Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 128 (28.2.1930)
- Date
- 1930-02-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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rSeffeS DIE NEUE WELT Nr. m •laihschbins nro PFLANZEN - Margarln* TT w?^! JEU rv^i^ Un.rrtleht in Qnalltit «ad f»rtit t Erwgt unter itrwg rituellerAufsicht Stlner Eh rwttrdtn des Herrn Oberrabblnert S. Pflf«t tta* Hl ktiM* IBdlttllMi H«iMli«lt toMtn HCB 1*3 Ueberau trhiltlieh KARL BLAIMSCHEINS Vereinigte Margarine- und Btttterfabriketi, Wien, XIV, Diefenbachgass« 59 Macht, weder die weltliche noch die kirchliche, das Recht habe, sich in die inneren Angelegenheiten Rußlands einzumischen. Heute aber «eigen uns diese rechten und linken Mächte ein anderes Gesicht. Beide haben ihre alten Grundsätze vergessen. Die Rechten sind empört und erheben ihre Stimme für Mensch* lichkeit und Kultur. Der Vatikan erläßt einen Aufruf und fordert dringend von allen, denen die Gewissensfreiheit am Herzen liegt, den schärfsten Kampf gegen die sowjehmionistischen Religionsveriolger, ohne daran zu denken,'daß ihn die religiösen und nationalen Verfolgungen in der zaristischen Epoche (allerdings ausschließlich - gegen die Juden gerichtet) kühl bis ans Herz gelassen haben und daßder Sieges weg des Papsttums mit den feierlichsten Autodafes gepflastert war., Die Metropoliten von Belgrad und Sofia predigen Proteste und kündigen neue Kreuzzüge an. Und die weißgardistischen Reste des Dehikin, Petljura und Wrangel, denen Judenmorde eine leckere Zugabe zum Gabelfrühstück waren, verlangen für jede gesperrte Kirche Genugtuung ~ im .Namen der Menschlichkeit! Anders steht es um die' Sozialisten. „Eine Linksregierüng in Frankreich, die Regierung der Arbeiterpartei in England, die Koalitionsregierung unter sozialdemokratischer Führung in Deutschland — in allen drei großen Ländern Europas" stehen die Regierungen jetzt unter der Kontrolle des Sozialismus", triumphiert die Wiener ,jArbeiter»•2eitung,*,. Man -würde-'.erwarten, daß sich die Führer des Sozialismus ihrer einstigen Einifte 1 tu tt g zür Unterdrückung' der Freiheit besin- B'enf JUta. ffp:iwj.tfa,n|et^^mjutejt dies %klärungdec;engl^cnen^Re,gi^ ^ozialisliscTieff fränÄ Verfolgungen in Rußland an. An. Verfolgungeii hat es. aüch früher niemals in Rußland gefehlt,' erklärt Mac Donald, der Führer der englischen' Sozial isfen, die einst^deivZiö^^ wt>JItei£ He.yje aber, erklärt äie en%lis6he Arbefterp'arteir durch den Mund . ihres Führers^ müsse das Prinzip der Ni.chteinmischun.g in die Angelegen h e i t e n ä nie v e r' li'ä n d elr 'a n erster Stelle stehen!! Was in Rußland ge? schient, geht uns nichts an, das ist Mac Donalds Parole. Das verlangt die Courtöisie der diplomatischen/(pepflogenbeit, wenn ,.auch auf dem Pro* gfamm der Internationale die Beseitignng des alten diplomatischen Formelkrams .steht. . ■'',,'.> Wie immer man die Situation beurteilen mag, eines'.« ist gewiß: daß die Juden das Opfer von Ein-: mischung und Nichteinmischung sind. Als sie im zaristischen Rußland gepeinigt, wurden, schwiegen die Konservativen und erschöpften sich, die Soziali-, sten in jeeren Protesten.. Heute, da jede jjidische Regung als konterrevolutionär gilt und in den Kerker.oder in die sibirischen Sümpfe führt, kümmern sich die Konservativen: um die $Circhen und KÖRPERLICHE UND GEISTIGE FRISCHE sind die kostbarsten Güter des Lebens in der Jugend wie insbesondere im Alter Gewähren und mehren Sie diese Schätze durch ständige sorgsame Pflege Ihres Körpers. Das beste Mittel für alle Zwecke der Körperpflege' — Einreibungen Packungen (Umschläge), Mundwasser usw. — ist legen sich die Sozialsten äu{ das Prinzip der Nichteinmischung-fe^i ' ., - Drei MrHionen Juden stehen unter der Knute der Entnationalisierung. Ihr Recht, als Jtiden zu leben, xrttd Um Verbjfechen gestempelt, Und während diese« Judentum, einst die Quelle einet reichen Kultur, der Vernichtung preisgegeben ist, hallen ringsum die Phrasen von Einmischung und Nichteinmischung ins Leere . * . <'/\ y Ein Brief Philipp Halsmanns. Die christlichen Freunde. — Ungebrochener WWft;' Ein versöhnender, 'Schdher Zug in dor Affäre rtälsmann ist :s$ä, tätige Anteilnahme vieler christlicher Freunde an dem Schicksal des jüdischdliStudenten aus Riga. Ein Freund Halsmanns hat einen Brief aus dem Gefängnisse erhalten, welcher diesen nichtjüdischen Freunden gewidmet ist Wir bringen diesen Brief um so lieber, als ungebtochaner Lebensmut und e^le. mannhafte Gesinnung eines vom größten Unglück betroffenen Menschen hier sprechen. „Innsbruck., am 10. Dezember 1929. Sehr geehrter Herr.....Gestern erhielt ich Ihren so unendlich freundlichen Brief vom 5. d; M., und ich kann Ihnen nicht sagen, wie sehr er mich bewegte und wie dank« bar ich Ihnen für ihn bin. Aber nicht nur ihm gilt mein Dank, sondern auch allem, was Sie inzwischen für mich getan haben, insbesondere Ihrem Artikel im . .Was mich am meisten an ihm freut, "War 'seine EinsteMuhg .und' - Tendenz* Denn' es wäre nicht nur unrichtig, sondern auch ungerecht, die Dinge so darzustellen, als ob nur Juden und keine Christen zu mir halten». Abgesehen von den von IhnCn schon erwähnten Professoren (zu ihnen gehörte auch Prof. Linke), traten aufler den von Ihnen schon genannten Dr. Kamm und Samstag» dun t. Müri 1930, 8 Uhr abends BALL Hecli* der : Vereinigung JUd. Hörer an der schule lür Welthandel den Sälen des Handelsmuseums IX., Berggasse 16 in FRANZBRANNTWEIN sali Menthol Achten Sie genau auf die Marke „Diana". — Weisen Sie alle Nachahmungen energisch zurück. — Ein Versuch überzeugt. UBERALL ERHÄLTLICHI Dr. G e i) e n k i r c h e n, die übrigens noch jetzt in lebhafter persönlicher Korrösponden^ mit meiner Mutter bezw. mir stehen, für miqh noch folgende christliche Zeugen vor dem Gericht, ein.:; . •. ., ' cand. ing. Aldo G r a u a, Katholik. Er ist mein Studienkollege '.'und einer meiner besteh Freunde. Vor einigen Jahren verlebte ich meine Sbmmcfferien als Gast bei seiner Familie 'in' Turin. Noch im Gefängnis erhalte ich oft 'Briefe seiner Mutter und Schwester und sogar seiner Onkel und Tanten. ' ' ' ■ Oberlehrer ' Ärvid S c h ii l1 z, evangelisch. . Herr Schultz war nicht nur. langjähriger Ordinarius meiner Klasse, sondern er besuchte mich, ebenso wie ich ihn, oftmals iu meinem, Hause und stand auch nach dem Abitürium in reger Verbindung mit meiner Familie und mir. Herr Karl :S c h u b i t, Großkaufmanu, evangelisch. Herr ■ Sehubit -ist seit viejeji jati^eij , unser vW'phttuugsnachb&r und einer der besten 'persönlichen , Fi;eunde meines armen Vaters. \ Frau Elisabeth Reichel, evangelisch, meine langjährige: Dresdner Zimmerwirtin. } <: Frau Elfriede Wecker, evangelisch, eine Schwei: zerin aus Genf, v Frau Emma Tiemann, evangelisch, unser Dienstmädchen, das, seit meinem, 12. Lebensjahr in unserer Familie ist und von uns fast wie ein Mitglied derselben angesehen wird. Außer diesen vor Gericht vernommenen Zeugen, setzte, sich für mich in der unerhörtesten Weise durch, Briefe und Telegramme der. österreichische Generalkonsul in Riga, Herr Dipl. Ing. Sk reiner, ein Patient und persönlicher Bekannte!? meines Vaters und eine der angesehensten Persönlichkeiten Rigas ein. Ich hatte eine größe Anzahl nicht jüdischer Freunde und Kameraden. Ebenso wie die jüdischen hat niemand Von ihnen mich verlassen. Meine Klassenkameraden und Studienkollegen, im ganzen über 100 Personen (davon der größte Teil Isichtjuden), protestierten schriftlich gegen meine Verurteilung und boten sich als Leumundszeugen für mich an. Ebenfalls setzte sich für mich ein das Präsidium des ausländischen Studentenverb a n d e s in Dresden, obgleich ich das einzige damals dem Präsidium, angehörende jüdische Mitglied war. Nach der letzten 'Verurteilung erhielt ich eine Menge Briefe und Büchergeschenke von ganz Fremden, aus ollen Eoken Europas, von Juden und Christen, •, Schließlich, um die Einstellung eines großen und '•w|!eäqli^|aube*:^d-.boff6; de? größten Teiles der Christen «a chf lakjter^sieren, njöchte^eh h(nzujftijgen, daß ich hier — obgleich ich Jude und Obgleich ich wegen des abscheulichsten und" entsetzlichsten Verbrechens, das es gibt' verurteilt worden bin *- im Gefängnis von allen Beamten ohne Ausnahrae in einer geradezu ausnehmend freundlichen und höflicheu Art behandelt werde 'und dal|*der Geiänguisoberdirektor Herr Glier (ein der HfumatbewetfUJig njshestehender Herr) in geradezu |iiiimiiiiiiiinif ACHTUN Q! iimiittifiiiiüiii •""'"Ii" "* III Aroma und Odichmack vorzüglich | .<■% haltet' I 1 Kliffe, enthflflffrt 80. 60 7S oder M _ t)0 atODk etatt s 98.- nur s Isfi-"" s fltf 80. 60. 78 oder an etatt s 98. - nur s 1 Klttt, •»tWItaftd 100, lao, 180 odar 4« mmmm 3 im atöok atatt i aar s a S Orlalnaleakai, enthaltand 18 t8, SS S oder a8 StU-k »ta« S 7.40 nur * 6.80 _ S Bestellungen auch nach Hause in Originalpackung zustellbar S | Samuel Halpern i I Wian, II., Pdralarflaaaa 6 // Tel.-Nr. R-40-4-12 | SiiiiiiiuiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiuiiuiiiiiimtiikitiiitntiiiiiiiiiiiii^ rührend liebenswürdiger Weise versucht, mir, soweit es möglich ist, entgegenzukommen und mein Los zu erleichtern. Sie werden nun, sehr geehrter Herr....., verstehen können, warum ich gerade Ihren Artikel so begrüßenswert und erfreulich finden mußte. Herr Dr. P e ß 1 e r erzählte mir,* Sie hätten ihm geschrieben, daß Ihnen die. Sache so nahegeht, daß Sie Ihre Kur deswegen unterbrophen. haben. Da ich bei Ihnen weiß, daß es keine fhrasen sind, stimmte mieb das außerordentlich traurig.. Denn ich leide sehr unter dem Gedanken, daß ..auch ändere, vor allem natürlich meine Mutter, die ic,h sehr liebe, an meinem Unglück so schwer zu tragen1 haben".^ Ich möchte daher Ihnen. sehr verehrter Herr....., sagen, daß sie sich vielleicht meine Lage viel sdilimmer vorstellen, als sie ist. Ich bekomme aber viele Briefe, ich lese sehr viel und versuche, so gut es geht, mich gewissermaßen hinter der Lektüre vor der Wirklichkeit zu verschanzen. Meine beiden Verteidiger besuchen mich sehr oft und bleiben sehr lange bei mir. Ich habe an ihnen zwei wirkliche Freunde [-efunden. Und das Urteil lastet auch nicht so schwer wie früher auf mir, weil ich mich zur Ueberzeugung durchgerungen habe, daß es meine wirkliche Ehre gar nicht tangieren kann. Ich bitte Sie also, sehr verehrter Herr ..... ., um mich nicht besorgt zu sein. Ich will nun meinen Brief schließen. Sie haben schon sehr viel für mich getan, sehr verehrter Herr .'.. und das macht mich Ihnen gegenüber unendlich dankbar und zugleich sehr traurig. Denn das Bewußtsein., daß Sie auch weiter mir helfen können, nimmt mir die Möglichkeit, Ihnen zu sagen, was ich für Sie fühle. Und das geht mir näher, als Sie es vielleicht ahnen. In g&m unendlicher Hochachtung und tiefster Dankbarkeit blnich Ihr Philipp Halsmann." . General Sm^ts* der Judentreund Gegen' die Barbarei der Judensperre in Südafrika. Die Juden, neben den Farbigen, als ..fünftes*- Problem,' — Die Barbarei siegt. Der ehemalige Premierminister von Südafrika; Geiieral Srauts, verdient es, neben Balfour, Wed-; gewood, Cecil als der beste aller jetzt lebenden nichtjüdisdien Freunde unseres Volkes bezeichnet zu werden. Der Mann, der. vor wenigen Wochen in London die britische Regierung. 911 die Erfüllung ihrer E h r e npflicht gegenüber, clem jüdisdien Volke mahnte, bat kurz nach Betreten seines Heimatsbodens Gelegenheit genommen, auch dort in flammenden Worten Gerechtigkeit für die Juden zu fordern. In seiner Abwesenheit hat das südafrikanische Parlament ein barbarisches Gesetz gesdiaffen, welches den Juden den Eintritt in das Land verbietet. General Sinuts hat seine erste Rede im Parlamente diesem Gegenstand gewidmet und Wiedergutmachung des Unredites gefordert. . Kapstadt, 20. Februar. (J. T. A.) Wenige Stunden nach seiner Rückkehr, von einer Reise durch England, Kanada und die Vereinigten Staaten erschien General S m u t s, Führer der Südafrikanischen Partei und ehemaliger Regierungsdief der Südafrikanischen Union, im Parlament, um sich in einer großangelegten Rede für die Ablehnung der von der Regier ung'eingebrachten Bill bet r ef f end die Einschränkung' beziehungsweise Unterbindung der Einwanderung aus den osteuropäischen Ländern, dem jüdischen Auswanderungsreservoir, einzusetzen. Wenn Teile der von ihm geführten Südafrikanischen Partei für die Bill in der zweiten Lesung stimmten, so bedeutete dies nicht mehr als einen Meinungsausdruck, daß ein gewisse Form der Einwanderungsbeschränkung notwendig ist; er mißbilligte aber ausdrücklich die in der Bill indirekt zum Ausdruck kommende Voreingenommenheit gegen einen bestimmten Bevölkerungsteil. Die Juden mögen unpopulär sein, fuhr General Smuts fort, aber sie sind ein Teil unseres Volkes und sie haben in der Vergangenheit ihre Pflicht, vielleicht mehr als ihre Pflicht, getan. Sollte die Bill endgültig angenommen werden, so werde in diesem Lande kein Platz mehr sein für Männer wie Sammy Marks (der verstorbene Senator Samuel Marks hat ^usjammen 4mit Isaac. Lewis die große Lewis and Marks land and mining group begründet, in der Zeit des Burenkrieges war er Präsident Krüger eine große Stütze)• und vieleandere jüdisdie Mäuner, die dieses Land mit auf bauen half en. Es steht