intervenierte wegeu^ dieses dummdreisten Hetztextes, der besonders in den': Messetagen viel ziyn Ruf der Wiener Stadtkultur bei-, getragen bat, aber über die Wirkung des Protestes ist bisher nichts bekannt. Vor einigen Tagen gabs dort, am Graben eine spontane Kundgebung gegen die bübischen Plakate. Hunderte Messebesucher und jüdische Studenten verlangten in sachlicher Form deren Entfernung — bis plötzlich ein waschechter Hakenkreuzler die Verhaftung eines Studenten forderte und tatsächlich wurde dieser Student gemeinsam mit einem jüdischen Journalisten verhaftet. Nach ein paar Stunden wurden beide freigelassen und konnten wieder die geistreichen Plakattexte am Graben in der Auslage der „arischen Firma" lesen. Auf der Aula. Ein Semesterbeginn ohne Krawalle auf der Wiener Aula würde der Tradition ins Gesicht schlagen. Und die Vorboten der Krawalle sind die antisemitischen Aufrufe und Bilder in den Anschlagekasten der „Völkischen", die fristgerecht die „feierliche Eröffnung" des Sommersemesters vorbereiten. Bisher richtete sich ihre Hetze gegen alles Wiener-Jüdische. Jetzt weht eiu neuer Wind. In ihren Operationsplan, ist auch der Zionismus, das jüdische Palästina einbezogen worden. Ihre Schlagworte lauteu: „Galizien in Palästina!" „Die ehrliche Lösung der Judenfrage!" „Ein zweites Versailles in Osten!" „Und nochmals Tel Awiw!" Und sie bringen auch Beweise für ihren Kulturkampf — Zeitungsausschnitte aus ihren Erziehungsjournalen „Michel", „Der eiserne Besen", „Der Hammer" und „Doetz", also historische Dokumente. Die braven Völkischen sind für 'Kultur und Gerechtigkeit, daher gegen den Judenstaat, und ihr Material beziehen sie aus ihren völkischen Blättern, wenn sie nicht gerade etwas Passenderes in der. „Jüdischen Rundschau finden»

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