Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 128 (28.2.1930)
- Date
- 1930-02-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljahrig Zloty 6.—, Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. REVU E BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1— viertelfahrig - Mark 3.—, Bulgarien monatlieh Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20 Italienmonatlich Lire 5.—, vierteljahrig Lire 14.— Schweis und die übrigen Lander monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, lX.9 Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2>82 — Erscheint ieden Freitag )ahr%an$ 4 Freitag* den 28. Februar 1930 Nr, 128 Theodor Herzl und die Beduinen. Die Bedainen wollten ein Bündnis mit den Jaden gegen die Türkei. — Die Jnc|en sollen Gewehre and Kanonen liefern, die Beduinen geben Land. — Ein Brief Herzl's. — DerI König der Juden. Soeben sind in hebräischer Sprache die Memoiren des Herrn S. D. Le,vontin, Be Gründers der Kolonie Rischoti le .Zion und Begründers und Leiters der Angfo-Patestine Bank (A. P. C.) erschienen. Levontin, einer der nächsten Mitarbeiter Theodor Herzls, schreibt im Band II, Kap. 15: Im Sommer 1903 meldeten sich bei Dr. Isaak Levy, Direktor der A. P. C. in Jerusalem, zwei Beduinen-Scheichs, welche einem Stamme vorstanden, der sein Lager nicht weit von der palästinensisch-ägyptischen Grenze hatte, und schlugen ihm vor, daß die Zion ist en sich in ihrer Mitte ansiedeln mögen. Dr. Levy berichtete in einem Briefe an Doktor Herzl, daß an der Grenze im Süden und, in Ostjordanien sich selbständige Beduinenstämme befinden, welche sich nur in geringem Maße das türkische Joch gefallen lassen. Sie lassen sich in ihre Verwaltungsangelegenheiten nichts dreinreden und sind voHständig autonom. Die Hoheit der Türkei er^ kennen sie nur in der Weise an, daß sie eine ganz geringfügige Steuer zahlen. Das Land ist ziemlich fruchtbar, das Klima ist gut. Einige dieser Stämme, führen sogar ihre Abstammung a uf dto Juden zurück urtd nennensicli"BffiHHterae'Ir Die, Vorsteher dieser Beduinenstämme schlugen dem. Dr. Levy vor, für einen geringfügigen Preis Boden den Juden abzutreten und sie zu beschützen. Einen Kataster der türkischen Regierung (Tabu) gibt es dort nicht. Die Scheichs verabfolgen nur Verkaufsscheine, welche sich auf das „Ersitzurigsrecht" gründeten. In einer kurzen Zeit wäre man in der Lage, eine , große Anzahl von Juden in'der Landwirtschaft, dem Handel und dem Gewerbe anzusiedeln. Die Scheichs sagten, daß sie wohl den Namen des Doktor Herzl gehört haben und nannten Dr. Herzl M a 1 Je - e 1 - J a h u e 1 (König der Juden). Diese Scheichs seien begierig, mit dem König der Juden einen . F r e u n d s c h a f t s b u n d zu beider Vorteil zu schließen., Sie wären auch bereit, sich mit den Juden, zu vereinigen und das Land vom türkischen, Joch zu befreien unter der Bedingung, daß die Juden ihnen Gewehre und Kanonen verschaffen.. Sie haben dem Dr. Levy die Anzahl der Kriegsfähigen und Kriegsgeübten angegeben, welche sie unter, das Kommando der Juden stellen wollen. , Den Juden wären sie bereit, nach erfolgter Vertreibung der Türken denjenigen Teil des Landes abzutreten, der unter dem Namen E r e z Israel bekannt, ist, und von dem sie gehört haben, daß dort vor 2000 Jahren die Judengewohnt haben. Es scheint, daß zu jener Zeit die Beduinen sehr gegen die' türkische Regierung erbittert waren, und aus diesem'Grunde suchten sie den Juden, ihre Dienste, anzubieten. Dr. Levy hat sofort von diesen Angeboten Dr. Herzl Mitteilung gemacht. Herzl hat sich sehr ernst mit der Angelegenheit befaßt, Herzl hatte nur ein Ziel vor Augen gehabt und dieses Ziel wollte er auf jedem Wege und mit allen erdenklichen Mitteln erreichen. In Verfolg dieses Briefes, den Dr. Levy an ihn gerichtet hatte, schrieb mir Dr.. Herzl folgenden Brief: „Mein lieber Levontin! Ich bitte, sehr behutsam und klug ausfindig machen zu wollen, wer der Scheich Sabin ibn Rabia aus Amsulam ist. Er soll Abkömmling des Stammes Tanaka sein, an der Grenze zwischen Aegypten und Palästina. Ich bitte Sie, Herrn Dr. Levy, davon keine Mitteilung zu machen. Führen Sie die Ausforschung derart, daß keiner verstehen soll, daß die Angelegenheit von mir oder von Ihnen betrieben wird. Den Bescheid erbitte ich umgehend, wenn möglich mit dem ersten Postdampfer. Mit herzliöhen Grüßen Benjamin. P. S. Ich bitte auclr Herrn Dr. J o f f e z-u umgehen. Auch Ihr Mittelsmann soll sich weder an Dr. Joffe, noch an Dr. Levy wenden. Lassen Sie die Ermittlungen anstellen durch solche Mittelsmänner, welche mit den beiden oben genannten Herren über diese Angelegenheit nicht sprechen werden. Ich vertraue Ihnen eine sehr delikate Angelegenheit. an, über welche ich von Ihnen einen sehr genau e n ifh d verantwortlichen Bescheid erwarte. Denn sonst kamt, aus dieser •Angelegenheit etwas se'hr'Unangcnehtne s herauskommen. .. . . - : i , :/ tf." .; Ich antwortet^ Herzl, daß man wohl mit diesen' Beduinen Iii VerhandltttgetV eintreten"' kann und Vonihnen große Flächen im ßüden Palästinas , und , in Ostjdrdanieh erweriben1kann. Aber ich glaubte nicht an die Möglichkeit, mit ihnen in ein Bündnis und in einen offenen Aufstand eintreten zu können. Diese meine Meinung habe ich Herzl damals m i t g e t e i 11. Forderung nach einem jüdischen Kader in der Palästina-Polizei. Jerusalem, 23. Februar. (J. T. A.) Wie die J. T. A. erfährt, haben die autoritativen jüdischen Stellen Palä» stinas beschlossen, dem Reorganisator der palästinensi« sehen Polizei, Dowbiggin, die Forderung zu unter* breiten, daß Juden künftighin 3 0 Prozent der palä» s t i n e n s i s c h e n P olizeimacht bilden und daß die jüdischen Polizisten zu einem besonderen Kader vereinigt werden sollen, der unter dem Befehl jüdischer Offiziere stehen und dessen Instrufe* tions« und Befehlssprache hebräisch sein soll. Wie die J. T. A. weiter erfährt, befinden sich unter den Rekruten der demnächst wieder zu eröffnenden Polizeiausbildungsschule keine Juden, dafür aber einige hundert junge Araber. Herr Victor Cohen, Repräsentant der PICA, schib derte bei einem Zusammentreffen mit Dowbiggin in Haifa die Sicherheitszustände in den PICA<Kolonien zu Galiläa als schlecht und ersuchte um Maßnahmen zur Besserung derselben. Der Bürgermeister von Tiberias, Boules, sagte Herrn Dowbiggin, daß die Sicherhett von Tiberias dadurch gefährdet sei, daß Banden aus Trans Jordanien, wo das W äffe »t r ag en er lau b t sei, fortwährend über die Grenze kommen-und die Gegend beunruhigen. Der „Haarez" schreibt, man könne sich nicht damit begnügen, daß eine richtige Proportion zwischen jüdischen und nichtjüdischen Mitgliedern in der Polizei» macht hergestellt wird, sondern man müsse verlangen, daß a 11 e jene verbrecherischen Elemente, die'der Ab» Schlachtung von 26 Juden in Jerusalem, 70 Juden in . Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch, ein beigefügtes E bezeichnet. Hebron und 20 Juden in Safed passiv zusahen, u n b a r m* herzig aus der Polizei entfernt werden. Laut „Jamea cl Arabia" hätten Notabein in Nablus Herrn Dowbiggin er» klärt, die Unsicherheit werde solange dauern, als England eine prozionistische Politik befolgt. Alle Todesurteile in Palästina in 15jährige Gefängnisstrafen umgewandelt? Jerusalem, 20. Februar. Die hebräische Tageszeitung „Haarez" will erfahren haben, daß das Kolonienministe* rium in London den Palästinagerichten vorgeschlagen hat, alte bisher im Zusammenhang mit den Geschehnissen im August und September 1929 ausgesprochenen Todesurteile' in eine 15jährige Gefängnisstrafe für jeden der Verurteil« ten umzuwandeln. „Nichteinmischung an erster Stelle" Mac Donald sagt es. Durch das „zivilisierte" Europa, durch die „gesittete" Welt hallt ein Ruf der. Empörung über die Religionsverfolgungen, die sich Sowjetrußland nach den Zeitungsmeldungen zuschulden kommen läßt. Wieweit diese Meldungen Tatsachen sind, läßt sich nicht konstatieren; jedenfalls haben sie eine alarmierende Wirkung gehabt. . ,Die russische Geschichte ist nicht. arm all Verfolgung, Unterdrückung, Zertretung der Menschenrechte und der Menschenwürde^ "nicht gerade unter dem Banner von Hammer Und Sichel: Die Zaren aller Reußen verstanden und duldeten die« ses Geschäft ebenso gut wie ihre bolschewikiscjieri Erben. Als jede Freiheitsregung im alten Bußland blutig unterdrückt wurde, Millionen Juden unter Ausnahmegesetze gestellt, in Ansiedlungsrayons gepreßt und, damit sie nicht übermütig werden, von Hooligans unter Vorantragung kirchlicher Fahnen gemordet, geschändet, beraubt und ihre Bethäuser verwüstet wurden — damals gab es ebenfalls Rufe der Empörung und das Kulturgewissen Europas regte sich und verlangte — Einmischung. Es waren die Vertreter der linken Gruppen und Mächte, es waren die Sozialisten aller Länder, welche von der Aechtung des zaristischen Rußland und seiner Machthaber sprachen und 4er europäischen Diplomatenclique die Schuld' daran gaben, daß „so etwas" möglich sei. Sie sprachen die Hoffnung aus, daß nach Beseitigung der Ge* heimdiplomatie, nach Niederringung der konservativen Bündnissysteme eine neue Welt errichtet werde, in der einzig und allein Moral, Gesittung und Menschenrecht zur Brücke des Verkehrs zwischen den Völkern dienen würde. So sprachen die sozialistischen Elemente der Welt und riefen zur Einmischung auf. Die konservativen Elemente aber, die kaiserlichen Regierungen, die reaktionären Gesellschaftsschichten, die Herren in der Engelsburg schwiegen. Was lag den gekrönten Häuptern, den großkapitalistischen Magnaten daran, daß ein paar tausend „Nihilisten" nach Sibirien verschickt, ein paar tausend Juden in Pogromen niedergemetzelt wurden, wenn man nur mit Väterchens Handlangern gewinnbringende Geschäfte machen konnte?' Und was kümmert all das den Papst im Vatikan, wenn mrr der Thron seines griechisch-orthodoxen Kollegen durch Mord, Raub und Gefängnis gefestigt wurde? Klipp und klar wurde damals seitens der Konservativen die These aufgestellt, daß keine Verband demokratischer Zlonlsten ^—mm^mmmmmmmm^l—mmmam-mmmm^m^mm—m^; ' ' VoranselaV Zur Aulführung anbei 4ß n Taga nga langt* CS am 15. und 16. März 1930 „Purim in Tel-Awlw1' Der große Andrang zu seinen Kinderfesten hat den Verband veranlaßt, das diesjährige Kinderfest an zwei Tagen mit gleichem Programme zu veranstalten. Vormerkungen für Karten bei Frau Uta Nabaniahl, III., Rasutnofskygaase 1, Telephon-Nummer U-12-2-16, und bei Prau. Paula Ifrlckar, II,' Pollandstraße 10. Telephon-Nummer R-45-H-89. ... ,;.;.;:,<,];,[]., j , f ' Kinderkarte S1.-, Karte für Erwachsene S 2. - » Die ZuteUung erfolgt in der Reihenfolg<der Vormerkung •MIMMMMMIIIHMIMIMMMMIMMMIM .......MIIIIIIMIIIMIH