Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 128 (28.2.1930)
- Date
- 1930-02-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2711736-2711746--1687-2714920- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nf. 128 DIE NEUE mit Seife $ keitcn aus allen thoratreuen, aber auch aus anderen Lagern der Berliner Judcnhcit und zahlreiche Vertretet der jüdischen und der allgemeinen Presse waren erschic« nen. Zum Schluß der Kundgebung schlug die Leitung dos Verbandes durch Grünberg folgende Resolution vor, die einstimmige Annahme fand: „Die von mehr als 1500 Berliner Juden besuchte Kundgebung der deutschen Landeszentrale des Weltvers bandes Schomrc Schabbos erneuert vor der Oeffentlich» Jceit das Gelöbnis der Treue zum Sabbat als der, stärksten und für die Ewigkeit gültigen Bekenntnistat des Judentums. Oer Sabbat ist sichtbares Zeichen des Bundes zwischen Gott und Menschheit und flammende Mahnung zu Menschlichkeit, Brüderlichkeit und Solidarität, Protest gegen die Erdrückung der menschlichen Seele durch eine Arbeit, die Selbstzweck wird und blosse Fron darstellt. Er ist die Grundlage aller wahr* haft sozialen und die Geistigkeit des Menschen über das rein Materielle stellenden Ideen. Darum hat der Sabbat Anspruch auf Respekt bei allen Kulturnationen und Kot ligionen. Die Versammlung richtet deshalb an die In» stanzen des Völkerbundes und der in ihm vereinigten Nationen die Bitte, alle Plane zur Kalender« reform abzulehnen, die den Gedanken eines festen Ruhetages unterhöhlen und zunichte machen, die den Sabbat von seinem gottgegebenen Platze als Ruhetag nach den sechs Tagen der Arbeit entfernen wollen." Union il« Zionistefl - ftevisiooisfen Oesterreichs (Hne Mionadjt auf allen Men. •J>tc fovfcjcijrcitcnöe (Stttoicfliina to* ftabictocijen* .umgibt •uns ibeute inte ton tönerrDen ftnnfroelfen aller fürtf (Erbteile. W U-l V | U/'llt l V V W,0W,H «Vllftl'^llIKlltlU , VII-. VIVUfKUtflflffe 19, mit ifanem fa!a>ä'fjrten roMfcfmtem (bis 20 9JJI itfltc), mcJrfrcS jedermann erinögHdjt, wafjaprnfcn bei blon litoiuan, 3. I. ft.f in &tä>mti ÄiirMon nrttet 2ßit<= urttfunn l)Ct*otr.Cig«irtwr Äunfüfräftc (3^tt&aubriot, 27tor »rM>, Montag, den 3. März 1930, um 7,9 Uhr abends im Cafe „Arkaden*1, I, Universitätsstraße Dringende Helden. Melbourne, 20. Februar. (J. T. A.) Die jüdische Ge* meinde Australiens ist erschüttert durch den Tod des 23jährigen Geoffrey Hyman, der, während er ein junges Mädchen, Bacher Bondi, am Strand von Sidney vom Tode des Ertrinkens rettete, selbst sein Leben lassen mußte. Er war der Sohn von Major Hyman, Präsidenten des Maccabean Institute, und hatte eine glänzende Univer* sitätslaufbahn vor sich. An der sehr eindrucksvollen Be* gräbnisfeier beteiligten sich das Professorenkollegium der Universität Sidney und Vertreter der Regierung. Gegen die Verkleinerung des Eine Kundgebung der radikalen Zionisten in Deutschland. Am Montag, den it. Februar fand in Berlin eine stark besuchte Kundgebung der Vereinigung radikaler Zionisten statt, in der die Herren Dr. Nnchum Gold mann und Dr. Max S o 16 w e i t s e h i k über den „Zionismus im Kampf um sein Recht" sprachen. Dr. Goldmann beschäftigte sich mit der Situation in der zionistischen Außenpolitik. Er forderte (vqr allem die Anwendung aller Kräfte, um eine neue g r o ß e K o m m i s s i o n, wie sie ßalfour, Lloyd George und Smuts gefordert haben, zustande zu bringen, vor der die Wortführer cios Zionismus Gelegenheit haben würden, die gesamte Judenfrage und den Zionismus als Lösung dieser Frage aufzuwerfen und darzustellen. Der Zionismus ist heute in einer Situation, in der er wieder sein elementares Recht auf Palästina vor aller Welt begründen muß. und in je stärkerem Maße wir es tun, um so mehr Aussicht haben wir, die internationale öffentliche Meinung für uns zu gewinnen. Die Untersuchungskommission, die in Palästina war, hat ohnehin ihre Kompetenzen überschritten, um den Arabern Gelegenheit zu geben, von ihrem Standpunkt aus die gesamte Frage des Zionismus aufzuwerfen, Wir _ Kauf en Sie nur Indanthrenhaus-Sioffe SM^Mhim . IIIIIIIIIIIIIIIlIfllHIIItlfllllJIIIIimitlfffllfft Unüberiroffeii WASCH-, LICHT- und WETTERECHT für Kleidung und Heim im Wien VI, Mariahilfer- , strafce 71 i- X V' ') '■ * 1' -' ■ * * / ii - ■■ ■ ■ Besichtigen Sie unsere neuen Ausstellungsräume! reagiert, In •diesem; Blatt, wo alle erhabenen Ideen aufgenommen werden; Jon halte es für nützlich, der heutigen Generation, -die es: vielleicht: vergessen »bat, die Rolle in Erinnerung zu bringen, die der geistbeseel'te „Pampfolerist" In der ersten Hälfte des 19. Jahrtenderts spielte. Im Leben dieses deutschen Juden war alles paradox.' Die politische Situation brachte es mit sich, daß er seihe erste Bildung in einem von französischen Geistlichen geleiteten Lyzeum erhielt. Sein' Vater: .'Annedieferatit, flotter Grandse^gneur, der sein Geld ebenso sohnetl ausgab wie er es. verdiente. Seine Mutter: eine gebildete * Dame, eine fanatische Anfängerin Jean Jacques' (Rousseau); und Goethes,.was ihr in unseren Tagen, in unserem Lanjle die Beschimpfung ihres Sohiies durch die reaktionären Biographen einträgt. Nervös, sensibel, dabei dem Spptt seiner Kameraden . ausgeätzt, schließt. sich der Jüdische Knabe "in "einem Dachboden ein, zwischen alten Möbeln und alten Büchern. Seine hervorstechendste Begabung, die. er zum Teile, vielleicht seiner Rasse verdankt, besteht " In der Phantasie? die sioh in alle Länder begibt, mit Vorliebe in den Orient, die gleichzeitig: sich von den Liedern und Legenden des Rheins wiegen läßt, von der Magie des Don Quic'hote und Hamlet. Eine Erinnerung vor allein beleuchtet diese Jugend: eines Tages, passiert Napoleon , zu Pferde Düsseldorf. Heinrich Heine wird niemals zwei unbewegliche Augen und eine kleine marmorne Hand vergessen, die die Zügel hält. > >•• >-.., •> , Man.tn|iß verstehen, daß seine jüdische Herkunft ihn lange .Zeit Wljjw'tei seßhaft zu werden. Der Eintritt in dj« Verwaltung, in den Lehrkörper, in d4| Richterstand Is-t ihm verschlossen, so daß ihm dieser Instand den Uebertritt zum Protestantismus nahelegt, bedauerlich unserer Ueberzeugung nach wie jede Apostasie. Heine begiuivt uns wahrhaftig, zu interessieren, als er, etwa sieben» undzwan?igj|hri,ff, seine weltberühmten Reiseersählungön „Reteebildet" veröffentlicht. So gut und voller Herzenij« wärnie er" 'wä$::.sd f*a'ßte-; und verfolgte -er .die. Dummheit tfteraj,'.- wQ'.^r!:"ile"' traf. Er haßte und bekämpfte alle Formen öffentlicher Unterdrückung.' Seit 1831 — man hat es heute vergessen — lebte Heinrich Heine In Frankreich, In Paiis, als Korrespondent einer deutschen Zeitung. Von nun an ging er' daran, zwischen Frankreich und Deutschland Bande 'herzustellen. Er schrieb für die „Revue des Deux Mondes", arbeitete zusammen mit Gerard de Nerval und " veröffentlichte in f ranzösischer Sprache sein Buch „Deutschland". Das Buch widmete er seinem Lehrer Pater Bnfantier. Der deutsche Bundesrat verbot im Jahre 1-835 die Einfuhr seiner, umstürzlerischen Schriften. Frankreich (half dem Verfolgten durch eine Pension von 4000 Franken. Jenseits des Rheins wurde sogar ein Haftbefehl, gegen, ihn erteilt, der im Widerspruch zum. Asylrccht stand. < •. Paris ist es, wo er seine letzten Jahre verbringt, die grausamen Jahre, wo er, gelähmt, den Tod eintreten sieht. Während der Agonie erscheinen .ihm die Bäume unserer Champs-Elysees, über seine Lippen kommen rührende Dankesworte für das gastliche Frankreich. ■ .. v /, In Deutschland und auch bei uns wurde 'kein Schrift» sjeiler wegen seines unabhängigen Geistes mehr beschimpft als. Heinrich Heine. Als kürzlich die deutsche Dichter- «ikadewie den Aufruf für das Düsseldorfer Denkmal au, die unabhängigen Männer der ganzen Welt aussandte, beauftragte sie einen der Ihrigen, die Botschaft zu redimieren. .^Heinrich Heine", so schrieb Heinrich Mann richtig, „repr^seatjert das antizipierte Modell des modernen "Mcnsejt^n.'. . . Aus seinen großen Schmerzen machte er die , kleinen Lieder . . . Lebte er noch heute, hätte er dieselbeji Kämpfe wie wir zu bestehen. Er war unter den ersten, die soziale Dichtungen schufen ., . . Gegenüber den traditionellen Mächten, die er angriff und die ihn. bis.' ■ ins Exil verfolgten, nehmen wir Deutsche von heute keine andere Stellung ein als er. Als antizipierter Ausdruck und' Typus des deutschen Europäers ehrt er Deutsehkind, so ' wie er sich selbst ehrt." . Ein deutscher Europäer, das ist es! Er hat sein Land geliebt wie der ihm ähnliche Musset das seine. Aber er hat auch unser Frankreich geliebt, unser Volk und den- •Tambour Legrand, dem er half, seine Uniformweste \veiß-; zukreiden. Ich möchte wünschen, daß unser Land zur Errichtung, dieses einfachen Denkmals beiträgt. Besser noch: i Wenn wir zu einer deutsch-französischen geistigen An-!}äjh«ru;ng, schreiten wollen — ein Unternehmen, dasnicht Qjhne Schwierigkeiten. vor sich geht —, so gibt, es keinen. Sphriftste-ller, der besser als er zum1 Führer geeignet .wäre, ijjh wünsche die. Gründung einer Heinrich-Heinc-Gesel'l- Schaft und trage mich als, erster, in die Liste ein. (Uebersetzt von Max Katzenelnbogen, Marseille.) müssen darauf antworten, indem wir vor einer Kommission großer englischer Staatsmänner unseren Standpunkt darlegen. Im übrigen wandte sich der Redner gegen die Schwächung der außenpolitischen Front dos Zionismus durch die Bestrebungen zu einer Preisgabe der politischen Ziele des Zionismus und zu einer schwächlichen Politik in bezug auf die Araber. Der Zionismus steht und füllt als politische Bewegung. Jeder Versuch, ihm den Charakter als Lösung der politischen Jndenfrage zu nehmen und Palästina zu einem sogenannten geistigen Zentruni umzuwandeln, nimmt dem Zionismus seine große historische Bedeutung und bagatellisiert ihn zu einer für die großen Massen des Volkes unwesentlichen Bewegung; Nur von der Basis der politischen Endziele des Zionismus habe man das moralische und politische Recht, auch unsere konkreten Forderungen zu vertreten. Die Preisgabe dieser Basis durch den Brith Schaldm und die ihm verwandten Kreise zerstöre das Fundament jeder aktiven und zionistischen Politik. Als zweiter Redner erörterte Dr. So low ei tsehik die Situation innerhalb der Jewish Agency.. Die Gefahren, auf die die radikalen Zionisten in ihreni jahrelange n Kampf gegen die Agency stets hingewiesen, haben, haben sich, früher als man erwarten konnte, in vollem Maße realisiert. Von seiteu der amerikanischen Nichtzionisten wird der Versuch gemacht, den einigermaßen demokratischen Charakter der Agency zu zerstören, vor allem durch Beseitigung der Exekutive als der wirklich höchsten leitenden Instanz und durch Ersetzung der Exekutive durch eine Anzahl von Sekretären. Man versucht, aus der Agency ein Organ philanthropischen Charakters in Form des Joint oder der Ica zu machen und negiert damit den jahrzehntelangen Kampf des Zionismus um die Demokratisierung des jüdischen Volkslebens. Auch in politischer Hinsicht , sei die Gefahr vorhanden, daß die Nichtzionisten in der Age,ncy sich auf eine Politik des Brith Schalom festlegen, w e.il diese Konzeption eines kleinen Zionis-. mus ihren Anschauungen, eher konform ist. In dieser Hinsicht sei der Artikel, den Herr, Oskar Wassermann vor einigen Tagen auch in der J. T. A. veröffentlicht habe, sehr beunruhigend* ./ Vor allem nimmt sich Herr Wassermann' dort das Recht, die Konzeption der Zionisten zu interpretieren,, und zwar im Sinne einer Preisgabe des Judenstaatsgedankens, des Verzichtes auf ein politisches Zentrum in Palästina zugunsten eines geistigen Zentrums. Dieser Versuch des Herrn Wassermann, im, Namen der Zionisten zu sprechen, widerspricht den Grundlagen der erweiterten Jewish Agency, die ausdrücklich auf dem Prinzip basiert, daß Zionisten wie Nichtzionisten ihre volle Meinungsfreiheit behalten und weiterhin ihre spezifische Ideologie vertreten. Daher muß' dieser Versuch mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden. * '■■..] ,. Unter dem Eindrucke dieser Reden traten viele der Anwesenden der radikalen Vereinigung bei.; Zionistischer ImperialismusV Die Vorkommnisse bei gemeinsamen Veranstaltungen von Zionisten und Nichtzionisten der erweiterten Jewish Agency nehmen immer unerquicklicheren Charakter an. Man hat eben Elemente in ein* Vereinigung gepreßt, welche grundsätzlich einander widerstreben. Speziell in Deutschland, wo .die Veranstaltung gemeinsamer Kundgebungen forciert Wird» gibt's jedesmal einen Zwischenfall. Auf einer Versammlung eiv klärte ein nichtzibnistisches Leitungsmitglied dter Agency, daß man die Bezeichnung Erez Israel für Palästina unterdrücken müsse, weil das eine Provokation (!) sei. Dann erklärte Herr Direktor Oskar W a s s e rnji ann, der Nichtzionist, im Namen der Zionisten, daß diese in ihrer; Mehrheit auf den politische Ii Zionismus gänzlich verzichtet UJ&en, Und nun liegt wieder die „Kundgebung4* eines nichtzipnistischen Leitungsmitgliedes der Agency 4n Deutschland vor. Herr Max Warburg schreibt in einem Manifest an eine Hamburger Veranstaltung pro Palästina: „Es gibt nicht —: abgesehen von gewissen radikalen Elementen ~ jüdische imperialistische Tendenzen, gegen welche sich die Araberzur Wehr setzen müßten." Wer sind diese „gewissen" Elemente? Vielleicht die radikalen oder revisionistischen Zionisten? Die Behauptung, daß es überhaupt irgendwo zionistische „Im-