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Die neue Welt · 1930-02-28 · Heft 128 (28.2.1930) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 128 (28.2.1930)
Date
1930-02-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Srife I DIENEUE WELT Nr. 138 4- •SIT M A R (( Nach ÄGYPTEN und PALÄSTINA mit den Luxusdampfern im runrnnu ttnvwviiin fei «NuMffmiirtttgi Im Mtlttlmt*r Genna - Neapel — Sizilien - Aegypten - Palästina — Syrien - Zypern - Konstantinopel - Athen - Neapel — Marseille — Genua au besondert ermäßigten Preisen Auskünfte: ,Sltmsr\ t. Katntnerring 18 (Eck« Schwsizenbergplatz) Telephon U-45009 Reichsjustizministerium und der Vertreter des Rcichsgesundheitsamtes Erklärungen abgegeben, daß man in dem Schächtakt der Juden keine Tierquälerei sehen dürfe. Völkische schänden eine Berliner Synagoge. Berlin, 20. Februar. (J. T. A.) In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag wurde die Synagoge Kottbuser Tor von bisher unbekannten Tätern in einer Weise besudelt, wie es bisher weder in Berlin noch irgendwo im ganzen Reiche der Fall war. Zwanzig Hakenkreuze in Höhe von einem Meter und mehr bedeckten die ganze Front des Hauses und seine Türen. Ueber die ganze Breite der Fassade erstreckten sich die Worte: „Juda, verrecke! Judas den Todl Die Rache naht!" Der sozialdemokratische „Vorwärts" berichtet, daß die „Empörung über das Bubenstück" eine allgemeine, ist; keiner geht vorüber, ohne seiner Entrüstung über die Tat laut Ausdruck zu, geben. Auch die. um die Synagoge herum liegenden Baulichkeiten sind in dieser Weise beschmutzt worden. Die Polizei hat die Nachforschungen nach , den Tätern aufgenommen. y ' Gegen die Synagögenschandnngen. ." J.Berlin, '22. Februar. '{}.?. A.) In einer Protestversammlung'der Ortsgruppe Spandau des Central- Veremes deutscher Staatsbürger . jüdischen Glaubens gegen die systematische Besüdlung der Spandauer Synagoge, sowie von Häusern, Zäunen und Eisenbahn-. iW^^eh\''der..$tadt'' Würde nach einem Referat des Syndikus' Ärtür S c h w er i n e f folgende Entschließung einsttotalg ari^ Ceritral-Vereines deutscher Staatsbürger jüdischen' Glaubens erhebt flammenden Protest gegen, die Bfe-; su'dlüng der Spdiidäüer Synagoge, sowie' von Häusern, Zäunen und Eiseribahnübergängen der Stadt Spandau mit jüoWfeindlicheTl Ihschrifteii ünci Hakenkrextfcm Der neuerdings bekannt gewordene Fall■•der Beschmutzung der Synagoge Kottbuser Ufer läflt darauf schließen, daß es sich um systematische Umtriebe judenfeindlicher Elemente handelt. Die Ortsgruppe Spandau bitteTdie Bezirksämter und Polizeibehörden, auf dieses schandbare Treiben verhetzter Rohlinge ihr besonderes Augenmerk zu richten. Das Ansehen der Reichshauptstmit in den Augen der gesamten Kulturwelt steht letzten Endes auf dem Spiele." Gegen den Vertrieb von antisemitischen Het*- Schriften. Berlin, 21. Februar. In einer kleinen Anfrage tn das preußische Staatsministcrium beschwert ' sieh der nationalsozialistische Abgeordnete Kübe im preußischen Landtag darüber* d*MÄ ift Hünfeld^wohnefidea »Volks* genossen" Josel Kirsch er ein Wandergewerbeschein zum Handel im Umherziehen mit Druckschriften durch den Bezirksausschuß in Kassel verweigert worden ist. In einem Verzeichnis werden unter den Druckschriften, die Kirscher vertreiben wollte, die Schriften von Alfred Rosenberg „Unttfcrel |*i^it»ir<Kh^ Feiietetefa „Der Ritualmord in Könitz" und von Rudolph „R i tu al m o r d, J u d e n t u mV und Freimaurerei" genannt. Der Bezirksausschuß meinte, daß diese Druck« Schriften Aergcrnis zu geben geeignet sind. Abg. Kube fragt nun das Staatsminist'erium: 1. Billigt esdie Haltung des Bezirksausschusses in Kassel in dieser Frage? 2. Sind die genannten Schriften und somit auch ihr Vertrieb in Preußen verboten? 3. Wenn nein, billigt das Stantsministc» rium die Ausübung einer politischen Zensur durch einen Bezirksausschuß? Eine Antwort. des Stadtsministeriums ist noch nicht erfolgt. Weil er mit einem jüdischen Mädchen tanzte. Kassel, 20. Februar. (J. T. A.) Die Kasseler ,Strafkammer verurteilte in der Berufungsvcrlmncllung den Oberstandartenführer . einer Sturmabteilung der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, den Oberleutnant a. D. Werner von Fichte, wegen tütlicher Beleidigung und Körperverletzung zu einer Geldstrafe, von 150 Mark. Der Verurteilte, ein völkischer Agitator, hatte im Juni vorigen Jahres den Teilnehmer einer gesellschaftlichen Veranstaltung beleidigt und zu Boden geschlagen,4 weil er es gewagt hatte, mit einem jüdischen Mädchen 2u tanzen. < Weitere Bestrafung von Ritualmordhetzern. Köln, 20, Februar. (J.: T, A.) Von dem, erweiterton Schöffengericht in Köln, wurden der .Redaktor des Kölner, nationalsozialistischen „Westdeutschen Beobachter", Hu« bertv..^p,n«je;r ic baeji .,yom „üb^erbergischen Boten" ansteile einer Gefän'f niss|rafe. y qtt^nemrjjM&|^t|. pi. ie;,500rr Mar^k .Gel^trafe das Bett der Gegenwart und Zukunft!!! Schlaff auteuils, mit eyiem Grifi alä ßetf verivendbar, Direkt beim Erzeuger Josef Röblitz VlVSiebensierngasse Treffpunkt aller Zionisten II, Taborstr. 10 Monumentalstet Kaffeehaus Wiens i verurteilt Die beiden Redaikteare hatten in den gerrannten Blättern einen Kindesmord in Bayern als einen R itual m o r d hingestellt. Ausländische Rabbiner in Italien nicht mehr zugelassen. Rom, 21. Februar (J. T. A.). Der italienische Mi* nisterrat hat die Verordnung . betreffend Inkraftsetzung des Gesetzes vom 24. Juni 1929 Uber die Zulassung der nicht alkoholischen Kulte in Italien bestätigt. Das Gesetz enthält Bestimmungen über Legalisierung der jüdischen und der protestantischen Gemein* den als. moralischen Körperschaften und deren Ueber». wachung seitens, des. Staates: Besondere Verfügungen re«; geln das Verfahren über Anstellung von Geistlichen (Rah* binern, Pastoren usw.). Darin heißt es, daß jüdische Geist* liehe, die die Eheschließungszeremonie leiten und jene, die ihr Amt besonders unter Italienern ausüben, italienische Staatsbürger sein müssen. Faktisch bedeutet dies, daß kein Nichtitaliencr ein Rabbineramt in, Italien wird ausüben dürfen. Be>' protestantischen Pristöten wird" der Nachweis italieni* scher Staatszugehörigkeit, nicht erforderlich sein, da diese ihr Amt hauptsächlich unter Nichtitalienern aus« üben. Weitere Verfügungen des Kultgesetzes regeln die italienische Erziehung der Kinder und die Modalitäten der Eheschließung' bei Juden. Bekanntlich herrscht unter der italienischen Juden? Schaft starke Unzufriedenheit über gewisse Bestimmungen dieses Gesetzes, besonders über diejenigen Bestimmungen, die die Eheschließung, Ehesc heidung und die Erziehung regeln. Indes glaubt man, daß die neue Form ' der Örgahisatibri;de'r >' ' jüdischen Gemeinde ■ det* Assimilation in Zukunft einen Damm entgegen« .galten•■wird.'. .;' v\;'fc 'i-l ". .-''.V; ' -t'.;i!.>•• 0er i^itv^l^ Sribbat* vnft clifeÄ Vq^erbniiil aji. -7*. QegeV die Kajehderref orni. Berlin, 20. Februar. Der deutsche Landesverband, im WeJtverband -• für;. Sabbatschutz. „Schomre Schabbos::'' leitete 'seine ^erbeäfction für den im Sommer d. J. in ^ter;lin geplanten Weltkongreß miteiner,Ma,ssenk'ünd* g'e b u n g ein. Etwa' 2MT Personen * füllten Parkett, Ga* lerien und Gänge des „Bachsäales". Führende Persönlich* Die jüdische Abstammung der Habsburger. Geldwechsler, Konsuln, Kardinäle, Papst, Königin: In der letzten Nummer der „Neuen Welt" wurde unter dem Titel „Präsident Masaryk über die jü* d:i sehe Abstammung der Habs bürge r" eine inter« essante Aeußerung Masaryks verzeichnet. Bei Behandlung des Rassenproblems erzählte Masaryk in einem Kreise von Schriftstellern, daß seinerzeit das Österreichische Kaiserhaus den größten Teil einer Auflage von Meyers Konversationslexikon habe aufkaufen und ver* n i c h t e n lassen, weil darin die Bemerkung enthalten war, daß die Habsburger jüdischer Herkunft seien. Masaryk selbst erklärte, er habe dieses Lexikon nicht gesehen und wisse daher nicht, ob die von ihm wiedergegebene Version richtig sei. * Zu dieser Bemerkung schreibt uns ein Leser: „An die Redaktion „Die Neue Welt", Wien. Mit Bezug auf die in der letzten Nummer enthaltene Nach* rieht: „Präsident Masaryk über die jüdische Abstam» murig der Habsbug er" teile ich Ihnen mit, daß es in Meyers Konversationslexikon, vierte Auflage, im sie» benten Bande, 1887 erschienen, im Artikel „Habsburg", Seite 987, linke Spalte, 8. Zeile von oben, wörtlich heißt; „Spätere Geschichtschreiber des Hauses leiteten im 13. und 14, Jahrhundert die Abstammung der Habsburger von der römischen Familie der Pierleoni her, aus welcher im 12. Jahrhundert auch ein Papst, A n a c 1 e t iL, stammte. An diese Abstammung reihte sich alsbald der Versuch, die Ahnenreihe der Habsburger bis zu den alt» römischen Aniciern oder, wie andere wollten, zu den Sciptonen hinaufzuleiten, während in Wahrheit die römischen Pierleoni jüdischer Herkunft waren." Das Lexikon ist in meinem Besitze seit Er* scheinen in den Achtziger jähren des vorigen Jahrhunderts. Gewisse jüdische Anzeichen sind mir vor mehr als 30 Jahren bei Gesprächen mit dem Kronprinzen R u* dolf aufgefallen, abgesehen von den Lippen. Hoch* achtungsvoll Ingenieur Dr. J. Tob eil." Ueber die Geschichte des Gefchltchtes pi#r, 1 e o n i wäre" folgendes zu berichten: t>ie Juden lebten seit den Zeiten des Pompe jus in Rom, im Stadtviertel Trastevere, äußerlich, in den.;elendsten Verhältnissen. Aber im 8. und 9. Jahrhunderte gelang es ihnen, zu einer gewissen Macht im gelangen. Die besten Aerzte und reichsten Geldwechsler Roms waren Juden. Unter Pnpst Leo IX. war ein Jude erstet Finanzberater und Gläubiger des Vatikans. Ueber Drängen seines päpstlichen ,Be« Schützers trat der ehrgeizige Mann zum Christentum über und erhielt den Namen Benedict u s Christi» a n u s. Sein Sohn wurde vom Papst selbst getauft und erhielt den Namen seines Taufpaten Leo. Leos Töchter heirateten bereits in die,: höchsten Adelsge« schlechter Roms hinein:^ Leo, der als fanatischer Renegat geschildert wird, spielte in der päpstlichen Politik eine hervorragende Rolle. Er schlug'sich auf Seite der herrschsüchtigen R e form p ü p s t e. Er hatte eine stolze Burg am Marcellus»Theater. Sein Sohn Petrus Leonis, auch P i e r 1 e o n i: genannt (welcher Name dann dem Geschlechte blieb), wurde, Beherrscher der bei der Burg liegenden Tiberinsel und war Kommandant der päpstlichen Festung, der Ehgelsburg. In den folgenden unruhigen Zeiten war jetzt der Judenstämmling Be». Schützer des Papstes Urban II. Er erhielt den stolzen Titel „Konsul der Römer". In Rom waren zwei Parteien, welche die Stadt beherrschten. Die Partei des Kaisers, an deren Spitze die Frangipani standen, und die Partei des Papstes, vqn Pierleoni geführt. Pier» leoni starb in höchsten Ehren am 2. Juni 1128. Sein Marmorsarg ist erhalten rund steht im Klosterhof zu St. Paul in Rom. Seinen Sohn Petrus ließ er geistliche Studien in Paris absolvieren und ins Kloster C1 u n y eintreten. Unter dem Papste Calixtus wurde er Kardinalpriester von St Maria in Travestere, der Heimatstadt seiner jüdischen A h n e n. Er schloß Freund« schaft mit König Roger von Sizilien. Als im Jahre 1130 der päpstliche Stuhl frei wurde, wählte der dem Kaiser feindlich gesinnte Teil der Kardinäle den Petrus Pierleoni zum Papst. Der Judenenkcl auf dem Papststuhle erhielt den Namen A n a c 1 e t II. Die Gegenpartei wählte den kaiserfreundlichen Kardinal Gregor von St. A n g o 1 o unter dem Namen Innoce.nz IL zum Gegenpapst. Jetzt begann ein wütender Kampf, denn Horn hielt treu zUm Pierleoni. Im Jahre 1138 starb A n a c I e t»P i e r* leoni und das Feld war für den Kaiser und Innocenz frei.; Innocenz versöhnte sich dann mit dem Geschlechte Pierleoni und seine Mitglieder wurden wieder höchste Würdenträger am päpstlichen Hofe. Das ist die Geschichte des Judengeschlechtes, das mit den Habsburgern.. in Verbindung gebracht wird. In seiner herrlichen „Geschichte der Stadt R o m" schreibt Ferdinand Greg oro vi us: „St. Paul war die Grabstelle Pierleonis, dessen Sarginschrift ihn, echt jüdisch, als .einen durch Reichtum und Kinder unermeßlichen Mann ohnegleichen' preist. Er hinterließ viele Nachkommen, und so fabelhaft war deren Glück, daß einer seiner Söhne Papst, ein anderer Patricias der Römer, eine Tochter, so sagt man, Gemahlin des Königs Roger von Sizilien wurde. Später fabelte man, daß sowohl die Frangipani als auch die P i e r 1 e o n i von den Aniciern abstammten, und man erzählte im fünfzehnten Jahrhundert, daß zwei Brüder eine Pierleoni Massimo, sogenannte Grafen vom Aventin, nach Deutschland gewandert seien, wo sie das Haus Habs bürg gründeten. Selbst die Kaiser von Oesterreich fühlten sich geehrt, Verwandte der Pierleoni.zu sein, bis sie entdeckten, daß sie in diesem Falle ihre Ahnen im Ghetto Roms zu suchen hätten. Der Jude Heine — der erste Europäer. Van Edouard Herriot.; Der gewesene iraiizösisolr* Mlnisterpräsiden't und Föhrer der Radikalso^iallsiten Edouard Herr iot veröffentlicht Im demokratischen Organ „L e P e t i t P r o v e n c a 1" unter dem Titel „Uri Europeen" einen Leitartikel, der Heinrich Heine gewidmet ist. Herriots umfassende Geistigkeit sichert semer Stellungnahme zur deufcsoh-franzö&lscheuAnu&iieruTK das ihr gebührende Interesse. Ich höre, daß die Stadt Düsse-Morl beabslohtbjt, Heiuricb Heine ein DenijijnM zu errichten, und steh an die Demokraten .alte* Linder »weöks. Aufbringung der Mitte! wendet. loh, möchte einer der ersten »ein, der darauf

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