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Die neue Welt · 1930-03-07 · Heft 129 (7.3.1930) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 129 (7.3.1930)
Date
1930-03-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 129 DIE NEUE WELT Seite 5 Von den yemenitischen Juden. Widersprechende Berichte. — Jüdische Sklaven. Die Jüdische Telegraphen-Agentur (Ita) bringt aus Berlin eine Meldung über die Lage der Juden im YemcD) welche lautet: Von sachverständiger Seite werden uns genaue Einzelheiten über die Juden im Yemen bekanntgegeben. Man schätzt die Yemen juden auf 50.000 Seelen, von denen etwa?00 in der Hauptstadt Sanaa selbst leben. Die übrigen leben in 150 kleineren Orten. Auf dem Lande leben die Juden nicht als Ackerbauern, sie wandern nur als hausierende Handwerker (Schuster, Schneider, Schmiede, Kram händler) herum. In der Tat sind sie die geschicktesten Handwerker im Yemen. Einzelne Handwerke liegen in ihrer Hand. Daß sie unter schweren Verfol g u n g e n und mittelalterlichen Demütigungen zu leiden haben, ist übertrieben. Sie sind z. B. nicht ver pflichtet, „zuerst zu grüßen". Ihre Tracht ist überliefert und von ihnen selbst gewollt. Sic dürfen reiten und sie sind nicht verpflichtet, „unreine Arbeiten" zu verrichten Die Europäer engagieren sie vielfach zum Reinigen ihrer Wohnungen, und zum Waschen. Sie sind durchschnittlich gut situiert und steuerlich besser gestellt als die Mohammedaner, da die für die Wohltätigkeit bestimmte Steuer von ihnen nicht erhoben wird. Wenn ihnen auch die Auswanderung nicht verboten ist, so besteht doch eine Art Kapitalfluchtgesetz. Die Juden dürfen keine Waffen tragen, sind aber frei vom Militürdienstzwang. Sic können alle lesen und schreiben, meistens nur Hebräisch. * Dieser Bericht steht inhaltlich im Gegensatze zu einer ausführlichen und gründlichen Darstellung der Lage der yemenitischen Juden, welche die „Neue Welt" vor kurzem gebracht hat. In einer Reihe von Artikeln hat Dr. Ben Z i o u, selbst orientalischer Jude und Kenner der Verhältnisse der Juden im Orient, die Stellung der Juden in Südarabien — er selbst hat längere Zeit im Yeraen geweilt — genau geschildert. Was Dr. Ben Zion gesagt hat, besagt so ziemlich das Gegenteil dessen, was der Anonymus der Ita erzählt. Die Behauptungen Dr. Ben Zions werden nachdrücklich durch einen jetzt erschienenen Bericht des Dr. Mezan gestützt. Dr. Meza n, welcher eine von der Pariser „Ica" entsandte Expedition in die Länder des Roten Meeres geführt hat, schildert die Zustände, unter welchen die Juden im Yemen leben, als furchtbar: „In Aden und den Hafenstädten des Yemen, wird ganz offen ein schwungvoller Sklavenhandel getrieben^ Zumeist sind, es Neger; oft aber auch a r m e , y e menitische Juden, die auf dem Markte in Dschedda, an reiche Mohammedaner verkauft werden. Da der Koran es streng verbietet, Mohammedaner als Leibeigene zu halten, gibt es islamitische Sklaven überhaupt nicht. Im Königreich Hedschas ist daher auch die Einfuhr von nichtarabischen Sklaven offiziell anerkannt; es besteht sogar eine von der Regierung in aller Öeffentlichkeit erhobene Sklavensteuer. D e r Pr ozcn tsatz cle r j ü cl i s ch en Lcibeigenen ist verhältnismäßig sehr hoch. Dies erklärt sich allein aus den f u r c htbaren wirtscha f tlichen Ver hältnis s en, .in denen alle, y e m e nitisehen Juden, fast ohne Ausnahme, seit undenklichen Zeiten leben." Das sind Gegensätze, welche einer Aufklärung bedürfen. Die Ita täte gut, den Autor ihres Berichtes zu ejner Aeußcrung zu veranlassen. Ein wirtschaftlicher Aufstieg des Verlages würde auch eine Besserung der Lage der jüdischen Komponisten nach sich ziehen, die heute nicht sehr rosig ist. Materielle Sorgen, die Aussichtslosigkeit, Werke drucken und aufs führen zu können,, verursachen Stimmungen, die dem freien Schaffen wenig günstig sind. Die zionistische Partei als solche hat kein verfügbares Geld für kulturelle Unter? nehmungen. Die Musik wird in den offiziellen Kreisen noch immer sehr stiefmütterlich behandelt. Es bleibt also immer wieder der Appell an den einzelnen Musikfreund. Durch Beitritt zur Gesellschaft, durch Kauf von Noten und durch Aufführung jüdischer Musik bei allen Veranstal* tungen kann jeder nach Maßgabe seiner, Kräfte für die Entwicklung der jüdischen Musik einiges beitragen. In den Händen des jüdischen Volkes liegt die Zukunft der jüdi* sehen Musik. Wir müssen mit allen Kräften ein neuer», liches Fiasko des Verlages verhindern. Die Gründung der Gesellschaft ist ein fruchtbarer Versuch, das Auseinanderfalten der jüdischen Musiker zu verhindern, den Gemeinschaftsgedanken zu retten. „Hans nigttn" soll einen Zentralpunkt bilden, um den sich, alle produktiven und reproduktiven Kräfte gruppieren werden.. Die Interessen des Verlages sind nunmehr mit der Tätig* keit der Gesellschaft in der Form verquickt worden, daß jedes Mitglied für den geleisteten Jahresbeitrag (für Oesterreich S 25) Noten aus dem Verlag, im vollen Werte, erhält. Dies so!) die Grundlage schaffen, die Möglieh* keit, an die . Drucklegung neu^r Werke zu gehen. Eine weitgehende Förderung der Gesellschaft und die damit zusammenhängende Sicherstellung des Verlages könnte eine neue Etappe, ejnen großen Wendepunkt in; der Ge, schichte der jüdischen Musik bedeuten. Möchte doch bei jedem Juden auch dieser Ruf aus Palästina ein wirksames Echo finden! Anmeldungen nimmt die Redaktion der „Neuen. Welt" entgegen. Joachim Stutschewsky. GROSSVERTRIEB: GUSTAV WILDER WIEN, IV., BLECHTURMG. 12 TEL.: U-43-8-19 TELEGRAMME: KARMEL, WIEN AU/DEM GETREIDE DER JÜDISCHEN FELDER IN PALÄSTINA WERDEN DIE ECHTEN P AL ASTIN A-MAZZ0TH ERZEUGT. WENN SIE ÜBERALL AUSDRÜCK¬ LICH PALÄSTINA-MAZZOTH VERLANGEN, UNTERSTÜTZEN SIE DIE NATIONALE AUF¬ BAUARBEIT IN EREZ ISRAEL. Man acht« beim Einkauf genau auf den Datumstempel der Schachtel, der ebenso wie die Im Innern befindliche Rabblnatsurkunde die Jahreszahl 1030 aufweisen muß. Die Juden in Südafrika. Verteilung und Lage der Juden. — Anteil der Juden am wirtschaftlichen Aulbau. — Die Juden als Zivilisatoren der Neger. — Gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Antisemitismus. — Die Katastrophe der Judensperre. Ein trauriges Ereignis hat die Judenschaft S ü d a f r i k a s in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Das südafrikanische Parlament hat ein Gesetz erlassen, welches die weitere j ü d i s c h c Einwänder u n g verbietet. Wir haben über .? die Ereignisse erschöpfend berichtet. Im Zusafnuneifhang damit sind die Mitteilungen, welche Dr. Meier H i 1 cl e s'h e i m e ir (Berlin), von-einer afrikanischen Reise eben--zurückgekehrt, einem Vertreter der, Jüdischen Telegraphenagen-: tur machte^ von großem IntcrgSse... Besonders bemerkenswert ist, was Dr. Hildeshqi|ner -über " die -B e d e ut ung der zionistischen' B'e wegung für das südafrikanische Judentum sägff Umso bemerkehswer- _ aus den ersten palästinensischen Weinkellereien §j §§ Haifa, Petach-Tikwah, ausschließlich rein jüdische 1 Arbeit und Produkt in Erez Israel Jf §f Generalrepräsentanz für Wien und Oesterreich: § N. Spindel und M, Bartfeld 1 Tel. R-29-7-34 Tel. R-49-7-90 j Bureau: l.t Laurenzerberg 3 I tcr, als Dr. Hildesheimer dem Zentralrat der Aguda und des Deutschen Zentralvereines angehört, also der Leitung antizionistischer ■Körperschaften. Dr. Hildesheimer führte aus: Die südafrikanische Republik, so groß wie ganz Mitte!■• und Weste u r o p a mit 120 Millionen Einwohnern, zählt nur l3/* Millionen Weiße, darunter 72.000 j,u den. Diese stammen zu 90 Prozent aus den früheren Gouvernements Kowno und Suwalki (Litauen) und sind fast alle in den letzten 30 bis 40 Jahren eingewandert. Johannesburg zählt 25.000, Kapstadt 12.000 Juden. Die übrigen Judensiedlungen sind*über das ganze Riesenland verstreut. Die Juden haben, wie die führendeu Persönlichkeiten des geistigen und politischen Lebens zugeben, einen Hauptanfei 1 an dem schwer erarbeiteten Aufstieg des Dominions. Sie haben den mangels heimischer Industrie lebenswichtigen Import organisiert und sind an dem gesamten Warenumschlag von der Quelle in U. S. A„ England und Deutschland bis zum •letzten Neger, auf den Bureufarmenwesentlich beteiligt. Besonders der wirtschaftlichen Erschließung der Millionen Neger und der Hebung ihres Lebensr Standards widmen sie sich und erzielen hier durch ihfre größere Vorurteilslosigkeit und angeborene S p r a c Ii gc wandt hei t verblüffende Erfolge. Fast alle sind selbständige Gewerbetreibende, einige Acrzte und Anwälte, unter diesen der bekannte Rechtsanwalt Cohn, Vertreter des Ex-Kaisers in seinen Entschädigungsprozessen bezüglich „Deutsch-Süd-West", kaum einer Beamter, auf dem Lande vielfach Hoteliers und Gastwirte. Hauptexportartikel sind Leder und Wolle. Durch die mehrjährige Baisse' dieser Artikel auf dem Weltmarkte sind die auch in diesem Erwerbszweige an erster Stelle stehenden Juden schwer betroffen. In der Landwirtschaft gibt es neben srivrei berühmten Großfarmern, dem Maiskönig Lazarus und dem Kartoffelkönig L u r j e, wenige Juden. Zur Külturfrage übergehend, schilderte Dr. Hildesheimer zunächst die Organisation des Judentums. „Gemeinden" in unserem Sinne gibt es nicht, nur — wie in' U. S. A. — private Synagogenvereine, zusammengeschlossen im „Board of Deputies". Sein Präsident ist der deutsche 'Jude' Raphael y. Mit größter Bewunderung sprach Dr. Hildesheimer von der vorbildlichen Solidarität der Juden Südafrikas. Es gibt kaum eine Mischehe und jeder. Neuankömmling findet Rückhalt an Ansässigen. Jede kleine Gemeinde hat ihre meist auf geschenktem Boden gebaute, häufig architek- , tonisch die Stadt zierende Synagoge^ Lehrer, Kantor, , Scnächter und „Talmud-Thora" (Religionsschule), da- . neben einen „Jewish Centre" (Jugend- und Gemeinde- '. haus) und „Jung-Israel"-Verein. Betrüblich ist aber der ku 11u're 11e Tiefst ancl. Gelernt wird , nur bis zur Barmizwah. Die Lehrer, aus litauischen oder , palästinensischen Chedarim stammend,, finden nicht das . Ohr der ganz im Stil der anglo-amerikanischen Gymnasien und damit abseits jeder Tradition. aufwachsenden Jugend, deren jüdischer Bildung auch die Eltern infolge des harten Existenzkampfes und der Ueber.schätzung einseitiger Sport- und „B u s in e s s" - S c h u 1 u n g nicht die erforderliche Aufmerke samkeit widmen. Sabbat und Feste bleiben unbeachtet. Nur in Kapstadt finden sich schöne Ansätze zur Ver- ,! wirklichling der Bialikschen „Auneg-Schabbos"-Idee. . Hinzu kommt der allgemeine kulturelle Tiefstand, bedingt durch die äußerst dünne Besiedlung des Landes mit Weißen, die klimatischen Verhältnisse und die Rassengegensätze und -Vorurteile. Es herrscht allenthalben Kastengeist und gesellschaftlicher Antisemitismus, als Folge gesellschaftlicher und geistiger Isolierung der Juden. Vornehme Klubs und sonstige V/ereinigaagen nehmen keine Juden auf, und diese haben es schwer, bei Nicht juden Stellung zu bekommen. Auf die Frage nach der Stellung dpr südafrikanischen Juden zu Fragen des „Kelal" schildert Dr. Hildesheimer die allgemeine herzliche Teilnahme an allen das Gesamtjudentum angehenden Problemen. Es besteht der Drang, jüdische Dinge zu pflegen, und besonders die Jugend, die auf die lediglich geselligen Zwecken dienenden Jugendvereine angewiesen ist, aber einen frischen, offenen Eindruck macht und außerordentlich bildungsfähig erscheint, ist eine Hoffnung für eine jüdische Zukunft in kommenden Generationen. Auf die Frage nach der Rolle des Zionismus im Lande äußerte sich Dr. Hildesheimer sehr anerkennend über di.e kulturelle Bedeutung dieser B e w e g u n g. Sie hat der Jugend jüdisches Ver a n t wo r t ungsge f ühl und Selbs tbewuß tseiu gegeben und bedeudet dort, den Mittler zwischen den Generationen und einen wesentlichsten erhaltenden Faktor. Der Zionismus ist dort heute noch fast die e i uzige Brücke zur jüdischen Gesamtheit und ihren Lebensfragen. Tiefen Eindruck haben in Südafrika auch die traurigen Ereignisse des August y. J. in Erez

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