Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 130 (14.3.1930)
- Date
- 1930-03-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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r Seife 1 DIE NEUE WELT Nr. 130 / DI« weltberühmten amerikanischen $ - Gries, farvel. Matzos Crackert sind bereite eingetroffen ond werden in allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich sein Manlschewltz Matzos-Vertrleb Ytniytf'iKfc öjna Wien II, Fugbachgasse 04 Telephon R-25.9«S2 und R*4S-0-8a Filiale: Ig. Frost,. II, Hnicfgasse 9, Telephon A-41-S-64 fVW^MB nwa w^«w»teM>>ifegi»i wnwnnm gezwungen gesehen, den Besuch der^y^ryersitüt einzustellen. In der letzten Zeit . herrschte auf der Fakultät unauf^prlicher ..Tumult, Wo ein jüdischer Student ersehen,:, wurde er m|flhandelt,Vbespuckt und hinausgeworien^Zu'bemerken ist, daß die Professoren, die Juden als gleichberechtigt behandelt und sich, an der Verfolgung der' jüdischen Hörer in keiner Weise beteiligt haben. '" Der jüdische Mittelstand Polens vor dem Zusammenbruch. Ein Aufruf des jüdischen Klubs an die Bevölkerung. — Die Regierung nimmt keine Rücksicht auf die jüdische Minderheit. -— Die, angekündigten . Steuererleichterungen zurückgezogen. — Am 11. März Protesttag. Warschau, 7. März. (J. T. A.) Die polnische Re* gierung hat säm tli che in Aussicht gestellten St eueu erieiehterungen zurückgezogen, so daß das erhöhte->5teuerbudgeti das überwiegend den leistungs* schwachen städtischen j ü d i s eh«rn* Mittelst a n d be* lastet und ihn vollends zu erdrücken droht, aufrecht er« ha&en wird, i Der j ü d i s c h e Parlamentsklub hat einen Au f r u f. an die jüdische Kaufmannschaft und das Hand» werkertum' erlassen,1 in* welchem diese aufgefordert, wer» WIEN VII., KAISERSTRASSE 123 IX. All S E R STB ASS E 6 FERNSPRECHER B-38-Ö.43 j den, sich zur Abwehr der Vernichtung ihrer Existenz zu« sammenzuschließen. In der heutigen Plenarsitzung des polnischen Senats brachte der jüdische Parlamentsklub eine an den Mini» sterpräsidenten und den Finanzftiinister sich wendende Interpellation ein, in welcher .auf die katastrophale Lage der jüdischen Kaufmannschaft und das- Handwerkertum hingewiesen und mitgeteilt wird, daß sogar unter den alten soliden jüdischen Firmen Selbst« m.o rde infolge wirtschaftlichen Z.us am in enbruchs und Bankrotte eine .tag 1Ii c h e Erscheinung gewor« den sind. Nicht zu reden vom jüdischen Kleinhandel, der vollkommen zugrunde gerichtet ist. Die Hauptursache des Ruins des jüdischen Mittels und Kleinhandelsstandes ist die ganz ungerechtfertigt hohe Steuerlast an sich sowie ferner die ungleiche Verteilung der Steuerlasten auf die einzelnen Volksschichten in der Weise, daß hauptsächlich die jüdischen Berufsgruppen betroffen werden. Die neu eingebrachte Steuernovelle entlastet in keiner Weise Htm* del und Handwerk. " In der Interpellation wird . mitgeteilt, daß der jüdische Parlamentsklub, nachdem, er alle anderen. Mittel, auf die Regierung und das Parlament einzuwirken, er* schöpft sieht, sich entschlossen hat) den folgenden Auf» ruf an die jüdische Bevölkerung zu, veröffentlichen; „Jüdische Bürger, Brüder, Kau f. I e u t. e. Handwerker! Der Kaufmannstand und das Hand» werkertum brechpn ^unteif fjdefe%nmögJiGheittt Steuerlast*zu*!' r*"-. ' lV+*' ve■>■ '.»•Afv5i%£ f«;?:'-*••> sammen. Ein Ruf d e j V a r z w e i f 1 u n g schallt von einem zum anderen 4^höe^^Ä?e)ttJfc;V $jWv#nsere Anstren* gungen, der ^drohenden Gefahr vorzubeugen,. sind -erfolg« los geblieben* Re g i e r.u<n>g ü lid her rVph e»sd e-Par» teien glauben; %eil w^iV: ei'öe• Minderheit s in d, ü b er uns hin w^egs^hett;;zii dur f^on. Brü» der, verlieret nicht die Hoffnung! ^ir yöiksvefireter wer« den gemeinsam mit eucM kämpfen und; siegen. Nachdem alle bisher versuchten Mittel, Erleichterungen zu schaffen, erschöpft sind; wollen wir auf aridere Weise die- Aufmerk« samkeit der Regierungskrei.se. auf eure. . Not lind euer Elend lenken. Zu diesem Z \y e c lc »• pro kl a m i e r e n wir Jiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiit: s wm 1 Verband demokratischer Zfonfoteti | BbVb^HsVH S Mittwoch, den 19. März 1930 um halb 9 Uhr abends 5 2 ■ im Cafe Produktenbörse, II., Taborstr. 10 [Versammlung f S Gegenstand: E S Geschichtliches zur Araberfrage | S . Referent: 5 Dr. Leopold Plaschkes § S niiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiHuiiiimiitiiiHiiiiiiiii? den Dienstag, 11. März, als einen Tag des Protestes gegen das der jüdischen BevöU kerung zugefügte Unrecht. An diesem Dienstag haltet eure Läden, Werkstätten und Büros in der Hauptstadt den ganzen Tag über ge* schlössen. Lasset eure Proteststimme in Versammlung gen ertönen. Mögen die Aeußerungen eurer Verzweiflung, möge eure schreiende Not dringen in die Herzen der maßgebenden Faktoren und sie aufmerksam machen auf die Gefahr des Unterganges ganzer Volksschichten." Folgen der entsetzlichen jüdischen Not in Polen. — Madchenhandel und Korruption. Warschau; 12. März. Die Untersuchung in dem Mädchcnhäncller* und Paßfälscherskandal, in de'n auch der V i z e k o n s u 1 der Vereinigten Staaten, Robert F. Hai I, verwickelt ist, hat -neue sensationelle Ergebnisse gezeitigt. Insgesamt wurden in Polen bisher 27 Personen, die an dem Mädchenhandel und den Paßfälschungen mitge* wirkt haben, verhaftet. Besonderes Aufsehen erregt die Verhaftung der Rabbiner Kestenberg in Wilna und Dr. Silbcrmahn in Warschau. Die beiden Rabbiner haben den Rädelsführer der Mädchenhändlerbande, Baskin, der jetzt in Amerika verhaftet worden : ist; riicht weniger als drei und« acht z i gm al getraut. Baskin brachte seine Gattin« nen selbst nach Amerika oder schickte sie mit einem der Bandenmitglieder hin. Die beiden Rabbi n e r haben gestanden, für 'jede Trauung des Mädchenhähdlers noD fPEZIAL Gelb, geschmeidi7 ges Pflanzenfett!. U e barall erhältlich! 100 Prozent Fettgehalt zu der großen Masseorientalische Literatur gehört, die seine Apokryphen stellt und ihren Gang durch die Weltliteratur gemacht hat. ' Köhren wir ■ "natu zu der Geschichte der Judenkol onie'in Elephanfine zurück! An Reibungen zwischen ihnen, den Fremden, und der einheimischen ägyptischen Bevölkerung hat es nicht gefehlt. 410 vor Christi' kam es 'zu einer stärkeren Bewegung. Es gelang den Priestern'des"ägyptischen Gottes Chnoibis von Eleiphantine von dem persischen General, dem P r a t a r a k, namens" Wi'd a'r n ag, die ' "Einwilligung zu einem Schlage gegen d i e •'J u d e n zu erhalten. . „ «Wir müssen das .Gehaben des Persers Wtfdarnag als ein törichtes oder korruptes bezeichnen, denn jPenser unif Juden;' waren ' beide als' Fre^dfhige "den Aegyptern verhaßt, in ihrem eigensten 'Interesse wäre es gewesen, sic h enge 'an ein and e f zudchld eße'n. Wenn der Anstand, der gegen das Ende dös 5.' Jahrhunderts v. €hr. voll seiten der Aegypter' erfolgte, beide himvegfegte, wenn inj;4. Jahrhundert da« persische Reich in einen solchen Zustand geriet, daß es atif einen ' energischen Stoß , hin, dei? Ihm Ale.xa.nder von. Mazedonien;, versetzte, überhaupt uihfiel un4"ter^chij$ette*i:. wurde,1- W^efoen^wlt "'hier, wie sieft diese^relgWe $fcr$h ffo pblirische UnfährgkU t de't'. R et cllf b«.a n) tc^rf' vc^bereifeteti; welche, dli' vitalen' Int^tessen des- Reiphes' verkfehtrend, gegen d<[s$eri, legale, Üirtertaucn mit .den u n s i c h e r e n Elementen.hielten. Sollte aber die Sache sbr süebeh, d«ß sie ddreh Bestechung s-ich haben bestimmen lassen, dann tim so sohlimtner für das Reich. Kurz, der Zustand Perstens im seinem Intere'&se war, wie diese vorliegenden Details ze*gen, Kein, gesunder. -" Genaueres enthält die ) Odi & c he Be & c h w e rd e. sährift an den Statthalter Bagoa* vorn Jähre 407 v. Chr., <Me so lautet: „An uflsere.il Herrn Bagohi! Deine Knechte Jedonja und seine Genossen,' die Priester, in d«r F e s t u njz Ele pili a n ti'u e. Es grüße unseren Herrn der Himmejsgott gar .sehr zu jeder Zeit und setze Dich irr Gnade-v;or K. Darius und den -Söhnen des Königshauses noch tausendmatf'?mehr als jetzt und langes Leben gebe er Dir; und iroh und gesund sei zu jeder Zeit! ~ Nunmehr sprechen Deine. -Knechte, Jedonja und seine Genossen, folgendermaßen: Im Monat Tanrmuz , im J. 14 . des.-.;K. Darius (Juli 410), als Ars am es. sich entfernt' hatte und zum König gegangen war, haben die Priester des . Gottes Chnnbis in der' Festung Rlephantine. e:ine Konspiration gemacht zusammen mit Widarnag, de r, hier Pratarak . war,- nämlich:. Den Tempel G b 11es In der Festung Elephantine möge man von dort wegschaff en./Darauf sandte dieser Widarnag, der- Ve vf-l jx c hte,, eine , Botschatit an' Seinen Sohn Nephajan, der in der Fes.tung Syenc Oberst war, mit. den Worten: den Tempel Gottes in ,der Festung; Eleiphantine soll man-zerstören. „Daraufhin führte Nephajan. Aegypter.-. mit. anderem Kriegsvolk herbei. Sie kamen, in die. Festung Elepäiantl'ne mit ihren Waffen, drangen in, jenen Tempel, zerstörten ' ■ihn bis zu m E r dbod e n;.die steinernen Säulei},, die dort waren, zerschlugen sfce. Auch die fünf steinernen Türen, aus. Steinquadern erbaut, die in jenem Tempel waren, zerschlugen sie und ihre Türflügel hoben sie aus und die ehernen Angeln jener Türflügel und das Dach von Zedernholz mit dem Rest der Ausstattaing und was sonst noch da war, verbrannten sie alles. Die goldenen und silbernen Schalen und aMe Sachen, die sonst irt jenem Tempel waren, nahmen sie fort und eigneten sie sich an> Und seit den Tagen' der Könige von Aegypten hatten unsere Väter jenen Tempel in der Festiihg Elephanflne gebaut und als Kambyses gegen Aegypten zog, faänd er jenen Tempel erbaut vor. Und während man die Tempel der Götter Aegyptens alle zerstörte, hat niemand"; lernem Tempe 1 i rgend etwas alvge taiu' Seitdemsie dies getan haben, tragen wir mit Weiib nnd 'Klrfd! T r a u e r k 1 e i d er, fasten und beten zu Adonai, dem Herrn des Himmels. Kunde besitzen wir über jenen Widarnag: die Hunde haben die Fesseln von seinen Füßen gerissen, alle Schätze, die er erworben hat, sind zugrunde"gegangen; alle Leute, die dem Tempel Böses ge-WÜnschf'halben, sind g e t ö t e t word.mi „Jetzt sprechen Deine Knechte, Jedonja und seine Genossen, und die Juden insgesamt. Bewohner von Elephantine, folgendermaßen;. Wenn es unserem Herrn gut scheint, so gedenke jenes Tempels, ihn aufzubauen, da man uns nicht gestattet, ihn aufzubauen. Blicke auf die Empfänger Deiner Wohltaten und Gnaden hier in Aegypten! Es,möge ein Brief von Dir für sie gesendet werden über den Tempel Gottes Adonai, ihn aufzubauen in der Festung Elephanthie ebenso wie er früher, gebaut gewesen war: die Opfergaben, den Weihrauch und das Brandopfer werden sie darbringen au* dem Altar Gottes Adonai in Deinem Namen und wir wollen jederzeit für Dich beten, wir, die Weiber und Kinder, und alle Juden, die hier sind, wenn es geschieht, daß jener Tempel aufgebaut wird. Ein Verdienist wirst Du Dir erwerben vor Adonai, dem Gott des Himmels, mehr als ein Mann, der ihm Brandopfer und Schlaohtopfet darbringt im Wert« von 1000 Talenten. P. S. In betreff des Goldes: darüber halben wir gesandt und Kenntnis gegeben.. Gemeint ist. in dieser verblümten Redeweise am Schluß das Angeibot einer Bestechungssummc für .Bagoas, Geld, das seine Wirkung getan hat, denn es crtolgte eine g ü n s. t i g e Erledigung des Gesuches, die Restaurierung des Tempels wurde anbefohlen. Aber wenige Jahre später, 405 v. Chr. erfolgte ein neuer nationaler Aufstand der Aegypter, der zur Aufrichtung der Herrschaft des ^iimuf k ö n i g s" Amystaens führte. Eine Katastrophe kam über.die Perser und über die Juden von Elephantlne, denn um 400 v. Chr. schließt die Reihe der Dokumente, die uns so viel Licht über diie dortige Jifdenfcolonic gespendet halben.