Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 129 (7.3.1930)
- Date
- 1930-03-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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SeTte *- WE NEUE WECT Nr. Israel gemacht. Ideologisch breitet sieh etwa die gleiche Problemstellung wie bei uns und in Osteuropa vor. Auf die Frage nach seinem Urteil Uber die letzten Parlamentsbeschlüsse bezüglich der Einwanderungsdrosselung gab Dr. Hildesheimer seiner großen Sorge für die Zukunft Ausdruck: Familien bände und Entwicklungsmöglichkeiten werden zerrissen, indem die organische Umsiedlung wenigstens eines Teiles der litauischen Judenheit, die auf dem besten Wege war, brutal zerstört wurde. Die Erklärung für die Be* Schlüsse liegt in folgendem: Einerseits haben die Juden durch Import u. dgl. m. die sozialen Bedürfnisse der Neger erhöht, mittelbar deren Lage verbessert, dadurch die von jenen bisher allein eingenommenen Stellungen (Diener, Packer, Lohnarbeiter) auch Europäern erschlossen und so die auf Erhaltungder Sklaverei und Niedrighaltung des sozialen Niveaus der unteren Schichten bedachten Buren gegen sich aufgebracht. Anderseits fürchten die sehr kinderreichen Buren von stärkerer Einwanderung derartiger Schichten eine Verengerung der Existenzbasis für ihre Nachkommen in dem tatsächlich für Weifle nur be» schränkte Siedlungsmöglichkeiten bietenden Lande. Die größte Gefahr aber bedeutet das neue Gesetz für die Juden im Lande kulturell durch Abschneidung des Menschen- und damit Geistes?, usc hu ss e 8 und sozial und politisch durch Abschnürung ihres Niveaus und ihrer Basis. Tragisch aber ist die Lage des litauischen Judentums, das so seiuen letzten schmalen „Silberstreifen am Horizont" scheiden sieht. In jedeni Falle werden hier wieder einmal große Spannungen, bedingt durch das allerdings nach einer Lösung schreiende Negerproblem, auf dem Rücken des Judentums als der „Fläche des geringsten Wide Standes" bequemerweise zur Entladung gebracht. Purim-Kinderfeier. Der große Erfolg der C;h a nu <kk ä - Kimderfeier hat den Verband demokratischer Zionlsten veranlaßt, auch etile P u r i m - K im 4 «e r f e i e r zu veranstalten. Frau Else Neben zahl hat auch für diese Kinderfeier ein neues Stück „Puriun in T.el-Awiw" verfaßt, weiches ausschließlich von Kindiern dargestellt wird. Auch die verschiedenen TanzeinJagen werden nur von Rindern ausgeführt. Um dem großen. Andrang ««recht zu werden,, wird die Afuffithrumig wiederholt; Die ersfce VorsteHun« findet Samstag, den IS. März 1930 um 4 Uhr nachmittags, döe Wiederholu.ng Sonntag,, den 16. März'1930, iim 2 Uhr nachmittags im Theater Reklame, Ii, Prarterstraße 34, statt. Auch bei diesen Kinder!eiern erhält jedes Kind ein Geschenk. Kinderkarte S 1, Karte für Erwachsene S 2. Vormenkuiiig und >Bestellung von Karten 'bei Fxäu Bise Nebenzahl, Iii., Rasoiimofskyigasse 1,. Tel. Nr. L1. 12-2-16, und Frau Pauila Stricker,.!., HoHamdsitraße 10, Telephon Nr. R 45-6-89. Aufruf! Alle Gesinnungsgenossen und Freunde des Misr a c h i werden ersucht, ihren Bedarf an echten und unverfälschten Palästina-Weinen und Mazzoth nur bei dem Palästina-Produktenvertrieb der Misrachi- Zentrale, Wien, IL, Praterstrafle 11, Tel. R-45-6-25, zu decken. Zweite Palästinareise 5690. 1. bis 29. April 1930. "Veranstalter: Verband Demokratischer Zionisten und Palestine Touring Club, Wien. Wie bereit« mitgeteilt, wurde die diesjährige Palästinareise auf den Monat April verlegt, wodurch den Reiseteilnehmern die Gelegenheit geboten wird, die Pesachwoche in Erez Israel zu verbringen. Die Preise für diese Reise betragen von Wien bis Wien bei Benützung der 2. Schiffsklasse S 2225, bei Benützung der 3. Schiffsklasse S 1625. Die Anmeldungen werden bis zum 20. Mörz entgegengenommen, Auskünfte und Prospekte durch Frau Paula Stricker, Wien, II., Hollandstrafle 10, Telephon R-45-6-89, und Frau Berta Taubes, Wien, IL, Bödclinstraße 92, Telephon R-45-905. Sechs Rabbiner gegen die Antisowjet-Propaganda. — Alle Rabbiner Spione t Moskau, 1. März. (J. T. A.) Um Mitternacht vom 26. zum 27. Februar Ubergab das Auswärtige Amt der Sowjetunion den Vertretern der Presse einen yon Oberrabbiner Gluskin und fünf weiteren verhaftet ge« wesenen und nun freigelassenen Minsker Rabbinern unterzeichneten Appell an die Judenheit der gan* z e n W e 11, In welchem Rabbi Mcnachem Gluskin und die übrigen Mitglieder des Rabbinats ihre Empörung wegen des im Auslände im- Zusammenhang mit den Rabbiner»Verhaftungen eingeleiteten Feldzuges gegen die Sowjets zum Ausdruck bringen und bitten, diese „unge* rechten Angriffe" nicht zu unterstützen. Die Sowjetregierung, heißt es in dem Appell, bekämpfe mit allem Nachdruck den Antisemitismus. Wohl bestehe in Rußland eine antireligiöse Propaganda, gegen die sich die Rabbiner wenden, aber die Sowjetregierung als solche MninnwmmiiiHUMi» SIEGM. KORNHEHL dftOSmtKCHMAUIAil Zentrale iX., Bcrggasse 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 Lieferant tür Heilanstalten jMtcMNUlMttfHU^ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Itr. Knltusgemeinde Wien AutoftuataflMAg kofttenlo» IX., Barggaasa IS ✓ XVIII«, Wahrlngtritr. •» habe den Juden gleiche bürgerliche Rechte und Freiheit der Religionsübung gewährt. Es wird festgestellt, daß seit Bestehen des Sowjetregimes kein einziger Rabbiner hingerichtet worden sei. * Auf die Komödie der Erklärung der christlich* orthodoxen Geistlichkeit folgt nun die jüdische Komödie. Sie spricht für die Schamlosigkeit der Moskauer Regie« rung. Sie holt sich die Verteidiger aus dem Kerker. Wie es mit der „Freiheit der Religionsübung" bestellt ist, lehren folgende Meldungen: Die in Minsk erscheinende jiddische kommunisti* sehe Zeitung „O k t i a b r" erklärt, daß sämtliche Rabbiner in der Sowjetunion eine wichtige Rolle bei der gegenwärtig im Auslande neu angefachten Antisowjet« Kampagne spielen und daß die Rabbiner demnach als Spione der ausländischen Kon tef revolu» tion zu behandeln sind. Die Zeitung teilt mit, daß in Keudanow, Kreis Minsk, die Judenschaft in der Orts» synagoge eine illegale Versammlung abgehalten und be» schlössen hat, sich an die amerikanischen Bankiers und Imperialisten mit der Bitte zu wenden, die jüdischen „Nep*Leute" gegenüber, der Sowjetmacht in Schutz zu nehmen. Die Zeitung berichtet auch über antireligiöse Straßendemonstrationen in einer Reihe von jüdischen Städten Weißrußlands, wo überall die Schließung I ■ ■ h m m i i ss ■ i i ■ ■ i i ■ ■ 11 m ■ j i ■ m i ■ i ■ EDMOND FLEG flfooCes Der Roman Meines Leben* Leinen M*ik 12.— Ein Fresko-Gemälde von grandiosen Ausmaßen, eine Handlung von hinreißender Lebendigkeit. ■■ 1 Hamburger Neueste Nachrichten. Em hervorragendes Geschenkbudtl RJ'lPER&Co./VERLAG/MÜNCHEN ■ umania« ((■■hhmhhhmbibmi« der Synagogen gefördert wurde. In dem Städtchen Krupke wurde die letzte Synagoge geschlossen; in M u r s c h an wurde die Ort s sy n a» g o g e In eine Schule verwandelt, vom Gebäude herab weht jetzt die rote Fahne; von fünf Synagogen in Hornel wurden zwei in Arbeiterklubs und drei in genossenschaftliche Wohnungen umgewandelt. Die jüdische Heimarbeitergenossenschaft „R o t e r Oktober" in Borisow, Kreis Minsk, wurde aufgelöst, weil sie Pessach»Teller mit entsprechenden hebäischen Aufschriften, zum Verkauf hergestellt hat. Der Sowjet*Handelsangesteilte Titenski, ein» der aktivsten jüdischen Persönlichkeiten in Minsk, wurde aus seiner Berufsvereinigung ausgeschlossen, weil er öffent« lieh erklärt hat, die Judenfrage in der Sowjetunion werde nicht richtig gelöst. Durch diesen Ausschluß verliert Titenski seinen Posten, ebenso das Recht, einen öffentlichen Posten in Rußland zu bekleiden. In der gegen ihn geführten gesellschaftlichen Verhandlung wurde er als „Zionist" erklärt. Feldzug der Sowjetpresse gegen die Jüdische Telegraphen-Agentur. Berlin, 2. März. (J. T. A.) Die; gesamte Sowjetpresse, von dem Regierungsorgan „Iswestija" bis zu den ganz kleinen Blättern, veröffentlicht einen offenbar von offizieller Seite inspirierten Angriff auf die Jüdische Telegraphen-Agentur, der man die Schuld zuschiebt an dem Aufsehen, das die Verhaftung der Minsker Rabbiner in der ausländischen Presse hervorgerufen hat. Dem Wirken der Jüdischen Telegraphen-Agentur wird es zugeschrieben, daß Senator Borah, der Vorsitzende der Kommission für auswärtige Angelegenheiten des amerikanischen Kongresses, dem jüdischen Kongreßmitglied Dickstein das Versprechen gegeben hat, in Mos« kau wegen des Schicksals der verhafteten Minsker Rabbiner Erkundigungen einzuziehen. Dickstein soll Senator Borah gesagt haben» er habe eine Information erhalten, daß ü Minsker Rabbiner zum Tode ver» urteilt worden seien. Gegenüber diesen Aeufierungen der Sowjetpresse ist festzustellen, dafi die Jüdische TelegrapbenrAgentur nur über geprüfte und meist auch offiziell zugestandene Tatsachen berichtet hat Die Jüdische Telegraphen**. Agentur hat die Namen sämtlicher U in Minsk verhafteten Rabbiner und Gemeindeführer sowie die gegen sie erhobenen Beschuldigungen mitgeteilt, aber keineswegs über ausgesprochene oder bereits vollzogene Todesurteile berichtet. Selbstmord eines jüdischen Soldaten der Roten Armee wegen antisemitischer Verfolgung. Moskau, 3. März, (J. T. A.) David Schochat, ein jüdischer Soldat der Roten Armee, beging Selbstmord, indem er sich mit seinem eigenen Gewehr erschoß» weil er ununterbrochen Verfolgungen seitens seiner Kompagniegenossen ausgesetzt war. — Zufolge der Zunahme antisemitischer Verhetzung in den Kasernen der Roten Armee wurde in Moskau ein „Seminar der Roten Armee zur Bekämpfung des Antisemitismus" begründet, dessen Besuch für jeden Soldaten der Roten Armee im Umfang von fünf Lektionen verpflichtend ist. In dem Seminar wird über nationale Politik der Sowjetregierung, über die Ursachen des Antisemitismus und die Rolle der Juden beim Aufbau von Industrie und Landwirtschaft in der Sowjetunion vorgetragen. Verhaftung zweier prominenter Rabbiner in Leningrad. Moskau, 2. März. (J. T. A.) Der Oberrabbiner von Leningrad Lasarew und der bekannte Leningrader Raw Jasnogorodski sind soeben unter der Beschuldigung, illegale Beziehungen zu Persönlichkeiten im Ausland, insbesondere zum;,Lubawitscher Rebbe", Rabbi Schneersohn, unterhalten zu haben, durch Beamte der G. P. U. (Politische Polizei) verhaftet worden. Die jüdische Jugend in Rußland fordert Arbeit. Moskau, 2. März (J. T. A.) Die Charkower jiddische kommunistische Zeitung „Stern" veröffentlicht Briefe von Gruppen jüdischer junger Männer und Mädchen aus sehr vielen Städten der Ukraine, die ein einziger verzweifelter Schrei nach Arbeit sind. In den Kleinstädten, heißt es in diesen Briefen, bestehen nicht die geringsten Aussichten für die jüdische Jugend auf Beschäftigung; es bleibt nur die verzweifelte Flucht nach den Großstädten übrig, wo die Aussichten, Arbeit zu bekommen, nicht viel besser sind. Die Rolle der Kommunisten bei den palästinensischen Unruhen. — Enthüllungen Burzews. Jerusalem} 28. Februar. Wladimir Burzew, der, berühmte antizaristische Revolutionär, der zahlreiche zaristische Agents provocateur, unter ihnen Azew und den Popen G a p o n, entlarvt hat, erklärte dem Pariser Korrespondenten des „Doar Hayom" gegenüber, er könne die vom früheren bolschewistischen Botschaftsrat Bessedowsky gemachten Enthüllungen über die kommunistische Tätigkeit in Palästina be s11 ä t ig'e'n.0 Die kommunistische Partei Palästinas zählt etwa 500 Mitglieder und erhält eine jährliche normale Unterstützung von 2 5.0 00 Dollar, außerdem Beträge für außerordentliche Aktionen. Propagandisten und Propagandamaterial werden über Alexandria ins Land geschmuggelt, Instruktionen werden, sp versichert Burzew, vom Orient-Departement der Sowjet-B otschaftinBerlinge geben; einer der Leiter dieses Departements, Herr Piatnitzky, weilte vor kurzem in Palästina. Burzew behauptet zu wissen, daß der Sowjet-Generalkonsul in Dschedda (Hedschas) die kommunistische Tätigkeit in Palästina leitet und die Unruhen im August organisieren half. Viele Scheichs stehen auf der Geldempfänger liste der kommunistischen Internationale; sie haben die Instruktion, Feindschaft gegen England zu verbreiten und die britische Arbeit im Orient durch Gegenaktionen zu paralysieren. Plan einer Ansiedlung von Armeniern in Palästina?; London, 2. März. (J. T. A.) Herr Ormsby-Gore, der frühere Unterstaatssekretär für die Kolonien, richtete im Unterhaus an den gegenwärtigen Unterstaatssekretär Dr. Sheals die Frage, ob er Informationen habe bezüglich eines geplanten Ankaufs von 9000 Dunam Boden in Palästina zum Zwecke der Begründung einer Kolonie von Armeniern, die gegenwärtig in Französisch-Syrien leben; ob diese Transaktion unter der Kontrolle der Palästinaregierung stehe; ob der Plan von der Flüchte lingskommission des Völkerbundes unterstützt werde und ob die Begründung einer solchen Kolonie in Palästina mit den Artikeln des Palästinamandats vereint barlich sei. / Dr. Sheals erwiderte: Der Koloni.eminister habe keinerlei Information über einen geplanten Bodenkauf für eine Armeniersiedlung; in Ermanglung von Einzelheiten ist es schwierig, eine Mitteilung zu geben, wie; weit eine solche Transaktion unter der Kontrolle der Palästinaregierung stehen würde; aus dem gleichen Grunde ist ernicht in der Lage» auf den letzten Teil eine Antwort zu erteilen. »flipp Her Zlonistgn-RBVIsioniiten - Hrlth Trompeldor Montag, den 10. März 1930 um 7,9 Uhr abends im Cafa „Arkadan", I., Universitätsstraße, eine (anianiich cjaa 10. Todattagaa) Gäste willkommen! i