Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 130 (14.3.1930)
- Date
- 1930-03-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 130 DIE NEUE WELT Seite 5 SYMBOLE JÜDISCHER ARBEIT.. WD „BRITISH GOOD ARE BESTS", „KAUFT ÖSTERREICHISCHE WAREN", „TRINKT DEUTSCHEN WEIN" ... SO APPEL¬ LIERT HEUTE ALLE WELT AN DAS NATIONALGEFÜHL. DAHER UNTERSTÜTZT AUCH DER NA¬ TIONAL FÜHLENDE JUDE DIE AUF¬ BAUARBEIT EREZ ISRAELS DADURCH, DASS ER PRODUKTE JÜDISCHER AR¬ BEIT IN PALÄSTINA KAUFT. VER¬ LANGEN SIE AUSDRÜCKLICH: KARMEL WEINE AUS RICHON-LE-ZION, PAUKSTINA-MAZZOTH HERGESTELLT IN DEN MÜHLEN DES LANDES AUS DEM GETREIDE. FÜR DEN GROSSHANDEL: GUSTAV WILDER, IV., BLECH¬ TURMGASSE 12, TEL. U-43-8-19. TELEGRAMME: KARMEL, WIEN. Christ soll mitarbeiten an der Missionierung des Juden» tums. Erst schaffe man eine f r e u n d 1 i ch e, Vorurteils« freie Atmosphäre und gewinne so das Vertrauen der Juden, dann wird das große Werk gelingen. Es wird auch in Oesterreich eine große Missions* gesellschaft gegründet werden, zu der sich jedermann anmelden kann. Auch der Laie kann mitarbei* ten, denn er schafft die Umwelt, in der die M i s s i o* nierung des jüdischen Volkes gelingen kann. * Solche Worte aus dem Munde eines Jesuitenpaters zu hören, kann diejenigen nicht befremden, die mit der Missionsenergie der Jesuiten, ihrer psychologischen Fein* hörigkeit und schließlich mit dem. geistigen Zustand ver* traut sind;v in dem sich fürwahr ein nicht unerheblicher Teil des jüdischen Volkes befindet. Wenn Pater Bichlmair deutliche Verfallserscheinun« gen am Judentum beobachtet hat, so zeugt dies für seinen guten Blick und seine gute Erkenritnisfähigkeit Auch die von ihm angeführten Symptome, wie Rückgang der Hei* raten, zunehmende Anzahl der Scheidungen, Aufgeben des nationalen Lebens, sind richtig erfaßt, besonders bezüg« lieh ihres Ursprungs, den er auf " die banale „Aufklärung" und den platten „Materialismus" zurückführt. Tatsächlich ist in den zivilisierten Zentren Europas und Amerikas ein geistiges Proletariat entstanden, das seine eigene Dekadenz dorthin trägt, wo es bereits Be< herrscher geworden ist: in das gedruckte Wort, in die Presse. Diese dekadenten Juden haben jeden sittlichen Halt verloren, sind seelenlos geworden und greifen darum auch die sittlichen und religiösen Empfindungen anderer an — wofür jüngst ein Wiener „Judenblatt" im Fall Hals* mann ein bezeichnendes Beispiel geliefert hat. Aber der seelische, nationale und sittliche Verfalls* radius greift weiter. Wir haben ihn nach seiner politischen -s^. WIEN I. FREI SINGERGASSE 1 Telephon U 2o-3-*/ LLOYD TRIESTINO DIREKTE LINIE TriestJaffa-Haifa mit den vorzüglichen Salonschiffen „Adrla" und „Carnaro". Fahrtdauer 479 Tage. Fahrpreise: I. Kl. Lst. 22.-, II. Kl. Lst 15.-, III. Kl. Lst. 6.— inklusive Bett und Verpflegung. Für CHalusim und Tourittongasellschaften basondar« IrmMBIgungan. Für Einzelreisende kostet die Fahrt nach Pallittina und zurück in der III. Klasse inklusive Kabine und Verpflegung bloß österreichische Schilling <!16.— Auskünfte: Lloyd Triestino, Wien, I., Kärntnerring 6 Seite oft genug charakterisiert. Wer kann leugnen, daß beispielsweise die Beduinensehnsucht der Brith Schalom« Leute, ihre Anbiederung an die mordbefleckten Hände der arabischen Pogromisten, ihre „Friedensbereitschaft" um jeden Preis nichts anderes ist als ein Verleugnen des eigenen nationalen Wertes, für dessen Erhaltung die zio* nistischen Kräfte der ganzen Welt die größten Opfer ge» bracht haben? Deutlich haben alle Einsichtigen hier die Preisgabe der nationalen Würde erkannt, die alle weiteren Uebel mit sich bringt. Ein ähnliches negatives Bild weisen die Bestrebungen der deutschen Reformdsraeliten auf, die solange am Judentum und seinen Attributen herumrefor« mieren wollen, bis kaum ein Schatten von ihm zurück« bleibt. Schon tauchen in ihrer Ideologie „christelnde" Tendenzen auf, die bei der Religionsübung beginnen und bei der Familie enden sollen: ein Schritt nur, daß die letzte Säule ihres fadenscheinigen Judentums zusammen« bricht. Die Reformjuden liberaler Couleur stehen mit den materialistisch orientierten Aufklärern, die Rech« ten stehen mit den Linken auf derselben dekadenten Ebene. Sie sind dem Verfall geweiht, sie sind sturmreif und daher, wie der Jesuitenpater meint, die günstigsten Objekte für eine Missionierung. Mit einem Faktor allerdings rechnet die in Oester« reich zu gründende Missionsgesellschaft nicht: mit dem nationalen Willen des Judentums, den der Z i o« nismus zu neuem Leben erweckt hat. Er allein ist es, der den großen Massen des jüdischen Volkes einen Halt gibt und die Möglichkeit sittlicher, religiöser und natio« naler Befriedigung. Mögen auch einzelne faule Aeste ab« fallen und im Schoß der Jesuiten adaptiert werden, für die Unversehrtheit des. Kerns wird., allein die zioni« stische Tat sorgen. Ueber sie kann der Appetit der Missionsgesellschaften nicht zur Tagesordnung übergehen. Auch in der Türkei alle jüdischen Studenten aus der Konstantinopeler Medizinischen Fakultät hinausgedrängt. Konstantinopel, 8. März. (J. T. A.) Sämtliche jüdische Studenten der Medizinischen Fakultät der Konstantinopeler Universität haben sich unter dem Druck unaufhörlicher Verfolgungen, Belästigungen und Schmähungen seitens ihrer nichtjüdischen Kollegen Leben der Juden in Aegypten im 5. Jahrhundert v. Chr. Was die Papyrusiunde von Elephantine erzählen. Der Wiener Gelehrte und Forscher Regierungsrat Dr. Karl Wessely entwirft hl einer umfassenden Arbeit über die vierundzwanzig Jahrhunderte alten, nunmehr entdeckten Dokumentensainml'U'ntgen der ägyptischen Stadt Elephantine auch ein nackendes Bild ü'ber das Leben und Treiben der in dieser Stadt von den Perserkönigen, den damaligen Eroiberern und Herren des Nillandes, eingesetzten jüdischen Mali tärgar nison! Die Juden waren damals die Bundesgenossen und treuesten Stützen Persiens in Aegpyten. Ihr Verhältnis zu den pensischen Königen war ein äußerst freundschaftliches. Die Abhandlung ist einer Reihe von Aufsätzen in der Wiener „Reichspost" entnommen. Die Juden bildete« in Elephantine eine Ku 1 tgeoieinde, an 600 bis 800 Köpfe stark, wenn nicht nooh zahlreicher. Insbesondere besaßen sie einen eigenen Tempel, dessen Aussehen uns beschrieben wird. Die Wände waren aus Ziegeln, die Säulen und Einfassungen seiner fünf Tore waren von Stein; die hölzernen Türflügel rufaten in kupfernen Angeln; er war mit Zedernbalken gedeckt, ein stattlicher Bau. Auf dem Altar wurden Speiseopfer, Weihrauch und Brandopfer dargebracht wie im Kultus von Jerusalem. Hier in Elephantine empfing die Judenschaft die von der Autorität der persischen Regierung gestützten Erlässe, von denen wir auf Papyrus eine inhaltlich hochinteressante Verfügung des K. Darius HI. über die Kultordnung des P a s s a h- und des daran anschließenden M a z z o t h« festes vorliegen haben. Dieser Erlaß des Darius II vom Jahre 419 v. Chr. ging an den Satrapen Arsames und wurde der Judengeimeinde von Elephantine, an deren Spitze J e d o n j a steht, von einem gewissen C h a n a n 1 a imimiert. Seine Adresse lautet: „An meinen Bruder Je« domja und seine Genossen, das j ü d i s c h e H e e r, schreibt euer Bruder Chananja.'" Das Schreiben selbst: „Es grüße Euch Elohiw (vielmals). In diesem Jahre, dem 5. des Königs Darius (d. i. 419 v. Chr.) ist vom König an Ars am es geschickt worden (der Befehl): Jelizt sollt Ihr so zählen: vie(rzehn Tage) des Nisan sollt abrechnen und vom 15. bis zum 21. Tage des Nisan sollt Kit Mazzes 7 Tage ilang essen. Seid rein und nehmt Euch in Acht! Arbeit sollt Ihr nicht (Verrichten . . Bier) sollt Ihr nicht trinken und irgendetwas worin Sauerteig ist (sollt Ihr . . vom 15. Nisan) von Sonnenuntergang WS zum 21. Nisan (meiden und sollt es nicht) in Euere Kammern bringen." Auffallend ist die AehnlichWt mit 2 Mos. 12, 15, 59: „Sieben Tage sollt Ihr ungesäuertes Brot essen; am 1. Tag sollt Ihr den Sauerteig entfernen aus Eueren Häusern. Denn wer Gesäuertes ißt, dessen Seele soll ausgerottet werden aus Israel vom 1. Tage bis zum 7. Und am ersten Tage sei heilige Versammlung und am 7. Tage sollt Ihr heilige Versammlung haben; keine Arbeit soll an demselben verrichtet werden. Am 14. Tage des ersten Monats am Abend sollt Ihr ungesäuertes Brot essen bis zum 21. des Monats arn Abende. 7 Tage soll kein Sauerteig gefunden werden in Eueren Häusern." Von König Darius II. kommen foieroit im Ja>hre 419 v. Ohr. genaue Vorschriften, ein Erlaß über das Mazzoth- Fest. Ein Anologon, einen anderen Erlaß eines persischen Königs, besaßen wir bisher schon durch die Ueber. 1 i ef eru n g i m Buch Esr a (7, 12). Aber nichts hatte bei den Urkunden, die in diesem Bu^h eingelegt sind, bei den Kritikern stärkeren Anstoß erregt und mehr Mißtrauen hervorgerufen, als der Umfang der Vollmacht, die Esra durch den Erlaß König Artaxerxes' U. erhält, m i t so genauen Angaben über den jüdischen K;u 11us, wie man sie einem persischen König nicht zutraute, mit der Ausdehnung von Esras Machtbefugnis auf das ganze Volk, auch in Syrien. Jetzt hat die alt« testamentliche Ueberlieferung auch hier ihre volle Besieh in weiterem Abstand um das Alte Testament und stätigung und Rechtfertigung gefunden, denn nicht nur für die Juden in Palästina, sondern in der ganzen großen Diaspora haben die Festordnunsbe-i fehle des Königs Darius zu gelten, und die geschichtliche Ueberlieferung im Buch Esra hätte keine glänzendere Bestätigung erhalten können, als sie dieser Osterbrief des Königs Darius Ii. vom Jahre 419 v. Chr. gebracht hat. Das ist aber nicht der einzige königlich persl* sehe Erlaß, dessen Kopie sich in Elephantine vorfand, in überraschender Weise ist ein hochoffizielles Werk der persiscitn Regierung in aramäischer Uebersetzung zum Vorschein gekommen, der Bericht, den König Darius I. über seine Erhebung auf den Thron, die Ermordung des Usurpators und die Kämpfe gegen die Aufstände gegeben hat, worin er die Einheit des Reiches siegreich behauptete, kurz, die aramäische UebeTsetzunig jenes Textes, der uns inschriftlich auf persisch, susisch und babylonisch erhalten ist, an der Straße von Babylon nach Etobatana, an der Felswand des Götterberges von Bagistana in den Fels gehauen, illustriert durch ein Relief, welches zeigt, wie Darius I. dm Schutz des Gottes AhuTamazdao dem Usurpator, der auf dem Boden Jiegt, den Fuß auf die Brust setzt. Am Schluß der Inschrift spricht Darius aus, daß sein Bericht in Kopien durch das ganze Reich verbreitet werde. Die Ueberreste einer solchen Vervielfältigung des Textes sind uns in den Elephantine-Papyri erhalten. Das Exemplar ist prachtvoll geschrieben, die Uebersetzung ist frei nach dem babylonischen Wortlaut, sie steht auf der Vorderseite und einem Teil der Rückseite der Papyrusrolle. Ferner liegen die Bruchstücke eines populären Ltöeraturwerkes vor, welches Lehren der Lebensweisheit ent* Weil. Nämlich die Geschichte des weisen A c h i k a r, die